...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...
31.07.2006
Pro:
Hermann Hesse meets Emo - hinreißend und ehrlich .
Kontra:
Bisher die einzige Veröffentlichung der Band . Wieso?
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Alexis21
Über sich:
Mein Blog: miaseverydaystories.blogspot.c om // Die Bettelei nach Besonders Hilfreich-Bewertungen f...
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"Zurück ins Licht, der Sonne entgegen. Ist es kalt da, wo Du stehst? Dann fang an, Dich zu bewegen!" Das Zitat stammt aus dem Song mit dem vielsagenden Titel "Kopf hoch & Arsch in den Sattel" - dem ersten Song, den ich jemals von Jupiter Jones gehört habe, als sie letztes Jahr als Support für Muff Potter in Kiel spielten. Und obwohl ich skeptisch und eher scharf auf den Haupt-Act war, war ich direkt bei diesem Song hin und weg. Nach dem ersten Refrain war mir klar, dass ich mir die CD kaufen muss und das wurde auch getan. Vielleicht einer der besten Käufe meines Lebens.
Wer auf deutsche Musik mit deutlichen Emo-Einflüssen steht, wer Bands wie "But Alive" oder "Kettcar" nicht nur kennt, sondern auch mag, der sollte die CD "Raum um Raum" längst besitzen. Denn Jupiter Jones vereint sämtliche Qualitäten, die man im Deutschpunkland so finden kann, zu einer wunderbar homogenen Masse. Da steckt verdammt viel Melodie drin und gleichzeitig harter Punk, die Lyrics sind geistreich, aber ebenso voller Gefühl. Selbst Sänger Johnny passt sich stimmlich hervorragend an - der kann nämlich genauso rotzig ins Mikro brüllen (wie z. B. in dem schnellen, latent aggressiven, verzweifelten Song "Momentaufnahme"), wie er auch zwischendurch eine überraschend sanfte, butterweiche Singstimme präsentiert, wie beispielsweise in der erschütternden Ballade "Jupp", in der es um Suizid geht. Übrigens - Jupiter Jones kommen nicht aus Hamburg, wie man zu Recht denken könnte. Eigentlich eine Frechheit, bisher kamen sie doch fast alle aus dem hohen Norden. Aber der Hamburger Schule haben wir Jupiter Jones nicht zu verdanken, die kommen nämlich (Achtung!) aus dem Saarland.
Wenn man sich jetzt noch ein bisschen mit deutscher Literatur auskennt, wird einem der Albumtitel vielleicht bekannt vorkommen. Richtig. Good old Hermann Hesse stand Pate für dieses musikalische Meisterwerk und man findet seinen Einfluss nicht nur im Titel wieder. Schön, wenn junge Leute noch lesen - und noch viel schöner, wenn sie auch noch verstehen, was sie da lesen UND es dann noch so weiter verarbeiten können wie diese Band. Eine Hommage an Hermann Hesse, ganz ehrlich gemeint und voller Hingabe. Wir bewegen uns auf "Raum um Raum" zwischen den Stühlen. Da wird zum Mitgröhlen verleitet, zum Tanzen und Pogen - und plötzlich steigen einem die Tränen in die Augen und statt zu singen fängt man an zu seufzen, statt zu pogen wiegt man sich in Melancholie. Dabei verfolgen Jupiter Jones eine ganz klare Linie, ihren ganz eigenen Stil und haben jetzt schon einen hohen Wiedererkennungswert. Und trotzdem sind die Songs so vielseitig und abwechslungsreich, wie man es sich nur wünschen kann. Das ist unter Umständen ziemlich anstrengend für den sensiblen Zuhörer, der von Emotionen überwältigt und mitgerissen wird, von einem Extrem ins nächste und wieder zurück - aber ganz ehrlich, wer Emo hört, tut das doch nur aus genau diesem einen Grund. Weil diese Musik einen aufwühlt und zittern lässt, weil sie hochkonzentrierte Gefühle injiziert und eine Art Rausch hinaufbeschwört. Und das alles ohne Kater am nächsten Morgen.
Meine Anspieltipps sind übrigens "Wenn alle es verstehen", eine schön schnörkellose und angenehm nüchterne Ballade über eine zerbrochene Beziehung. Nicht zuviel Gejammer, dafür diese Art realistische Bosheit, die man wirklich kennt: "...und selbst die Frau von nebenan sagt, sie könnt' Dich schon verstehen..." Autsch. Touchè. Das saß. Dann natürlich das schon am Anfang erwähnte "Kopf hoch und Arsch in den Sattel", wieder etwas schnelleres, aber irgendwie optimistisches, mit einem Hauch Wehmut und Resignation - aber ein astreiner Song, der einem auf Konzerten garantiert den Verstand raubt. Und zu guter Letzt empfehle ich das Schlusslicht der CD: "Auf das Leben (für den Film)", eine Mischung aus Ballade und Dynamik, bittersüß und so herrlich wahr. Kein Rumgetüddel und Trallala, einfach nur die Tatsache: Es ist nicht immer leicht, aber hey - deswegen ist es doch so interessant! Oder um es mit Jupiter Jones zu sagen: "Und trotzdem bleibt es immer gleich, ich schlage auf und stell mir vor, waswäre, wenn's noch schlimmer wird, den immer gleichen Satz im Ohr: Dass Atmen sich wohl trotzdem lohnt, das Schicksal niemals wen verschont, die Straße ist nicht immer eben und grad' deswegen: Auf das Leben!" Einen schöneren Abschluss-Song hätten sich die Jungs nicht aussuchen können. Die letzten Töne verstummen und man hat eine Gänsehaut von Kopf bis Fuß. Da hilft nur eins: Nochmal von vorne anfangen, bitte. Endlosschleife. Bis zum Erbrechen. Und das kann dauern. Fazit: Texte, die nicht so elendig pseudo-intellektuell daherkommen, die ehrlich sind und klar, von nichts zuviel, sondern immer genau richtig. Musik, die bis ins Mark geht und sich einprägt, die immer präsent und trotzdem nie aufdringlich ist. Das ist eine Kombination, die jedem Emo-Liebhaber den Boden unter den Füßen wegreißt und ihn in andere Sphären schweben lässt.
Gratulation. Ich vergebe selbstverständlich volle 5 Sterne und würde am liebsten nochmal 5 drauflegen. ---
Tracklist: 1. Kein Lied 2. Unter uns Darwinfinken 3. Alles Glück der Welt 4. War nichts. 5. Raum um Raum 6. Wenn alle es verstehen 7. Kopf hoch & Arsch in den Sattel 8. Jupp 9. Versickern / Versanden 10. Momentaufnahme 11. Reiss die Trauer aus den Büchern 12. Auf das Leben! (Für den Film)
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09.01.2011 19:26
Ich hab gestern das erste Mal von Jupiter Jones im Radio gehört. Die aktuelle Single "Still" hat mich aber mal sowas von begeistert!!! Aber auch die anderen Lieder, die im Internet kursieren sind klasse!
02.01.2007 13:25
Guten Tag. Sehr schön :-) *wink*
18.08.2006 15:35
Macht zumindest schon mal Appetit. Wird mal auf den Speiseplan gesetzt. ;-)