Erfahrungsbericht über

Progress (Ltd.Deluxe Edt.) - Take That

Gesamtbewertung (1): Gesamtbewertung Progress (Ltd.Deluxe Edt.) - Take That

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TAKE THAT - POP GIGANTEN IM KORSETT

3  06.12.2010

Pro:
drei starke Songs, eine große Band wiedervereint, alter STreit beigelegt

Kontra:
überproduziert, mit Gewalt auf Disco Pop getrimmt, unpersönlich, elektro Instrumentierung

Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Juke

Über sich: BRILLI No.2 mit 86% BH - fantastisch!! "SH & LG" ist für mich die größte Provokation auf ...

Mitglied seit:29.07.2000

Erfahrungsberichte:420

Vertrauende:110

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 138 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als besonders hilfreich bewertet
Ciao!

In den 90er Jahren erfolgte ein massiver Umbruch im Bereich der Popmusik. Das Konzept "Boygroup" wurde geboren, bzw. wiedergeboren. Nachdem die Beatles 1962 erst Liverpool und dann die ganze Welt im Sturm eroberten, war eine Riege von Musikproduzenten so schlau, alle Zutaten dieses wohl größten Pop Phänomens unserer Zeit noch einmal in einen Kelch zu schütten und zu einem sahnigen poppigen Brei zu verrühren. Das Resultat lautete Anno 1991 "TAKE THAT". Fünf bubenhafte, jugendliche Jungs auf Manchester und Umgebung, die in langwierigen Casting Sessions zusammengewürfelt wurde. Der Rest ist Historie. Take That schlugen auf dem Musikmarkt ein wie eine Bombe. Ihre 90er typischen Bombast Konzerte mit schlacksigen Choreographien in fragwürdigen Outfits brachten Millionen von vornehmlich weiblichen Fans um den Verstand. Schon damals jedoch brachten Take That, unter der Musikalischen Direktive des begabten Singer Songwriter Gary Barlow wirklich einmalige Pophits hervor. Ich denke dabei an Songs wie "Pray" oder "Everything changes", die wirklich sehr eingängig und liebevoll komponiert und dargeboten wurden! Aber es kam wie es kommen musste - die Jungs waren dem großen Druck der Öffentlichkeit und dem nicht enden wollenden Zyklus aus Promotion, Tournee und Studio einfach nicht gewachsen. Streit in der Band kam auf und besonders der rebellische Robbie Williams fiel immer öfter durch Alkohol Exzesse und Drogen Eskapaden auf. Es kam zum Bruch. Robbie, wollte nur noch eine Tournee mit den Jungs bestreiten und dann aussteigen. Aber die verbliebenen 4 Bandmitglieder hatten die Nase voll. Vorzeitig schmissen sie Robbie raus und zogen zu viert weiter. In dieser reduzierten Besetzung ging es nur noch bis 1996 weiter, bis eine historische und nicht minder traurige Pressekonferenz viele Fans in echte Depressionen stürzte:

"From today Take That is no more…." (G.Barlow)

Es bedurfte genau 9 Jahren bis Take That, immer noch im 4-er Line-Up wie aus dem nichts wieder auf der Bildfläche erschienen. Doch es hatte sich einiges geändert. Die 4 Jungen hatten sich zu Erwachsenen Sängern weiterentwickelt. Die Musik, die weiterhin maßgeblich aus der Feder von Gary Barlow stammte, hatte zwar immer noch Popcharakter, aber man merkte direkt, dass jetzt die Musik im Vordergrund stand – nicht mehr der profane Mix aus 90s Choreographie in Radler Shorts aus vergangenen Tagen.

Mich haben Take That damals mit „Patience“ wieder auf sich aufmerksam gemacht. Ein in meinen Augen genialer Popsong, mit allem was dazu gehört, vor allem einem enormen Wiedererkennungswert, tolle Melodie und vor allem erstklassigen Gesang.

Mit den Alben „Beautiful World“ und „The Circus“ hauten die 4 Jungs zwei Alben raus, auf denen ein guter Song den nächsten jagte. Tolle Kompositionen brillant vorgetragen. Ich fühlte mich teilweise an die Beatles erinnert, so abgerundet war das Gesamtkonzept. Ich vertrete nämlich die Auffassung, dass Musik nicht komplex und anspruchsvoll sein muss, um brillant zu sein. Guter zeitloser Pop ist eine der Parade Disziplinen der Musik – und da sammelten Take That in ihrer Re-union Phase (nicht nur bei mir) zig Goldmedaillen.

