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Kritik
Auch wenn "Memoryhouse" als Gesamtwerk zu betrachten ist, versuche ich, auf jeden Track einzeln einzugehen, um dem Leser ein besseres Bild verschaffen zu können.
Europe, After The Rain
Wir sehen noch das CD-Cover, dieses wunderschöne Bild eines einsamen Bahnhofes in ... Bericht lesen
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Erfahrungsbericht von donau_movies über Memoryhouse - Max Richter 12.11.2007
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
exzellent
Klangqualität:
ausgezeichnet
Langzeithörspaß:
wird nicht schnell langweilig
Pro:
die Musik
Kontra:
keines
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Details zur CD
01 6.13 Europe, After The Rain 02 4.47 Maria, the Poet (1913) 03 1.30 Laika´s Journey 04 1.58 The Twins (Prague) 05 4.03 Sarajevo 06 2.42 Andras 07 3.27 Untitled (Figures) 08 1.54 Sketchbook 09 6.21 November 10 2.41 Jan´s Notebook 11 7.04 Arbenita (11 Years) 12 3.24 Garden (1973) Interior 13 5.14 Landscape with Figure (1922) 14 1.26 Fragment 15 1.22 Lines on a Page (One Hundred Violins) 16 3.38 Embers 17 4.18 Last Days 19 3.02 Quartet Fragment (1908)
Gesamtspielzeit: 65.12 Gesamtwertung: 8/10 Erscheinungsjahr: 2002 Label: Late Junction Cover Art: sehr schön; genau so ein Foto, wie ich sie auch mache (oder zumindest versuche) Booklet: durchschnitt
Einleitung
Als ich im Jahr 2002 die Rachel´s entdeckte, war ich hin und weg. Etwas Vergleichliches hatte ich bis dahin noch nicht gehört; eine Mischung aus klassischer und moderner Musik; Klavier, Orchester, Schlagzeug… Da diese aber auch längere Zeit mit Ballett-Aufführungen und sonstigen Projekten beschäftigt sind, halten sich die Veröffentlichungen in Grenzen. In der nahezu 16-jährigen Bandgeschichte brachten sie es auf nur 4 LP´s und 2 EP´s, wobei das letzte Album nun auch schon über 4 Jahre auf dem Buckel hat. Müde des Wartens machte ich mich auf die Suche nach ähnlicher Musik, und stieß vor ca. 1 Woche auf Max Richter. Auch er glänzt nicht gerade mit einer umfangreichen Diskografie (3 LP´s), aber wenn ich noch 50 solche Musiker finde, bin ich mit je 3-4 Alben zufrieden….
Max Richter wurde 1966 in Deutschland geboren, lebt nun aber in England. Er studierte Komposition und Klavier an der Universität von Edinburgh und an der Royal Academy of Music. Danach trat der dem Piano Circus bei, die Werke von Arvo Pärt, Brian Eno, Philip Glass, Julia Wolfe und Steve Reich aufführten. Im Jahr 1996 arbeitete er mit dem Future Sound of London zusammen (für das Album Dead Cities, der Track "Max"), was mir wiedereinmal vor Augen führt, daß sich mein Musikgeschmack im Kreis dreht. Es ist fast schon egal, wen ich entdecke, irgendwann, irgendwie hatte er immer etwas mit jemand zu tun, den ich bereits kenne… Des weiteren ist Max Richter auch noch als Produzent tätig, zB für Vashti Bunyan- Album "Afterlooking". In dem Film "Stranger than Fiction" wurden viele seiner Kompositionen verwendet. Nächstes Jahr (2008) soll ein neues Studioalbum folgen, das nur als Vinyl oder Download erhältlich ist, und auf den Namen "24 Postcards in Full Colour" hört; zudem soll dieses Album neu veröffentlicht werden.
Kritik
Auch wenn "Memoryhouse" als Gesamtwerk zu betrachten ist, versuche ich, auf jeden Track einzeln einzugehen, um dem Leser ein besseres Bild verschaffen zu können.
Europe, After The Rain
Wir sehen noch das CD-Cover, dieses wunderschöne Bild eines einsamen Bahnhofes in schwarz-weiß, wenn der erste Song mit Regen und einer Frauenstimme beginnt; langsam schleicht sich ein Klavier ein, der Regen verschwindet und wird durch eine Violine "ersetzt"; alles ist langsam und furchtbar traurig, melancholisch wie das Bild eben.
Maria, the Poet (1913)
Das 2. Stück wird nur von Geigen getragen; weniger dramatisch als das erste, nicht minder schön. Ambientmusik für einen Großstadtmorgen, so klingt es für mich.
