Echoes ist der genialste Pink Floyd-Song
28.06.2001
Pro:
Echoes ist ein Meisterwerk, das seines Gleichen sucht
Kontra:
Song 2 - 5 sind durchschnittliche Pink - Floyd - Tracks
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 oliver88
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:31
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 25 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es gibt bekannte und sehr unbekannte Alben von Pink Floyd. Zu den bekannten zählen "The Wall", "Wish you were here", "The dark side of the moon" und "Division Bell". Zu den eher unbekannten Werken zählen nicht nur die Frühwerke. "Animals" von 1978, das sogar nach den beiden "Wish you were here" und "Dark Side" erschienen ist, zählt ebenso dazu wie "Obscured by clouds" und "Meddle". "Meddle" halte ich für ein grossartiges Album. Es stammt aus dem Jahr 1971 und beinhaltet folgende Songs:
1. One of these days 05:58 2. A pillow of winds 05:12 3. Fearless 06:08 4. San Tropez 03:43 5. Seamus 02:15 6. Echoes 23:32 Die Pink Floyd-Liebhaber werden sicherlich den ersten Song kennen. "One of these days" ist der starke Instrumentalsong, welcher auch 1994 bei der Division Bell-Tournee vielerorts gespielt wurde, jedoch auf "PULSE", dem dazugehörigen Live-Album nicht erschienen ist. Leider! Aber die beiden CD's waren schon randvoll, so dass man ein Dreier-CD-Set hätte vermarkten müssen. Das wäre teuer geworden und nur die echten Fans kaufen sich für 60 - 70 DM ein Dreier-Set.
Was dies angeht, ist Pink Floyd allerdings zu allen Schandtaten bereit. Es gab da beispielsweise mal ein Weihnachts-CD-Set mit neun CD's für 300,- DM. Es verkaufte sich natürlich schlecht. Denn es waren die besten Pink Floyd-Alben und fast jeder hat schon die ein oder andere Platte, so dass der Einzelkauf allemal billiger zu erstehen kommt. "One of these days", das ist ein klasse Stück. David Gilmour hat ja so eine Eigenkonstruktion präsentiert. Es war ein Instrument, welches mit Gitarrenseiten aufgezogen wurde, aber relativ gross und unhandlich war. Deshalb stellte Gilmour das Teil vor sich hin und setzte sich nieder und spielte wie ein Gott. Damit erreicht er insbesondere die Höhen noch um einiges besser. Es geht dann wirklich soweit, dass die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit ans Limit gerät. Sie kennen dieses Instrument vielleicht auch noch vom Ende bei "High Hopes". Da ertönen richtig hochfrequente E-Gitarrensounds. Grandios und einzigartig!
Dann folgen, um das mal ganz nüchtern zu schildern, vier eher durchschnittliche Songs, ehe das "Meisterwerk" (ein Wort, welches Marcel Reich-Ranicky nicht mehr hören kann und das zurecht, weil jeder Schund als Meisterwerk bezeichnet wird) ertönt. Ich meine damit "Echoes", wahrhaftig ein Meisterwerk sondergleichen. Es ist ein langes Stück, welches von Anfang bis Ende gut durchdacht wurde. Los geht's mit Knalleffekten, wie man es vom Film "Das Boot" kennt. Das waren diese Ultra-Schall-Horchgeräte, wenn ich mich recht entsinne. Eine dunkle Atmosphäre bestimmt das Klangbild, bevor Roger Waters mit seinem Gesang beginnt. Die Melodie, die dort vorkommt, wurde dann von Andrew Lloyd Webber kopiert, der sie in seinem Musical "Phantom der Oper" einsetzte. Seitdem hat Waters den Musical-Star gefressen wie zehn Pfund Schmierseife. "Es ist scheusslich, Webbers Musik anzuhören!", sagte Waters über Andrew. Ich fand Waters Reaktion etwas übertrieben und nicht verhältnismässig. Noch heute regt sich der geniale Ex-Bassist von Pink Floyd über Llyod-Webber tierisch auf: "Ich finde es immer noch schizophren, wenn ich diese Massen sehe, die Webber