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Mille Anni Passi Sunt - Corvus Corax

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Corvus Corax - Mille Anni Passi Sunt

5  01.11.2007

Pro:
Die hervorragende Musik, die Melodien, die Texte und die Interpretation

Kontra:
-  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -  -

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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corvus_albus

Über sich: Ich bin Conny und versuche mich hier als Schreiberin, um meinen Stil beim schriftlichen Verfassen zu...

Mitglied seit:29.10.2007

Erfahrungsberichte:10

Vertrauende:2

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 39 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Corvus Corax - Mille Anni Passi Sunt

Der Begriff "Mille Anni Passi Sunt" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie "Tausend Jahre sind vergangen". Dieses Album war mein Erstes von Corvus Corax, die liebevoll "CoCo" von den Fans genannt werden. Die CD dauerte lange, bis es fertig gestellt werden konnte. Die Mitglieder der Spielmannsgruppe haben lange in alten Bibliotheken nach Aufzeichnungen gesucht, die sich als Vertonung eignen. Das Album gehört zu meinen absoluten Favoriten.

Die damalige Besetzung:
Der Heilige Sankt Brandanarius - Dudelsack
Venustus Oleriasticus (sein vollständiger Name damals) - Dudelsack, Schalmei
Meister Selbfried - Dudelsack
Castus Rabensang - Dudelsack, Schalmei, Gesang
Tritonus Der Teufel - Dudelsack, Schalmei, Gesang

CD, die Gestaltung und das Booklet:
Die CD gibt es sowohl im Digi-Pack oder in einer durchsichtigen CD-Hülle zu kaufen. Ich besaß das Digi-Pack, aber leider habe ich es bei meinem Umzug verloren. Das war allerdings nicht so schlimm, weil die CD dieselbe bleibt. Ich musste das Album einfach noch mal haben. Als ersten fiel die wunderschöne samt-blaue Farbe auf. Man denkt bei dem Album, das es mit Stoff umkleidet wurde. Doch leider nicht. Nicht so schlimm. Das Booklet ist gleichzeitig das CD-Cover. Vorne sieht man den Schriftzug "Corvus Corax - Die Könige der Spielleute" in gold-gelber Schrift. Darunter ein Wappen des Prinzen Kretzulesco (vollständiger Name: Ottomar Rudolphe Vlad Dracula Prinz Kretzulesco). Ein blau-gelbes Wappen mit einer Krone auf der Spitze. Darunter wiederum befindet sich der Titel des Albums.
Auf der Rückseite des Booklet erblickt man 6 Herren, alle in Gold bemalt. Dort sind Der Heilige Sankt Brandanarius (links mit dem Dudelsack fast bückend), Venustus (auf dem Boden liegend, schließt entspannt die Augen), Meister Selbfried (stehend, mit einem Gewand aus blauem Seidenstoff umhüllt, das nur eine Seite seinen Körper bedeckt), Castus Rabensang (hält sich mit einem Dudelsack seine persönliche Intimität zu, guckt recht böse in die Ferne), Tritonus Der Teufel (hockend auf dem Boden, seine Miene ist nachdenklich und hat dabei demonstrativ seine rechte Hand am Mund) und Ottomar Rudolphe (komplett in dem blauen Seidenstoff gehüllt, guckt erhaben seitlich an der Kamera vorbei) zu sehen.
Das Innere ist auch in Blau gehalten und die ersten 2 Seiten gibt dem Leser die Möglichkeit etwas zu Lesen. Auf der linken Seite ein wenig Geschichte und auf der rechten Seite wird Ottomar Rudolphe vorgestellt.
In den nächsten 4 Seiten findet man die Liedtexte zu "Mille Anni Passi Sunt" samt der Übersetzung, "In Taberna" und "Gaudalier" dazu links ein Bild des Teufels von Corvus Corax, "Meng Leiv" und die Übersetzung dazu samt Bild von Brandan und "Estuans Intrinsecus" und einem Bild von Castus. Die nächsten 2 Seiten schmücken Meister Selbfried und Venustus, zu den Beiden wurde die Danksagung und Auflistung der Titel samt dem Jahre aus denen sie kommen.

