Ich lieeeebe Volksmusik!
16.02.2004
Pro:
Rockt echt stark, macht Spaß, ist erfrischend anders als das übliche Gedudel
Kontra:
Nö
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Zaphie74
Über sich:
Alter Schwede, ist das schon wieder lange her, daß ich mich hier mal hab blicken lassen - aber da ic...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Zumindest dann, wenn sie so rockig und modern daherkommt wie der "Irish Independent Speedfolk", wie die 6 Musiker ihre Musik selbst bezeichnen. Volksmusik aus Erlangen bei Dublin ;o) Seit letztem Herbst ist es erhältlich - das neueste Album der Fiddlers. Der Titel "Nu Folk" ist Programm und ich vermute, die semantische Ähnlichkeit mit der Genrebezeichnung "Nu Metal" ist gewollt. Denn hier wird dem traditonellen Irish-Pub-Jetzt-noch-ein-Guiness-und-nen-Whisky-Gute-Laune-Gefidel (Für das ich mich ja auch in Genüge begeistern kann) mit einer gehörigen Portion E-Gitarre und Speed ans Leder gegangen.
Und das Resultat? Bitte aufdrehen und abtanzen! Wer beispielsweise die irischen Traditionals sehr mag und wem die Interpretationen von Noel McLoughlin aber etwas blutarm vorkamen, der sollte sich getrost den Fiddlers zuwenden. Es ist wohl nicht allzu vermessen, dieses Sextett als legitime Nachfahren der legendären Pogues zu bezeichnen und auch wer die Levellers kennt und schätzt, sollte sein Gehör den Fiddlers mal ein paar Minuten gönnen. Das überraschendste daran ist vielleicht, daß die Jungs nicht von der Grünen Insel kommen sondern eben aus Franken - und sie klingen eben sowas von authentisch, daß es eine wahre Freude ist. Zudem sind sie eine super Live-Band, die ihr Publikum vom ersten Akkord an begeistert - ich hatte am 22.1. das Vergnügen, sie im Bremer Tower zu sehen. Die Karte hat ca. 15 EUR gekostet - und sie war jeden einzelnen Cent wert. Die aktuelle Tour geht noch bis zum 1. Mai (Infos unter www.fiddlers.de). Wer noch ein Konzert in seiner Nähe auftun kann, der sollte zugreifen!
Ich bin kein 100%iger Fiddler's Green-Experte (aber auf dem besten Wege, einer zu werde *g*), sprich: ich kenne nicht jeden Song von ihnen. Im Vergleich zum aktuellen Album kann ich bisher die Alben "On And On" (1997) und "Another Sky" (2000) anführen. Außerdem rotiert gerade das '99er Live-Album "Stagebox" in meinem Player, welches ich mir vorhin zugelegt habe.
Und wie schneidet "Nu Folk" im Vergleich dazu ab? Kurz gesagt: Sie werden immer besser! Gerade "On And On" klingt im direkten Vergleich nahezu brav. Auf "Nu Folk" geht die Post ab. Zu den klassischen Folk-Klängen von Fiddle, Accordeon, Bouzouki und Whistle mischen sich grobe Rock-Gitarren aber auch Ska- und Reggae-Elemente (Ich als absoluter Reggae-Hasser mußte ja mit Erstaunen feststellen, daß ich Reggae-Musik mögen kann - wenn sie eben nicht nach Reggae klingt *g*) Zum Tracklisting - Eine Mischung von eigenen Songs, Coversongs und neuaufgelegten Traditionals mit einer Spieldauer von ca. genau 66 Minuten an muskalischen Leckerlis haben die Fiddlers zusammengetragen - verteilt auf 15 Tracks (+ einen Ghosttrack):
1. Tarry Trousers 3'06 2. Wild Life 4'08 3. Shut Up And Dance 3'44 4. Goldwatch Blues 3'53 5. Fragile 4'30 6. Johnson Boys / Cotton-Eyed Joe 3'34 7. I'll Be There 3'03 8. 1000 Million Pieces 5'23 9. Nu Chicks 5'15 10. Celebrate 3'10 11. Popcorn 3'42 12. Lullaby 5'01 13. Make No War 3'26 14. Part Of It 3'29 15. Silence (+ Bonus: Jigs For Free!) 10'28 Ich werde hier nicht auf jeden einzelnen Track eingehen, sondern werde - wie in meinen Berichten meist üblich - ein paar Highlights herauspicken (was bei einem Album ohne wirkliche Schwächen ganz schön schwierig ist *g*)
Zum ersten wär da der Opener "Tarry Trousers". Klasse! Ein straighter Rocker. Nach ein paar groben Riffs setzt der Gesang ein, der allerdings eher gesprochen wird denn gesungen. Diese schnelle Nummer mit peitschendem Refrain geht direkt in die Füsse! Track Numero drei - "Shut Up And Dance". Hinter diesem Song steckt die ganze Message des Albums: "Shut Up And Dance To Nu Folk!" Und damit das auch jeder schnallt, wird der Refrain auch schon mal auf deutsch rausgerufen: "Halt's Maul und tanz!" Die Nummer ist flott, der Refrain hat Ohrwurmqualitäten und die Fiddle trägt - wie so oft bei Musik irischer Herkunft - die ganze Spannung durch den Song.
