Erfahrungsbericht über

Memorial Beach - A-ha

Gesamtbewertung (3): Gesamtbewertung Memorial Beach - A-ha

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Fünftes Türchen: Memorial Beach

5  05.12.2005

Pro:
Strange

Kontra:
Strange

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Wysiwyg

Über sich: Löwinnen an die Leine!

Mitglied seit:25.03.2002

Erfahrungsberichte:139

Vertrauende:25

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Huschendes Schlagzeug aus dieser Dunkelheit, dann aufgelöste Akkordfolgen, die sich um eine imaginäre Mitte drehen, dazwischen der Drehorgelklang eines Glockenspiels, und dahinter diese behaglich glühende Dunkelheit. Wenn Morten zu singen anfängt, weißt du noch nicht, daß er eine der wenigen wirklich genialen Zeilen der Popmusik singen wird

It's time we said goodbye
Time now to decide
O don't you feel so small
Dark is the night for all

singt er, aber die letzte Zeile ist es, die uns so verzaubert. Sie ist nämlich eine Silbe zu lang. Zeile eins hat sechs Silben, Zeile zwei hat fünf, Zeile drei wieder sechs. Zeile vier hat noch einmal sechs.

It's time we moved out West
This time will be the best
And when the evenings fall
Dark is the night for all

Jetzt stimmts. Jetzt hat auch die zweite Zeile sechs Silben. Oder vielmehr, jetzt wirkt auch sie eine Spur zu lang. Und wenn wir noch einmal hinhören, merken wir, daß die Jungs schummeln. Sie singen das "this" nicht wirklich. Morten singt ohnehin nicht immer, was da steht. Ach ja. Aber wir spüren auf einmal, daß die letzte Zeile schon viel früher zu Ende ist. Eigentlich heißt sie nur

Dark ist he night

Ende der Geschichte. Dark ist he night, singt Morten in die Dunkelheit hinaus oder aus der Dunkelheit hinaus (du kannst ihn dir vorstellen, wie er da allein auf der Bühne steht, in einem flackernden Kreis aus Licht, inmitten einer schimmernden Pfütze aus Licht, inmitten der unermeßlichen Dunkelheit, in der du hockst, in der ich kauere), dark is the night, singt er und hält das letzte Wort ein wenig länger aus, als wäre das auch sein letztes Wort in der Sache; du würdest es ja verstehen, wenn es das wäre, dunkel ist die Nacht, ja, nun -
- und dann plötzlich greift seine Stimme unvermittelt noch weiter aus, viel weiter, in die Dunkelheit hinein, und irgendwie schafft er es, noch ein unendlich weiches, zärtliches "…for all" anzufügen und auszuhalten, und da merkst du, daß diese beiden Worte dich berühren in deinem Innersten, wie kein Wort von Camus das je gekonnt hätte.

O don't you feel so small, sagt Pål Waaktaar,
Dark is the night

for all

singt Morten Harket; und dann, nach der zweiten Strophe, beginnt der rauschhafte Aufstieg, der in der Zeile gipfelt:

We need to celebrate the mystery.

Du kannst es verstehen als die norwegische Version von Nimm Abschied und gesunde. Wenn du magst. Du kannst wieder einmal an Longfellows Stimme in der Dunkelheit denken, die von dem vorübereilenden Schiff dringt, und dann singt er noch einmal

Dar ist the night

for all

und du fühlst dich ein kleines bißchen getröstet.

"Memorial Beach" führt unter den wenigen CDs, die A-ha veröffentlicht hat, ein unbeachtetes, bescheidenes Dasein. Das ist schade. Schließlich haben die Jungs darauf versucht, einmal irgendwo anders anzukommen.
Da ist das vergleichsweise rockige (und doch farbenfrohe) "Move to Memphis"; da ist das weit ausgreifende "Cold as Stone", das mit einem Anklang von Ethno-Sound beginnt und dann, mit einem zweiten Anlauf, härter und befremdlicher wird, und dann doch vorausweist auf "Lifelines" (aber das wissen wir erst, seitdem wir diese, die vorletzte CD gehört haben): das ist, auch für A-ha, große Oper hier; da ist das kleine versponnene und doch wunderbar männliche "Angel in the Snow" und das wieder so fremd einsetzende "Locust", über Nachtgesichte und unvertraute Ängste (und einer sitzt neben unserem Bett und hält unsere Hand und erklärt uns den harmlosen, den guten Mond); da ist "Lie down in Darkness", das den Trost von "Dark ist he Night for All" wieder aufleben läßt, aber auf eine stählerne, harte Weise, mit einer ungebetenen, ungeheuren Präsenz (ein sehr starkes Lied, das wieder eine andere Grenze ausschreitet); da ist "how sweet it was" mit seiner unvermittelten Verzauberung, trotz des brutalen Schlagzeugs (warum ist das nicht bekannter? das schlägt sogar Nightwish und Konsorten); und dann "Lamb to th Slaughter", ein Lied, von dem wir nicht wissen, ob es bitterer Scherz ist oder selbstironischer Haß, in eine wunderbar ausgreifende Musik gefaßt; da ist das sehr experimentelle Gepolter von "Beetween you Mama and Yourself", mit dem ich noch immer meine Schwierigkeiten habe; und ds ist, am Ende, endlich "Memorial Beach".

