1997
02.04.2003
Pro:
teilweise altbekannter Sound, interessante Abwechslungen
Kontra:
. . aber auch ungewöhnliche Klänge und Befremdendes
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 500386
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:136
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Das Jahr, in welchem "Nimrod" erschien, das Album, um das es heute gehen soll.
>>> §1: DIE BAND <<< Green Day sind eine Punkband aus Berkeley im sonnigen Kalifornien. Ihren großen Durchbruch hatten sie mit „Dookie“ im Jahre 1994, doch auch schon vorher hatten sie einige Alben veröffentlicht, die mithin als Geheimtipp gelten, als da wären „39/Smooth“ (1990) und „Kerplunk“ (1991). Die Jahre davor, sprich die Zeit von 1987 bis 1990, veröffentlichten sie nur einige wenige und nicht sehr berauschende EPs. Die Band besteht aus Sänger und Gitarrist Billie Joe Armstrong, dem Bassisten Mike Dirnt und dem Drummer Tre Cool, der aber erst 1991 zur Band stieß, weil Green Day seinen Vorgänger für zu „lahm“ befanden.
Ihr Sound hat sich in den Jahren deutlich verändert, vom reinen Powerchord-Einfach-Punk der frühen 90er Jahre über etwas aggressivere Experimente hin zu einem sehr poppigen und weichen „Warning“-Album vor knapp 2 Jahren. Nimrod ist ein Werk aus dem Jahre 1997 und stellte so etwas wie einen Bruch mit dem alten Musikstil dar, meiner Meinung nach wurde in diesem Album viel neues versucht und sowohl härtere als auch groovigere Elemente eingebracht.
>>> §2 DIE SONGS IM EINZELNEN <<<
1 Nice Guys Finish Last 2:49 Mit harter Snare Drum und schnellem Stakkato beginnt dieser Song, und Billie Joe singt die erste Strophe nur zum monotonen Gehämmer des Basses. Im Verlauf des Liedes setzt er jedoch mit seiner Gitarre ein und verleiht diesem Lied einen fast schon swingigen Ton. Es ist rockig durch das harte Gitarrenstakkato, klar, aber der Song hat eindeutig einen sehr milden, poppigen Refrain und geht daher leicht ins Ohr. Die Bassläufe kennt man noch von den alten Alben und auch die Art, wie der Song beendet wird (durch langsame Rücknahme der Instrumente und Abrundung durch den Bass), ist dem Green Day-Hörer noch wohl bekannt. Insgesamt ein nicht zu harter, angenehm zu hörender Einstieg in das Album. 8/10
2 Hitchin’ A Ride 2:51 Dieser Song stellte die erste Single-Auskopplung dar, die vor Veröffentlichung des Albums herausgebracht wurde. Für Green Day äußerst ungewöhnlich beginnt ein Cello mit einer kleinen Melodie, bevor Gitarre und Bass, angetrieben von einer fast schon militärisch geschlagenen Drum, mit kurzen, von winzigen Pausen unterbrochenen kurzen Akkorden einsetzen. Diese steigern sich, werden immer länger und enden in den langen Riffs, die Billies Gesang im Refrain untermalen, jedoch rechtzeitig wieder zurückgeschraubt werden. Zum Ende hin wird der Song härter, ein leicht verzerrtes Gitarrensolo zeiht die Schraube noch einmal enger, Mikes versetzter Hintergrundgesang und Billie Joes ständiges „Hitchin’ a ride“ steigern sich bis zum Ende. Ein Song, der einen etwas ungewöhnlichen Einstieg und Anfangsbeat hat, zum Ende hin aber gewohnte Strukturen erkennen lässt. 10/10
3 The Grouch 2:12 In diesem Song spielen die Gitarren nicht voll, die gewohnten Powerchords sind verschwunden. Vielmehr klingt Billie Joe mit seinem Instrument sehr weich und mild, der Klang der Gitarre erinnert an „Beat“-Stücke aus den 80er Jahren. Auffällig ist, dass der Bass das Stück deutlich dominieren kann und den Hörer den Rhythmus überdeutlich hören lässt. Seien es kurze, aus wenigen Noten bestehende Auf und Abs oder aber auch ausgeprägtere Läufe: Mike kann sich hier so richtig austoben. Hier merkt man das erste Mal sehr deutlich, dass Green Day einen anderen Sound als in den Vorgänger-Alben haben und nicht mehr so linear und vorhersehbar spielen. Trotzdem ein etwas lahmes Lied. 7/10