Die Titel:

Titel 1 Mille Anni Passi Sunt (Anonym, 11. Jahrhundert, Songtext stelle ich unten vor):
Einer meiner absoluten Favoriten! "Mille Anni Passi Sunt" beginnt mit mystischen Klängen und eine Frauenstimme spricht seltsame lateinische Wörter: "Oh Dragul meu, me mistuie focul iubirii" ("Oh mein Liebster, ich verzehre mich nach dir."). Alleine da habe ich schon Gänsehaut bekommen. Dann setzt der Takt und ein Dudelsack ein, beide Komponenten kommen entspannt daher. Ein Chor spricht lateinische Worte und im Hintergrund hört man immer noch die Frauenstimme. Nach 1:56 Min. singt der Chor den Refrain. Jedesmal stelle ich mir vor, dass wirklich Graf Dracula gerade dabei eine Zeremonie abhält und danach durch die Wälder zieht, auf der Suche nach frischem Blut.
Das Lied endet nach 4:09 Min. mit dem Chorgesang. Einfach wunderbar.

Titel 2 Avanti (Anonym, Italien, 14. Jahrhundert):
Das Stück beginnt mit Trommeln und Dudelsack. Ein paar Sekunden später wird die Melodie eingehender und der Takt kitzelt schon mal das Tanzbein. Ich stelle mir immer vor, dass ein paar Spielmänner in ein Dorf kommen und dort ordentlich Radau machen.

Titel 3 Nominalto (Anonym, Italien, 12. / 13. Jahrhundert):
Nach einem kleinen Intro mit der Cister, setzen die Trommeln und der Dudelsack ein. Auf der Bühne präsentieren Corvus Corax dieses Lied sehr laut, weil die Trommeln etwas von einem Takt für eine Bauchtänzerin hat. Man wird unwillkürlich daran erinnert, wie es wäre, wenn man jetzt die Hüften kreisen lassen könnte.

Titel 4 In Taberna (Carmina Burana, 13. Jahrhundert):
Ja! Wahrlich sind wir wohl alle schon einmal in einer Taberna gewesen! Ihr fragt Euch, was es ist? Ich sage es Euch: "In Taberna" = lat. Für "In der Schenke"(nicht wörtlich übersetzt, sondern sinngemäß). Ja, damals sagte man es noch schön umschrieben.
Das Lied beginnt mit Dudelsackmelodei und Trommeln. Danach der Duo-Gesang von Castus und Teufel. Letzterer singt…nein, schreit die Worte des Liedes eher heraus. Das Lied löst bei mir immer Heiterkeit aus, es ist nun mal ein Trinklied aus der Carmina Burana. Einfach klasse, sowohl auf der CD als auch live.
"In Taberna" endet mit dem Schrei "Bibit!" (lat. Für "Trinkt!" )

Titel 5 Isabella Anonym, Italien, 12. / 13. Jahrhundert:
"Isabella" beginnt mit einer Schalmei und diversen Hintergrundgeräuschen. Nach 28 Sek. Setzt ein Dudelsack und die Trommeln ein. Bei diesem Lied wird man an einen Walzer erinnert und man könnte dem Bild, dass man während des Hörens bekommt, eine Art noblem Fest geben. Bei 1:47 Min. wechselt das Stück und man hört Trommeln und Nebengeräusche. Nun könnte man der Fantasie den letzten Schliff und meinen, dass sich jemand in den Festsaal begibt und stolziert. Danach wieder alles beim Alten.
4:34 Min., dann geht "Isabella" zu Ende. Einer meiner Favoriten!

Titel 6 Mit Dans is all die Werlt genesen (Anonym, Deutschland, 13. Jahrhundert):
Diese Aussage entspricht meinem Motto: "Mit Tanz geht es der Welt gut"(sinngemäß übersetzt, nicht wortwörtlich). Dieser Titel beginnt Schalmei, Dudelsack und leisen Gebrüll von Castus im Hintergrund. Ein Dudelsack gibt den Takt vor und die Trommeln setzten ein. Man könnte nun wirklich meinen, dass man sich auf einem Mittelaltermarkt befindet und die Spielmänner dort etwas Leben reinbringen. Bei dem Lied bekomme ich gute Laune und will sofort mitmachen. In der knappen Mitte des Stückes hört man Castus im Vordergrund immer wieder "Mit Dans is all die Werlt genesen" rufen und einige Leute, die sich dazugesellt haben, rufen mit. Ein schöner Titel, der mich immer wieder ins Mittelalter katapultiert.
Nach 3:25 Min. werde ich leider wieder in die Realität katapultiert.

