Erfahrungsbericht über

Relish - Joan Osborne

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Relish - Joan Osborne

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Joan´s musikalische Bibelstunde

3  27.05.2002 (18.11.2007)

Pro:
ein paar gute Lieder

Kontra:
auch ein paar Schlechte

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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MatthiasHuehr

Über sich: Ich bin gerade mit den Texten für meine neuen Seite www.MV-Trip.de beschäftigt. Da bleibt leider nic...

Mitglied seit:21.07.2000

Erfahrungsberichte:294

Vertrauende:176

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 168 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Betrachtet man das Cover dieses Albums, so zieht es nicht gerade die Aufmerksamkeit auf sich. Mit einer auf mich etwas armselig wirkenden Collage kann man keinen Blumentopf gewinnen und schon gar nicht Musik verkaufen. Was hat dieses Album also, weshalb es trotzdem millionenfach verkauft und Platinstatus erreicht hat? Da es ihr Debüt war, kann man es auch nicht auf die vorhandene Fangemeinde schieben. Dann muß es also an der Musik liegen, welche auf dem Album zu finden ist. Wenn dann noch sechs Nominierungen für den Grammy folgen, dann bestätigt es meine Theorie nur allzu gut. Was liegt also näher, als dieses Album mal etwas zu durchleuchten.

Wenn man den Namen Joan Osborne hört, dann ist im allgemeinen Schulterzucken angesagt. Kein Wunder, denn nach ihrem Debüt wurde es still um diese Künstlerin, da ihre Plattenfirma von ihrer Kreativität nicht begeistert war und sie dann jahrelangen Streit das Nachfolgeralbum selber herausbrachte. Angefangen hat die Karriere der Sängerin aus Kentucky mit ihren wöchentlichen Auftritten im New Yorker Club "Delta 88", der eine Reihe von bekannten Künstlern hervorgebracht hat. Mit ihren Hit One Of Us" aus ihrem offiziellen Erstlingswerk "Relish" stürmte die bis dahin recht unbekannte Sängerin die Charts und holte sich sechs Grammynominierungen, bei denen es auch blieb. Den Grammy für die beste Newcomerin bekam damals ihre stärkste Konkurrentin Alanis Morisette. Alanis dürfte wohl jedem ein Begriff sein, Joan hatte damals anscheinend ihren Zenit erreicht, jedenfalls was die kommerzielle Seite des Geschäftes betrifft.


"Relish" bedeutet auf deutsch Geschmack und besser hätte der Name fast gar nicht gewählt werden können, denn das Album ist eine interessante Mischung aus Rock, Blues, Country und Folk. Deshalb es nicht jedermann Geschmack und hat einen exotischen Touch, da die Anlehungen an die in Europa doch recht unpopulären Musikrichtungen Country und Folk musikalisch ein gewisses Gefühl vom Leben im mittleren Westen Amerikas vermittelt. Ich hatte mir das Album wegen "One Of Us" gekauft, weshalb ich von dem Album etwas enttäuscht wurde. An die Intensität und Kraft ihres Hits kommt keines der übrigen Lieder wirklich heran. Das wäre verschmerzbar, wenn man nicht ein paar kleinere Schwachstellen auf dem Album finden würde, die den positiven Gesamteindruck leider etwas trüben.


"St. Teresa"

Einen starken Einfluß von Folk kann man bei diesem Lied vernehmen. Das Zupfen einer Mandoline verleiht dem Lied den Charme, den es verstrahlt. In dem Lied geht es um das Leben und den Sinn desselben an sich. Sie betrachtet diese Frage mit einer gewissen religiösen Sicht der Dinge. Sie hat zwar eine gewisse Intensität bei ihrer Darstellungsweise, an die Aussagekraft von "One Of Us" kommt das Lied bei weitem aber nicht heran.


"Man In The Long Black Coat"

Auch ein Lied mit einem gewissen religiösen Hintergrund ist dieser Titel, in dem es um das Leben, besser um den Tod geht. Der Mann mit dem langen schwarzen Mantel ist das Sinnbild für den Tod. Jedenfalls ist das der Sinn, den ich aus dem etwas verwirrenden Text erkennen kann. Thematisch passend, ist dieser Titel, der übrigens von Bob Dylan stammt, eine Ballade, die recht schlicht gestaltet wurde. Die Töne sind recht elektronisch gehalten, E-Gitarren, Drums und Hammond-Orgel. Ich hätte mir bei dem Titel eine hausgemachtere Musik gewünscht, denn so richtig begeistern kann der Titel aufgrund der Instrumentalisierung mich nicht wirklich.


