Liebe Leser!
Auf Wunsch einer einzelnen Dame möchte ich heute – im Rahmen meiner französischen Wochen – über ein Album eines großen Chansonniers berichten, der gleichzeitig auch Filmschauspieler und Musicaldarsteller war und sich selbst als Regisseur versuchte. Es war ein sehr fleißiger, strebsamer Mann, ein Perfektionist, der auch ohne musikalische Ausbildung zu einem großen Star wurde und dessen Name und Chansons auch heute noch in vieler Munde ist:
♪ Jacques Brel: ♪
alias: Grand Jacques, wurde am 08.04.1929 in Schaerbeek (Brüssel) geboren.
Brel liebte es Texte zu schreiben und übte sich daran bereits lange, bevor er erfolgreich wurde. Er liebte es Menschen zu beobachten, anschließend machte er sich seine Gedanken darüber und brachte diese dann poetisch zu Papier und präsentierte es später auf der Bühne..
In den Jahren 53 / 54 gab er seine ersten Konzerte in Pariser Cabarets und wurde immer erfolgreicher. So kam er in Spitzenzeiten auf etwa 280 Konzerte jährlich und dabei wurde er nie eingebildet oder nachlässig. Nein, er arbeitete immer weiter an seiner Musik und seinen Texten.
Jedes Lied von ihm war aus seinem Leben gegriffen, hatte eine ganz spezielle Bedeutung und er präsentierte es nicht nur als Sänger auf der Bühne, nein, er lebte jedes einzelne Lied auf der Bühne, er sang es voller Emotion, mit vollem Einsatz von Mimik und Gestik und wurde so zu einem großen…ich möchte sagen, zu einem der größten französischen Chansonniers.
Insgesamt textete Brel über 500 Songs und seine Themen waren sehr vielfältig. So sang er über Liebe, Freundschaft, Freude und Hoffnung genauso wie über Sorgen, Ängste, Tod und Einsamkeit. Keines der menschlichen Gefühle hat er ausgelassen.
1967 verabschiedete Brel sich von der Bühne, wollte nicht zu einer Maschine werden und widmetet sich dem Schauspiel.
Nur 11 Jahre später, am 09.10.78, starb Brel, mit 49 Jahren –viel zu früh- an Lungenkrebs.
♪ Quinze ans d´amour: ♪
heißt das Album, dem ich mich heute hier widmen möchte. Übersetzt bedeutet das: „Fünfzehn Jahre voller Liebe“ und steht zusammenfassend für seine erfolgreiche Zeit als Chansonnier.
Auf dem Album sind insgesamt 20 Songs von Brel und es sind zum größten Teil auch die erfolgreichsten Chansons.
--> Allgemeines:
Erscheinungsdatum: 02. September 1988
Label: Barclay (UMIS – Universal Import)
ASIN: B000006UP5
Format: Audio CD (CD-Anzahl: 1)
Laufzeit: 64,23 Minuten
Preis: ca. 40 € oder günstiger (gebraucht)
♪ Das Booklet: ♪
stimmt in diesem Fall nicht ganz mit dem Produktbild von Ciao überein. Daher habe ich unten das Bild hinzugefügt. Auf der Vorderseite sieht man Brels Gesicht in Seitenprofil und auf den nachfolgenden Seiten sind die Texte aufgeführt. Ganz schlicht und einfach, der damaligen Zeit entsprechend.
♪ Playlist: ♪
01. Grand Jacques (C´est trop facile)
02. Quand on n´a que l´amour
03. La Valse á mille temps
04. Ne me quittes pas
05. Les Flamandes
06. Le plat pays
07. Les bourgeois
08. La quête
09. Les vieux
10. Les bonbons
11. Jef
12. Mathilde
13. Au suivant
14. La chanson de Jacky
15. Ces gens-la
16. Mon enfance
17. La chanson des vieux amants
18. Le dernier repas
19. J´arrive
20. Amsterdam
♪ MEINE Playlist: ♪
1. Les vieux: (4.03):
-- 1964 --
>> Les vieux ne bougent plus, leurs gestes ont trop de rides, leur monde est trop petit,
du lit à la fenêtre, puis du lit au fauteuil et puis du lit au lit…>>
In diesem einfühlsamen, liebevoll geschriebenen Song singt Brel über das Leben der alten Menschen, deren Katze längst gestorben ist, die nicht mehr sprechen wollen, sich nicht mehr richtig bewegen können, keine Träume mehr haben, deren Welt mit jedem Tag kleiner wird. Im Refrain erscheint dann symbolisch immer eine silberne Pendeluhr, die im Salon vor sich hin tickt und über Tod oder Leben entscheidet, die geduldig wartet, bis der Tod die Alten holt.