Laika´s Journey
Kurzes, schönes elektronisches Intermezzo. Wer weiß, vielleicht hört das arme Hündchen gerade jetzt solche Sounds in der Unendlichkeit?
The Twins (Prague)
Beim ersten Hören erinnerte es mich an ein Stück aus dem "Amelié"-Soundtrack; sehr schön, auch kurz; schneller gespieltes Klavier…
Sarajevo
Dieser Track könnte irgendwie von Craig Armstrong sein; filmisch, dramatisch und großartig arrangiertes Orchesterwerk, unterstützt von einer Sängerin.
Andras
Die 2. und letzte Komposition nur für Klavier. Zeig mir einen Menschen, der dieses Instrument nicht mag, und du zeigst mir einen herzlosen Menschen…
Untitled (Figures)
Ausflug in die elektronische Musik, Teil 2. Diesmal wird das Violinthema aus "Europe, After the Rain" mit Glockenspiel und einem schnellen, hintergründigen Beat unterlegt. Interessant, aber vorhersehbar.
Sketchbook
Eine 2-minütige Überleitung mit Geigen und Violine; hier wird wieder deutlich, daß man das Album am besten in einem Durchgang hört, um das Gesamtkonzept erfassen zu können.
November
Der Regen kehrt zurück (passend zu dem Wetter gerade in diesem Moment, in dem der Autor lebt), und verdichtet sich wiederum langsam zu einem kraftvollen, dramaturgisch perfekt inszinierten Orchesterwerk. Einer der "aufdringlicheren" Höhepunkte…
Jan´s Notebook
… der plötzlich in eine verträumtes Cembalomelodie übergeht, um…
Arbenita (11 Years)
einzuleiten. Hier kommt noch einmal die sanfte Opernstimme von "Sarajevo" zum Einsatz; diese 7 Minuten würden in einem Film wahrscheinlich für eine Erinnerungs- oder Abschiedsszene verwendet werden… sehr ruhig und fragil.
Garden (1973) Interior
Anfänglich Ambient, durch ein kurzes Gedicht übergeleitetes Stück für Cembalo und Violine, die wieder die Melodie von Track 1 spielt, leicht variiert.
Landscape with Figure (1922)
Wir hören Geigen, eine sich langsam steigernde Melodie spielen; ab hier beginnt sich der Kreis allmählich zu schließen, und man erkennt ein Konzept, das in sich aufgeht.
Fragment und Lines on a Page (One Hundred Violins)
Beides kurze Zwischenspiele, die für sich gehört, wenig Sinn ergeben und nur im Ganzen eine angebrachte Stellung haben; Ambient, Regen, Violinklänge.
Embers
Und noch ein wunderschönes Stück für Klavier, Violine und Cello.
Last Days
…ist der letzte kraftvolle Orchestertrack, der noch einmal die Kontinuität des Albums wiederspiegelt, und bei einem Film wahrscheinlich bei den End Credits seinen Platz fände.
Quartet Fragment (1908)
Obwohl mit dem Regen beginnend, stellt "Quartet Fragmant" keinen Abschluß dar, der das Werk abrunden soll, ganz im Gegenteil, er läßt es mit einem Fragezeichen, verstörend offen.
Fazit
Wer die Rachel´s, vor allem ihr Album "Systems/Layers" kennt und mag, kann sich dieses Album blind kaufen, und wird begeistert sein. Unter den 19 Tracks finden sich natürlich auch ein paar weniger wertvolle "Überleitungen", die aber ein Konzeptalbum meistens braucht. "Memoryhouse" ist ein Soundtrack zu einem Film, den es nicht gibt; ein Requiem für das 20. Jahrhundert. Melancholische, zuweilen düster, immer ergreifende Instrumentalmusik. Die optimale Begleitung für den grauen November, die die Stimmung sicher nicht hebt, aber intensiviert; auf eine Weise, daß man aber doch in dem `grau´ ein `Silber´ zu erkennen vermag.
Anspieltips
Europe, after the Rain
The Twins (Prague)
Sarajevo
November
Embers
Weitere CD´s
The Blue Notebooks (2004)
Songs From Before (2006)
24 Postcards in Full Colour (2008)
Ähnliche Musik
Rachel´s
Dakota Suite
und natürlich die Klassiker wie Bach oder Beetoven, wobei es wie ein Sakrileg klingt, diese Namen mit jemand in Verbindung zu bringen, der erst 3 Alben gemacht hat.
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