Es dauert tatsächlich bis zum fünften Track - "Fragile" - bis endlich mal Tempo und Lautstärke heruntergefahren werden und die Fiddlers beweisen, daß sie auch die Interpretation von Balladen hervorragend beherrschen. Durch den Fiddler's-Stil wirkt eben auch eine Ballade nicht so abgeschmackt und schnulzig wie andere Songs aus dem großen Balladentopf. Mal davon abgesehen, daß die Melodie einfach gut klingt ;o) Eine Mid-Tempo-Nummer, die man auch prima mitsingen kann, ist Track Nummer 8: "1000 Million Pieces" Hier sucht sich der Reggae seinen Weg durch folkloristische Soundkostüm. Einfach gut.
Mein absoluter Lieblingssong: "Celebrate" (Track 10). Kurz gesagt: Geil! Länger gesagt: Wem bisher vielleicht die Nummer zum Haareschütteln gefehlt hat - hier ist sie! Die Nummer ist rasant, bringt den Puls ordentlich in Wallung, Text und Musik vermitteln nur eines: Nach mir die Sinnflut! Ich lebe jetzt! Also beste Born-To-Be-Wild-Allüren :o) Den Song wünsche ich mir in ner Disco und so laut es geht! Direkt danach folgt ein Song, der auf dem Konzert auch tierisch abging: 11."Popcorn" Der eine oder andere wird denken: Den Titel hab ich schon mal gehört und spätestens beim Lauschen sagt eh jeder: Kenn' ich! Das Original stammt aus dem Jahre 1972 und ist von Hot Butter (Gibts von denen überhaupt einen anderen Song?). Eine ganz frühe Synthesizer-Pop-Nummer, die gaaaanz früher auf den öffentlich-rechtlichen Sendern als Hintergrundmusik für Programmhinweise lief. Das Wort "Pop" kann man sich hier aber getrost schenken :o) Fiddle und Accordeon machen hier den Anfang und geben die bekannte Melodie wieder, bevor eine zuerst stampfende, dann fetzende E-Gitarre sich in die Ohren und Herzkammern fräst. Nach Session 1 kommt ein verzerrter Refrain, den es im Original gar nicht gibt, danach geht das ganze weiter - nur noch ein paar Takte schneller - und das insgesamt drei mal. Geil sach ich! Eigentlich hat diese Neuauflage das Zeug zum Party-Kracher - werd's bei Gelegenheit mal ausprobieren ;o)
In der Vermutung, daß der Hörer jetzt wohl fix und alle sein muß, folgt die Erlösung in Track 12: "Lullaby" - zu Deutsch "Schlaflied" Eine schöne ruhige Nummer, von der ich echt glaube, daß sie als Erholungspause nach den beiden vorangegangenen Krachern dienen soll :o) "Silence" (Track 15) bringt den pathetischen Abschluß (- wenn man den nach einer Pause versteckten Bonustrack "Jigs For Free!" mal vernachlässigt). Auch sehr klasse. Sehr dunkel, sehr langsam mit einem klasse Refrain und man fühlt den Nebel aus den Highlands aufsteigen. Ein gelungenes Ende...
Alles in allem vergebe ich an dieser Stelle sehr gerne die 5 Sterne, denn das Album "Nu Folk" ist uneingeschränkt zu empfehlen und ist meines Erachtens das beste Album (soweit ich das beurteilen), was die Franken bisher herausgebracht haben. Ich lieeeebe Volksmusik! :o)
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26.08.2004 23:32
War mal aufm Konzert von denen, als die noch richtig unbekannt waren...ich glaub es waren ungef. 50 Leute da....aber die Jungs habens mit Humor genommen und trotzdem gute Stimmung gemacht.
17.03.2004 20:44
Hallo, super Bericht! Ich hab die CD bisher nur gesehen - nie gehört. Die E-Gitarren waren das was ich bei der "Folk Raider" vermisst habe. Muss ich mir unbedingt mal anhören.
09.03.2004 21:25
Diese Art von Volksmusik gefällt mir ebenfalls sehr gut. ;-) Noch steht bei mir die schottische Variante a la Runrig im Vordergrund. "grins" Gruß Peter