The Southern Deathstyle
26.06.2006
Pro:
Cover, 3 Songs
Kontra:
Gesang, restliche Songs
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 hlemmur
Über sich:
erker?
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Erfahrungsberichte:151
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 78 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich habe nie daran gezweifelt, dass dieser Tag einmal kommen würde. Der Tag an dem Moonspell so klingen wie auf "Memorial". Damals, 1998, hat man allerdings noch nicht geahnt, dass es doch noch gute acht Jahre dauern wird. Wie die Zeit vergeht. Nach den beiden Erfolgsalben "Wolfheart" (1995) und vor allem "Irreligious" (1996) verließen die Portugiesen den bekannten Gothic Metal-Weg und verliefen sich irgendwo im Dickicht, wo auch Depeche Mode, elektronische Elemente und Popsongs keine Schimpfwörter waren. "Sin/Pecado" (1998) ist das wunderbarste Album, dass das Quintett je veröffentlicht hat und veröffentlichen kann. Leider auf Kosten der Massen. An diesem Punkt war klar: Der "Irreligious"-Nachfolger wird kommen. Irgendwann. 2006 ist es dann so weit. "Memorial" ist da.
Anstatt den direkten Weg zu nehmen, kreisten Moonspell immer um ihre eigenen Experimentierfreudigkeit und machten es weder sich, noch den Fans besonders einfach. "The Butterfly Effect" (1999) wäre am liebsten Marilyn Manson. Bereits "Darkness And Hope" (2001) sollte eine Annährung an früher sein - aber eine sehr zaghafte, uninspirierte. Vor allem: Sie war nicht ernst gemeint und kam nicht von Herzen. Danach hatten Moonspell die Schnauze voll und machten mit "The Antidote" (2003) einfach das, worauf sie Bock hatten. Komischerweise sprangen ein paar alte Fans wieder auf den Zug auf. Aber nur, weil die Scheibe hart war. Jetzt: "Memorial". Alles ist wie früher. Die Musik. Das Umfeld. Waldemar Sorychta hat im Woodhouse Studio produziert, Birgit Zacher war für die weiblichen Vocalparts auf der Scheibe zuständig. Nur ausgerechnet das Label heißt seit diesem Album nicht mehr Century Media, sondern Steamhammer/SPV. Ein kleines Zeichen für den Neuanfang, dem die Vergangenheit zu Grunde liegt.
Moonspell sind wieder gotisch, mysteriös, finster, bedrohlich, hart und was neu dazugekommen ist: Belanglos. Sie wären gerne wieder so wie sie früher sind. Und ich nehme ihnen sogar ab, dass das alles ohne kommerzielles Kalkül geschieht, aber das macht "Memorial" nicht besser. Es kann sein, dass die alten Fans wieder jauchzen werden und dabei die Tatsache unterschlagen, dass das Album zu einem großen Prozentsatz aus Leerlauf besteht. Leerlauf, der sich musikalisch komischweise eher an "Wolfheart" als an "Irreligious" orientiert. Wer hätte es gedacht? Dieser Leerlauf wird von den Songs "Upon The Blood Of Men" (Up-Tempo Smasher), "Sanguine" (atmosphärischer Longtrack) und mit Abstrichen noch "Luna" (eine Mischung aus Beidem) unterbrochen, die allesamt mitreißen können und wirklich Substanz haben. Alle drei Songs überzeugen hauptsächlich durch ihre packenden Refrains - die bei den übrigen Tracks schlicht zu fehlen scheinen. Die Portugiesen verstecken sich zu oft hinter meterdicken Keyboardwänden, Doublebass-Attacken und harten Riffs. Ohne Sinn und Verstand. Das kaschiert songwriterische Schwächen und Längen mehr als geschickt. Das gleiche mit den ebenso zahlreichen wie sinnlosen Intros und Interludes. Wie kann man es nur zulassen, dass sich gute Ideen wie z.b. "Proliferation" nur in einem glanzlosen Interlude anstatt in einem tollen Song finden?
Auch schade: Sänger Fernando schreit fast nur noch. Seine anhörbare klare Stimme kommt nur selten bei geflüsterten Passagen zum Einsatz, ansonsten regiert abwechslungsarmes, heiseres Gekeife, dass schon beim Zuhören schmerzt. Hier wäre weniger Rückschritt ein großer Fortschritt gewesen. "Memorial" zeigt eindrucksvoll, dass die goldenen Zeiten von Moonspell definitiv vorbei sind. Die Experimente funktionieren nicht mehr, die Vergangenheit ist ebenfalls gestorben. Zeit abzutreten, bevor man sich den Ruf noch mehr zerstört.
------------------------------------------------------------------------ MOONSPELL Memorial (Steamhammer/SPV, 2006)
01. In Memoriam 02. Finisterra 03. Memento Mori 04. Sons Of Earth 05. Blood Tells 06. Upon The Blood of Men 07. At The Image Of Pain 08. Sanguine 09. Proliferation 10. Once It Was Ours 11. Mare Nostrum 12. Luna 13. Best Forgotten
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08.08.2006 14:21
Schade! Fernando Ribeiro war doch immer so ein Charismat, ein arroganter zwar, aber er hatte genügend Potential um seine Arroganz locker auszugleichen. Find ich ja ganz schön schwach wenn die son seichtes Pillerchen veröffentlichen.
27.06.2006 11:20
Ist ja interessant. Als absoluter Moonspell-Laie hab ich mir nur mal die Sin/Pecado aufm Flohmarkt gekauft. Seitdem hör ich die etwa einmal im Jahr oder so an, finde sie aber nie interessanter als das mal davor. Und jetzt willst Du mir sagen, dass das besagte Album das beste von der Band ist *kratz*. Stimmt, ich meine mich zu erinnern, dass auch "Host" Deine liebste PL-Scheiblette ist. Das passt zusammen.
26.06.2006 20:09
toller Bericht, ist dir wirklich gut gelungen