„Dance in flames for the final quest“
04.05.2003 (06.05.2003)
Pro:
Eine Handvoll insgesamt guter Lieder; technisch einwandfrei gespielt; starkes Riffing
Kontra:
viel Mittelmaß; der Gesang; veraltete, etwas dünne Produktion; mangelnde Abwechslung und dadurch fehlender Langzeitanreiz
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 Dash_HB
Über sich:
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Erfahrungsberichte:218
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Weiter geht’s mit Shake Heads, der prima Metal-Aktion vom Wishmaster, die mittlerweile beinahe meine gesamte Schreibaktivität einnimmt. Um Iced Earth soll es heute gehen. Nicht aber um eins der anerkannten Referenzwerke wie „Something Wicked this way comes“ oder „The Dark Saga“, sondern um eins der früheren Alben, nämlich „Night of the Stormrider“. Jüngst wurde eben jenes als Neuauflage re-released, ich hab aber damals die Erstauflage bei eBay für 5,- DM oder so gekauft, nachdem ich vom Dark Saga Album sehr begeistert war. Von der Stormrider war ich dann eher etwas enttäuscht. Hauptsächlich liegt meine Abneigung an dem alten Sänger John Greely, der meines Erachtens zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Albums (1992) kein besonders guter Metalsänger war. Die Vocals klingen sehr dünn und kraftlos und tragen überhaupt nichts zur Atmosphäre bei. So kommt es, dass ich nur einige Songs der Platte wirlich gut finde, nämlich die, die auch ohne eine aussagekräftige Stimme auskommen (würden). Musikalisch deutete sich jedoch bereits vor nunmehr über zehn Jahren an, dass Jon Schaffer mit seiner Band eines Tages zu den ganz Großen gehören würde (was sie heute ja wohl tun, will da jemand wiedersprechen?). Solide bis gut inszenierte Old-School-Heavy Metal-Hymnen, die auf ein teils beeindruckendes Riffing zurückgreifen.
So, heute gibt’s kein ausschweifendes Gequatsche, wir steigen gleich mal ein in den Metaltrain. 1. „Angel’s Holocaust“ Das Synthesizer-Intro hat man faktisch gleich in das erste Lied implementiert. Die apokalyptischen Klänge heizen die Stimmung durchaus gut an, gleich darauf ertönen auch schon die ersten Drums, bis dann die Gitarren endgültig die Synthies ablösen. Das Ganze fängt richtig gut an, aber dann dieser Gesang. Hallo, singt da wirklich jemand? Ich verstehe nämlich nichts. Nicht schüchtern sein, Kleiner, komm ruhig raus... Sorry, aber ich hab michb ganz schön umgeguckt, als ich den Gesang zum erstem Mal hörte und war ja maßlos enttäuscht. Dabei ist der Song an sich doch garnicht so übel. Feine Stakkatoriffs, etwas schwach produziert, aber gut anzuhören. Diverse Blastparts inklusive Schreieinlagen folgen, bis dann das Eröffnungsstück richtig in Schwung kommt. Richig gelungen finde ich die eingesprenkelten Samples, die die Atmosphäre schön unterstreichen und an das Ende der Welt denken lassen. Richtig genial ist der Mittelteil, wo die Stromgitarre allein vor sich hin rifft, technisch einwandfrei, dazu ein Glockengeläut und leider wieder ein unverständlicher John Greely. Ein richtig geiles Solo rundet den Song ab, der mit einem besseren Sänger locker die 4 Sterne-Marke übersprungen hätte. So bleibt’s gutes Mittelmaß.
