Ein Superdebut mit rd. 30 Jahren Verspätung
19.01.2012
Pro:
Spielfreudig, schmissig, abwechslungsreich
Kontra:
Für manchen evtl . etwas zu countrylastig
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Pengoblin
Über sich:
"Dies sind meine Überzeugungen und Grundsätze. Wenn Sie Ihnen nicht gefallen - ich hab' auch no...
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MUDCRUTCH? Um es kurz zu machen: Mudcrutch war die Band, in der sich Tom Petty einst versuchte, bevor es Tom Petty & The Heartbreakers gab. Mudcrutch gab es nicht lange, und sie lösten sich auf, bevor eine Plattenveröffentlichung zustandekam. Eine entspannt einmalige Musikerkarriere später dachten sich Tom Petty und seine Begleiter: warum machen wir das Debutalbum, das in den 70ern nix geworden ist, nicht einfach jetzt? Und so taten sich Tom Petty , Mike Campbell, Benmont Tench, Tom Leadon und Randall Marsh zusammen und nahmen in 2007 mit rd. 30 Jahren Verspätung ihr Debutalbum auf. . "Drums, wires, old friends etc. Recorded live, vocals, harmony, everything Arrangements done on studio floor Made in 10 days, no headphones" . So steht's auf der Hülle, und dass es sich um ein Spaßprojekt routinierter alter Hasen handelt, wird damit gleich klargemacht. Aber funktioniert es? Hören wir mal. . . . SHADY GROVE Das erste Lied - „trad.arr.“ - zeigt schonmal ein wenig, wo es u.a. auf dem Album langgehen wird: Flott und sehr eingängig, mit starkem Hang zum Country, aber auch für den Nichtcountryfan gut anhörbar (meine zumindest ich als ebensolcher Nichtcountryfan), wird hier das Lied vom Schattigen Wäldchen intoniert: ein Sommerstück, leicht und flockig. Der Natur solcher Stücke entsprechend ist im Grunde nicht so sehr viel musikalische Substanz am Start – zum Glück für den Hörer hat aber das Album auch noch andere Seiten zu bieten. Es wird gleich erkennbar, dass Tom Petty hier das Mikrofon auch mal weitergegeben hat. 3,5/5. . . SCARE EASY Etwas langsamer und ausdrucksvoller folgt der zweite Titel, und hier ist dann auch Tom Petty als kompositorischer Haupttäter wiederzufinden. Seine Fähigkeit, mit einfachen Mitteln einer Melodie den Dreh zum Spannungs- und Ausdrucksvollen zu geben, zeigt sich hier ein weiteres mal, und der Song wäre auf einem der neueren Petty- oder Heartbreaker-Alben keineswegs negativ aufgefallen. 4/5. . . ORPHAN OF THE STORM Dieses Waisenkind des Sturms ist für mich persönlich das schwächste Stück der ganzen Angelegenheit; immer noch ein melodischer Midtempo-Countrytrack, aber mir einfach zu substanzarm, um Spaß zu machen oder lange hängenzubleiben. 2,5/5. . . SIX DAYS ON THE ROAD „Six days on the road / I'm gonna see my baby tonight!“ - Guter alter Rock der Geradeaus-Sorte. Nicht mehr, vor allem aber nicht weniger. Spaßig. 3,5/5. . . CRYSTAL RIVER Schon die Songlänge von über 9min verspricht etwas ganz Besonderes, und in der Tat ist das einer DER beiden Leckerbissen auf dem auch ansonsten den Ohren ganz appetitlichen Album. Nur ganz oberflächlich gehört, passiert erstmal wenig; getragen von behutsamem Schlagzeug und dezenter Bassgitarre, verornamentiert von Tenchs warmen Keyboards mäandert das Werk gemächlich vor sich hin wie der besungene Fluss, Gitarre und Gesang wiederholen mit kleinen Variationen meditativ die immer gleichen Passagen – und doch strahlt das Stück eine ganz gehörige entspannte, schwebende, warme und frische Kraft aus. Ich finde, es ist ein kleiner Geniestreich und bin ernsthaft in Versuchung, mir die EP von Mudcrutch (einzige andere Veröffentlichung) zuzulegen, auf der sich u.a. eine noch etwas ausgedehntere Version befindet. Kristallklare 5/5. . . OH MARIA Einer von Pettys 'kleinen', runden akustischen Songs – erinnert ein wenig z.B. an 'Angel Dream' oder 'Alright for Now'. 4/5. . . THIS IS A GOOD STREET Diese muntere, kaum zweiminütige 60er-Jahre-Hommage findet zur Abwechslung Benmont Tench mal am Mikro, was einen unauffällig daran erinnert, dass es sich ja eben um kein Tom Petty-Alleinwerk handelt. Nett, aber zu schnell vorbei, um wirklich mehr drüber zu sagen. 3/5. . . THE WRONG THING TO DO Ein kleiner Höhepunkt – absolut typisch Petty und ein richtig guter cooler, groovender Song im genau richtigen Tempo („she wanted my money, so I gave her my soul...