„Mutter“ ist das dritte Studio Album von Rammstein und gleichzeitig das erste, welches ich ausführlich gehört habe. Dadurch ist diese Band zu meiner Lieblingsband geworden und ich besitze auch den Rest ihrer Alben. „Mutter“ war das Erste und es ist auch allgemein, wenn man sich mal alle Alben von Rammstein betrachtet, ganz gut hörbar für Einsteiger, die sich vielleicht mal mit der Band anfreunden wollen. Das Album besitzt eine ausgewogene Mischung aus typischen Rammstein Songs mit ihrem „Ich-hau-mit-dem-Kopf-die-Wand-ein-Sound“ und melancholischen, emotionalen Liedern. Obwohl, emotional sind sie wohl fast alle.
Was also macht der Einsteiger/langjährige Fan wenn er sich die Scheibe gekauft hat? Richtig. Er hört sie von vorne bis hinten einmal durch (davon geh ich jedenfalls mal aus). Und dabei stößt er auf folgende Lieder:
1.Mein Herz brennt
Und es geht auch gleich gut los. Das Lied fängt ruhig an, mit Streichertönen als Hintergrundmusik, dazu Tills verzerrte Stimme, die eine kleine Geschichte über eine Figur aus Alpträumen von Kinder erzählt. Nach kurzer Zeit geht es los mit den typischen, harten Gitarrenriffs, begleitet von einem anderen Streichorchester, welches höher spielt als das am Anfang, nach dem Refrain. Der Text über die Alpträume könnte eine Art deutsches „Enter Sandman“ (Metallica) sein. Jedenfalls gibt's gewisse parallelen. „Mein Herz brennt“ ist auf jeden Fall schonmal ein guter Einstand für dieses Album und macht Lust auf mehr.
2.Links2, 3, 4
Und man kriegt auch mehr. Links2, 3, 4 ist Erwartungsgemäß sehr rythmisch, eine Art Marschmusik (man erinnere sich an das Ameisenvideo zum Lied). Tills Stimme ist während des Liedes wieder verzerrt und er stellt Fragen was Herzen alles können oder was mit ihnen geschehen kann. Wer politisch denkt, könnte es als ein Lied gegen rechts sehen („Sie wolln mein Herz am RECHTEN Fleck, doch seh ich dann nach unten weg. Da schlägt es LINKS“).
Gegen Ende des Liedes gibt's es noch ein schönes Gitarrensolo vom Gitarristen Richard (er spielt alle Gitarrensolos) und der Refrain wird sehr schön von einem Gesangsorchester im Hintergrund begleitet. Eines der besten Lieder des Albums.
3.Sonne
Nahtlos geht das Ende von Links2, 3, 4 in Sonne über, wo Till zu beginn bis 10 zählt. Dann fängt wieder der Hammerharte Brachialsound an. Der Text ist etwas sonderbar aber mit der Hintergrundgeschichte verständlich. Das Lied wurde ursprünglich als Einmarschmusik für Vitali (oder was es doch Wladimir?) Klitschko geschrieben. Und während er im Ring steht, sollte der Refrain („Hier kommt die Sonne“) gespielt werden. Und auch wie beim Boxen zählt/singt man hier bis 10. Naja, es ist leider nichts damit geworden, aber das Lied wurde so behalten und auf das Album gepackt. War eine gute Entscheidung, denn als erste Single veröffentlicht, brachte es eine gute Einstimmung auf das Album. Die Single selbst schaffte es auf Anhieb auf Platz 1.