2. „Stormrider“ Einer der wenigen absoluten Hits der Platte ist dieser Titelsong. Sehr zügig-hektische Drums und schnelles Riffing, durchsetzt vo langsameren Passagen. Der Gesang ist hier übrigens nur wenig besser als bei den restlichen Tracks, obwohl Mr. Schaffer persönlich hier das Mikro in die Hand nahm. In der Tat gefällt mir Matthew Barlow vom Dark Saga Album als Sänger um Parsecs besser. Zurück zum Song: Der kann den schwachen Gesang überraschenderweise locker wegstecken und kompensieren. Der Chorus gefällt durch dezente Backgroundshouts und wiederum ein nettes Solo. Die Soli wurden nebenbei bemerkt allesamt von Sänger Greely eingespielt. Wäre er mal bei den Stromgitarren geblieben... „Stormrider“ jedenfalls lässt gehörige Instrumentalparts los, in denen richtig amtlich gerockt wird. Besonders die Rhythmusgitarren machen Spaß und treiben den Song konsequent nach vorn. Mit ordentlich Drive geht es dann in den Schlussspurt. Ich muss sagen, das Teil hätte durchaus das Zeug zu einem wahren Klassiker gehabt. Leider können die Vocals nicht so recht den letzten Kick geben, der so dringend nötig gewesen wäre. Ansonsten aber schon ein früher Höhepunkt der CD. 3. „The Path I choose“ Richtig cool ist dann der Übergang zum dritten Song. Das Riffing klingt nämlich zuerst genau gleich (auch wenn die Lücke zwischen den beiden Songs nicht nahtlos geschlossen ist), wird aber urplötzlich in eine höhere Tonlage gehievt und bietet somit einen netten Überraschungseffekt. Wenn man nicht genau auf das Display vom Stereo schaut, denkt man zuerst, „Stormrider“ würde noch weitergehen, zumindest ging es mir am Anfang so. Gut gemacht. Dann aber ertönen zusätzlich zu den noch besser klingenden Gitarren sachte Chöre im Hintergrund und versprechen eine richtige Granate. In den ersten Textzeilen machen die Vocals eine relativ gute Figur, auch der Chorus kommt durchaus gut rüber mit den Screams und dem fetten Drumming. Aber so richtig fetzen tut das immer noch nicht so richtig. Am besten gefällt mir wieder der Mittelteil, in dem sowohl Rhythmus- als auch Leadgitarren frei und variabel laufen und in diversen Solopassagen schön harmonieren. Bezeichnenderweise ist der Song dann auch am stärksten, wenn auf Gesang verzichtet wird. Demselben muss man zugute halten, dass er kleinere Schreipassagen ganz gut meistert, so rein vom Handling her. Dass die Stimme dadurch nicht voller oder kräftiger klingt, bleibt leider bestehen. Wie schon zuvor gilt, mit einer moderneren Produktion und einem anderen Sänger wäre eventuell mehr draus geworden.
4. „Before the Vision“ Sanftes Geklimper, die Regler werden runtergefahren. Ein gesprochener Monolog, dann wieder dieser Gesang... eigentlich eine richtig gute Melodie und so, aber, na, ihr wisst schon, ich wiederhole mich allmählich. Mit dieser Stimme kann ich mich nicht anfreunden. Kurzer Eineinhalbminüter, den man kaum als richtigen Song bezeichnen kann (hätte man aber einen draus machen können). 5. „Mystical End“ Metallisch geht’s weiter, mit einem flotten Takt und einer ungewöhnlich fröhlich klingenden Hookline. Auch bei den Vocals gibt’s mal kleinere Variationen, aber ansonsten halten sich die Abwechslungen in Grenzen, und allmählich klingt das Ganze irgendwie auch etwas eintönig. Ähnliches Stakkatoriffing, wieder technisch solide runtergespielte Soli, die aber doch irgendwo nicht so recht Stellung beziehen, sondern mehr eine Art Quotenrolle erfüllen. Dieser Song ist mitunter der Punkt, wo ich manchmal denke, vielleicht habe ich einfach noch keinen Zugang zu dem Album gefunden, oder es wird tatsächlich etwas langweilig. Jedenfalls muss ich schon mal kräfig durchatmen, um den Rest auch noch anzuhören.
6. „Desert Rain“ Auf geht’s zu einem epischen Werk mit Überlänge. Nch einigem Akustikgeklimper folgen wieder das gewohnte Powerriffing und die dünnen Vocals. Ich bekomme allmählich den Eindruck, dass sich die Songs einfach immer wieder wiederholen, einfach weil ich nur sehr wenige Unterschiede heraushören. Sogar die Muster gleich sich. Nach dem „konventionellen“ Teil folgt eine großzügig ausgespielte Instrumentalpassage mit erhöhtem Tempo und glattgeschliffenen Soli. Glücklicherweise kann der Refrain hier noch mal was reißen. Schön chorös und melodisch bringt derselbe endlich mal ein wenig frischen Wind in das eingestaubte Gefüge. Seltsamerweise machen die Soli danach wieder ungleich mehr Spaß, einfach des Kontrastes wegen. Im letzten Drittel folgt dann noch sowas wie ein Zelebrieren des Gesangs, wenn er denn zelebrierungswürdig wäre. So aber klingt dieser Teil ziemlich leer und inhaltslos, wie ich finde.Trotzdem gehört „Desert Rain“ wegen des weitläufigen Charakters und des richtig guten Chorus zum Besten, was die Platte zu bieten hat. 7. „Pure Evil“ Uuuuuhhh. Jetzt also das pure Böse, da bin ich ja mal gespannt. Die Eröffnung lässt mich spontan immer etwas an die frühen Paradise Lost denken. Düstere Atmosphäre, virtuoses Gitarrenspiel. Wird aber gleich wieder weggeschubst vom gewohnten Stakkatoriffing. Der Refrain gefällt mir wieder richtig gut, weil die kurzen, abgehackten Gitarren dann sehr langgezogen laufen und so einen netten Kontrast abbilden. Auf einem richtigen Knalleralbum wäre dieser Song so ein Selbstläufer, der den Platz zwischen den Hits ausfüllt, aber auf einem eher durchschnittlichen Album wie „Stormrider“ hat sogar sowas Glanzcharakter. „Dance in flames for the final quest“ allerdings ist eine verdammt coole Textzeile, das muss ich ja mal sagen. Darauf freu ich mich immer wieder. Da passt seltsamerweise auch die eher dünne Stimme, die mich dann immer an einen uralten, gebrechlichen, aber sehr mächtigen Gebieter erinnert. Zum Schluss kommen dann noch einmal diese Greg Mackintosh-liken Riffs, die erfreulich abwechselnd wirken, im Gesamtkontext der Platte gesehen. Nett.