Titel 7 Gaudalier (Anonym, 13. Jahrhundert):
Hier nun ein Lied in der Sprache der Gauner. Damals war diese Sprache, auch Rotvelsch genannt, verboten. "Gaudalier" wird in diesem sehr oft gesagt. Auch ein klein wenig Text wird zum Besten gegeben. Mein Eindruck bei diesem Liedstück ist, dass sich einige Gauner, die damals diese Sprache beherrschten, sich zusammen gefunden haben und etwas diskutierten. In diesem Titel steht der Gesang und ein Dudelsack im Vordergrund. Die Melodie ist einfach und man kann sie sehr leicht mitsummen. (Ein anderes Lied von Corvus Corax in der Sprache der Gauner befindet sich auf dem Album "Viator" und heißt "Najo Ratte". Nein, es geht nicht um Ratten, sondern um eine schöne Art und Weise, wie sich die Menschen zeigen, dass sie sich lieben… ;-P )

Titel 8 Saltatio Mortis a. D. MM (Traditionell, 15. Jahrhundert):
Am Anfang hört man eine Glocke, dann eine leise, dunkle Stimme, die nichts Gutes verheißen lässt. Dann die Dudelsäcke und Trommeln. Die Melodie möchte man sofort mitsummen. Das schafft man auch. Meine Fantasie sagt mir bei diesem Lied, dass ich in einem Wald bin und ich bin auf der Suche nach einem Ausgang daraus. Ich suche und suche, und plötzlich, bei einem Melodiewechsel, finde ich ihn auch. Eine Lichtung tut sich auf und ich renne hindurch auf ein freies Feld. Man, meine Fantasie müsste ich manchmal einsperren, aber nichtsdestotrotz sage ich, dass ich das Lied sehr mag und es leider nach 3:42 Min. endet.

Titel 9 La Douce (Italien, 14. Jahrhundert):
Die Trommeln spielen eine Art Marsch und die Dudelsäcke lassen erhabene Töne verlauten. So als ob gerade ein König auf dem Weg zu seinem Thron ist. Dann ein kurzes Dudelsacksolo, Becken, die geschlagen werden, wieder die Trommeln dazu und das Lied ist nach 2:13 Min. zu Ende.

Titel 10 Meng Lêiv (Altsächsisches Liebeslied, 13. Jahrhundert):
Ja, ein Liebeslied. Und wirklich, Castus' Gesang ist wirklich animierend, dass man ihm das Lied abnimmt.
Der Refrain als Auszug:
"Du bist mein Leben, süsser Honig, der über mich fliesst, Haut so weiss und sahnig weich, meine Liebe, meine Liebe".
Des ganzen Text lang wird Süßholz geraspelt und ich finde dieses Lied eine wirklich schöne Art "Ich liebe dich" zu sagen. Einer meiner Favoriten auf diesem Album. (Wer den ganzen Text lesen möchte, sagt mir bitte Bescheid.)

Titel 11 Goigs De La Nostra Dona (Libre Vermehl De Montserrat, 14. Jahrhundert)
Das, liebe Leser, ist mein absoluter Lieblingstitel auf dieser CD. Alleine schon die Melodie strahlt eine Sehnsucht aus und die dunklen Töne, die der Dudelsack als Nebenprodukt des Spielens abgibt und somit als Bass dient, erinnert mich immer an eine Burg, die im Dunkeln liegt und eine verlorene Seele läuft dort umher. Diese Seele versucht von dort zu Entkommen, doch immer wird sie abgewiesen. Dann wieder so einer meiner Fantasiebrüche. Eine Frau tanzt auf der Burgmauer und die Fackeln dienen als schauriges Hilfsmittel.
Das Lied hat für mich eine besondere Bedeutung, die ich in diesem Bericht nicht erwähnen möchte. Wer es wissen möchte, der kann ruhig danach fragen. Ich beantworte es gerne.

Titel 12 Lolone (Anonym, Italien, 12. / 13. Jahrhundert):
Ein eher schneller Titel. Die Dudelsäcke stehen im Vordergrund und die Trommeln spielen mal mit den Dudelsäcken und mal nicht.
Ein Trommelsolo mit Einsatz einer Gitarre bietet Abwechslung. Bei 2:29 Min. wird nach und nach ein Dudelsack gespielt und dann setzen alle ein. Ein fröhlicher Titel, bei dem mir immer das Tanzbein durchgehen will.