Breite Streicherakkorde, ein humpelnd voranschleichendes Schlagzeug und darüber aufsteigende Glockentöne, wie ein lichter Wald, durch den wir wandern, du und ich, erschöpft, geschlagen, staubbedeckt, während breite Streifen von Sonnenstrahlen auf helles Grün und verwittertes Holz fallen und wandern und wandern. Was für ein herrlicher Kitsch, bis hin zum klavierklimpernden Bächleingeplätscher. Bis hin zum Abgesang:

We never found
A place to hide
Some peace of mind
God knows we tried

Ganz lakonisch gesungen und doch so fremd. Ich weiß, wie kostbar ein Ort ist, an dem man sich verbergen kann, selbst in einer vollkommenen Beziehung, und auch dann, wenn du gerade dort allen Frieden gefunden hast, den du dir nur immer wünschst.

MEMORIAL BEACH gehört in die Weihnachtszeit. Gerade für uns, die wir den Strand der Erinnerungen kennen, den wir besuchen würden in solchen Augenblicken.

_______________________________________________________________________


5. Dezember 2005


Allerleirauh, oder Ich bin dein Schatten


(4. Fortsetzung)

"Ich habe einen Rosenstock verbrannt", sagte der König. "Ich kann noch mehr tun."
Als die Tochter von dem Entschluß ihres Vaters hörte, erschrak sie sehr. Sie versuchte sich unsichtbar zu machen. Aber das war sinnlos und vergeblich, denn der König war gewillt, viele Besuche zu machen und Besuche zu empfangen, und dabei wollte er, da ja seine Frau gestorben war, seine Tochter bei sich haben. Er erwartete von ihr, daß sie, wenn er mit ihr unterwegs war, nur das Notwendigste trug, nämlich die kostbaren Kleider, die sie als Tochter des Königs erwiesen, und den Schmuck, den er ihrer Mutter geschenkt hatte, aber nichts sonst, und er wollte, daß sie die Kleider ihrer Mutter trug, deren Nähte viele Schlitze verbargen, so daß sich seine königliche Hand jederzeit Zutritt zu ihrem Körper verschaffen konnte.
Da sagte sie endlich zum König: "Ich willige ein, Eure Frau zu werden, gegen Recht und Gesetz, und Euch in allem zu Willen zu sein, wie es einer guten Ehefrau ansteht. Ich möchte aber Eure neue Frau sein und eine eigene Frau, die aus eigenem Recht lebt."
"Wohl gesprochen", sagte der König zu seiner Tochter.
"Deshalb will ich nicht die Dinge meiner Mutter tragen. Ich muß also zuerst drei Kleider haben, eines so golden wie die Sonne, eines so silbern wie der Mond und eines so glänzend wie die Sterne und alle wunderbar zart. Ferner verlange ich einen Mantel von tausenderlei Pelz und Rauhwerk zusammengesetzt, und jedes Tier in Eurem Reich muß ein Stück von seiner Haut dazu geben."
Sie dachte aber: Das anzuschaffen ist ganz und gar unmöglich. Der König aber ließ nicht ab, Die geschicktesten Jungfrauen in seinem Reich mußten drei Kleider weben, eines so golden wie die Sonne, eines so silbern wie der Mond und eines so glänzend wie die Sterne und alle wunderbar zart; und seine Jäger mußten alle Tiere in seinem Reich auffangen und ihnen ein Stück von ihrer Haut abziehen: daraus wurde ein Mantel von tausenderlei Rauhwerk gemacht. Endlich, als alles fertig war, ließ der König die Kleider holen und den Mantel, breitete alles vor ihr aus und sprach:
"Morgen soll die Hochzeit sein!" Dann verließ er sie.
Als nun die Königstochter erkannte, daß keine Hoffnung mehr war, ihres Vaters Herz zu erweichen, entschloß sie sich zu fliehen.

Ab morgen:


II. Drei Kleider und ein Mantel

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
KRAWALLSCHACHTEL

KRAWALLSCHACHTEL

04.03.2011 11:25

schöne sicht meiner lieblingsscheibe der drei norweger... dein letzter Absatz " Allerleirauh, oder Ich bin dein Schatten"... ist hier irgendwie....falsch?

dutchman1968

dutchman1968

05.12.2005 22:37

Sehr gut beschrieben!

Zero-Blue

Zero-Blue

05.12.2005 22:30

Guter Bericht!!!!!!!!!!

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