Dieses Lied bereitet mir grundsätzlich eine Gänsehaut. Brel vermag es so gefühlvoll und ergreifend zu singen / darzustellen, dass ich oft auch die eine oder andere Träne aus den Augen wischen muss. Es regt sehr zum Nachdenken an und erinnert an die vielen „Alten“ die abgeschoben in einem Altenheim auf ihr Ende warten oder ohne jegliche Verwandtschaft alleine vor sich hin leben.
Brels Sprechgesang wird von einem Orchester begleitet, welches unter Leitung von Andre Grassi spielt. Das Lied ist voller Melancholie und dennoch spielen helle Töne und Klänge im Hintergrund die Hauptrolle. Da sind Streicher
Bilder von Best of - Quinze Ans D'amour - Jacques Brel
herauszuhören, eine Triangel, Töne eines Xylophons und auch ein paar helle Klaviertöne hellen den traurigen Text wieder etwas auf und unterstreichen das Liebevolle. Natürlich fehlt auch das Akkordeon nicht, welches bei fast jedem Song Brels seinen Auftritt hat.
10/10
2. Ne me quittes pas (4:14):
-- 1959 --
>> Je ferai un domaine dù l'amour sera roi, où l'amour sera loi, où tu seras reine <<
Dramatisch geht es bei diesem Song zu. Brel fleht in diesem Song seine Geliebte an, ihn nicht zu verlassen, er bittet sie, alle Missverständnisse zu vergessen, ihm zu verzeihen. In der nächsten Strophe verspricht er ihr „ ein Land, in dem die Liebe Herrscher ist, wo die Liebe Gesetz ist und wo sie seine Königin sein könnte“.
Mit jeder weiteren Strophe jedoch, verzagt Brel mehr und mehr um zuletzt nur noch darum zu bitten, der Schatten seiner Geliebten sein zu dürfen, sie nur noch zu beobachten, sie lachen zu sehen und ihr zuzuhören. „Verlass mich nur nicht!“ bittet er sie.
Ein wunderschöner Song, den man bei Liebeskummer lieber nicht hören sollte. Der Song ist so emotional, dass man bei genauem Zuhören sogar das Zittern der Stimme Brels hören kann. Es scheint als kämpfe er tatsächlich mit den Tränen und ich frage mich oft, für wen er diesen Song wohl geschrieben hat oder ob er tatsächlich nur ein guter Schauspieler war?!
Musikalisch ist hier das wunderschöne Klavierspiel zu erwähnen, welches Gerard Jouannest zum Besten gibt und den Song herrlich romantisch unterstreicht.
10/10
3. La chanson des vieux amants (4:27)
--19?? --
>> Oh, mon amour... Mon doux mon tendre mon merveilleux amour, de l'aube claire jusqu'à la fin du jour, je t'aime encore tu sais je t'aime. <<
Ein Liebeslied. Wunderschön. Brel besingt eine langjährige Liebe mit ihren Höhen und Tiefen, mit tausend gepackten Koffern von ihr und 1000 Fluchtversuchen von ihm und der dennoch starken Liebe nach 20 Jahren.
Für die, die kein französisch können, möchte ich die Textstelle gerne übersetzen: „Oh meine Geliebte, meine weiche, zarte, meine wunderbare Geliebte, von der Morgendämmerung bis zum Ende des Tages, ich liebe dich immer noch, du weißt, das ich dich liebe….“
Klavier, Bläser und Streicher ummalen hier den wunderschönen Text und verleihen ihm einen starken Hintergrund.
