Erfahrungsbericht über

Monster - R. E. M.

Gesamtbewertung (12): Gesamtbewertung Monster - R. E. M.

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R.E.M. UND DAS ROCKMONSTER

4  07.02.2001 (19.05.2001)

Pro:
die etwas andere Platte von R . E . M .

Kontra:
gewöhnungsbedürftig

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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TFaust99

Über sich: why should you need any other when you're a world within a world

Mitglied seit:31.01.2001

Erfahrungsberichte:155

Vertrauende:63

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Nach dem ungeheuren Erfolg von "Out of time" und "Automatic for the people" hatten R.E.M. wohl erst mal genug von wunderschönen, fast schon überproduzierten Popsongs. Sie wollten und brauchten etwas anderes: ein Rockalbum, das sich auch live spielen ließ.
Zwar gab es in den beiden Vorgängeralben genug Songs, die sich leicht live umsetzen ließen, jedoch mangelte es ihnen an richtigen Rocknummern (sie konnten ja nicht immer nur die alten Stücke spielen).
Also beschlossen Sie Ende '93, von jetzt an nur noch Rock'n'Roll zu schreiben. Im September '94 war es dann soweit: das Monster war geschaffen!

"Monster" ist laut Sänger Michael Stipe ein Punkrock-Album. Es geht in erster Linie um Sex. Aber es ist so wie in der Kunst - wo Sex ist ist auch meistens Tod. Und R.E.M. schrieben nicht nur über den Tod; während der Aufnahmen erlebten sie auch genug davon: R.E.M. verloren gute Freunde, unter ihnen River Phoenix (dem sie das Album übrigens gewidmet haben) und Kurt Cobain.
Trotzdem ist Monster kein trauriges Album, es klingt modern und erweckt dennoch des Öfteren Erinnerungen an den guten alten Glamrock.


Die einzelnen Tracks unter der Lupe:

1. "What's the frequency, Kenneth?"
Die erste Single und ein recht seltsamer Popsong. Während der Aufnahmen konnte Bassist Mike Mills wegen einer Blinddarmoperation einige Tage nicht im Studio erscheinen, in der Zwischenzeit wurde mit dem Lied hin- und herexperimentiert. Das Gitarrensolo, das rückwärts eingespielt wurde, ist auf diese Weise entstanden.
Der Titel lässt sich folgendermaßen erklären: irgendwann wurde ein recht bekannter amerikanischer Fernsehmoderator auf offener Straße überfallen, die Täter murmelten nur diesen Satz immer wieder vor sich hin - "what's the frequency, Kenneth?" Das arme Opfer hieß übrigens gar nicht Kenneth... Warum das Lied so heißt und was es überhaupt mit dem Text auf sich hat, das weiß mal wieder nur Michael Stipe.

2. "Crush with eyeliner"
Glam Rock lebt ! Auch eine Singleauskopplung, von der allerdings niemand hier Notiz nahm.
Die backing Vocals kommen übrigens von Thurston Moore (Sonic Youth).

3. "King of Comedy"
Klingt irgendwie wie David Bowie in der Low-Ära. Ein Lied über Erfolg, sozusagen ein Rezept zum Erfolg. Dieses wird Michael Stipe wohl nicht ganz ernst gemeint haben ("make your money with a pretty face / make it easy with product placement / make it charged with controversy / I'm straight, I'm queer, I'm bi").
Übrigens gibt es auch einen Film von Martin Scorcese namens "King of Comedy", eine rabenschwarze Satire über Fans und Fanatiker.

4. "I don't sleep, I dream"
Erstaunlich, wie simpel dieses Lied gestrickt ist: ein Beat, ein Akkord und eine Melodie, die über dem Grundgerüst des Songs zu schweben scheint.
Ein Lied über Schlaf, über das Träumen an sich. Das Ende ist abrupt, als würde jemand während man schläft ein schweres Buch auf den Boden werfen und - BANG! - ist man wach.

