DAS Meisterwerk der Darmstädter Iren
22.04.2004
Pro:
DAS Meisterwerk der Paddies
Kontra:
Leider gibt es die Band in dieser Besetzung nicht mehr
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 squarerigger
Über sich:
Besonders am Herzen liegt mir derzeit meine Meinung zur (Nicht-)Zukunft der Atomkraft. - Besucht me...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 55 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wieder einmal ist es an der Zeit, daß ich einen CD-Bericht verfasse; wie meistens handelt es sich dabei um einen Silberling einer meiner Lieblingsband. Nein, dieses Mal ist es nicht RUNRIG, vielmehr geht es um ein Werk von PADDY GOES TO HOLYHEAD. Vorweg möchte ich all jenen, die der Meinung sind, daß eine CD-Meinung nur dann lesenswert ist, wenn dort jeder einzelne Song haarklein analysiert wird, darauf hinweisen, daß ich das nicht so sehe – ich denke, daß es viel wichtiger ist, den Gesamteindruck der CD zu vermitteln. Die einzelnen Songs sollte jeder, der sich die CD anhört, doch bitte selbst beurteilen. Ich werde mich daher, wie ich dies auch schon bei meinen bisherigen CD-Meinungen getan habe, auf einige ausgesuchte Songs beschränken und die reine Tracklist ohne jegliche Wertung der Vollständigkeit halber mit erwähnen. Wer damit ein Problem hat und meint, allein schon deshalb die Meinung mit „wenig hilfreich“ oder noch schlechter bewerten zu müssen, weil nicht jeder Song haarklein beschrieben ist, für den habe ich nur ein verständnisloses Kopfschütteln übrig.
Doch nun genug der Vorrede, es geht los! Jede wirklich gute Band produziert irgendwann einmal ein Album, daß in die Annalen der Band als das genialste Werk eingeht. Bei Paddy goes to Holyhead, der in dieser Besetzung leider nicht mehr existierenden Irish-Folk-Band aus Darmstadt, handelt es sich hier meiner Meinung nach um die CD „Ready for Paddy“, eingespielt im Jahr 1994 mit der Besetzung:
- Harald Schmidt (damals noch Harald Kligge): Lead Vocals, Blues Harp, Guitar - Almut Ritter: E-Fiddle, Tin Whistle, - Jo Naumann: Vocals, Keyboards, Accordion - Andi Kopp: Bass, E-Guitar - Kalle Spriestersbach: Drums, Percussion Wie ich bei meiner Meinung zur vorherigen CD „Supermegaultraliveshow“ schon geschrieben habe, hat die Band im Jahr 1994 endgültig ihren eigenen Stil gefunden: Rock-Musik mit massiven irischen Wurzeln, die immer wieder stark durchdringen und die Musik der Band unverwechselbar machen, dazu ein ganz eigenständiger Sound, der u.a. sehr stark durch die E-Geige von Almut und durch die rauchige Stimme von Harald gepräft ist.
Insgesamt gesehen war „Ready for Paddy“ wohl die erfolgreichste CD der Paddies überhaupt. Schon die erste Single-Auskopplung, "Bound around", hielt sich wochenlang in der SWF3-Hitline, der Hörerhitparade des damals noch existenten, heute leider in SWR3 aufgegangenen und zum Teenie-Sender mutierten Senders. Aber es sollte noch besser kommen: " Johnny went to the war" hielt sich 50 (in Worten: FÜNFZIG) Wochen in den Top Ten der Hitline - damit führt dieser Song die ewige Rangliste unangefochten an. Vermutlich wäre der Song sogar noch länger in den Top Ten geblieben, wenn nicht der Sender unfairerweise beschlossen hätte, eine Begrenzung auf 50 Wochen einzuführen. :-(
Nun ja, daß solche nicht unbedingt kommerzielle Musik wie die der Paddies oder auch von Runrig zwar bei den Hörern beliebt war, aber im Sender keine große Lobby hatte, zeigt folgendes Zitat eines SWF3-Mitarbeiters aus der damaligen Zeit. Gefragt, was er sich wünschen würde, wenn er drei Wünsche frei hätte, antwortete dieser Idiot: 1) Daß sich Runrig auflöst
2) Daß die Ex-Mitglieder von Runrig auch keine Solo-Karriere mehr starten 3) Daß Paddy goes to Holyhead es Runrig nachmacht.
