Jazzrock at it's best
23.11.2002
Pro:
Schlicht und einfach : Gute Musik
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 tigerkrallequeen
Über sich:
***Herzlich willkommen bei der Tigerkralle***Wenn man seine Ruhe nicht in sich findet, ist es zweckl...
Mitglied seit:22.07.2002
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Nach Rock aus den Siebzigern (Iron Butterfly) heute ein Bericht zum Jazzrock aus den Siebzigern. 1972 erscheint ein Meilenstein der Jazzrock-Geschichte mit dem Album „Return to forever“ von Chick Corea und seiner Band.
Chick Corea hat mit seinem Instrument, dem Piano, und seiner Kreativität den Jazz und vor allem die Fusion zwischen Jazz und Rock maßgeblich beeinflusst. Er ist seit Beginn seiner Karriere an mehreren stilprägenden Platten beteiligt gewesen und hat damit einen ähnlichen Stellenwert wie Herbie Hancock und Keith Jarrett. Seine Diskographie hier aufzulisten würde den Rahmen dieses Berichtes sprengen, deshalb bitte ich um Nachsicht, dass ich darauf verzichte.
Armando Anthony Corea wird am 12 Juni 1941 in Chelsea, Massachusetts, USA geboren. Mit vier Jahren beginnt er Klavier zu spielen. In seiner Kindheit beeinflusst sein Vater, der in den 30er und 40er Jahren selbst Bandleader ist, seine musikalische Entwicklung. Er lernt klassische Werke kennen, hört aber auch Musik von Jazzgrößen wie Charlie Parker, Bud Powell, Lester Young und Horace Silver. Nach einigen Jahren des Erfahrung sammelns in Bands von Sarah Vaughn, Miles Davis und Herbie Hancock gründet er 1971 die Gruppe „Return to forever“ und beginnt sich mit den Lehren der Scientology Sekte zu beschäftigen, in die er auch eintritt.
1972 erscheint dann das gleichnamige Album, um das es hier und jetzt geht: Bandmitglieder: Chick Corea – electric piano Joe Farrell – flutes/soprano sax Flora Purim – vocal/percussion Stan Clarke – electric bass/double bass Airto Moreira – drums/percussion
1. Return to forever (12:06) ***** Ja, wie soll ich diese Musik beschreiben? Ihr müsstet sie hören können und ich hoffe, dass der/die eine oder andere ein paar Titel kennen und im Ohr hat. Chick Corea beginnt das Stück mit einem ruhigen Klangteppich seines electric piano. Flora Purim nimmt die Melodie mit falsettartigem, textlosen Gesang auf, Bass und Schlagzeug setzen ein – das Stück zieht an. Darüber erklingt die Melodie von Piano und Gesang und leitet hin zu einem Flötensolo von Joe Farrell, leicht und schwebend; wieder zurück zur Melodie, dann plötzlich abrupter Abbruch, man denkt, das Stück ist zu Ende, aber nein, wir hören den Klangteppich vom Beginn erneut und es folgt ein etwas hektisch klingendes Piano-Solo, das Corea mit dem Gesang von Flora Purim zum ersten Höhepunkt führt. Als der Gesang endet, darf Stan Clarke seine Künste am Bass hören lassen und alle gemeinsam erklimmen den nächsten Höhepunkt, um im dissonanten Chaos zu enden! Aber nein, doch noch ein ruhiger Ausklang mit dem eröffnenden Klangteppich.
2. Chrystal silence (6:55) **** Wieder erklingt Corea’s electric piano mit einem ruhigen Klangteppich und dann bläst uns Joe Farrell eine wunderschön sanfte sopran sax-Melodie ins Ohr, die das gesamte Stück beherrscht. In seinem Solo nimmt Corea die Melodie auf und spielt mit ihr. Ein Stück zum Träumen.