5. "Star 69"
Schneller Rocksong, der Text kommt so schnell, dass er wie ein zusammenhängender Brei klingt (das Delay/Echo trägt seinen Teil dazu bei). Das "Star" im Titel erinnert an "Star me kitten" (bzw. "Fuck me kitten", siehe dazu meinen Bericht über "Automatic for the People"), "69" ist entweder das Jahr oder Oralverkehr (darf ich sowas hier schreiben?).
UPDATE: viele amerikanische Telefongesellschaften bieten den Service an, die letzte Person, die angerufen hat, direkt und ohne Kenntnis der Nummer zurückzurufen. Dazu wählt man dann *-6-9 - "Star69".

6. "Strange currencies"
Langsame, schmerzhaft-ehrliche Ballade, die auch auf "Automatic" nicht fehl am Platz gewesen wäre. Als Single leider nur mäßig erfolgreich.

7. "Tongue"
Michael hat einmal gesagt, er habe sich vorgestellt wie das klingen würde, wenn Tori Amos einen Song von Prince covert, das Ergebnis ist "Tongue". Noch eine Ballade, klingt fast wie Soul. Michael singt hier Falsett, begleitet wird das Ganze von Klavier und Orgel. Noch ein Lied über Oralverkehr, sogar als Single ausgekoppelt.

8. "Bang and blame"
Zweite Singleauskopplung, recht erfolgreich. Themen: Sex, Lügen und Paranoia.

9. "I took your name"
"I wore the clothes you wanted / I took your name" - ein Song über Abhängigkeit? Rockt.

10. "Let me in"
Ein Lied des Abschieds "für und über Kurt (Cobain)". Michael Stipe war eng mit Cobain befreundet und während der Aufnahmen zu Monster brachte dieser sich um. Die langsame Ballade passt zwar nicht ganz zu den anderen Liedern, trotzdem ist "Monster" ohne "let me in" undenkbar. Ein furchtbar trauriger Song, der einem kalte Schauer über den Rücken jagt...
Die Instrumentierung ist auch ungewöhnlich - eine verzerrte Gitarre spielt die (offenen) Akkorde - das Ganze klingt etwas verwaschen. Im Hintergrund begleiten Percussion, Keyboard und natürlich Michaels Stimme die dominante Gitarre.

11. "Circus envy"
Ein Rocksong über einen Zirkus ? Ehrlich gesagt keine Ahnung.
Michael scheint hier teilweise durch ein Megaphon zu singen, oder hatte er einfach zu viel "pepper in my coffee" ?

12. "You"
Der letzte Song handelt von Besessenheit und ist verdammt episch. Eine weitere Nummer über Verlangen, jedoch viel verzweifelter und düsterer als "star me kitten". Langsam, schräg und sehr atmosphärisch.
Passenderweise endet die Platte mit einem langen Feedback.


Was soll man nun von "Monster" halten ? Die R.E.M.-Fans der ersten Stunde haben wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen ob dieser gigantischen Veränderung. Gerade nach dem orchestralen "Automatic" kam "Monster" wie ein Schock. Doch trotz des "Stilbruchs" ist diese CD sehr gut - gute Songs, gute Produktion, ein sagenhaft guter Michael Stipe.
R.E.M.s Monster rockt.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Itchy205

Itchy205

09.04.2002 03:32

Ich merke so langsam, daß ich mich viel zu wenig mit REM beschäftig habe. Aber "Crush with eyeliner" kenn ich *stolzsei*

SvalaTina

SvalaTina

16.03.2002 00:35

Hey, ein sehr schöner, informativer Bericht! Respekt!!! Dieses Album findet man auch bei mir im CD-Regal und ich muss sagen, das ist wirklich mal ganz was anderes von R.E.M, aber einfach ausgezeichnet, wie man sie kennt! Liebe Grüsse, Tina

Martin

Martin

27.06.2001 23:32

Endlich einmal jemand, der weiß, was guter Geschmack ist! Als absoluter REM-Fan war ich (entgegen der breiten Masse) von diesem Album geradezu begeistert! Ich finde, daß man erst dadurch gemerkt hat, wozu REM alles fähig sind. Auf dieser CD finden sich einige echte Perlen. Begeisterter Gruß von Martin

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