"Right Hand Man"

Daß Joan Blues in der Stimme hat, bekommt man bei diesem Lied zu hören. In einer recht fordernden und selbstbewußten Art und Weise besingt sie die Suche nach einem Mann, der ihre Erwartungen und Wünsche erfüllen kann. Dieses macht sie nicht auf dem direkten Weg, sondern verwendet dafür eine recht interessante Bildersprache. Den Sinn des Liedes erfährt man erst im Refrain. Aufgrund der Gestaltungsweise, die unter anderem durch ein Piano erfolgt, bekommt man fast den Eindruck, daß man ein späteres Lied von Tori Amos zu hören bekommt. Dieselbe Stärke Intensität und Ausdruckskraft schafft Joan bei diesem Stück zu vermitteln. Das Bild der starken Frau, die Joan darstellt, vermittelt das Lied recht glaubhaft.


"Pensacola"

Starke Einflüsse von Folk und Country "Pensacola" zu spüren. Die Instrumentalisierung ist recht überwältigend und wirkt auf ihre Weise sehr harmonisch. Piano, Gitarren und eine Hammond-Orgel bewältigen die Hauptaufgabe, die Mundharmonika, die verwendet worden ist, sorgt für einen gewissen Eindruck von Freiheit und Weite, die sie empfindet. Sie ist auf der Suche nach dem Sinn des Lebens, oder wonach auch immer. Der Text ist wieder einmal recht uneindeutig, denn sie besingt in dem Lied ein Erlebnis und versucht es zu verarbeiten.


"Dracula Moon"

In dem Lied "Dracula Moon" besingt sie wieder einmal über Gefühle, jedenfalls interpretiere ich das aus dem Text. Stilistisch kann man den Titel mit dem Vorgänger vergleichen. Bei diesem Lied kommt ihre Stimme aber stärker zum Tragen. Sie steigert sich mit ihrer ganzen Kraft in den Gesang. Die Gestaltung der Musik des Liedes finde ich aber nicht so gut, wie die vom Vorgänger.


"One Of Us"

Über dieses Lied muß man wohl nicht mehr allzuviel sagen. Mit Hilfe einer leicht rockigen Musik besingt sie die eine Frage, die sie bewegt. Was wäre, wenn Gott unter uns wäre, wie würde ich mich verhalten? Ihre starken religiösen Hintergründe sind bei diesem Stück absolut nicht zu überhören. Was sie aber macht, ist das Stellen von Fragen, die jeder für sich beantworten kann. Sie besingt in dem Lied keine Fakten oder Feststellungen, sondern regt eventuell sogar zum Nachdenken an. Die Melodie ist recht eingängig und geht ins Ohr. Der dazu äußerst intelligente Text bewirkt ein Abheben von der Masse der 0815-Lieder, was schließlich zu diesem äußerst erfolgreichen Einstieg in die Hitparaden geführt hat. Schade, daß der Titel bei den Grammys auch nur nominiert wurde, denn diese Auszeichnung hätte er wirklich verdient.


"Ladder"

Auch wieder ein Lied, welches mich begeistern kann, ist die Rockballade "Ladder", die durch das Piano und eine Hammond-Orgel einen äußerst anspruchsvollen Ausdruck erhalten hat. Stilistisch kann man es wieder mit einem Stück Tori Amos vergleichen. Endlich mal kein Lied über Gott und die Welt, sondern über die Liebe. Sie besingt ihre Gefühle und wie diese sie einer Strickleiter gleich, ihr die Möglichkeit bietet an ihr heraufzuklettern. Das verwendete Bildnis mit der Leiter finde ich ziemlich interessant und gut gewählt.


"Spider Web"

Wieder einmal hat sie der Blues gepackt. Sie besingt einen Traum, in dem sie Ray Charles gesehen hat, der ihr die Welt mit anderen Augen zeigt. Die ganze Welt besteht in dem Traum aus Spinnweben. Diese Spinnweben sind unter anderen die Verbindungen, die man mit den übrigen Menschen hat. Der Text ist auf den ersten Blick recht verwirrend, wenn man ihn aber verstehen will, dann kommt man hinter den Sinn des Liedes. Dem tiefgründigen Text wurde eine Musik verpaßt, die hauptsächlich durch die Klänge von E-Gitarren und Drums lebt. Ob die Musik ihre Verwirrtheit in dem Traum darstellen soll, ist hier die Frage, denn das elektronische Gitarrengeschrammel wirkt etwas unharmonisch auf mich.


