... und Sting war erwachsen.
25.09.2003
Pro:
Eines der komplettesten Alben aller Zeiten
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 FlatArt
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:83
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 46 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Am Montag (29.9.03) erscheint das neue Sting-Album "Sacred Love". Ein Grund mehr für mich, die "alten" Scheiben noch mal an mein Ohr zu lassen. Bei Sting passiert mir das sehr häufig. Und ganz oben rangiert bei der Auswahl "Nothing like the sun". Nach dem vielbeachteten und von den Kritikern geliebten "Dream of the blue turtles", dem ersten Solo-Album nach der Auflösung von Police im Jahre '85, und der Live-Doppel-Scheibe "Bring on the night" vollzog Sting (nach meiner Meinung) 1987 die komplette Erwachsenwerdung mit seinem Doppel-Album "Nothing like the sun". Alle die die CD-Version ihr Eigen nennen werden sich hier vielleicht wundern, aber die Vinyl-Version kam tatsächlich mit zwei Scheiben daher, die zugegeben sehr großzügig mit dem Platz umgehen konnten. Flankiert wurde das Doppelalbum von Liedtexten in Englisch, Französisch und Deutsch. Sting hatte hier nicht gespart. War ihm die Internationalität seiner Texte wichtig, so hatte er bei der Entstehung der musikalischen Unterlegung ebenfalls nicht gekleckert. Mit Kenny Kirkland (Keyboard/Piano), Branford Masalis (Saxofon/Klarinette) und Omar Halim (Drums) scharte er die Creme des amerikanischen Jazz um sich. Und so wurde dieses Album verjazzter Rock at his best. Und gleichsam gelang mit einigen Single-Auskopplungen das Kunststück, immer und überall present zu sein, denn an welchem Tag läuft nicht in einem Radiosender "They dance alone", "Fragile" oder ... "Englishman in New York" ?! 1. The Lazerus heart _______________
Habe ich den Jazz erwähnt? Masalis eröffnet diesen verspielten Song mit einer Klarinettenunterlegung vom feinsten. Die Drums sind sparsam und auch die Melodie lebt vom Sich-trennen der einzelnen Instrumente (das schließt Stings Stimme mit ein) und dem Wiederfinden zum Chorus. Hart an der Disharmonie, aber eben nur knapp daneben ist dieses Lied ein mit Bedacht gewähltes Eröffnungsstück. Warum? Es ist einfach spannend! [8/10] 2. Be still my beating heart _______________________
Im ersten Moment könnte man meinen, dieser Song könnte auch im Fahrstuhl eines Wahrenhauses laufen. Ruhig kommt die Melodie daher, gequält fast Stings Stimme. Sparsam geht er auch mit dem Klangteppich um. Hier ist noch nicht jede Zehntelsekunde unterlegt, dennoch (oder gerade darum) gelingt es gleichsam den Kopf in den Nacken zu legen und die Augen entspannend zu schließen, aber außerdem dabei mit dem Fuß im Takt zu wippen. Welches Lied kann das? [9/10] 3. Englishman in New York ____________________
Der Klassiker schlechthin, zahllos gecovert und doch immer wieder gut. Ambitioniert in Text und Melodie gleichermaßen bringt dieses Lied einen Refrain mit sich, den die ganze Welt kennt und den jeder mitsingen kann. Unerreicht das Solospiel von Marsalis. Ein echter Hit eben. Gäbe es keinen Grund, diese CD zu kaufen - dieses Lied allein ist einer! [10/10] 4. History will teach us nothing _______________________ Wenn auch dieser Titel keine Single-Qualitäten hat, so ist er doch im besten Sinne gefällig. Der textlich erhobene Zeigefinger (s. Songtitel) steht im Vordergrund, die Melodie transportiert lediglich. Doch immer wenn das "Sooner or later" erklingt, hat auch dieser Song sein persönliches kleines Highlight. Obacht, die im zweiten Teil unterlegte Nebenmelodie kehrt in Titel 8 zurück. [7/10]
5. They dance alone __________________ Basis für dieses Lied war die Tatsache, dass während der Militär-Diktatur unter Pinochet Abertausende von Männer inhaftiert wurden und verschwanden. Die Trommelwirbel im Hintergrund vermitteln diese drückende Atmosphäre unbewußt, Die Panflöte als Untermalung bedeutet die lateinamerikanische Zuordnung. Geschickt ist das und gekonnt. Stings Stimme klingt nachdenklich, traurig. Zudem spricht/singt er in einfachen Worten, selbst mit rudimentären Englischkenntnissen kann man der Aussage des Liedes folgen. Die Frauen Chiles tanzen mit ihren unsichtbaren Vätern, Männern, Söhnen. Traurig. Aber am Ende ist da die Hoffnung, dass sie sie irgendwann wieder in den Armen halten werden. [10/10]