Was soll man dazu noch sagen? Die Hörer von SWF3 haben die passende Quittung gegeben, denn immer dann, wenn wieder solche dummen Äußerungen kamen, rutschte der Song in der Hitline wieder nach oben. *g* Auch wenn die CD insgesamt recht rockig ausfiel, so sind dennoch Songs enthalten, die sehr irisch-folkig sind, so z.B. "The Annie B." oder "Seldom Sober". Die neue, rockigere Ecke wird von "Bound around", "Johnny wend to the war" oder "Dead and gone" repräsentiert. Auch gibt es deutliche Reggae-Einschläge bei "Red Rasta". Wie bei den Paddies üblich gibt es natürlich auch auf „Ready for Paddy“ eine Ballade, "Love Song No. 90". Das breite musikalische Spektrum der Band zeigt sich hier wieder einmal sehr deutlich; zugleich zeigt sich aber auch die Stärke (oder Schwäche – kommt immer auf den Standpunkt an) der Band: man orientiert sich nicht an irgendwelchen Trends, sondern macht seine ganz eigene Musik, hat den eigenen Stil – auch auf das Risiko, daß man damit nicht unbedingt kommerziell erfolgreich ist. Das war einer der Punkte, warum die treuen Fans die Paddies geliebt haben – sie machten einfach ehrliche Musik.
Daß sie dabei auch durchaus zeitkritische Texte verwendeten, zeigt mein absolutes Lieblingslied auf dieser Scheibe, ein Lied, welches wohl nur eingefleischten Paddy-Fans bekannt sein dürfte. Bei "Shirinovski" mischt sich eine genial-gute, sehr rockige Melodie (zu der man bei den Konzerten der Band sehr gut Pogo tanzen konnte *g*) mit einem sehr anspruchsvollen Text gegen den russischen Rechts-Außen-Politiker Wladimir Shirinovski: There lives a man in Moscov and Russia is his fate He always prayed for power, for loyalty and hate. His dreams are very simple, dreams of an iron fist His name is Shirinovski, he's a bloody damned fascist.
He's talking about freedom, talking about Russia's lost But it means another war and another Holocaust. A new tyrant for poor Russia, Shirinovski Superman Your father he was Jewish, would you kill him once again. Remember 1941, aye, man, how do you do, 6 million sons and daughters lost in World War Two. For the leadership of Russia your own mother you would sell Wladimir Shirinovski, we wish you're back in hell.
Insgesamt findet man auf „Ready for Paddy“ folgende 13 Tracks: 01. Bound around 02. Johnny went to the war 03. Love Song No. 90 04. Shirinovski 05. The dragon 06. Civil war 07. Red Rasta 08. The Annie B. 09. The banks of Australia 10. Seldom sober 11. Ula Drake 12. Black fiddle (Instrumental) 13. Dead and gone
Wie versprochen werde ich nun einige Songs der CD näher vorstellen – es handelt sich hierbei natürlich um eine subjektive Auswahl, bei der ich einige markante Songs erwähnen will. 01. Bound around
Ein sehr stark vom Irish Folk geprägter Song mit einer eingängigen Melodie und einem förmlich zum Mitsingen einladenden Text; daß der Song echte Ohrwurmqualiltäten hat, bewies er nicht nur durch seinen mehrere Wochen dauernden Aufenthalt in der SWF 3-Hitline, sondern auch dadurch, daß Harald den Text bei Paddy-Gigs gar nicht mehr singen brauchte. Die Anfangszeile „Our time has come to sing you a song...“ reichte eigentlich schon aus, damit das ganze Auditiorium mitsang. 04. Shirinovski
Wie bereits erwähnt, handelt es sich hierbei um mein Lieblingslied auf dieser CD. Die Melodie gibt sich sehr rockig, fast schon punkig, obwohl ein für Punk oder Rock eigentlich eher unübliches Instrument, nämlich die E-Fiddle, den Sound prägt. Aber Almut schafft es hier tatsächlich, ihrem Instrument einen Höllen-Sound zu entlocken. Zum Text habe ich weiter oben schon etwas geschrieben. 05. The dragon
Ein typischer Folk-Song, der so auch in jeder Kneipe in Irland laufen könnte – das besondere bei diesem Song ist weniger die durchaus eingängige Melodie als vielmehr der extrem witzige Text über einen Mann, der meint, er müsse einen Drachen bekämpfen... 07. Red Rasta
Irish Folk goes Reggae? Was sich im ersten Moment mehr als komisch anhört, ist bei diesem Track wirklich eine sehr gelungene Mischung. Diese beiden an und für sich total unterschiedlichen Stile passen hier irgendwie doch sehr gut zusammen und vermischen sich zu einem mitreißenden Sound. Zum Preis der CD kann ich nix sagen; es ist schon 10 Jahre her, daß ich sie mir gekauft habe.
Ehe ich zum Ende komme, möchte ich noch kurz auf Cover und Booklet der CD eingehen. Durch einige sehr gut gemachte Fotos der einzelnen Bandmitglieder und der gesamten Band wirkt hier alles recht interessant und originell; natürlich sind auch die Songtexte im Booklet vermerkt. So, das war’s mit meiner Meinung zu „Ready for Paddy“. Ich hoffe, ich konnte die CD einigermaßen näherbringen.
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24.09.2004 14:33
Das war meine erste Cd von PgtH und für mich die beste. Vor allem die Texte finde ich einfach nur klasse!
13.08.2004 09:22
Genialer Bericht, gibt natürlich ein "bh" von mir. Und ich muss dir da Recht geben, es ist wirklich das mit Abstand beste Album der Paddies.
24.04.2004 20:00
interessante platte :>