10/10
4. Les bourgeois (2:52)
--1962 --
>> Et quand vers minuit passaient les notaires, qui sortaient de l'hôtel des "Trois Faisans"
on leur montrait notre cul et nos bonnes manières en leur chantant: … >>
Hier beschreibt Brel seine Ausflüge in verschiedene Bars mit seinen Freunden. Sie trinken und prahlen vor- und miteinander, sind stolz und singen Schmählieder über das Spießbürgertum und verspießen dabei selbst mehr und mehr.
Erst sind sie es selbst, die nachts, vollgesoffen, ihre nackten Hinterteile zeigen und Schmählieder singen: Die Spießbürger sind wie Schweine / Je älter so was wird, desto blöder wird es.
Später werden sie selbst Opfer von Jugendlichen, die eben die selben Schmählieder über sie singen….
Akkordeonklänge und Brels überheblicher Ausdruck in der Stimme verleihen diesem schnelleren Song sehr viel Ausdruck. Der Refrain wird durch das Orchester kräftig unterstützt, welches am Ende der letzten Strophe förmlich explodiert vor lauter Schadenfreude (im Bezug auf den Text).
10/10
5. Les bonbons (3:29):
--1964 --
>> J'espère qu'on pourra se promener, que madame votre mère ne dira rien <<
Ein wunderschöner Text eines hoffnungslos verliebten Mannes, welcher seine Geliebte an einem schönen Sonntag ausführen möchte, die Mutter um Erlaubnis bittet und seiner Lieben Bonbons mitbringt, anstelle von Blumen, die seiner Meinung nach sowieso viel zu leicht verderben und Bonbons statt dessen so lecker sind.
Leider treffen sie bei ihrem Spaziergang auf Leon, den Freund der Dame und Brel ihm weichen muss, obwohl er seine Germaine so verehrt und stolz auf sie ist.
Akkordeon, Bläser und Xylophon unterstreichen diesen kleinen Kurzfilm, den Brel singt. Ausdrucksstark die Stimme Brels, erst noch ganz verliebt, voller Hoffnung, dann ganz stolz und glücklich und dann enttäuscht und gekränkt.
10/10
6. Jef (3:35):
--1964--
>> Non Jef t'es pas tout seul, mais arrête de pleurer, comme ça devant tout le monde …<<
Brel trifft hier auf seinen heruntergekommenen, besoffenen Freund Jef, der völlig am Boden zerstört ist, weil er mal wieder von einem billigen Mädchen verlassen wurde. Er versucht ihn wieder aufzurichten um mit ihm das letzte Geld in eine Bar zu tragen und wie früher zu träumen, von Amerika, von der Zukunft, vom Geld….
Die Verzweiflung, Angst und Sorge in Brels Sprechgesang haben mich hier sehr beeindruckt. Freundschaft ist so wichtig, in guten und schlechten Zeiten. Freunde halten immer zusammen und nein, Jef, Du bist nicht alleine…komm´ Jef, steh auf!
Ein wahres Drama unterstrichen vom Orchester, Streichern und Klavier.
10/10
7. Le plats pays (2:37):
-- 1962 --
>> Quand les fils de novembre nous reviennent en mai, quand la plaine est fumante et tremble sous juillet, quand le vent est au rire quand le vent est au blé, quand le vent est au sud écoutez-le chanter… <<
Hier beschreibt Brel die flämische Landschaft unter dem Einfluss der 4 Jahreszeiten und ist dabei in seinen Gefühlen scheinbar gespalten. Mal schwermütig, dann wieder stolz auf sein Flachland, was mal grau und düster erscheint, dann wieder schön und bemerkenswert.
Ein sehr ruhiges Lied, in der die Stimme Brels mehr als sonst im Vordergrund steht und mit schlichter Gitarrenmusik begleitet wird.
10/10
8. Les flamandes (2:25):
--1959 --
>> Et qu'á vingt ans il faut se fiancer,se fiancer pour pouvoir se marier et se marier pour avoir des enfants...<<
Dieses satirische Stück schrieb Brel für die flämischen Bäuerinnen und all´ die anderen Spießbürgerinnen, deren Leben alle nach dem gleichen Schema abzulaufen drohten…mit 20 die Verlobung um bald darauf zu heiraten und Kinder zu bekommen, dann ein Leben als Mutter und Hausfrau und später weiter als Oma zu führen ohne weitere Interessen oder Ansprüche und dabei immer glücklich auszusehen, auch wenn es gar nicht mehr so ist.