Doch dann wurde es erst mal still um die Band. Nach einer bombastischen Stadion Tour in 2008, wussten alle Fans – jetzt heißt
Bilder von Progress (Ltd.Deluxe Edt.) - Take That
Progress (Ltd.Deluxe Edt.) - Take That ttt - Progress (Ltd.Deluxe Edt.) - Take That
Progress (Ltd.Deluxe Edt.) - Take That
es erst mal wieder warten, bis die 4 Bandmitglieder neue Energie getankt und neues Material vorbereitet haben. Aber wie so oft im Leben, sollte alles anders kommen.
Zunächst war alles nur ein Gerücht, aber bald zeichnete sich ab: Es ist nicht bloß eine Ente in den Boulevard Blättern – Robbie Williams, der im Streit 1995 rausgeworfene Bad Boy der Band, der den verbliebenen Herren in den Jahren danach in einer beispiellosen Karriere den Schneid abgekauft hatte, würde wirklich zurück kommen…

„The rumors are true… Take That: the original line-up are reunited and ready to face an exciting new chapter in the TT story…


TAKE THAT – PROGRESS

Klar, dass diese Meldung die Musik Welt erschütterte wie ein mitterlschweres Erdbeben. Das hatte nun wirklich niemand mehr für möglich gehalten! Aber zunächst für ein Konzert sollte tatsächlich die Originalbesetzung noch einmal zusammentreffen. Die Sensation war perfekt.
Doch aus dem Konzert wurde mehr. Schnell stellte sich heraus, dass die erwachsenen Männer endlich bereit waren, offen über das zu reden, was die damals jungen Burschen von gerade 20 Jahren maßlos überfordert und an die Grenzen ihrer seelischen Belastbarkeit gebracht hatte. Vor allem die Spannung zwischen Gary Barlow und Robbie Williams, die über Jahre hinweg Züge einer explosiven Rivalität, fast schon Feindschaft angenommen hatte, konnte mit langen aber heilenden Gesprächen beigelegt werden. Und so befanden sich kurze Zeit später nicht mehr 4 sondern 5 nicht gut gelaunte Jungs aus Manchester im Studio, um ein Album aufzunehmen, mit dem so wirklich niemand gerechnet hatte…


DIE TRACKS


1.) THE FLOOD

Die ersten Töne, die die Fans nach schier endlosem Warten zu hören bekamen, waren die sanften Intro Sounds der ersten Single „The Flood“. Besonders die englische Presse und die Internet Promotion Maschinerie des Take That Marketings hatten den Spannungsbogen an sein Maximum gezogen, umso besser, dass dann die ersten Töne nach der Re-Union SO gut klingen.
The Flood öffnet sich ruhig und episch mit dem Gesang von Robbie Williams, entwickelt sich dann zu einem hymnisch schmetternden Mid Tempo Knaller. Gary Barlow setzt der Bridge mit seiner nach wie vor grandiosen Stimme in der Bridge seinen Stempel auf, bevor dieses Stück im Refrain aufgeht wie die Sonne. Einprägsam, unverwechselbar und ein typischer Take That Stadion Song. Für mich ist dies eines der besten Take That Songs aller Zeiten. Ich habe ihn selbst nach sicherlich über 100 mal hören noch nicht „totgehört“, wie sonst viele Pop Songs. Sogar jetzt, wo ich beim Schreiben jeden Song mitlaufen lasse, bin ich wieder begeistert. Für mich einer DER Popsongs 2010 und direkt das Album Highlight!

10/10


2.) S.O.S.

Der Song „S.O.S.“ geht direkt einen ganz anderen Weg. Nach einem mysteriösen Intro inkl. SOS Morsezeichen geht die Nummer flott zur Sache, geprägt durch einen pfundigen Club Beat und die Stimmen von Marc Owen und Robbie Williams. Der Refrain ist zunächst sicher etwas gewöhnungsbedürftig, aber entwickelt sich definitiv zu einem Ohrwurm. Der Song hat etwas Besonderes und zählt meiner Meinung nach zu den Songs mit dem höchsten Hotpotential.

7/10


3.) WAIT

Als ich „Wait“ beim ersten Soundcheck der CD das erste Mal hörte, freute ich mich direkt, dass Take That nun wieder an Ihre Parade Disziplin anknüpfen: Eingängige Pop Balladen mit tollen Arrangements und mehrstimmigem Gesang. Aber dann setzt der Beat ein: Ein früher 80s Elektro Beat mit Retro Synthesizer Drums. Für mich gewöhnungsbedürftig, auch wenn der Rest des Song sehr melodiös und poppig ist. Für mich hätte hier eine klassischere Darbietung mit organischen Instrumenten mehr hergemacht. Trotzdem ein Song mit Radiopotential.