8. „Reaching the End“ Nahtlos geht es über in ein ruhiges Interludium von knapp eineinhalb Minuten, wo der hohe, helle Gesang doch mal wieder halbwegs passabel klingt. Für eine gewisse Art von Balladen hätte die vielleicht sogar u.u.U. geeignet sein könne, wer weiß... 9. „Travel in Stygian“ Das dicke Ei kommt zum Schluss: Beinahe volle zehn Minuten lang versucht man hier, ein mächtiges Epos aufzubauen, was bedingt gelingt. Der sehr schnelle, bangbare Eröffnungsteil ist ziemlich gut gelungen, auch wenn der Gesang wieder kacke klingt. Nach dem ersten Break folgt eine irrwitzige Mischung aus mitsingwürdigen Chören, aggressiven Shouts und technisch versiertem Gitarrenspiel. Der folgende Blastpart ist richtig cool und rockt vor allem schweinemäßig ab. Da zeigt die Band mal ihr ganzes Können und ihre ganze Bandbreite, richtig geil. Der folgende Stampfrhythmus mit dem verzerrten Sprechgesang baut endlich mal eine richtige Spannung auf (Daumen hoch), die leider nicht so ganz zielsicher wieder losgelassen wird (Daumen runter). Zum Schluss dann noch mal der bangbare Teil vom Anfang, durchsetzt von schwammigen Keys. Die Chöre kommen erneut sehr cool, bis dann endlich mit Pianoklängen der Song und damit das Album ausgefadet wird.
Ein reichlich durchwachsenes Stück Metal also. Die Lyrics sind allesamt im Grunde sehr elegant und storytechnisch sinnvoll konzeptioniert und könnten, bei passendem Gesang, durchaus zur Stimmung beitragen. Leider muss ich jetzt noch einmal zusammenfassend sagen: Der Gesang gefällt mir größtenteils überhaupt nicht und macht so Einiges zunichte. Dazu kommt eine sehr sparsame Produktion, die man aber übersehen könnte. Pluspunkte macht „Night of the Stormrider“ vor allem punktuell, wenn einzelne Songs einzelne Glanzpunkte setzen können. Kein einziges Lied ist hundertprozentig begeisternd, aber kein einziges ist auch totale Grütze. Meistens bewegt man sich im gesunden Mittelmaß, was bei in diesem Stadium einer Bandgeschichte durchaus mal vorkommt. Mit einem anderen Sänger hätte man das Niveau durchaus noch steigern können, so bleibt dieses Langeisen ein eher unauffälliger Vertreter seiner Art, den man zwar zwischendurch mal anhören kann, aber wohl nur für Fans der Band unverzichtbar ist. Alle anderen sollten wohl eher bei „Something Wicked“ oder „Dark Saga“ haltmachen, denn zumindest von Letzterem kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das ein in sich stimmiges Album ist, dass dennoch nicht so schnell langweilig wird.
Ich denke, mit soliden drei Sternen und einer bedingten Empfehlung ist diese CD fair von mir bewertet worden. Das Coverartwork ist eher schlicht, aber für die damalige Zeit technisch einwandfrei inszeniert worden und gefällt durch die düstere Farbgebung. Die Klangqualität ist, wie gesagt, für die damalige Zeit ebenfalls in Ordnung, klingt heute natürlich etwas überholt. Erhältlich ist heutzutage glaube ich nur noch die Neuauflage, die im gut sortierten Fachhandel für überraschende 15,- € (plusminus 2) zu haben sein dürfte. Der Tonträger hat ein Loch in der Mitte und hält sich in Milch knusprig.
Vielen Dank für’s Lesen (und Kommentieren). Shake Heads.
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08.10.2003 19:00
h3h3, nettes rEvIeW..., an den Gesang muss man sich wirklich erst gewöhnen, wenn man zuvor schon Matthew Barlow gehört hat ^^
16.05.2003 14:38
Hmmm, knusprige Platten *lecker*. Die Milchvariante war mir bisher unbekannt, aber eingelegt in Öl ist auch nicht schlecht... LG Lea
14.05.2003 08:59
Die Covers finde ich schon manchmal sehr ansprechend... hat was... aber die Musik gefällt mir halt nicht ganz so gut Gruß Normen