4.Ich will
Mein Lieblingslied auf diesem Album. Das Lied besticht durch einen Klasse Rythmus, der durch einen Keyboardton vorgegeben wird. Die Gitarren, Bass und Drums stimmen in den Rythmus ein und heraus kommt echt tolles Lied, was zum Headbangen einlädt. Dazu Tills Gesang, der diesmal direkt ans Publikum gerichtet ist („Ich will eure Energie.“) Ganz stark wird das Lied aber im Refrain, wo Till sich ein Frage-Antwort-Spiel mit dem Publikum liefert („Könnt ihr mich hörn?“ „Wir hören dich!“). Ein unglaublich geiles Lied, wo man sich wünscht selbst in diesem Publikum zu stehen und einmal zu rufen „Wir sehen dich.“
5.Feuer Frei
Dies ist der Soundtrack zum Action Film „Triple X“. Das Lied geht gleich richtig los mit tollem Brachialsound und Sirene im Hintergrund. Das Lied dreht sich um Krankheit in psychischen Sinne („Feuer das den Geist verbrennt“) und physischem Sinne („Feuer das die Haut verbrennt“). Dazwischen immer wieder „Bäng, Bäng“ und „Feuer Frei!“ rufe. In der Mitte des Liedes stoppt plötzlich die Musik und man hört nur Till leise einen kleinen Dreizeiler singen, um danach zum Abschluss des Liedes nochmal richtig loszulegen.
6.Mutter
Zu Beginn des Berichtes habe ich die ausgewogene Mischung aus harten und melodischen Liedern erwähnt. Das mit dem „ausgewogen“ stimmt nicht ganz, denn eigentlich gibt es nur zwei Ruhigere. Die zeigen aber ganz gut, dass die Band sowas auch sehr gut drauf hat. Ein Beispiel ist „Mutter“. Till singt mit etwas höherer, aber schöner Stimme, die ein bisschen an „Seemann“ vom Herzeleid-Album erinnert. Dazu gibt's ein ruhiges Gitarrenspiel in hohen Klängen. Das Lied handelt (nach meiner Interprätation) von einem Klon, der erzählt, dass er keine Mutter hat und deshalb sehr verbittert ist, weil ihm fehlt was andere Kinder an Mutterliebe bekommen haben. Dabei ist das ganze Lied besonders gegen Ende äußerst emotional gehalten.
7.Spieluhr
Wieder ein schnelleres Lied. Es beginnt aber ruhig. Man hört nur Till wie er als Einleitung für dieses Lied ein Gedicht aufsagt. Schnell wird klar: Es handelt sich um Scheintod. Ein Kind wurde lebendig begraben, hat eine Spieluhr mit in den Sarg bekommen und als es aufgewacht ist, macht es die Spieluhr an. Aber keiner hört sie zunächst.
Das Lied an sich ist recht düster geworden, schon von der Geschichte her und dem wirklich einmaligen Refrain, wo eine Kinderstimme mit Till ein Duett singt. Klasse Atmosphäre. Beim zweiten Refrain kommen als Hintergrundgeräusche auch noch Spieluhrklänge dazu und das kleine Schauermärchen ist perfekt. Am Ende wird das Kind dann doch noch gerettet und das Lied ende mit immer leiser werdenden Spieluhrklängen.
8.Zwitter
Holla, ein Titel den man auch nicht alle tage zu sehen bekommt. Naja, wie der Name schon sagt, handelt es sich hier um ein Zweigeschlechtliches Wesen. Es erzählt was es den ganzen Tag so machen kann und die Vorteile gegenüber Eingeschlechtlicher. Der Text ist im etwas eigenwilligen Rammstein-Humor geschrieben, der nicht jedermanns Sache ist, zumal hier das böse F...-Wort drin vorkommt. Trotzdem ein ganz gutes Lied, was nicht zuletzt wieder am harten Sound liegt, der da aus den Boxen hämmert.
By the way: Das Lied ist angeblich Till´s Lieblingslied von dem Album.
9.Rein Raus
Jedes Album hat wohl auch seine Schwachstelle. Nur will ich das Lied hier nicht unbedingt als Schwachstelle beschreiben, da ich es immer noch ganz gut finde. Sagen wir einfach mal, es ist das schlechteste des Albums, befindet sich aber trotzdem auf hohem Niveau. Wie der Titel schon verrät hat es um Geschlechtsverkehr, der wieder in dem eigenwilligen Humor beschrieben ist. Aber irgendwie doch ganz witzig, manche werden sagen pervers. Der Sound dazu ist wieder auf entsprechender Härte gehalten, aber „Zwitter“ war halt besser.
