Nothing has gone wrong with this record
17.06.2003
Pro:
Melancholie und Rock in perfekter Verschmelzung
Kontra:
Vielleicht mag der Gesang unpassend bei manchen Titeln wirken
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Senilm
Über sich:
FREE Musicjournalism // The world ends on a sunny day // Sympathy for Empathy // Alive and kicking....
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Hallo und Willkommen, wenn man in Deutschland nach Alternativer Gitarrenmusik sucht wird man meist nur an zwei Adressen fündig – im Norden in Hamburg und tief im Süden in der Nähe von Weilheim. Aus zweiterem Viertel ist Slut, die Band über deren aktuelles Album „Nothing will go wrong“ ich jetzt berichten möchte.
Slut sind mit Sicherheit eine der deutschen Nachwuchshoffnungen aus dem Rockbereich – während ihr Album „Lookbook“ zwar poppig versetzt mit Viva-konformen Melodien war, konnte man live bereits die Qualitäten der Band als Rocker spüren – dieses Gefühl soll jetzt auch „Nothing will go wrong“ auf dem Silberling zaubern ! NOTHING WILL GO WRONG ?
Mit röhrenden Amps und Countdowntaktung beginnt „Falling down“ sein brachiales Riffwerk. „Nothing ever change – this anger still in me“ tönt es aus dem beinahe zerbrechlich wirkenden Stimmorgan während die Instrumente sich in aggressivem Spiel üben – Gegensätze die sich sehr gut anziehen wollen – und irgendwie an Placebos Anfangszeiten erinnern. Fast schon hypnotisch wirkt dagegen “I can wait”, die Stimmen hallen im Kanon während sich im Hintergrund langsam Piano und Gitarre vereinen im schleppenden Spiel – doch alles spielt sich scheinbar um Christian Neuburger zartes Organ ab.
Auf die Rifftröte tritt „Time is not a remedy“ – wieder einer dieser Rocker die so sehr an Placebo erinnern – ein – und ausatmen lernt man mit dem vermeintlich schleppenden getakteten Tempo des Schlagzeugers – im Hintergrund orientalische Saiteninstrument mit schwirrend im Raum stehenden Sounds – und Neuburgers hohe Stimme. „To all the ones that don`t suppose…” und die Gitarren greifen zu – ein Riff reisst den Titel um 180 Grad herum und verleiht im Arschtritt Manier – in all dem Götterrock immer noch Neuburgers Stimme – himmelhochjauchzend! Was da als nächstes eingängig durch die Boxen rockt und schallert treibt einen fünfzehn Sekunden lang Freudentränen auf die Wangen – „So easy to love“ – wie ein pubertärer Junge der sich an seinem ersten Playboyposter nicht sattsehen kann, kann man sich diesen Titel immer wieder und wieder anhören – ist es die Steady Taktung – sind es die perfekt getimten Riffmauern oder die Melodiebögen welche sanft stimmlich enthoben werden ? Oder ist es einfach nur der geniale Refrain - der fast schon lasziv wirkend – diesmal stark an Ash erinnert, wenn er rockgewaltig donnernd über uns hinwegzieht und dabei diesen unverschämten Mitsingrefrain zu Tage fördert !
Doch es geht noch besser – röhrend arbeiten sich die Gitarren in „Reminder“ durch die temporeich getaktete Rocklandschaft – hier dröhnt und knallt es aus jeder Box ! Das Teil rockt – auch wenn man sich manchmal wünscht es würde nun endlich die Explosion losgehen – wird man dann doch von einer Keyboardwelle gefangen und vom sirenenhaften Gesang Neuburgers um den Verstand gebracht ! Wenig später preschen wieder Riffwellen auf uns nieder – und wir werden durch den Sturm gebeutelt – den man uns instrumental auf die Ohren legt! Genial.... „We`re universal and we`re blessed…” mit ungewohnt rhytmischer Mikrofonbearbeitung überzeugt Neuburger bei „Universal“! Meist nur vom faustdick knüppelnden Drummer begleitet wird den Gitarren nur selten Einlass gewährt – wenn dann aber mit ordentlich Strom unter den Saiten ! Das schiebt und geht ins Ohr ! Irgendwas orgelt sich mit dröhnend tiefem Klang in unser Gehirn hinein – weicher Balsam spült sich in Form Neuburgers klarer Stimme mit ein! „As long as your near – there`s something to cry for my love – guess I can never find my destiny – guess I can never be blessed with love” Langsam wie der Pulsschlag eines Sterbenden schreitet der Titel bleiernen Schrittes durch seine düsteren Klangwelten – und durch die wenig belebende Stimme Neuburgers, die sich aber tief ins Fleisch frisst ! Irgendwann vernimmt man auch noch eine langsam tropfende Keyboardstruktur... wo...
