Raphael Saadiq - The Way I See It

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Raphael Saadiq - The Way I See It

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Bestes 60er Soul Retro-Album aller Zeiten

3  30.10.2008

Pro:
Wirklich das beste von der Sorte

Kontra:
Leider immer noch ein 60er Soul Retro - Album

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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dcbe

Über sich: Unglaublich - 10 Jahre!

Mitglied seit:03.05.2000

Erfahrungsberichte:246

Vertrauende:52

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 50 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es ist schon ein Kreuz mit den älter werdenden Helden der Popmusik. Manche bleiben einfach bei einer einmal festgelegten Erfolgsformel und produzieren die gleichen drei oder vier Songs mit nur leichten Variationen immer wieder neu. Besonders fürchterlich repräsentieren diese Sackgasse etwa die Rolling Stones, die toten Hosen, der Marius, der Herbert, oder die Pet Shop Boys. Andere verabschieden sich von der Bühne und leben von den Tantiemen, sammeln vielleicht zum Spaß oder aus der Not noch mal ein bißchen Kohle auf Retro-Veranstaltungen ein. Eine dritte Gruppe bleibt produktiv, bemüht sich um Anschluß an das aktuelle Geschehen, oft in Koproduktionen mit jüngeren Helden. Leider ist das dann doch eher selten begeisternd.
Der letzte Ausweg alternder Popstars die noch nicht aufhören mögen, das ist der Seitensprung. Die Helden wechseln das Genre, meist mit Rücksprung in der Zeit verbunden. So gibt es dann ein Swing-Album, ein Bossa-Nova-Album, ein rein akustisches Album, ein Album mit "American Classics", oder eben ein Soul-Album.

Um es kurz zu machen: Leider ist auch Raphael Saadiq in diese Falle getappt. Da er die meisten anderen Musiker seiner Generation doch deutlich überragt, ist das Resultat ganz in Ordnung. Aber immer noch eine Riesenenttäuschung.

Wer war denn noch mal dieser Saadiq?

Ich muß zugeben, ich bin parteiisch. Ich liebe so ziemlich alles, was Raphael so in den letzten 20 Jahren veröffentlich hat. Zum Nachlesen empfehle ich meine Meinungen hier, etwa zu Tony Toni Toné-Alben aus den 90ern, zu Lucy Pearl (2000), oder zu Raphaels Solodebüt, "Instant Vintage". Gemeinsam war all diesen Alben das Gefühl für wunderbar soulvolle Melodien, der spielerische Umgang mit Mustern schwarzer Popmusik aus 60ern und 70ern, der Einsatz ganz und gar heutiger Produktionstechnik, Rhythmen und Texte. Raphael ist ein unverwechselbar guter Sänger und Multi-Instrumentalist, er war eine der Leitfiguren des seit gut 10 laufenden Neo Soul, er war und ist einer der besten Produzenten schwarzer Popmusik, er hat Grammies gewonnen, Millionen Tonträger verkauft, sich dabei jede Menge Respekt erworben, er war, ja, einer meiner ganzen großen Helden der Popmusik, ziemlich hoch in den persönlichen Top 10.

Und jetzt das!

Ich muß zugeben, ich bin parteiisch. Ich möchte bei neu erscheinender Popmusik auch neue Ideen hören, neue Sounds, neue Themen. Deswegen mag ich auch die seit so zwei oder drei Jahren laufende Retro-Soul-Welle nicht. Das ganze Zeug von Mark Ronson, Nicole Willis und Duffy nervt mich, die Whinemouse sowieso, die Heinzmann ist putzig, aber auch ziemlich peinlich, der ganze gefakte 60er-Style geht mir von Beginn an auf den Sack. Vielleicht ist es ja das Alter, oder die Kindheitserfahrung Ich habe mal mit 8 Jahren einen Schatz geschenkt bekommen, Dutzende Motown- und Stax-Singles. Schöne Art musikalisch aufzuwachen, aber leider auch das Urteil färbend: Die aktuellen Nachempfindungen, die kommen da einfach nicht heran.