"Let ´s Just Get Naked"

Eines der schwachen Lieder auf dem Album ist in meinen Augen "Let ´s Just Get Naked". Instrumental kann es nicht viel bieten. Es ist recht rockig gehalten und das war es schon, was man dazu sagen kann. Es gibt keinerlei interessante Abwechslung in der Instrumentierung. Es wirkt irgendwie langweilig. Der dazu von ihr vorgetragene Gesang paßt hervorragend dazu. Sie macht einen gewissen gelangweilten und desinteressierten Eindruck. Der ersten Eindruck den ich hatte, war die Assoziation mit einer Karaokevorstellung, bei dem man den Text nur sehr eintönig herausbekommt. Denn wie soll man einen unbekannten Text vom Bildschirm ablesen und dazu etwas Entertainment bringen können? Das war eindeutig etwas daneben, jedenfalls was meinen Geschmack betrifft.


"Help Me"

Etwas gewöhnungsbedürftiger geht es weiter, denn mit dem Lied "Help Me". Das Lied ist wieder mal in der Kategorie Blues angesiedelt. Es ist ein Schrei nach Hilfe, den sie glaubwürdig mit dem Gesang rüberbringt. Die Verzweiflung kann man regelrecht spüren. Was mich stört ist die Instrumentalisierung, die recht hart ist, wobei die Mundharmonika zu sehr zum tragen kommt. Zu sehr, denn sie muß ziemlich gegen die Musik ankämpfen, die sich regelrecht in den Vordergrund drängt. Und ich helfe mir selber, indem ich auf den nachten Titel umschalte ...


"Crazy Baby"

Und damit habe ich mir wirklich geholfen. Mit "Crazy Baby" bietet Joan ihren Zuhörern eine gefühlvolle aber auch kraftvolle Ballade, die über eine Person handelt, die ihr Glück in Alkohol und Zigaretten sucht und nicht findet. Sie zeigt dieser Person die falschen Handlungsweisen auf. Hauptsächlich wurde mit der Hammond-Orgel gearbeitet, die von Gitarren und Drums begleitet wurde.


"Lumina"

Der Rausschmeißer ist recht minimalistisch gehalten Eric Bazilian spielt ruhig auf der Gitarre, Rob Hyman gesellt dazu ein paar elektronische Klänge aus dem Synthesizer und Joan haucht ihren Text ins Mikrophon. Inhaltlich geht es um den Begriff der Sünde. Die Thematik hat sie zwar interessant beschrieben, nur allzu sehr kann mich das Lied nicht begeistern. Es wirkt irgendwie zu uninteressant. Nach den klanggewaltigen Stücken, die man vorher gehört hat, klingt es zu unkreativ. Die Instrumentalisierung ist recht schlich gehalten und eine wirkliche Abwechslung gibt es auch nicht.


Alanis Morisette hat 1996 zu recht den Grammy gewonnen, denn mir gefällt ihr Debüt deutlich besser, als das von Joan Osborne. Da ich mir das Album wegen "One Of Us" gekauft habe, fand ich es nicht so positiv, daß die Qualitäten der übrigen Stücke dem Lied nicht das Wasser reichen konnten. Es sind einfach zu wenige Kracher mit dabei. Joan bietet zwar ein Album an, daß recht abwechslungsreich klingt und interessante und tiefgründige Texte vorzuweisen hat, die Gestaltung der Musik ist aber ein Nachteil. Das Verwenden von Stilmitteln Folk und Country sind nicht gerade förderlich für den Absatz in Europa. Die relative Unbekanntheit dieser Künstlerin würde ich daher auch in diesem Grund suchen. An Kreativität steht Joan Osborne ihren Kolleginnen wie Alanis Morisette oder Tori Amos in nichts nach, nur ist die Musik für europäische Ohren recht gewöhnungsbedürftig und daher wirklich nicht jedermanns Geschmack.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
taYkan18

taYkan18

21.11.2007 23:32

sehr schöner Bericht =) würde mich freuen, wenn auch ein Blick bei mir reingeworfen wird =)) lg tayfun

susch-

susch-

19.11.2007 18:24

Unglaublicher Bericht

KoRnchick

KoRnchick

18.11.2007 22:06

Ui, noch nie gesehen bzw. gehört, glaub ich werds mal googlen. =) LG

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