Erfahrungsbericht über

Relayer / Remaster - Yes

Gesamtbewertung (4): Gesamtbewertung Relayer / Remaster - Yes

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Ouch das tut weh!! (oder: Musik des Chaos)

2  02.02.2002

Pro:
eignet sich als Psychoterrorwaffe / enthält 5 Minuten virtuoses Gitarrensolo und 5 Minuten gute alte "Yes" - Musik

Kontra:
enthält 30 Minuten unerträglicher Chaos - Rock / schlechte Abmischung :  Schlagzeug zu leise

Empfehlenswert: Nein  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Musicus

Über sich: Juuuhuuu!!! Nun ist es bald nur noch eine Woche bis ich nicht mehr diesen Hickhack habe. Ab dem 15. ...

Mitglied seit:03.07.2001

Erfahrungsberichte:108

Vertrauende:19

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 56 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Soderle, dann werde ich mal wieder meine Pflicht tun, und euch erneut eine Musik-CD beschreiben.

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VORWORT / ERSTES FAZIT
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Die Rock-Gruppe "Yes", letztens noch von mir in höchsten Tönen gelobt, hat neben den beiden Brechern "Tales from topographic oceans" und "Close to the edge" in ihrer Karriere auch einmal ziemlich daneben gegriffen. Mit diesem Album, das letzte Yes-Album dieser Art (1974) macht einen tiefen klaffenden Schnitt. Yes sollte sich nach diesem Album nie wieder richtig fangen...
Damit ihr vor einem Fehlkauf sicher seid, will ich euch heute die andere Seite des Progressiv-Rocks näherbringen. Nämlich die, die kein Mensch braucht - Atonales arythmisches Rumgeklampfe, von einem alten Freund von mir ursprünglich als "Jazz" bezeichnet (ich sollte erwähnen, daß er ein Jazz-Hasser ist, und dann alles, was irgendwie nicht Bluesmäßig ist direkt als Jazz bezeichnet *g*).


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WER SIND "YES"?
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Dieses Album besteht im Gegensatz zum Vorgängeralbum "Tfto" nicht mehr aus der Originalkonstellation der Band. Langjähriges Bandmitglied, Keyboarder Rick Wakeman hatte die Band leider verlassen und wird hier durch Patrick Moraz ersetzt.

Jon Anderson (vocals & flute)
Bill Bruford (percussion)
Steve Howe (guitar & vocals)
Chris Squire (bass & vocals)
Patrick Moraz (keyboards & Synthesizer)

Es fällt generell sehr schwer den Musikstil dieser Band zu beschreiben: Ein bißchen wie die alten extremeren Genesis-Songs, ein bißchen PinkFloyd, ein bißchen Rush (quasi deren Nachfolgerband) und noch ein bißchen Emerson, Lake & Palmer - Progressiver Rock, höchst anspruchvoll, virtuos und meistens mit Songs in symphonischer Länge. Die besten Alben dieser Band sind ohne Zweifel: "Tales from topographic oceans" und "Close to the edge".


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WAS LIEF HIER SCHIEF?
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Relayer - was übersetzt soviel wie "Der Ablösende" bedeutet, ist ein vorzüglich gewählter Albumtitel. Denn ohne es zu ahnen, wurde Yes nach diesem Album sowohl von Qualität als auch von Popularität von der kanadischen Gruppe "Rush" abgelöst - das mag sarkastisch klingen, aber es scheint wirklich etwas dran zu sein.

3 ganze Tracks findet man auf diesem Album.
TRACK 1 - THE GATES OF DELIRIUM
TRACK 2 - SOUND CHASER
TRACK 3 - TO BE OVER <-- (im wahrsten Sinne des Wortes)
Die dafür stolze Spieldauer von über 40 Minuten Chaos beweist, daß diese Titel jedoch eine stattliche Länge haben müssen (21:55 / 9:25 / 9:08).