4 Redundant 3:17 Green Day werden melancholisch? Gitarre und Bass eröffnen mit fast schon traurigen Akkorden, und Billie Joes Gesang wirkt ungewöhnlich bedacht und emotional. Dies wird deutlich verstärkt durch die leicht hallenden Akkorde im Refrain und den ungewöhnlichen Drum-Rhythmus, der zuweilen ein wenig an Walzer-Nachschläge erinnert. Die Gitarre kommt zu seinem Solo, doch markant an diesem Song bleiben ihre Einwürfe im Refrain. Sehr moderates Stück, nicht mit Produkten früherer Jahre vergleichbar. 7/10
5 Scattered 3:02 Das ist Green Day wie man sie kennt! Von der ersten Sekunde an tobt sich Tre Cool an den Drums aus, Mike hämmert wie eh und je in die Bass-Saiten und Billie Joe treibt in zweistimmigem Gesang und mit seinen einfachen aber prägenden Akkorden das Stück voran. Klanglich unbedingt in die „Dookie“-Epoche einzuordnen. Das kleine Intermezzo, in der nur Bass und Drum zu hören und das schneller und schneller wird, erinnert etwas an „Welcome To Paradise“. Mit nachhallenden Gitarren endet dieses überzeugende Stück. 8,5/10
6 All The Time 2:10 Auch dieses Stück kann sich neben dem “großen Album” von 1994 behaupten. In den Strophen werden die Akkorde zwar nicht durchgespielt, sondern formen ein kleines 4töniges Motiv, das aber sehr eingängig ist und den Song voran treibt. Auch in diesem Lied lebt in der Gesamtheit betrachtet von kleinen einprägsamen Stellen, die über einige Monounitäten im Refrain hinweghelfen. 7/10
7 Worry Rock 2:27 Wieder einmal ein nur mittelschnelles Stück, was uns die drei Jungs hier präsentieren. Der Bass hämmert zwar unbeirrt durch, bringt jedoch keinen entscheidenden Fortschritt. Dies wird durch die ungewöhnliche Spielart der Gitarre bewirkt: Am Songanfang gedämpft, dann so wie immer in durchgespielten Akkorden, doch dann wird zum Taktanfang jeweils eine kleine Pause gemacht und drei Nachschläge gespielt – und das klingt sehr swingig und neu. Billie Joes Solo beginnt sehr tief und steigert sich in der Tonhöhe und wird dadurch etwas dramatischer, hat aber nicht genug Kraft und Emotion, um im Ohr zu bleiben. 6,5/10
8 Platypus (I Hate You) 2:21 Ultra-schnelle Drums, flinke Akkorde, treibender Bass: so schnell waren Green Day überhaupt noch nicht auf diesem Album. Man hört Tre Cool mit seiner treibenden Snare förmlich davon galoppieren, die Akkorde werden sehr hart und aggressiv gespielt. Zum Ende wird es fast schon eine Vorstufe von Heavy Metal, als die dunkle Atmosphäre durch bitterböse neue Akkorde angeheizt wird und der Sänger in wüsten Beschimpfungen versinkt. Ein sehr rasches Stück, das eine unglaubliche Energie und Kompaktheit besitzt, ein einziger Klangraum, der dem Zuhörer keinerlei Atempause gestattet. 8/10
9 Uptight 3:04 Wenige Töne, die hart und beständig in mittelschwerem Stakkato durchgespielt werden, bilden zu Beginn den Klangteppich für den Gesang. Billie Joe selbst würde mit seiner Art zu singen diesen Song wohl nicht voranbringen, aber die Gitarren entwickeln eine unglaubliche Eigendynamik und lassen den Green Day-Sänger fast zur Nebensache werden, denn auch im Refrain ist ihr Gehämmer, später dann ihre langen Riffs zu hören. Das „Uptight“ wird Gott sei Dank zweistimmig gesungen, und die dadurch entstehende Energie verleiht dem Song genug Energie, um im Ohr zu bleiben, zu mal der Refrain nicht all zu schwer ist und sich ebenfalls dem Hörer im Kopf festsetzt. 8,5/10