10.Adios
Jetzt wird es allerdings wieder interessant. Dieses wohl schnellste Lied des Albums handelt von Drogen. Till beschreibt in bewährter Rammsteinart die Prozedur vom Heroin nehmen, wobei es diesmal aber nicht der schon erwähnte Humor ist, sondern alles ernst ist. Sehr gut beschrieben und auch der Refrain ist Klasse, wo zuerst ruhig eine Gitarre spielt und dann alle reinhauen. Nach dem ersten Refrain kommt ein Keyboardspiel dazu, was das ganze Lied noch schneller macht. Am Ende ist dann die Wirkung der Drogen vorbei und die schlimme Wirklichkeit ist wieder da.
11.Nebel
Den Abschluss bildet Traditionsgemäß das elfte Lied. Und hier haben wir den zweiten ruhigen Track. Schon zu beginn gibt es Musik die Nebel darstellen soll, von Keyboard gespielt. Dann setzen ganz ruhig Bass und Drums ein Till singt ein Lied über ein altes Pärchen am Strand, die beide kurz davor sind an Altersschwäche zu sterben. Hier im Bericht hört sich das vielleicht anders an, aber das Lied erzeugt eine sehr schöne, wenn auch etwas bedrückende aber passende Stimmung. Vor allem beim Refrain wo es richtig emotional wird und die beiden sich küssen. Till holt nochmal alles aus seiner Stimme raus und das Lied wird etwas lauter, wodurch aber nichts von dieser Stimmung verloren geht. Ein würdiges Ende eines tollen Albums.
Cover & Artwork:
Ein weiteres Highlight bildet das Cover und ganz besonders das Artwork. Beides wurde zum Thema „Konservieren vom Leichen“ gemacht. Als Cover ist das Gesicht eines Embryos in Großaufnahme (Augen, Nase, Mund) zu sehen. Schlägt man das Booklet auf sind die einzelnen Bandmitglieder in der Reihenfolge Christoph Schneider (Drums), Till Lindemann (Vocals), Oliver Riedel (Bass), Paul Landers (Gitarre), Richard Kruspe-Bernstein (Gitarre) und Christian „Flake“ Lorenz (Keyboard) ebenfalls als Leichen einkonserviert zu sehen. Das sind alles sehr schummerige, groteske Bilder, aber nicht wirklich schlimm, dass es eine Alterbegrenzung dafür geben müsste. Unter den Bildern stehen noch in einer Art wissenschaftlichen Schriftbogen das Instrument und der Name des jeweiligen Bandmitglied, wobei diese als Präparat bezeichnet werden. Naja, nicht jedermanns Geschmack, aber ich finds so Klasse, dass ich auch mal gerne so ein Bild von mir hätte. Nennt mich verrückt, aber ich würde gerne wissen wie das aussehen würde. :-)
Fazit:
Auch wenn es dieses Album, meiner Meinung nicht ganz an Herzeleid ran schafft, ist es doch eines der besten Alben von Rammstein. Wie schon erwähnt sollten, sich Einsteiger das Album zuerst zu Gemüte führen, um einen Einblick in die Musik der Berliner zu kriegen. Für mich wieder einmal ein perfektes Album mit 11 weltklasse Liedern. Typisch Rammstein ebend.
16.01.2005 15:02
Mir ist die Scheibe stellenweise etwas zu glatt gebügelt
31.12.2004 18:17
Ist leider nicht die beste CD von Rammstein aber ich höre sie immer wieder mal gerne. LG Anke
18.12.2004 12:43
Sind schon ziemlich kontrovers und auch provokativ, aber gut ... Danke für den schönen Bericht ...