Melk mir die Kuh
29.11.2000
Pro:
siehe Text
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 6killer
Über sich:
Zwischen Leber und Milz paßt noch ein Pils.
Mitglied seit:31.08.2000
Erfahrungsberichte:276
Vertrauende:93
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
„Igitt“, werden jetzt vielleicht einige denken, „fängt er jetzt schon mit Country&Western an?“ Mitnichten - Willie Nelson gehört ja erstens nicht zur Garth-Brooks-Fraktion und hat zweitens schon immer mal mehr, mal weniger Blues in seine urwüchsige Countrymusik eingebracht, doch auf diesem 2000er Album geschieht das durchweg. 70 Minuten, 7 Gaststars, 15 mal Blues im Stil der 40er, 50er und 60er Jahre. Sehr pur, teilweise jazzig und fast swingend, einmal auch eher rockig, häufig zumindest zum Teil akustisch. Der Sound ist ausnahmslos klasse, sehr trocken und warm und hervorragend abgemischt. Durchgehend sparsam, aber sehr wirkungsvoll arrangierte Bluesklassiker sowie eigene Songs.
Die Songs: 1) MILK COW BLUES
Der Song stammt aus dem Jahr 1934 und ist von Kokomo Arnold geschrieben. Neben Willie ist Francine Reed an den Vocals zu hören. Das Stück ist sehr sparsam instrumentiert, nur leises Schlagzeug, dafür wunderbar perlendes Klavier und tolle Bluesharp von Mickey Raphael. 2) OUTSKIRTS OF TOWN
Beim Cover dieses 1942er Stücks ist Keb’ Mo’ als Gastsänger zu hören. Ein etwas schnellerer Blues mit Hammond B3 im Hintergrund und tollem, warmen Bass. 3) BLACK NIGHT
Hier hören wir Dr. John an Gesang und Klavier. Der Song ist von 1951, geschrieben von Jessy Mae Robinson. Der Kontrabass und das Klavier schaffen eine Art „Bar-Atmosphäre“ für diesen jazzigen, langsamen Blues, hier gibt es auch ein paar längere Instrumentalparts. 4) FUNNY HOW TIME SLIPS AWAY
Wieder mit Francine Reed. Das Stück hat Willie 1961 erstmals veröffentlicht. Wieder tolles Klavier bei diesem melodiösen, gesangdominierten Song. 5) RAINY DAY BLUES
Bei diesem 1964er Nelson-Song wird er von Johnny Lang am Gesang unterstützt. Außerordentlich pur, das könnte auch John Lee Hooker in den 50ern sein. Tolle, jazzige Gitarre und abermals wunderbares, swingendes Klavier. Kurz zu Johnny - dessen Auftritt in „Blues Brothers 2000“ war ja aufgrund dessen Herumgehampel und maßlos übertriebenen Gesang mehr als peinlich und auch auf seinen Alben nicht so das Wahre. Johnny ist aber anscheinend etwas erwachsener geworden - seine Stimme überschlägt sich bei weitem nicht mehr so oft und ist allgemein etwas tiefer geworden, und er übertreibt es auch nicht mehr. 6) CRAZY
Eine langsamer Blues, wieder mit Kontrabass. Gast ist hier Susan Tedeschi mit sehr ausdrucksstarkem, stimmgewaltigen Gesang. 7) THE THRILL IS GONE
Erstmals auf der Platte wird es sehr treibend - B.B. King gibt an der Gitarre und als Gastsänger den Ton an. Unverkennbar dessen Stil, unterstützt von fetter Orgel - unglaublich gut. Das Stück stellt eine Coverversion eines 1951er Songs von Rick Darnell und Roy Hawkins dar. 8) WAKE ME WHEN IT’S OVER
Willie Nelson bestreitet diesen eigenen 1962er Song mal ohne Gaststars. Wieder schöne Orgel im Hintergrund. 9) KANSAS CITY
Neben wieder Susan Tedeschi am Gesang gibt sich Jimmy Vaughan an der Gitarre die Ehre. Das Stück wurde 1952 von Jerry Leiber und Mike Stoller geschrieben. Ein schneller Shuffle, sehr stimmungsvoll und mit erwartungsgemäß toller, schneidender Gitarre. 10) FOOL’S PARADISE
Wieder mit Dr. John am Klavier gibt Willie diesen 1955er-Johnny-Fuller-Song zum besten. Langsam und sehr jazzig. 11) AIN’T NOBODY’S BUSINESS
Ein von Porter Grainger 1922 geschriebener Song, wieder mit Johnny Lang als Co-Sänger und wieder mal sehr pur. 12) NIGHT LIFE
Ein 1964er Nelson-Song, wieder mit B.B. King. Natürlich wieder unverkennbar, diesmal aber etwas langsamer, mit tollem Klavier. 13) SITTIN’ ON THE TOP OF THE WORLD
Der Bob Wills - Klassiker von 1952 darf irgendwie gar nicht fehlen, ohne Gaststars dargeboten. Slide-Spiel auf der Dobro und Bluesharp (wieder Mickey Raphael) sind selbstverständlich. 14) LONELY STREET
Wieder ohne Gast bei diesem 1956er Stück von Kenny Sowder. Langsam, schönes Klavier und Orgelspiel. 15) TEXAS FLOOD
Die berühmteste Version dieses von Larry Charles Davis und Joseph Wade Scott 1958 beschriebenen Stücks stammt wohl von Stevie Ray Vaughan, und kein geringerer als Kenny Wayne Shepherd ist hier als Gast an der Gitarre zu hören. Hier wird’s auf über 8 Minuten natürlich rockig, fette Orgeln und Gitarre. Ich will nicht so blasphemisch werden und Shepherd als legitimen S.R.Vaughan-Nachfolger hinstellen, aber geil ist das Stück mit den langen Gitarrenpassagen auf jeden Fall. Fazit: Diese Platte ist ein Muß für Bluesfans, eine große Überraschung und ein ganz fetter Tipp. Eines der besten Alben des Jahrs 2000.
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23.08.2004 16:24
Uuuhh, das könnte mir gefallen...
11.04.2001 23:15
SEHR gut Deine Abgrenzung von Nelson (oder vergleichbaren Leuten, z.B. Cash, Atkins...) zu diesem "New-Country-Gestalten". Schon allein deshalb SEHR nützlich!
29.11.2000 22:08
No limits !!!! Was gut ist, muss gut bleiben. Weg mit der Schublade.