“) . . QUEEN OF THE GO-GO GIRLS Noch viel stärker als alle anderen Songs schwelgt dieser Titel hier in Country-Gefilden, aber er tut es angenehmerweise mit einem deutlich spürbaren Augenzwinkern, was die Nummer für mich, der ich eben – ich sagte es bereits – kein expliziter Countryfan bin, erst verdaulich macht. Zunächst hat mich die doch sehr deutlich an Mark Knopfler erinnernde Gitarre genervt, aber bei näherem Hinhören habe ich beschlossen, dass dieser Song nix dafür kann, dass Knopfler den gleichen Sound in Stücken verwendet hat, die ich nicht leiden mag. Also: 3,5/5. . . JUNE APPLE Das ist im Grunde reinster instrumentaler Squaredance, und befände sich nicht Meister Benmont Tench an der Orgel, würden sich vermutlich schon beim Verdacht auf dieses Genre meine Zehennägel kräuseln. Ich gestehe, ich weiß nicht warum, aber das gute Stück hier mag ich wirklich – vielleicht weil man in jeder Sekunde hört, was die alten Herren da für ein Späßchen im Studio hatten. Mitwippende 4/5 – wenngleich stilistisch außer Konkurrenz. . . LOVER OF THE BAYOU Und das gute Stück hier ist mein persönlicher Favorit von Mudcrutch und eigentlich z.Zt. auch einer meiner drei, vier Favoriten von Tom Petty insgesamt. Komponiert von ex-Byrd Roger McGuinn erweist es sich hier als ein richtig schöner cooler Fetzer, mit dem es mir so geht wie mit nur wenigen richtig runden Rockklassikern: nur 1x hören und dann womöglich auch noch leise geht nicht. Mehrmals und laut ist ein Muss. Was uns der Sumpfliebhaber mit dem Song sagen will, weiß ich nicht, ist mir hier aber egal, denn er sagt es einfach richtig geil. 5/5. . . TOPANGA COWGIRL Ein flottes, eingängiges Stück sehr dicht an dem, was Petty auch solo oder mit den Heartbreakers gemacht hat. Das Negativste, was man darüber sagen kann ist, dass es ein wenig unoriginell daherkommt. Aber sonst entspannte 3/5. . . BOOTLEG FLYER Noch ein bisschen flotter auf entspannt ausgebreitetem Rhythmusgitarrenteppich schießt Bootleg Flyer um die Ecke und wäre auch auf, sagen wir, Full Moon Fever, nicht groß aufgefallen. Man kann Petty und auch Mudcrutch vorwerfen, aus dem selbstperfektionierten Sound nicht mehr zu Neuem rauszufinden, aber ich erwarte das auch nicht von jedem Song, sondern schätze gutes Songhandwerk in der Mitte der Extreme ebenfalls. 3,5/5. . . HOUSE OF STONE Das Album schließt mit einem wiederum recht countrylastigen, mittelschnellen Stück, in dem jemand ein Mädchen liebt, das in einem Steinhaus lebt. Wie schon bei „Queen of the Go-Go Girls“ nimmt sich der Countryanteil selbst nicht so ernst - u.a. merkt man das an Zeilen wie („... and my brain is in the Twilight Zone …“ - welcher Verliebte kennt den Zustand nicht). Ansonsten ist nicht viel Substanz dran, aber diese wenige wird gekonnt und entspannt und sehr hörenswert serviert. „House of Stone“ lädt mich regelmäßig dazu ein, gleich wieder bei „Shady Groves“ mit dem Hören anzufangen, und das ist doch eines der nettesten Dinge, die man über das letzte Stück eines Albums sagen kann, oder? 3,5/5. . . FAZIT . Für jemanden wie mich, der ein wenig Probleme hat, wenn es zu countrylastig wird, ist Mudcrutch an der ein und anderen Stelle durchaus schon fast etwas zu viel des Guten. Was mich darüber jedoch mehr als alles hinwegtröstet, ist der Umstand, dass ich hier mehr als auf den ganzen letzten Alben Pettys & seiner Begleiter eine richtig runde Spielfreude wahrnehme, die sich auf mich als Hörer überträgt und das rettet es auch über seine schwächeren Momente hinweg. Ich empfehle Mudcrutch insbesondere den FreundInnen Pettys und auch denen, die ab und an die Alben der Traveling Wilburys oder auch der Notting Hillbillies herauskramen. Wer es intensiver mag, greift meinethalben weiterhin zu Stevie Ray Vaughan, aber Mudcrutch sind im Bereich der leichten U.S.-Songwritingmuse definitiv einer der hörenswerteren Musikerspaßversammlungen. Damit reite ich gerne mal in den Sonnenuntergang.
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20.01.2012 10:37
Top berichtet (wer ich mir anhören) BH lg tomrot
20.01.2012 10:36
Nie davon gehört, klingt aber durchaus interessant :) viele Grüße, Ky
19.01.2012 23:47
SUperber Bericht!