10 Last Ride In 3:48 So, Zeit für eine Pause. Meeresrauschen, leichte Hi-Hats von Tre Cool und eine fast schon tropische Gitarre, die eine exotische, zumindest nicht rockige Melodie spielt. Der Bass spielt sehr langsam und hat einige kleine ausgeprägtere Stellen. Das Rauschen ist immer wieder zu hören, und im Verlauf des Songs verdichtet sich der Song, es kommen Streicher und ein Xylophon dazu, später sogar noch Jazz-Trompeten. Hierbei handelt es sich um ein Instrumentalstück, es ist die ganze Zeit kein Wort zu hören. Sehr langsam und bedächtig, und die Hauptmelodie, die nur aus wenigen Gitarren-Tönen besteht, ist einprägsam und wird bestimmt 30mal wiederholt. Es ist dann auch eher ein Motiv als eine echte Melodie. Wers mag. 6/10
11 Jinx 2:12 „One Two Three“ brüllt jemand mit schriller Stimme, dann beginnt ein Knaller im alten Stil. Die Akkorde sind voll und einfach wie eh und je, man kann Billie Joe förmlich an der Gitarre explodieren sehen und ihm die Lust und den Spaß an diesem schnellen Song anhören. Tre Cool nutzt alle Register seines Drum-Könnens, der zweistimmige Refrain am Ende lässt Erinnerungen an alte Zeiten wach werden, und der Übergang zum nächsten Stück erinnert doch etwas an den von „Longview“ zu „Welcome To Paradise“,. Obwohl er wesentlich härter ist. 9,5/10
12 Haushinka 3:25 Die Energie aus dem Vorgängerstück wird aufgegriffen und sogar noch intensiviert. Volle Akkorde, die einfach so in den Raum gespielt werden, ein wahres Bass-Gewitter, das wie ein einziger Gehämmer-Ton einen fulminanten Teppich bildet. Der Gesang, der sich zweistimmig steigert und einem Gitarrensolo münzt, passt ebenso zur Gesamtstimmung des Songs wie auch das Solo selbst. Kurz, aber sehr schnell und mitreißend. Der Refrain ist textlich gesehen sehr simpel: “This girl has gone far away- now she’s gone…”, prägt sich jedoch ungewöhnlich schnell ein. 10/10
13 Walking Alone 2:45 Mundharmonika zum Einstieg? Es findet eine Art Bruch statt, das treibende Tempo und die Energie der beiden vorhergehenden Songs kann nicht weiter intensiviert werden, und so bekommt der Hörer ein MidTempo-Lied mit leichten Gitarren-Klängen und recht ruhigem Gesang serviert. Einprägsam bleibt eindeutig das Motiv der Mundharmonika, das perfekt von der Gitarre aufgegriffen und verfolgt wird. 7/10
14 Reject 2:05 Der nächste Kracher. Das ist Green Day im Original: Schnelle Powerchords, aggressiver Gesang, treibende Drum und ein sich am Bass austobender Mike Dirnt. Dieser Song hat eine ungewöhnlich starke Energie und lädt, und trotz seiner doch recht simplen Akkorde wird er nicht langweilig, da Billie Joe gesanglich alles gibt. Zum Ende gibt es eine gewohnte Prozedur: Im Refraingesang setzt die Gitarre aus, um dann immer lauter werdend mit einem brutalen Stakkato zurückkehrt, schneller und schneller werdend. 10/10
15 Take Back 1:09 Das ist fast schon Metal. Sehr dunkle, ultra-schnelle Akkorde, der Gesang ist vor Aggressivität und Schnelligkeit fas nicht mehr zu verstehen, im Refrain fast schon die Growls, die man von der Fraktion mit den langen Haaren kennt. Drei Akkorde, die immer wieder kommen und eine explosive, düstere Mischung darstellen. Textlich gesehen ebenfalls brutal und wohl ein Grund für den „Parental Advisory“-Aufkleber auf der CD. 8/10
16 King For A Day 3:13 Green Day versuchen sich am Ska. Eigentlich nicht richtig, aber sie versuchen, im Stile von NOFX mittels der Trompete etwas gute Laune und Abwechslung in den Song zu bringen, was auch ganz gut gelingt. Der Bass spielt ebenfalls in dieser Art, und das Lied kann durchaus als „Gute Laune“-Track durchgehen. Die Blechbläser dominieren hier deutlich, der Refrain „King for a day, princess by dawn“ ist jedoch auch einprägsam und lädt zum Mitsingen ein. 9,5/10
