COME AND GET IT
30.08.2001 (27.04.2002)
Pro:
klingt ganz anders
Kontra:
es gibt keine zweite heiße Minute
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 TFaust99
Über sich:
why should you need any other when you're a world within a world
Mitglied seit:31.01.2001
Erfahrungsberichte:155
Vertrauende:63
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 64 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich mag die Red Hot Chili Peppers eigentlich gar nicht. „Blood Sugar Sex Magik“ war mir zu funky, die ausgekoppelten Singles begannen nach kurzer Zeit auch unglaublich an meinen Nervensträngen zu reißen (vor allem „under the bridge“ *grusel*). Und „Californication“ war einfach nur schlecht, weil recht arm an Abwechslung. Und die Singles mochte ich überhaupt nicht (bis auf das letzte Stück, wie hieß es noch gleich ? Ach ist ja auch egal...). Die in den Achtzigern veröffentlichten Alben kenne ich zum Glück nicht, ich tippe einfach mal darauf, dass sie mir nicht gefallen würden. Aber zwischen den beiden Hitalben haben die Peppers ein kleines Meisterwerk veröffentlicht, das leider bzw. zum Glück nicht die Aufmerksamkeit bekommen hat, die es verdient hätte: „one hot minute“. Unterstützung gab es vom neuen Gitarristen, nämlich Dave Navarro, der zuvor bei Jane’s Addiction gespielt hat und vor kurzem ein wirklich hörenswertes Soloalbum namens „trust noone“ veröffentlicht hat. Navarros Stil hat dann auch „one hot minute“ in ein äußerst hörenswertes Album verwandelt – weniger Funk, mehr psychedelisch angehauchter Rock, mehr Bodenständigkeit eben.
Die Musik der Red Hot Chili Peppers ist auch weiterhin nicht so einfach mit der Platitüde „Crossover“ zu umschreiben. Gehen wir also ans Eingemachte: sixty-one hot minutes... „warped“ beginnt mit einem psychedelischen Intro, das aber nach wenigen Takten schon, wie man von den Peppers gewohnt ist, in ein hartes Gitarren-Riff übergeht – trotzdem bleibt dennoch der schwebende Intro-Charakter erhalten, vor allem durch den langgezogenen Gesang des Herrn Kiedis. Überraschend taucht dann plötzlich ein sehr balladesker Instrumental-Part mit cleaner Gitarre auf – und schon ist der Song zu Ende. Verwirrt und begeistert gleichermaßen.
Es folgt der erste potentielle Pop-Hit des Albums: „Aeroplane“ – mit schönen Harmonien und einem sich in den Gehörgängen festsetzenden Refrain gleich zu Anfang. Dann ist Funk-Bass mit minimalistischem Gitarrenzirpen angesagt. Schön sind auch die einzelnen Soli, vor allem Flea’s Bassspiel entfacht Begeisterungsstürme bei mir. Das Ende naht in Form eines Kinderchores, über dessen Refrainzeile „it’s my aeroplane“ Navarro noch ein fetzig-ausgeflipptes Gitarrensolo legt. Der Applaus am Ende ist wahrlich verdient. Im nächsten Stück, „deep kick“ ist wieder diese psychedelische Schwebeatmosphäre zu erleben, die dann wieder einmal in ein hartes Riff überleitet, das gelegentlich von abgehobenen choralen Einschüben unterbrochen wird. „Oooooh shit“! Aber eigentlich gefällts mir ja. Am Ende gewinnt man den Eindruck, die Band wolle einen volltrunkenen David Bowie imitieren, der „Ziggy Stardust“ grölt. Allein schon deswegen hörenswert.
„my friends“ beginnt wie die typische halbakustische Semi-Ballade. Ein unglaublich schöner Song mit toller Steigerung sowie beatlesken Harmonien und Gesangslinien. Gegen Ende wird’s dann auch immer heftiger, nur um dann ganz zum Schluss mit diesem wunderbar simplen Gitarrenriff zu enden. Auch der Clip konnte mich seinerzeit begeistern. Track 5: „coffee shop“. Was als Punk-Nummer beginnt, steigert sich zu Seventies-Funk. Dazu seltsame Texte über den Tanzstil von Iggy Pop. War glaube ich auch ne Singleauskopplung und fügt sich ohne großartig herauszustechen in den Albumkontext ein.