"The Way I See It" ist auch so eine Nachempfindung, und ausgerechnet Raphael Saadiqs drittes Soloalbum. 42 Minuten, 13 Songs, alle massiv die 60er zitierend, manchmal auch noch Doowop (1950er). Leider macht Raphaels übergroße Musikalität, sein sicheres Gespür für Wohlklang und feine Melodien hier das Verdammen verdammt schwer.
Er gibt sich wirklich Mühe. Alles ist mit Original-Instrumenten auf Original-Studioequipment eingespielt. Der Klangpurist darf sich an wirklich authentischem Motown-Sound freuen. Alles historisch korrekt, nicht geschludert oder gesamplet wie viele Konkurrenzprodukte. Dazu sehr gutes Songwriting, vergangene Zeiten erschütternd genau nachempfindend. Dabei ist Raphael 1966 geboren, er kann die zitierte Zeit nicht bewußt erlebt haben.

Es fällt mir allerdings schwer, irgendwelche Songs herauszuheben. Besonders gut sicher "Just One Kiss" mit seiner Teilzeitfreundin Joss Stone. Auch sehr gut "Calling", mit spanischen Einsprengseln, eigentlich eine Doowop-Nummer.
Etwas mehr nach vorne geht "Staying In Love", klanglich späte 60er. Da kann man sicher gut im 67er Mercury dazu einher rollen. "Oh Girl" könnte exakt so von den frühen Stylistics sein, so ca. 1971 erschienen. Hm, immerhin mal nicht die pure 60er-Kopie. Die einzige Nummer, die mir wirklich uneingeschränkt gefällt ist allerdings "Never Give You Up". Da trötet sogar das Übergenie Stevie Wonder auf seine alten Tage noch mal ein wenig in die Mundharmonika, ein CJ Hilton singt mit, klingt genauso wie Raphaels Bruder Dwayne. Deswegen gefällt mit das Teil wahrscheinlich auch so gut, es hätte genauso vor 12 oder 15 Jahren als Tony Toni Toné- Nummer erscheinen können. Wunderschön, und den Kauf des Albums dann doch irgendwie rechtfertigend.
Der Rest, na ja. Am Schluß kommt noch eine Version von "Oh Girl", auf der Jay-Z ein wenig mitstottern darf. Nicht unbedingt besser als die "Netto"-Variante…

Und was jetzt?

Ich muß zugeben, ich bin ratlos. Klar verstehe ich, daß ein alternder Musikheld auch mal was anderes als Innovationen machen darf, vielleicht sogar muß. Raphael Saadiq ist zudem so verdammt gut, daß er die wohl mit Abstand BESTE 60er-Retro-Soul-Platte seit 1970 herausgebracht hat. Also, für die Leute, die den 60er-Retrosound mögen, für die ist das Ding wirklich unverzichtbar. Wird sehr schwer zu toppen sein. Und womöglich wird es Raphael auch neue Käuferschichten erschließen.

Für mich aber bleibt Enttäuschung. Ich sehe die Platte trotz aller Qualitäten als im wesentlichen mausetot, langweilig, auf Sicherheit gespielt, als kreativen Rückschritt, und leider leider meines Musikhelden vollkommen unwürdig. Ja, Welten besser als Duffy und der Rest. Aber nein, nichts für mich. Vielleicht kann ich das Ding ja noch an irgendwen verschenken…

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
postth

postth

06.01.2009 20:52

Guter Bericht! But that's not my cup of tea! :-) Thomas

mozarteum

mozarteum

22.12.2008 19:11

ich muss gestehen, dass mir der name nun gar nichts sagt ... .-) lg mozarteum

atrachte

atrachte

01.11.2008 20:13

In meinen Augen ein fantastsiches Album, aber jedem sei seine eigene Meinung gegönnt ;)

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