17 Good Riddance (Time Of Your Life) 2:34 Dürfte den meisten unter dem “Zweititel” bekannt sein, da es ebenfalls eine Single-Auskopplung war. Es handelt sich hierbei um den ersten ernsthaften Versuch von Green Day, eine Ballade hinzulegen. Nach einem missglückten Einstieg samt Neubeginn beginnt B.J. mit der Akustikgitarre. Er singt dazu sehr ruhig und besonnen, fast schon schmerzvoll. Kurze Zeit später kommen noch Streicher dazu und machen das Ganze noch ein wenig dramatischer, da sie zunächst nur begleiten, im weiteren Verlauf aber eine Geige ein Solo spielt und dem ehrlich gesagt doch recht simplen Song ein wenig Abwechslung verleiht. 7,5/10
18 Prosthetic Head 3:37 Mit einer swingigen Gitarre beginnt dieses Stück. Fröhlich, leicht und unbeschwert singt Billie Joe zu einem Bass, der fast schon zu lachen scheint. Doch zum Refrain hin setzen plötzlich schnelle Drums und volle Akkorde ein, dazu Billie Joes zweistimmiges langgezogenes „You...“. Doch die zweite Strophe beginnt wie die erste und schraubt die Energie wieder etwas zurück. Ein etwas untypischer Sound für Green Day, nicht gerade schnell das Stück, aber dennoch kraftvoll und kompakt.
>>> §3 COVER/BOOKLET <<<
Auf dem Plattencover sieht man zwei s/w-Fotos zweier Männer, deren Gesichter zum größten Teil durch einen gelben Punkt, auf dem „nimrod.“ Steht, verdeckt sind, Auf der Rückseite befinden sich acht weitere solcher Fotos, auf dreien sind die Bandmitglieder zu sehen. Die Fotos scheinen anhand von Aussehen der Menschen, Farbe u.ä. schon etwas älter zu sein. Alle Personen sind gut gekleidet, lediglich Mike Dirnt trägt nur ein weißes Unterhemd.
Im Booklet befinden sich die Texte zu allen Songs. Sie sind abwechselnd in PC-Schrift und in Handschrift abgedruckt, wobei immer weite Stellen durchgestrichen sind – wahrscheinlich wurde an diese Stellen irgendein Müll geschrieben, denn die Texte der Songs sind trotz der vielen Streichungen vollständig vorhanden. Es befinden sich weitere Passbilder im Stile der Coverbilder im Booklet, sowie mehrere Fotographien der drei Jungs: jeder ist groß auf einer Seite vertreten, außerdem gibt es noch zwei lustige Gruppenfotos. >>> §4: PREIS <<<
Ich habe damals in den ersten Wochen nach Erscheinen 24,99 DM bezahlt. Heutzutage kriegt man es für deutlich weniger als den Standard-Albumpreis von 16€, bei Aktionen habe ich es schon für 11,99€ und weniger gesehen. >>> §5: FAZIT <<<
Insgesamt ein Album, dass von der Abwechslung der Stücke her zwar mehr ist als das, was einem bei Dookie oder Insomniac serviert wurde, keine Frage. Dennoch habe ich Zweifel, ob die ganzen Experimente, seinen es die schnellen Fast-Metal-Aggressivsongs, die langsameren groovigeren Sachen oder auch andere Verzierungen, wirklich sein mussten. Gut, Sachen wie die Intermission kennt man von Bands wie Offspring auch und sie machen ein Album auch interessant und weniger langweilig. Auch den Versuch, mittels Trompeten einem Song etwas mehr Leben einzuhauchen, möchte ich als gelungen bezeichnen. Dennoch: Dieses Album ist nicht mehr der Stil und die Musik, mit der Green Day bekannt geworden sind. So long, Markus
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26.09.2004 15:38
Oh mein Gott :O Eine Track by Track Review von der Nummer und dann wird auch noch das Cover beschrieben :O. Naja, wenigstens kenne ich jetzt deine Anfänge ;o) [2]
23.05.2003 16:09
Greenday kenne sogar ich ;-) Allerdings nur die lieder von Dookie, denn diese CD habe ich auch zuhause!
17.04.2003 19:20
Diese CD hatte ich auch mal, sie gefiel mir genau so wenig wie die Nachfolger. Irgendwie fand ich die Alben "Dookie" und "Insomniac" wesentlich besser.