in memoriam Tamara Danz
27.11.2000
Pro:
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Kontra:
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Empfehlenswert:
Ja
Details:
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Über sich:
Als Angestellter im öffentlichen Dienst beschäftige ich mich mit allem was Großrechner so zu bieten ...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 14 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Zu DDR-Zeiten war ich nie ein großer SILLY-Fan gewesen. Ich hatte nur einmal ein Konzert der Band besucht, ich besaß keine Platte. Ich fand die Gruppe in ihren frühen Jahren, als sie sich noch FAMILIE SILLY nannte, albern. So albern wie die langen Ringelstrümpfe der Sängerin und den Partyerfolg "Ich bin der letzte Kunde". Sie versuchten es mit Funk, sie versuchten es mit Klamauk und anschließend versuchten sie es mit anspruchsvollen Texten. Wahrscheinlich glaubte ich ihnen nicht.
Ich traute der Sängerin nicht. Sie spielte mir was vor. Tamara Danz sah manchmal arrogant aus, manchmal vulgär und oft kalt. Ihr Schreien und Wimmern passte nicht zu diesem Gesicht. Sie schien es für ihre Lieder von irgendwoher abzurufen wie aus einem Tonarchiv, Sie wirkte künstlich. Puppenhaft. Alles an dieser Band wirkte auf mich künstlich und kühl. Das Lachen der Sängerin, die bunte, schreiende Garderobe, die flirrende Musik, die immer zweitrangig erschien. Vor allem aber die lakonischen, kalten Texte, die gesellschaftliche und persönliche Verhältnisse zerschnitten, zerlegten, sezierten. Eine Lyrik aus dem Labor.
Sie traf sicher den Kern, aber sie traf mich nicht in den Bauch. Ich hatte nie Lust zu tanzen, wenn ich einen SILLY-Song hörte. Nach der Wende erschien mir Tamara Danz mehr wie ein Exempel als eine Rocklady. Sie war schneller, schnoddriger und unverbindlicher als all die anderen. Vor der Wende sang und sagte sie unkonventionelle Sachen. In der Wendezeit arbeitete sie Resolutionen aus, verlas sie. Nach der Wende hat sie als eine der ersten vor einer zu schnellen Vereinigung gewarnt. Bei ihr schien dies alles aus dem Bauch zu kommen. Sie verfügte über einen guten politischen Instinkt.
Die Information über ihre Krankheit erreichte mich so nebenbei. Ich hörte es und hatte es schon fast wieder vergessen, dann kam "Paradies" und ich merkte dass es ernst war. Wie Tamara Danz es in einem Interview versicherte, hat sie die Texte für diese Platte geschrieben bevor(!) sie die Krebsnachricht erhielt. Dies schien ihr wichtig zu sein. Aber letztendlich machte das keinen Unterschied, "Paradies" war ihre Abschiedsplatte. Ich habe gespürt dass sie sterben würde als ich die Platte zum erstemal hörte. Und es war das erstemal, dass sie Texte sang, die wirklich zu ihr passten. Die aus ihr kamen. Es waren vielleicht die schlichtesten Lieder, die sie seit Jahren gesungen hatte. Aber es waren die ehrlichsten. Das klinische, kühle war weg.
"Paradies" war die erste SILLY-Platte, die mich in den Bauch traf. Ich hörte die CD zum erstenmal im Auto als ich zum Einkauf fuhr. Es lief "Asyl im Paradies", "Wo bist du", "Flut". Alles Abschiedslieder. Abschied von Männern. Abschied vom Leben.
Ich fuhr einen großen Bogen zum Supermarkt, als ich da war, fuhr ich noch einen. Die Sonne schien und ich habe geheult. Ich habe um Tamara Danz getrauert. Einmal an diesem Samstagvormittag. Einen Moment, der so lange dauert wie eine CD.
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15.03.2005 08:10
Hallo... wenn auch hier vor Ort und auch noch Jahre später (in Bezug auf Erscheinen Deines Berichtes) - es ging mir mit der Gruppe Silly ähnlich wie Dir: zu DDR-Zeiten gab es für mich eigentlich nur ein Lied, das im Gedächtnis haftete: Batalion d' amour (oder ähnlich) - anderes interessierte mich nicht. Erst 1998 wurde ich durch einen Zufall auf diese Gruppe erneut aufmerksam... Paradies: auch ich dachte mir sofort: Tamara Danz nimmt Abschied von der Welt; verschiedene Songs weisen für meine Begriffe deutlich darauf hin... Andere Lieder wie "Hut ab" trafen schon damals des Pudels Kern... Tja, manchmal müssen, denke ich, Widersprüche sein... Brita
04.04.2002 19:30
Stimmt, "Asyl im Paradies" it eine tolle Platte, Silly war eine tolle Band. Mach weiter so!
13.03.2002 00:07
ich bin ein wessi. ich habe das buch von oswald gelesen. ich habe silly gehört. ich höre seit langer zeit "paradies". das berührt mich ungemein. und ich hoffe ich kann einen bericht darüber schreiben. nach deinem fällt es mir schwer. schönegrüße.