6. Fragile ________ Einer meiner persönlichen All-time-high's! Ein kleines, feines Lied. Mit einem wunderbar unaufdringlichen Guitarrenspiel. Zurücklehnen und träumen. Und dann kommt seine Stimme dazu, leise, rauh und doch kräftig. Und am Ende die kleine wunderbare Pause vor dem alles beendenden Ping! [10/10]
7. We'll be together ________________ Kein Live-Konzert ohne diesen Song. Ein Mitreißer, ein "Schunkler", ein echter "Wipp-mit-dem-Fuß". Harte Beats mit verspieltem Keyboard. Ein (auf der CD) an dieser Stelle unerwarteter Kontrapunkt. Auf der Vinyl-Version läutet das Lied den "zweiten" Teil ein (erstes Lied auf Seite 3). So oder so: Sting nimmt Fahrt auf. [10/10]
8. Strait to my heart ________________ Und gleich noch ein All-time-high! Ein Lied zum Mitklatschen. Wie beim Paso doble möchte man die Hände in die Höhe heben und hastig gegeneinanderschlagen. Die bereits bei "History ..." benutzte Nebenmelodie wird hier zum runden Soundteppich ausgeweitet und eine spielerisch- leichte Hauptlinie dringt in unsere Ohren. Tatsächlich ist das aber ein Bauchlied. Schwer, es nicht zu mögen. (Selbst David Copperfield benutzt es für einen seiner Tricks.) [10/10] 9. Rock steady _____________
Beständiger Felsen - rock steady. Nur eine von mehreren mögliuchen Übersetzungen. Die aber ist treffend für einen ruhigen, gleichbleibenden Rock. Der Refrain bricht nicht aus dem steten Gesamtkonzept dieses Liedes und führt die Melodie "nur" weiter. Ein schwer zu definierendes Lied, dennoch hörenswert. Auch erscheint es als Bindeglied zum folgenden Lied (Achtung, Platte wenden: auf der 4ten Seite das erste Lied)... [7/10] 10. Sister moon ___________
Marsalis kann sich im übertragenden Sinne austoben. Dessen Klarinette und Sting spielen sich die Bälle zu. Ruhig ist das und filigran. Zwei Meister sind am Werke. [9/10] 11. Little wing ___________
Ein Jimi-Hendrix-Lied von Sting? Ja, das geht! Und es wurde das beste Hendrix-Cover I've ever heard. Natürlich nimmt die Guitarre auch hier die Vormachtstellung ein. Dennoch bekommt auch Marsalis wieder seinen Auftritt und die Stimme Stings übernimmt in gewohnter Manier. Ein Lied vom Feinsten. Rock at his best! [10/10] 12. The secret marriage __________________
Ein Lied zum Schalfengehen. Fast wie ein Kinderlied klingt die zarte Weise auf und Sting nimmt seine kratzige Stimme ein wenig zurück, klagend fast und mit einer gehörigen Portion Wehmut. Ein perfekter Abschluß, leise, rührend, warm. [10/10] Fazit: Wenn es ein Album gibt, welches man einem Nicht-Fan empfehlen könnte, dann ist es dies. Sting schaft es hier zum ersten Mal (später nochmals auf "Ten summoner's tales") den Brückenschlag zwischen "Fahrstuhlmusik" und Jazz, mit textlicher Aussage, kleinen Akkorden mit großer Wirkung und einem bewundernswerten Ensemble an Gastmusikern.
Der Preis: 17,99 Euro bei Amazon (neu) für die CD - ist halt ein Bestseller... bekommt man aber garantiert auch in jedem Second-Hand-Shop für einen Bruchteil dieses Preises. Obwohl, wer sollte diese Scheibe verkaufen ??? Finally: 5 von 5 Sternen ist eigentlich untertrieben. Zu gern hätte ich noch einen halben Stern dazugepackt. Superlative sind eigentlich nicht mein Ding. Aber es gib Ausnahmen. Und überhaupt: Es gibt nichts das der Sonne gleicht? Von wegen!
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08.10.2003 23:28
Da bin ich ja nicht ganz Deiner Meinung. Mir sind die blauen Schildkröten lieber. Nur bei den "10 Sunmmuner's Tales" scheinen sich wirklich ALLE einig zu sein. Grüße plumtree
05.10.2003 11:39
Huch, da sieht mans mal wieder, wenn versehentlich das CIS nicht an ist, hinkt man hinterher mit den schönsten Berichten! Wie gut, daß ich gerade so das Bedürfnis hatte, endlich mal wieder vorbeizuschauen und zu gucken, was Du so machst...Sting mag ich auch sehr, hab DIE Scheibe allerdings nicht...Ilka
27.09.2003 22:03
Das alles beendende Ping - auf das warte ich auch immer, nicht nur bei Sting... *g* Jetzt ist es sogar ein Reim, war gar nicht beabsichtigt. Liebe Grüße, Karsten