TRACK 1 - THE GATES OF DELIRIUM (Schulnote: mangelhaft)
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Irgendwie waren hier wirklich alle Bandmitglieder im Delirium. Abgesehen von Steve Howes recht virtuosem Gitarrengejaule und den überraschend guten letzten 2 Minuten bietet dieser episch lange Track nichts weiteres, als schnellstens alle Leute zu vergraulen. Melodisch betrachtet wird man leider keine spannenden schon gar nicht einprägsamen Melodien finden. Okay, der Song hat zwar eine gute Steigerung und wird immer spannender, aber auch simultan immer unerträglicher. Das ewig lange Zwischeninstrumental (10 Minuten!!) hat ein bißchen den Stil von "KarnEvil9" von ELP, aber da alles so inkonsequent zusammenarrangiert wurde, kann man nur sardonisch lächelnd den Kopf schütteln und lauthals schreien: BITTE LASS ES AUFHÖREN! Ich nehme alles zurück wenn "Yes" zugeben, sie hätten das alles absichtlich so machen wollen, aber irgendwie klingt das alles etwas unausgewogen. Besonders wehtuend ist Moraz Synthie-Hinterhergehinke nach ca. 11:30. Da war Wakeman doch Welten, wenn nicht gar Galaxien präziser. Egal wie ich meine Anlage drehe, leider ist das Schlagzeug immer zu leise. Ein Album zuvor war das noch deutlich besser gemischt.
Die Momente ab 16:00 retten dann noch den Song vor einer ultimativen Katastrophe. Sphärenartige Klänge, sowohl vom Synthie als auch von Howes Gitarre wabern ein angenehmes Dickicht, das Leadsänger Anderson nur noch zart durchdringen muß um meine zuvor verdammten Ohren vor weiterem Übel zu bewahren.
"Soon, oh soon the light...." "our heart ist open, our reason to be here" .... hachja.... ich gebe es ungern zu, aber für die letzten 5 Minuten darf der Hörer wirklich in frühere Zeiten jener Gruppe zurückblicken. Schade, daß der nächste Track diese Stimmung direkt wieder zerstört.

TRACK 2 - SOUND CHASER (Schulnote: mangelhaft)
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Dieser Track ist erneut extrem unruhig und bietet bis auf ein wirklich erstaunliches Gitarrensolos Steve Howes nicht die Wiedergutmachung, die man nach dem verunglückten Anfang erwartet hat. Z.T. tendiert die Musik schon ziemlich Richtung Beebop, freestyle jazz und andere Konsorten. "Tales from topographic oceans" war ja schon sehr extrem und äußerste Grenze (und dazu genial!), aber hier hat Yes den Fehler gemacht einen Schritt zu weit zu gehen. Besonders bedauerlich neben dem ganzen Ungetöse: Anderson kann in diesem Track nur noch mit anderen Stimmen zusammen singen, dabei klingt er Solo doch viel genialer! Ich habe mir mal die Mühe gemacht einend er zahlreichen Takte herauszufinden.. Ein Großteil des Stückes ist im 11/4 bzw. 7/8 Takt. Wenigstens für kurze Passagen hätte man da mal etwas vereinfachen können. Ich will ja nicht die Trivialität eines NoAngels-Songs haben, aber auch das andere Extrem kann tötlich klingen. Für diejenigen, die das Solo (den interessanten Teil) direkt anspringen möchten: 2:10 Min.
Die Stelle ab 7:40 ist übrigens extrem nervig schlecht abgekupfert. Sie erinnert mich an den Tierstimmen-Psychedelic-Track von der Ummagumma-LP Pink Floyds. "Cha-cha-cha cha-cha" HIIIIILLLLLFFFEEEEE!!!!!! Schnell zum letzten Track.

