It All Works Out
11.05.2004
Pro:
Mehrstimmiger Gesang
Kontra:
kurze Spielzeit
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 hlemmur
Über sich:
Mitglied seit:06.07.2003
Erfahrungsberichte:151
Vertrauende:28
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 57 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
King´s X sind mit die großen Unterbewerteten der Szene. Sie waren es schon nach ihrem ersten Album 1988, sind es 2004 noch und werden es auch noch 2050 sein. Die Band aus Houston/Texas macht wirklich Musik mit Seele. Verdammt viel Seele. Man hört aus jeder einzelnen Note, wie viel Feeling dahintersteckt. Vollblutmusiker, die für ihr Leben gerne jammen und sich nie in den Vordergrund spielen. Obwohl jeder von dem Trio (die Besetzung ist übrigens seit der Bandgründung 1980 konstant, jedoch segelt man erst seit 1985 unter dem King´s X-Banner) durchaus in der Lage wäre das blaue vom Himmel zu frickeln, legen King´s X viel mehr Wert auf Gefühl und Emotionen. Trocken, warm und inspiriert – so wie einsame Blueser in New Orleans.
Ein weiteres Markenzeichen der Band ist der mehrstimmige Gesang. Alle drei sind vorzügliche Lead-Sänger – und das nützen die Jungs (bzw. älteren Herren, schließlich gehen Ty und Jerry auf die 50 zu, Doug zählt sogar schon 54 Lenze) schamlos aus. Was die Band in der Nähe ihrer großen Helden, die Beatles, rückt. Vorallem Gitarrist Ty Tabor hat ein ähnliches Timbre wie John Lennon. Doch auch die mehrstimmigen Gesangspassagen tragen ganz deutlich die Handschrift der legendären Liverpooler. Allerdings ohne sie zu kopieren – man weiß lediglich, wer die Band dazu animiert hat. „Please Come Home… Mr. Bulbous” aus dem Jahre 2000 ist für King´s X-Verhältnisse ein sehr kopflastiges Album – vorallem im Vergleich zum sehr eingängigen Vorgänger „Tape Head“. Selbiges Album markierte den Umbruch in der Historie der Band. Die Band wechselte ins Independent-Lager und war somit frei von jeglichen Business-Zwängen. So findet man auf „Please Come Home... Mr. Bulbous” einige Experimente, die der Band super zu Gesicht stehen. Der eigentlich sehr eingängige und süßliche Opener „Fish Bowl Man“ wird im Mittelteil von einem lockerem Free Jazz-Jam aus den Angeln gehoben, zwischen die Songs wurden ulkig klingende, holländische Sprachfetzen geschnitten und „Smudge“ überrascht mit lockeren, relaxten Raps.
Ansonsten tront die Harmonie über allem. Der zweiteilige, überlange Abschlusstrack „Move Me“ strotzt vor Schönheit, Anmut, Tiefe und jede Menge Feeling. Gänsehaut über die gesamte Spielzeit des Songs – vorallm im Schlussteil, bei dem sich die Band selbst übertroffen hat. Neben „Cigarettes“ vom `94-Output „Dogman“ mein absoluter King´s X-Lieblingstrack. Relaxter, ambitonierter Rock zum Träumen. Ein weiteres Glanzstück des Albums ist das seltsam betitelte „Charlie Sheen“ , welches nichts mit dem Schauspieler („Hot Shots“, „Scary Movie 3“) gemein hat. Laut Doug habe die Band noch einen Reim für den Refrain gebraucht („Kill The King, Strip The Queen, Are You My Friend, Dear Charlie Sheen“) und das wäre eben sein erster Einfall gewesen. Bezeichnend, wie locker King´s X die Sachen inzwischen angehen. Der Song selbst beginnt mit einer genialen Frühlingsmelodie aus dem Hause Tabor, bevor einem der einsetzenden Mehrstimmen (mit positiver Message: „It All Works Out“) den Rest geben. Ganz zu schweigen vom Refrain, der das Anfangsthema aufnimmt – viel cleverer geht´s nicht mehr. Was witzig ist: King´s X waren schon immer als softe Band verschrien. Dabei haben die Riffs, die sich Ty so ausdenkt, teilweise Prong, bzw. Rammstein-Format. Lediglich der Gesang der drei spült die so Songs so angenehm weich. Was allerdings keineswegs negativ zu verstehen ist, denn trotz den eingängigen Refrains sind King´s X für´s Mainstreampublikum immer noch zu anstrengend – aufgrund des verbreiteten Mangels an Musikverständnisses und dem jazzigen Drumstil von Jerry.
Mit „Julia“ und „She´s Gone Away“ hat man noch zwei Halbballaden im Gepäck. Erstere hätte man sich aufgrund des Schmalzfators sparen können, letztere überzeugt allerdings locker für zwei. Diese tragi-komische Atmosphäre des Songs ist definitv unerreicht. Höchstens von The Thought Industry, aber die tendieren musikalisch in eine ganz andere Richtung. „Bitter Sweet“ mehr ein Interlude – eigentlich nur ein schöner Refrain und ein gefühlvolles Solo. Beides hätten die Beatles nicht besser hinbekommen. „Please Come Home… Mr. Bulbous” ist ein Schmankerl für alle Musikliebhaber. Ein anspruchsvolles „Ear Candy“, um es mit einem anderen Albumtitel der Band auszudrücken. Eine Massage für geschundene Ohren. Allerdings würde ich dieses Album trotzdem nicht als Einstieg in die Welt von King´s X empfehlen, obwohl es mein absolutes Lieblingsalbum der Band ist. Kauft euch zuerst das tolle „Tape Head“-Scheibchen und arbeitet euch dann langsam duch die Diskografie. Es lohnt sich einfach. So richtig zum Erlebnis mutieren King´s X allerdings erst live. Es ist einfach super dabei sein zu dürfen, wie drei Musiker, die sich musikalisch blind verstehen, eine Menge Spass daran haben, ihre Songs nicht nur zu spielen, sondern spontan während des Gigs zu modifizieren, so dass sich die Spielzeiten teilweise mehr als verdoppeln können. Auch ungeprobte Spontan-Coverversionen kommen zum Zuge. Oder gleich komplett gejammte Songs, die mehr berühren, als das Meiste, was heutzutage auf den Markt geschwemmt wird.
-------------------------------------------------------------------------- KING`S X - Please Come Home... Mr. Bulbous (Metal Blade, 2000)
01. Fish Bowl Man 02. Julia 03. She´s Gone Away 04. Marsh Mellow Field 05. When You´re Scared 06. Charlie Sheen 07. Smudge 08. Bitter Sweet 09. Move Me 10. Move Me, Part 2
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Auch auf ihrem achten Studioalbum präsentieren sich King's X wieder als völlig ...
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19.06.2004 22:47
Bei der Band bin ich mit einem Auf-gut-Glück-Kauf mal vorsichtig. Die Band ist mir seit meinem ersten Metal Jahr ein begriff, aber irgendwie hab ich mir dann doch nie was zugelegt, obwohls ständig auf der Beobachtenliste stand. Am besten mal das böse kazaa zu Rate ziehen...
11.05.2004 18:10
Hm, die haben sich für ihr Alter ganz schön gehalten. In sich kompakter, aber auch tiefgehender Bericht, wieder mal n bh.
11.05.2004 15:04
Liest sich sehr ansprechend. Mal wieder hast Du es geschafft, mir den Klang einer neuen Band nahezulegen, ohne um den heißen Brei herumzureden. Allererste Sahne, Schnuffi!