Brel singt in diesem schnelleren Stück mit teilweiser überheblichen Stimme, die aber gleichzeitig als Warnung zu verstehen ist und als Aufruf, auszubrechen aus dieser Spießigkeit.
Das Orchester spielt fröhlich und schnell und unterstützt die Stimmung des Sängers.
10/10
9. Ces gens-la (2:38):
-- 1966 --
>> Elle dit qu'elle partira, elle dit qu'elle me suivra, alors pour un instant, pour un instant seulement, alors moi je la crois Monsieur, pour un instant seulement ….<<
Brel erzählt hier einem Monsieur von der Sippschaft, seiner Geliebten Frida, die ihn nicht akzeptieren will und voller Vorurteile gegen ihn ist. ist.
Der Vater, der sich nur betrinkt und nicht arbeiten geht, sich aber für den König hält, der Bruder, der verheiratet ist aber ein Verhältnis nach dem andere hat und viele mehr….
Brel und die schöne Frida träumen davon, dem Ganzen zu entfliehen und sie will ihm folgen aber dann, dann bleibt sie doch zurück…
Wie gesagt, Brel erzählt hier mehr als zu singen. Seine Stimme ist sehr aufgebracht und voller Wut gegenüber „diesen Leuten“, die sich nie ändern werden und Vorurteile pflegen und bei denen alles nach einem bestimmten Schema ablaufen muss….wo Brel nicht zu Frida passen kann…weil es die anderen nicht wollen.
Brel wird nur durch das Klavier begleitet, während er erzählt. Es ist immer der selbe Anschlag, der je nach Stimmung des Sängers mal lauter oder leiser wird. Nur als Brel von Frida erzählt springt laut das Orchester mit Streichern und Bläsern ein.
10/10
10. Mathilde: (2:35):
-- 1964 --
>> Mon cœur, mon cœur ne t'emballe pas,fais comme si tu ne savais pas, que la Mathilde est revenue <<
Mathilde, die Brel einst verlassen hatte und ihm das Herz gebrochen hatte, ist wieder da!
Zunächst noch zögerlich und dann doch immer euphorischer schreit Brel seine Freude über ihre Rückkehr heraus.
Er versucht sein klopfendes Herz zu beruhigen und seine zitternden Hände zu kontrollieren. Seinen Freunden gibt er Bescheid, dass sie nun nicht mehr mit ihm rechnen können, denn Mathilde ist wieder da, zurück, bei ihm….
Dieser Song sprüht vor Freude, vor Aufregung und Euphorie. Brel ist in Aufbruchstimmung und nicht mehr zu bremsen. Der Song wird schnell gesungen und gespielt. Besonders das Klavier kommt hier wieder stark durch und der Refrain wird durch das ganze Orchester verstärkt.
10/10
11. Amsterdam (2:56):
-- 1964 --
>> Et quand ils ont bien bu, se plantent le nez au ciel, se mouchent dans les étoiles et ils pissent comme je pleure, sur les femmes infidels <<
Dieses Chanson ist wohl das berühmteste von Brel und es handelt vom realen Leben, den Träumen und Sehnsüchten der Seemänner und wie sich alles miteinander vermischt.
Dieser Song wurde live aufgenommen als Brel es damals in Olympia sang. Natürlich ist das Akkordeon, passend zu den Seemannsleuten sehr passend und vordergründig im Einsatz und begleitet Brels Gesang. Zwischendrin ist auch immer wieder das Klavier unterstützend. Das Lied gewinnt mit jeder Strophe an Tempo und ist am Ende aufbrausend und laut.
10/10
12. Le dernier repas (3:25)
-- 1964 --
>> Après mon dernier repas je veux que l'on m'installe assis seul comme un roi accueillant ses vestals… <<
Sein letztes Mahl möchte Brel feiern und dabei sein Leben Revue passen lassen, seine Kindheit in der Pfeife rauchen und danach möchte er sich wie ein König fühlen und seine Lieben empfangen um sich dann einzugestehen, dass er noch einmal Angst haben wird, noch ein letztes Mal in seinem Leben – vor dem Tod.
Brel besingt seine letzten Stunden und erfüllt sich seine Wünsche, begleitet wird sein Gesang durch Akkordeon und Bläser. Das Lied wird zackig gespielt und hat keineswegs einen melancholischen Klang.