6/10


4. KIDZ

Wenn meine Quellen stimmen, wird „Kidz“ die zweite Single aus „Progress“ werden. Wir haben es hier mit einem eher finsteren Pop Stampfer zu tun. Die stilistische Richtung hierzu würde ich erneut als typischen Brit Club Pop bezeichnen. Erinnert mich vom Klangbild ein wenig an die neueren Werke von Kylie Minogue. Wiedermal nicht das, was ich von Take That erwarte, aber erneut ein eingängiger Song. Besonders der Refrain hat Wiedererkennungswert und so könnte sich „kidz“ durchaus zum Geheimtipp der CD mausern.

6/10


5.) PRETTY THINGS

Leider erreicht das Album mit „pretty things“ einen Punk t, an dem ich die Kurs Wendung und die Orientierung an modernen Pop Produktionen nicht mehr gut heißen und loben kann. Das vierte Lied in Serie auf der CD, dass von Synthetik Sounds geprägt wird, mit einer merkwürdigen, erneut 80er typischen „dim-dam-dim-dam“ Struktur. Ich weiß – das klingt merkwürdig, aber ich finde es passt. Dieser Song könnte auch von Erasure sein, und von Take That erwarte ich mehr als belanglosen Keyboard Pop. Auch fehlt diesem Song völlig di Stimmungssteigerung. Sehr steril, ohne Emotion…

3/10


6.) HAPPY NOW

Und wieder ein Lied, dass mit modernen Synthie Beats monotonen sphärischen Vocals (abermals von Robbie) punkten möchte. In der Strophe entfaltet sich dann abermals ein stampfender Disco Beat unter dem androgynen Song. In der Bridge, mit dem Einsetzen von Gary’s sanftem Gesang klart diese graue „Lied-Wolke“ dann ein wenig auf und mündet in einen mehrstimmigen Disco Hymnen Refrain.
Kurz zusammenfassen kann man das Lied mit einer kurzen Kritik, die sicherlich das letzte ist, was ein Musiker über seine Werke hören will: „Ganz nett…“

5/10


7.) UNDERGROUND MACHINE

Meine Damen und Herren, nächster Halt: Musikalischer Tiefpunkt! Mit „Underground Machine“ kommen wir zum (für mich) klaren Loser des Albums. Schon wieder elektro, schon wieder stampfende, bedrückende Atmosphäre… als Gewürz hier und da eingeworfen, sicher tolle Stil Elemente, aber – ich gehe doch auch nicht ins Restaurant und bestelle mir einen Teller Muskat-Nuss!? Die Krönung ist dann der Refrain, der völlig hilflos zusammengeschustert klingt. Für mich völlig frei von Aussage und Charakter, ohne jeden Wiedererkennungswert. Eine Nullnummer.

1/10

8.) WHAT DO YOU WANT FROM ME

Nachdenklich, psychodelisch beginnt dieser Song mit mehrstimmigem Gesang, bis die Stimme von Mark Owen einsetzt. Wieder erklingt ein Synthie Rhythmus, aber diesmal… diesmal irgendwie angenehm. Mark Owen ist kein großer Sänger vor dem Herren, aber mit diesem simplen Song löst er bei mir irgendeine positive Stimmung aus. In der Strophe fast schon beruhigend und dann in Bridge und Refrain mitreißend und stimmungsvoll. Hier passt zum ersten Mal der einsetzende, wummernde Disco Beat richtig gut. Abgesehen von „The Flood“ ist das mit Abstand der am meisten von mir gespielte Track dieses Albums. Auch bei diesem hören, während ich diese Zeilen schreibe, überzeugt mich „What do you want from me“ auf der ganzen Linie. Ich kann nur schwer festmachen, was dem Song für mich dieses gewissen Etwas gibt, aber das Rezept für einen guten Song steht halt immer zwischen den Zeilen der Musik Kochbücher geschrieben.

9/10


9.) AFFIRMATION

Leider geht es nochmal zurück ins Seichte Fahrwasser der Belanglosigkeit. Dieser Song gehört der Stimme von Howard Donald. Ein kantiger, eckiger Gesang mit einem starken englischen Akzent, sicherlich unter professionellen vokalistischen Gesichtspunkten kein Filetstück, aber doch irgendwie sympathisch. Nur dass der Song an sich wieder eine elektrisch aufgeplusterte Uptempo Nummer ist, und bei spärlichen 10 bzw. 11 Album Tracks hätte es nicht noch einer davon sein müssen.