anzieht. Der hat, seit ich denken kann, nur Schund produziert." Harte Worte von Waters, die er schon über Webber losgelassen hat. Auch in seinem Meisterwerk "Amused to death" widmet Roger eine Zeile dem Stümper der Musical-Szene: "Llyod-Webbers awful stuff runs for years and years and years" (It's a miracle). Es hiess sogar mal, dass Waters ein eigenes Musical schreiben würde, um dem Webber mal zu zeigen, wie ein gutes Musical sein muss. Aber er war wohl selber nicht so ganz zufrieden damit. Dann folgen in "Echoes" ziemliche düstere, gruselige Stellen. Aber es hört sich grandios an. Und dann kommt wirklich der absolute Oberhammer!!! Roger legt los mit seiner Bassgitarre (ein fabelhafter Bass) und darauf folgt David Gilmour mit seiner E-Gitarre. Bei dieser Stelle kann man wirklich Gänsehaut bekommen. Das ist einfach unglaublich!! Das verstehe ich unter genialer Musik. Der ganze Song liesse sich in einem Schaubild zeichnen. Dieses Schaubild hätte in etwa denselben Charakter wie die Dramaturgie eines klassischen Dramas von Goethe oder Schiller: Erster Akt: Vorstellung, Einführung (entspricht dem düsteren Klangbild) Zweiter Akt: Kleine Steigerung, Vorstellung der Gegenparts (alternatives Klangszenario zum Düsteren) Dritter Akt: Hinführung zum Höhepunkt und Höhepunkt (Die besagte geniale Stelle) Vierter Akt: Spannungsabbau (entspricht musikalisch wieder dem Inhalt des zweiten Aktes) Fünfter Akt: Finale, Schluss (Das Lied findet einen sehr gelungenen Ausgang, etwa zwei Minuten lang)
Wenn ich "Echoes" höre, dann denke ich immer an ein grossartig inszeniertes Drama. Vom Klangbild her ist dieses Drama wohl eher eine Tragödie. Die Tragödien sind es aber auch bei Goethe und Schiller, die uns eine bleibende Erinnerung beschert haben. Die Komödien vergisst man meistens bald wieder. "Echoes" vergisst man nicht mehr, wenn man es drei-, viermal gehört hat auf einer guten Stereoanlage oder am besten auf einem guten Kopfhörer. (laut hören!) Wie Sie sehen, erklärt meine Ausführung zu Echoes schon, weshalb diese geniale Nummer nie in den Charts gewesen war. Es ist erstens mit 23 Minuten vollkommen radio-untauglich und zweitens ist es kein blöder Sing-Sang, der einem nach fünf Minuten schon so auf die Nerven geht, dass man es gar nicht mehr länger ertragen kann. Deshalb erfüllt es die "Hit"-Kriterien nicht. Es ist kein Lied für zwischendurch zum Mitpfeifen auf der Baustelle, sondern ein ernstes Lied, welches ein gewisses Niveau aufweist, was allerdings nicht heissen soll, dass nur die oberen Zehntausend mit dem höchsten Intelligenzquotienten etwas damit anfangen können. Es ist nicht wie eine Oper. Aber man muss mit einer gewissen Ernsthaftigkeit an das Lied rangehen und nicht im Hintergrund laufen lassen. "Richtig zuhören!" trifft hier wirklich zu.
Fazit: Meddle besticht durch "One of these days" und durch "Echoes". Die beiden Songs machen ja schon fast zwei Drittel des Albums aus. Kaufen !!!
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23.05.2002 12:48
One of these days ist doch auf der Pulse drauf ;-), aber nur auf der LP-Version (4-LP Box). Viele Grüße Peter.
11.11.2001 01:03
Ich ahbe darüber nachgedacht, einen Artikel über "Meddle" zu schreiben, aber Deiner ist genial! Darum verzichte ich auf mein Vorhaben. Glückauf! Klaus
09.07.2001 21:07
Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich von dieser Pink Floyd-CD noch nie was gehört habe. Kenne aber auch nur die 3 bekanntesten, die Du in Deinem Bericht erwähnt hast. Werde dann mal morgen im Media Markt nach dieser CD suchen und auf alle Fälle mal reinhören, sofern sie die dahaben! Viele Grüße vom Bienitz