Titel 13 Estuans Intrinsecus (Carmina Burana, 13. Jahrhundert):
Hier wird ein Mann des Vergehens beschuldigt und rechtfertigt sich vor dem Gericht. Er sagt, dass es in der Natur des Menschen liegt, dass man einer jungen Dame hinterher sieht, dass es kein Wunder ist, wenn einem die Fantasie durchgeht. Dass er den Vorsatz hat, im Wirtshaus zu sterben. Castus' Gesang verleitet einem dazu, es wirklich zu glauben und man schenkt ihm Mitleid und Verständnis. Wer sich den Text durchlesen möchte:
www.corvuscorax.de à Musik à Lyrics à Mille Anni Passi Sunt à Estuans Intrinsecus

Titel 14 Bucca (Anonym, 11. Jahrhundert):
Mit 5:17 Min. ist "Bucca" der längste Titel der CD. Die Trommeln sind hier im Vordergrund. Am Anfang hört man diese und eine Mundtrommel, die einem das Gefühl gibt, dass man in einer Art Tropfsteinhöhle ist. Der Gesang von Hatz (Trommler von Corvus Corax) unterstreicht diese Interpretation. Viele Trommelsolos sind hier vereint. Es kommt kein Dudelsack, nur Hörner, die man ab zu hört. Ansonsten ist das Lied sehr Trommellastig und Ich finde sehr gelungen. Mir hat man einmal gesagt, dass "Bucca" so viel wie "Mädchenhändler" heißt. Was genau das im Mittelalter war, das konnte mir keiner sagen.

Tonqualität:
Einwandfrei, dazu gibt es nichts weiter zu sagen. Kein Rauschen, Knistern, Knacken oder sonstige Störgeräusche. Wenn ja, dann gehören sie zu den Liedern.

Bonus der CD:
Auf der CD befindet sich ein Spiel namens "Prinz Vlad Dracula". Es einfach zu installieren und nimmt sehr wenig Platz weg.
Auch das Spiel ist einfach. Mit den Pfeiltasten kann man unterschiedliche Charaktere steuern, die nach links, rechts oder springen müssen. Von oben fallen Bluttropfen, Knoblauch, eine Frau, Fledermäuse oder Kreuze herunter. Man darf hier nur die Frau, die Bluttropfen und die Fledermäuse mitnehmen.
Von links oder von rechts wird eine Kugel abgeschossen, die man durch einem Sprung ausweichen muss. Es gibt hier 3 Level zu Meistern und das Spiel wird auf Zeit gespielt. Am Ende kann man sich in die Bestenliste eintragen und versuchen noch besser zu sein. Im Hintergrund wird das Lied "Mille Anni Passi Sunt" gespielt.
Ein kleines schnelles Spiel, was erst einmal für Kurzweil sorgt.

Eckdaten:
Album: Mille Anni Passi Sunt
Interpret: Corvus Corax
Jahr: 2000

Liedtext Mille Anni Passi Sunt:

Oh Dragul meu meu mistuie focul iubirii
Ceea ce am fost, esti tu acum
O mie de ani au trecut
Ceea ce sint vei fii tu
O mie de ani au trecut

Quod fuimus erstes
Quod sumus fost erites
Mille anni passi sunt

Viata va fi schimbatâ si nu lunatâ
Simt si acum buzele tale pegîtul meu
Dragul meu, tu mai fâcut nemuritoare
Te vreau toatâ

Übersetzung:

Oh mein Liebster, ich verzehre mich nach dir
Was ich gewesen bin, bist du jetzt
Tausend Jahre sind vergangen
Was ich bin, wirst du sein
Tausend Jahre sind vergangen

Was ich gewesen bin, bist du jetzt
Was ich bin, wirst du sein
Tausend Jahre sind vergangen

Das Leben wird verändert und nicht genommen
Ich kann noch immer deine Lippen an meinem Hals spüren
Mein Liebster, du hast mich unsterblich gemacht
Ich will dich ganz

("Dragul" kommt hier aus dem Rumänischen und bedeutet "Liebster")


Fazit:
Diese CD samt Spiel mag ich unheimlich gerne. Ich höre es meistens im Hintergrund, wenn ich etwas schreibe oder ein Spiel spiele. Ich mag es und es gehört zu meinen Lieblingsalben!


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sandieheinrich

sandieheinrich

10.02.2009 01:08

Toll berichtet ! Grüßle

derdjt

derdjt

01.11.2007 23:16

Schöner Bericht. So ist Corvus Corax nunmal...semper sedulus, wie der Lateiner zu sagen pflegt. lg derdjt

Zzaldo

Zzaldo

01.11.2007 21:39

Dafür hast du ein dickes, fettes SH verdient. LG Stephan

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