5/10


10.) EIGHT LETTERS

Es ist schon irgendwie ein Joke. Gary Barlow ist als purer Musiker sicherlich der fähigste Charakter bei Take That. Die schönsten und größten Hits stammen aus seiner Feder und seine Gabe an Klavier und Mikrophon ist herausragend. Und jetzt, bei Lied 10 von 11 hören wir das erste 100% Gary Barlow Lied. Und dann ist es auch noch eine recht belanglose Ballade, die über den Status „nette Melodie“ nicht wirklich hinauskommt. Wieder ist die Instrumentierung elektrisch angehaucht, womit auch die letzte Gelegenheit für einen waschechten Emotions-Song mit Piano, Gitarre und Streichern verstreicht. Immerhin – einen gewissen Ohrwurm und Sympathie Faktor bringt dieser Song mit, aber auf den vorangegangenen Alben der erwachsenen TT, hätte dieses Lied es nie über eine B-Seite hinaus gebracht.

6/10


11.) FLOWERBED (Hidden Track)

Wer Lied 10 ein wenig länger im CD Player auslaufen lässt, wird voller Freude auf einen sogenannten Hidden Track stoßen. Dieser versteckte Schlusspunkt für „Progress“ gehört der psychodelischen und celestial gestalteten Synthie Ballade „Flowerbed“. Ein Lied wie ein Spaziergang über ein zartes Meer aus Wolken. Nachdenklich, sozusagen der Soundtrack für die Phase zwischen Schlaf und Wach. Der Gesang gebührt diesmal alleine Jason Orange, wie auch Howard Donald eigentlich eines der unscheinbareren Mitglieder, das erst bei der Renaissance der Band wirklich musikalisch Fuß fassen konnte. Irgendwie ist das Stück angenehm und positiv. Einer von wenigen Songs, die von diesem Album dauerhaft bei mir hängen geblieben sind, und bei denen ich mich dabei ertappe, sie leiste im Büro vor mich hinzumurmeln. Sicherlich kein großes Kunstwerk und auch kein echtes Hitpotential, aber ein halbwegs versöhnlicher Schlusspunkt, für eine Platte, die mich als großen TT Fan mit gemischten Gefühlen zurücklässt.

6/10


FAZIT – IS THIS PROGRESS?

Die Deluxe Edition dieses Albums kommt in einem hochwertigen Schuber in poppigem, sehr auffälligem gelben Design daher, auf dessen Front die Evolution des Menschen mit den Bildern der Jungs abgebildet ist. Im inneren schlummert nicht nur ein hübsches Booklet, sondern auch eine Portrait Karte jedes einzelnen Bandmitgliedes. Für mich nicht allzu nützlich, aber dennoch eine nette Dreingabe. Im Nachhinein hätte es auch die Standard Version im Jewel Case getan.

Aber offenbar wollten die Macher von „Progress“ in jeder Hinsicht etwas Besonderes machen. So holte man eben auch den renommierten Pop Producer Stuart Pierce ins Boot. Für mich ist das die Wurzel allen Übels. Denn ich finde, man hat dieses Album viel zu stark unter den Druck gestellt „Progress“ also Fortschritt sein zu müssen. So zwängt man einige gute, und leider auch weniger gute Songs in das enge und farblose Korsett aktueller Pop Produktionen mit Club Potential, dabei heraus kommt ein Album, das leider über weite Strecken kühl und unpersönlich wirkt. Das, wofür ich Take That immer geliebt habe, nämlich echte, organische Popmusik mit großen Melodien kommt hier VIEL zu kurz.

So ist mein Fazit dann auch durchwachsen: Ich habe Progress viel gehört und höre auch jetzt noch gerne mal rein. Dabei bleibe ich aber immer bei den selben drei, vier Songs hängen und habe den Rest längst abgehakt. Ich denke, wenn das hier nicht Take That wären, würde von so einem Album niemand Notiz nehmen. Das ist überaus schade, da die 5 bzw. 4 Jungs gezeigt haben, wozu sie wirklich fähig sind. Es wird sie jedoch trösten, dass „Progress“ den Rekord für das schnellst-verkaufe Album gebrochen hat und schon jetzt eine Europa weite Stadion Tour komplett ausverkauft ist.

Ich werde Take That auch weiterhin mögen, aber sortiere dieses Album in Querschnitt betrachtet ganz klar hinter den zwei letzten Werken ein.

TOTAL: 5,5/10

Carpe Diem,
Juke


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Oberlisbler

Oberlisbler

07.09.2011 10:00

... besser gehts nicht!

badenpower60

badenpower60

27.06.2011 14:24

hervorragend vorgestellt und klares BH

greantea

greantea

16.06.2011 23:21

bh

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  2. Oberlisbler
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