10/10
13. Quand on n´a que l´amour (2:20)
-- 1956 --
>> Quand on n'a que l'amour, mon amour toi et moi, pour qu'éclatent de joie, chaque heure et chaque >>
Ein Lied über die Liebe, etwas idealistisch vielleicht und dennoch wunderschön.
“Wenn wir nur noch die Liebe haben , nichts anderes mehr und die Kraft der Liebe, die wir in unseren Händen haben, nutzen, werden wir alle Freunde sein auf der ganzen Welt.”
Brels Sprechgesang wird anfangs durch leise Gitarrenklänge begleitet, später kommen Bläser und Klavier hinzu, sodass dem Text unterstützend Hoffnung gegeben wird.
10/10
14. Grand Jacques (1:45):
-- 1955 --
>> Tais-toi donc Grand Jacques, que connais-tu du Bon Dieu? Un cantique une image
tu n'en connais rien de mieux... <<
Mit Grand Jacques meint Brel sich hier selbst, da er von Freunden und Fans oft so bezeichnet wurde. Was weißt Du schon von Gott, der Liebe und dem Tod…es ist zu einfach…in die Kirche zu gehen und seine Sünden zu beichten, ein Loblied zu singen…du kennst nichts besseres….
Brel wirkt hier sehr dramatisch und singt mit sehr tiefer, ruhiger Stimme. Begleitet wird sein Sprechgesang von Streichern und Gitarrenklängen.
9/10
15. La valse á mille temps (1959):
--1959 --
>> Une valse à vingt ans, une valse à cent temps, une valse à cent ans, une valse ça s'entend… >>
Brel berichtet hier von einer Liebesgeschichte in drei verschiedenen Phasen. Es geht um den Walzer, um Paris und ein Kennen lernen von Mann und Frau im Karussell des Lebens, das sich immer schneller dreht..
Mit jeder Strophe wird dieser Chanson schneller und schneller und Brels Worte scheinen sich am Ende bald zu überschlagen. Ebenso schnell spielt das Orchester den Walzer im Hintergrund.
9/10
16. La chanson de Jacky (4:27)
--1966 --
>> Je sais quand même que chaque nuit j'entendrai dans mon paradis les anges, les saints et Lucifer… me chanter la chanson de naguère, celle du temps où je m'appelais Jacky >>
Egal was passiert, will Brel die schöne Zeit, als er noch Jacky genannt wurde, nie vergessen und das Lied von Jacky singen, selbst im Paradies für die Engel oder den Teufel….Jacky bleibt Jacky…egal was passiert und damit meint er ein Stück weit wohl auch die Bodenständigkeit, die ein großer Star, wie er, leicht verlieren kann.
Fröhlich und mit lauter Orchesterbegleitung singt Brel hier stolz von sich als Jacky in schnellem Tempo.
9/10
17. Au suivant (3:06)
-- 1964 --
>> Et depuis chaque femme à l'heure de succomber entre mes bras trop maigres semble me murmurer Au suivant au suivant
Der Nächste, der nächste….hier geht es Brel um die Eile der Welt…immer geht es schnell weiter, immer hört er diese Stimmen, weiter, weiter….
Beängstigt trägt Brel diesen Kreislauf vor, der keine Zeit lässt für Zärtlichkeit oder ein Lächeln, für das Leben, das er sich so gewünscht hätte, ob in der Armee, wo alles begann oder im gesamten weiteren Leben, wo alles oberflächlich ist und bleibt.
Brel wird im gesamten Lied vom Orchester begleitet, Klavier und Saxophon verleihen dem Song einen auch dramatischen Ausdruck und spiegeln durch Schnelligkeit den Text..
9/10
18. La quête (2:38):
-- 1968 --
>> Telle est ma quête, suivre l'étoile, peu m'importent mes chances, peu m'importe le temps, ou ma désespérance… <<
Ein Lied über die Hoffnung und Träume, den Wunsch etwas zu erreichen, zu erobern (eine Frau), was noch niemand vorher erreicht hat…
Brel singt mit kräftiger und mutiger Stimme. Und wird nur durch wenige Instrumente unterstützt.