Ganz hohe Stimmweiten erklimmt Neuburger bei „BlowUp“ während er in das eine Extrem verfällt, schrauben sich die Instrumente woanders fest! Denn nach einem balladesken Beginn, tritt der Titel unvermindert so dermassen Arsch, dass man sich die Ohropax schnellstens einstöpseln sollte – denn das was hier an Soloriff durch die Lautsprecher dröhnt, kann innerhalb weniger Sekunden absolute Suchtgefahr verursachen ! Und auch Neuburger findet sich schnell mit seiner neuen, aggressiv gestimmten Begleitung ab und besinnt sich auf melodische Stimmlagen mit engelsgleichem Hosiannagesang ! Und immer wieder dieses Riff... immer wieder... und wieder... ja ... verdammt noch mal wieder ! Wer dachte jetzt sei die Luft raus, der wird mit „One more day“ eines besseren belehrt – hier geht’s im Ready-Steady-Go Tempo unmittelbar Gitarrensaiten zupfend auf in Richtung Eingängigkeit – springen – immer wieder nur springen – das scheint die musikalische Message dieses Rocketiers zu sein! Rein und raus – rein und raus... aber halt mal... da ist ja auch noch Neuburger, der zwar zugegebenermassen mit seiner Stimme etwas ins Hintertreffen gerät – dafür aber mit seiner ruhigen Gesangslinie der ausgleichende Ruhepol des Titels ist !
Soundwellen – Gitarre, Synthiekeyboard – wogend, surrend, singend – „No flowers please“ und „Still it`s me to trick myself” – dieser Satz der sich wie eine Made ins Gehör frisst, langsam, kaum vernehmbar aber stetig… Melancholie! Pur… … mit belebender Gitarreninstrumentierung – die Gefühle durchleben lässt, wie es nur Musik zulassen kann! NOTHING HAS GONE WRONG
Was für ein Zweitling – dreiviertel purer Rock und ein Viertel feinste Melancholie zaubern hier ein Süppchen das jedem bekommt ! Die eingängigen Kracher „Time is not a remedy“ und „Easy to love“ möchte man am liebsten auf Dauerrotation hören, während man sich „Something to die for“ am besten alleine abends im dunklen Raum anhört! Gar nicht allein sollte man am besten bei den genialen Rockröhren „Blow up“ und „One more day“ sein – denn hier kocht das Blut !
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27.12.2003 17:43
... warum hab' ich diese CD eigentlich immer noch nicht ... *grüübel* ...
09.09.2003 14:42
Sehr guter Bericht. Ich besitze alle Alben von Slut, habe sogar schon Berichte dazu geschrieben. Ich finde, dass Slut so etwas wie die Hoffnung der deutschen Alternative/Rock Generation ist. Viel in der Ecke gibt es ja da nicht. Nur so zur Information: "Nothing Will Go Wrong" ist nicht der Zweitling, Slut haben insgesamt 4 Alben herausgebracht. For Exercise And Amusement (Genial!), Interference, Lookbook (Mein Favorit) und Nothing Will Go Wrong. Falls du die Vorgänger nicht besitzen solltest, kauf sie dir: Du wirst es nicht bereuen, vorallem weil die ersten beiden Alben noch verspielter, rockiger sind. Übrigens meine Homepage ist: www.slut.de.tf
01.07.2003 15:51
Naja, ich finde Slut ja nu eher auf Dauer langweilig. Schönen Gruß Met