TRACK 3 - TO BE OVER (Schulnote: noch ausreichend)
**************************************************
Ebenso gelungen wie der Albumtitel scheint auch dieser Songname ausgewählt. Doch ich kann euch beruhigen - mit diesem Track entgeht dieses Album leider! einer absoluten Flopwertung. Selbst mit den Nebentracks auf "Close to the edge" ist dieser Titel absolut nicht vergleichbar. Er ist höchstens noch zufriedenstellend, nicht mehr und nicht weniger. Dafür kann ich endlich mal ein kleineres System in der Songstruktur erkennen. Gelungen ist das Ende, denn das Hauptthema überträgt sich auf die Chorstimmen im Hintergrund und entwickelt damit eine interessante Polyphonie (Track 2 wäre eher Kakophonie), die man auch als solche erkennen kann! ;) Wie in den anderen beiden Songs, so ist auch hier der Text wieder extrem poetisch und knifflig zu deuten, doch dafür hat man ja zum Glück das Booklet.


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SONSTIGES
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Das Cover der CD zeigt eine seltsame Canyon/Stalagmaten-Umgebung, und ist ganz in silbrigem grau/weiß gehalten. Hinten auf einer steinernen Brücke reiten 2 Reiter mit 3 Pferden entlang. Faltet man das Booklet komplett auf, so ergänzt sich das Bild mit zwei im Vordergrund bedrohlich aussehenden Schlangen. Was die Musik damit zu tun hat, kann ich nicht genau erklären. Doch in den Lyrics werden mehrmals ein paar "snakes" erwähnt. Das Booklet selbst ist 8-seitig und bietet neben zwei weiteren Bildern von Roger Dean nur noch die kompletten Lyrics. Okay das ist ja auch schon immerhin für ein Album von früher.

Soundmäßig betrachtet ist der Klang dieses Albums trotzt einer angeblich "digital remastered"ten Version eher dünn anzusiedeln. Die Gitarre ist zu harsch und zu laut, das Schlagzeug viel zu leise und auch die Stereobreite ist längst nicht so spektakulär wie in Tfto. Man merkt, daß hier deutlich weniger Produktionszeit dahinter steckt als noch einige Alben zuvor.

Soundqualität: 5 von 10 Punkten


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SCHLUSSFAZIT
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Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, und es mag überraschend sein, das gerade aus meinem Munde zu hören, aber auch wenn ich diese Gruppe überaus genial finde, und fast sämtliche Musik der 70er liebe, so kann ich dieses Album DEFINITIV NICHT weiterempfehlen, sofern man per Pschologischer Kriegsführung nicht seine Wohnmitgenossen vertreiben will (Anmerkung: Unser Meerschweinchen würde diese Musik auch nicht mögen *g*) Es ist ja auch völlig normal, das ein Künstler mal ein schlechtes Album herausbringt, denn nur aus Fehlern lernt man, und auch nur dann kann man die guten von den schlechten Alben unterscheiden. Das einzig bittere an der ganzen Sache: Nach diesem Album ist die erste Yes-Epoche wirklich "to be over". Allenfalls durch die Mainstreamnudelnummer "Owner of a lonely heart" ließ sich noch kurzzeitigen Erfolg verbuchen. Trauern wir deswegen nicht um ein schlechtes Ende, sondern freuen uns für eine Menge absolut genialer Alben, die Yes in dem Zeitraum von 1969 bis 1974 auf den Markt gebracht hat. Ich möchte euch nun nicht von dieser Band vergraulen, doch hört auf mich: nimmt nicht dieses Album, es entsteht sonst nur ein falscher Eindruch ;) Mit Close to the Edge habt ihr das beste Einstiegsalbum in den Progressiv-Rock!

Liebe Grüße,
Euer Musicus, (c) Lamertien (Christoph Harmuth), 01.02.2002


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Senilm

Senilm

02.02.2002 15:22

Wie passend manche Songtitel doch für den dargebotenen Sound sind... Gruss Senilm

Headhuntaz

Headhuntaz

02.02.2002 13:14

*lol* Echt klasse Bericht - werde von der Band wohl nie was hören, wenn die wirklich so einen Scheiß produzieren - hoho. Liebe Grüße Matthi

Musicus

Musicus

02.02.2002 12:46

Stalagmaten sind Stalagtiten und Stalagmiten die von oben/bzw. unten zusammenwachsen *g*

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