9/10
19. Mon enfance (5:35)
--19?? –
>> Un matin se brisa, ce fut la première fleur, et la première fille, la première gentile^, et la première peur. Je volais je le jure, je jure que je volais. Mon cœur ouvrait les bras, je n'étais plus barbare…et la guerre arriva… <<
Brel lässt hier seine Kindheit Revue passen, seine Kindheit, in der es stets sehr streng zu ging, eine Kindheit, die von Reichtum geprägt war und dennoch unglücklich…eine Kindheit voller Mauern seiner spießigen Familie aus der er mit der ersten Freundin dann endlich ausbrechen wollte und es sich anfangs nicht traute. Als es dann aber doch so weit war, begann für ihn ein Krieg, ein Krieg mit seiner Familie, die seinen Ausbruch weder verstehen noch dulden wollten.
Wunderschöne, helle Klaviertöne am Beginn des Songs und leise Streicher im Hintergrund verleihen diesem Song Ausdruck. Es ist ein sehr ruhiges Chanson.
20. J´arrive
-- 19?? --
>> C'est même pas toi qui est en avance, c'est déjà moi qui suis en retard, j'arrive, bien sûr j'arrive, n'ai-je jamais rien fait d'autre qu'arriver…<<
In diesem Lied singt Brel mal wieder über den Tod, der auf ihn wartet und den Dingen, die er noch einmal erleben möchte, nur ganz kurz noch, obwohl er eigentlich schon viel zu spät ist.
Bläser unterstreichen hier den ernsten Gesang Brels und der Refrain wird sehr laut und in Brels Stimme hört man Sehnsucht, Furcht, Verzweiflung und Wehmut. Am Ende spielen Streicher und Bläser eine schöne klassische Melodie.
♪ Fazit: ♪
Brel ist ein großer Künstler und um seine Chansons zu deuten und zu verstehen, muss man die Uhr ein ganzes Stückchen zurückdrehen.
Damals waren noch ganz andere Zeiten, eine Frau musste erobert werden und die Eltern mussten die Eroberung erst auch zulassen (was die Liebe betrifft).
Gerade das gefällt mir und interessiert mich an Brels Chansons und ich liebe es ihm zuzuhören.
Einmal konnte ich diesen großartigen Schauspieler in einem Video auf der Bühne erleben, wo er seine Lieder präsentierte und ich war verzaubert, beeindruckt von seiner Kraft den Songs diesen Ausdruck zu verleihen und jetzt höre ich seine Lieder ganz anders und viel bewusster.
Die Texte auf diesem Album sind sehr tiefgründig und regen den Hörer zum Nachdenken an, lässt ihn in sich kehren und sich über Liebe, Tod, Einsamkeit und all´ die anderen, ein eigenes Bild zu machen.
Das Album ist sehr gut gelungen und zählt meiner Meinung nach, mit zu den Besten von Jacques Brel, einen Chansonnier den ich zu gerne mal live erlebt hätte.
Es ist Musik zum Zuhören, zum Nachdenken und Versinken, natürlich sollte man der französischen Sprache dazu schon ein bisschen mächtig sein, denn so nebenbei kann man das Album –meiner Meinung nach- nicht einfach so laufen lassen. Dazu ist es viel zu schade.
Ich gebe dem Album 5 Sterne und natürlich eine Empfehlung.
Wer möchte, kann ja bei amazon.de mal reinhören?!
Vielen lieben Dank für das Lesen, Bewerten und Kommentieren dieses Berichtes, der besonders aufwendig recherchiert und bearbeitet wurde.
--> Widmung: Auch Sternschnuppen haben Wünsche! ;-)
10.02.2006 00:41
Berichte über Musik finde ich nicht einfach zu schreiben. Du hast mit ausführlichen Informationen super berichtet.
08.11.2005 14:37
Wow, also der Diamant ist aber echt verdient. Wahnsinn und unglaublich schön wie du die Musik immer wieder neu beschreibst. Bei so vielen Liedern glaub ich gerne dass die Arbeit sehr zeitintensiv war, zumal man ja auch erst mal den Text verstehen muß, was bei mir ja völlig unmöglich wäre :) Aber dafür hab ich ja dich !! GLG
29.12.2004 11:48
Der Diamant ist verdient... BH! LG, Stefan