Anscheinend glaubte die Band, noch nicht genug böse Worte benutzt zu haben, um den „Parental Advisory – explicit lyrics“-Sticker auf dem Cover auch wirklich verdient zu haben. Also schrieb man mal eben „pea“ - dieses kleine herzerwärmende Stückchen über die kleine Bohne, die mit allen gängigen Fäkalinjurien um sich schmeißt. Total abgedreht das, aber schön instrumentiert, nämlich nur mit Gesang und Bass. Sozusagen der kleine bissige Ruhepol des Albums. Beim nächsten Stück „one big mob“ geht mal wieder der heftigste Funk-Punk ab. Und natürlich wird auch diese Nummer durch ein psychedelisches Intermezzo veredelt. Ein allgegenwärtiges Konzept scheint auf dem Album „Reibung durch Gegensätze“ zu heißen. Dieses beschert uns diese eigenartige Atmosphäre, die auf den restlichen Alben der Chili-Pfeffer leider nicht anzutreffen ist. Schade.
Was ist das denn ? „Walkabout“ hört sich zunächst an wie eine spätsiebziger Fusion-Nummer, aber Kiedis’ extrem cooler Sprechgesang holt das Stück wieder auf den Boden zurück. Endlos groovender White Rap. Ganz nett, aber nicht mein Ding. Weiter geht’s mit dem heimlichen Höhepunkt des Albums: „tearjerker“. Hach, ist das schön. Dieses abwechslungsreiche, in fernen Sphären verhallende Gitarrenspiel begeistert den Gitarristen in mir, die allgemeine Atmosphäre spricht mich auch so an. Eine friedfertige Halbballade erster Güte, richtig schön halt. Gegen Ende gibt’s dann noch Sixties-Feeling pur mit Streichern aus dem Mellotron. Zum Dahinschmelzen...
Der Titeltrack kommt wieder etwas heftiger daher, allerdings auch eher im gemächlichen Tempo, dafür aber mit gehörigem „Wumms“ (soll heißen das Stück ist krachig-gut). Und der Refrain verführt trotz extremer Zungenverknotungsgefahr zum Mitsingen: „one hot minute and I’m in it come and get it“. Nett. „Falling into grace“ lässt sich wohl am besten als netter, etwas schizophrener kleiner Pop-Song mit indischen Chants beschreiben. Letztere kommen übrigens von Gurmukh Kaur Khalsa. Aha. Kann ich irgendwie drauf verzichten...
Das bewährte Konzept von „Rock-Riffs plus Schwebe-Intermezzo“ zeigt sich auch beim nächsten Stück, „shallow be thy game“. Ein potentieller Skip-Tasten-Anwärter, da mich der Song schwer an alte „Blood Sugar Sex Magik“-Zeiten erinnert. Letzte Nummer: „transcending“. Schöne Sounds liefern Fleas Bass und dazu Navarros Gitarre. In dem Moment, wo man denkt „aha, die ruhige Nummer am Schluss“ geht dann noch mal so richtig die psychedelipunkpost ab. Wahnsinn!
Fazit: Wie gesagt, „one hot minute“ ist das einzige Album der Red Hot Chili Peppers, das auch ich mag, wahrscheinlich weil es das untypischste ist. Irgendwie so richtig gut und ohne die nervigen potentiellen Hitsingles, die dann spätestens wenn sie im Radio rauf und runtergenudelt werden nur noch nerven. Anspieltipps kann ich Euch auch geben, und zwar sind es derer vier: „warped“, „my friends“, „tearjerker“ und „transcending“ sind es definitiv wert, gehört und gemocht zu werden. Hört mal rein, ich denke es lohnt sich.
Diskographie: The Red Hot Chili Peppers (1984) Freaky Styley (1985) The Uplift Mofo Party Plan (1987) The Abbey Road EP (1988) Mother’s Milk (1989) Blood Sugar Sex Magik (1991) One Hot Minute (1995) Californication (1999)
Thomas Faust, 31.08.2001
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10.04.2004 02:27
BOHNE? (Korrigier das mal!)
12.01.2003 17:54
interessant...
03.05.2002 12:58
Von denen höre ich auch ab und an mal gerne was.