3. What game shall we play today (4:26) **** Ein fröhlicher, südamerikanisch beeinflusster Titel gesungen von Flora Purim. Der Text:
Look around you my people if you look then you will see how to love – life is a paradise all together what game shall we play today Man just wants to be happy cast off things that shouldn’t be set him free – life is a paradise all together what game shall we play today
There’s a way you can find it It’s within you can’t you see Find the truth – it’s not impossible All together What game shall we play today Here we are all together Free to have and do and be What we see – for the first time all together what game shall we play today (Lyrics by Neville Porter)
4. Sometime ago – La Fiesta (23:18) **** Ein Doppelstück. Corea legt zu Beginn wieder einen ruhigen Klangteppich aus, diesmal mit sparsam unterlegter Percussion. Dann lässt Stan Clarke seinem Bass wieder freien Lauf, Corea führt das Stück weiter mit seinem in Hall getauchten Piano und dann treibt Stan Clarke unterstützt von Airto Moreira an. Das Piano gibt die Melodie vor für Flora Purim und sie hebt an:
Sometime ago I had a dream It was happy it was lasting it was free And now in life o can’t you see How we can make that dream into reality O the music it was playing O the firelight it was dancing All the children they were singing All the people they were loving
Sometime ago I had a dream It was happy it was lasting it was free And now in life o can’t you see How we can make that dream into reality O the morning sun it was soft and cool O the evening breeze it was warm and gold All together life had started to unfold Sometime ago
Danach dürfen alle ausgiebig ihre Solokünste zeigen, der treibende Rhythmus versiegt und „La Fiesta“ steht wieder im Vordergrund mit Corea’s wabernden Klangmalereien. Aber dann – alle scheinen sich verschworen zu haben, um die Fiesta, die bisher eher ruhig war, zu einem Feuerwerk werden zu lassen. Dazu trägt insbesondere Joe Farrell mit seinem sopran sax bei und die eingestreuten Kastagnettenklänge. Die Fiesta endet mit der Ohnmacht aller Beteiligten. Fazit:
Eine perfekte Scheibe: aufnahmetechnisch (ECM – Produktion Manfred Eicher, bekannt für seine hochwertigen Aufnahmen), kompositorisch, spielerisch, atmosphärisch - alles auf höchstem Niveau. Also: unbedingte Kaufempfehlung. Ich habe berichtet über das Vinyl-Produkt, aber inzwischen (natürlich) auch als CD für € 16,99 (bei amazon) oder sicher auch im Handel erhältlich.
Für die Interessierten ( die anderen dürfen jetzt scrollen): Wie ging es weiter mit Chick Corea? 1973 erscheint das Album "Light As A Feather". Mitte der 70er Jahre verändert sich Besetzung und Stil von R(eturn)T(o) F(orever). Bill Conners spielt E-Gitarre, der später von Al DiMeola abgelöst wird und Drummer Lenny Wide. Die Musik ist nun härter und mehr am Rock orientiert. Corea experimentiert mit elektronischen Keyboards und Synthesizern.. Gegen Ende der Dekade richtet der Pianist wieder seine Aufmerksamkeit auf die Ursprünge. RTF spielt mit akustischen Instrumenten, kleinen Streicher- und Bläsersätzen Jazzrock mit viel Latin, Flamenco und auch etwas Klassikelementen. Steve Gadd sitzt damals bei Chick Corea hinterm Schlagzeug.
Bis Mitte der 80er Jahre hat Chick Corea viele verschiedenen Projekte. Er spielt unter anderem mit Gerry Burton, Chaka Khan und Friedrich Gulda. 1985 gründet er die Elektric Band mit John Patitucci (Bass), Frank Gambale (Gitarre), Eric Marienthal (Saxophon) und Dave Weckl (Schlagzeug). Ein paar Jahre später formiert Corea als Ausgleich die Akoustic Band auch mit Patitucci und Weckl. Nicht nur die Instrumentation, sondern auch der Stil ist anders. Das Trio ist mehr am Jazz orientiert.
1998 gründet er die Band Origin unter anderem mit Avishai Cohen (Bass) und Jeff Ballard (Schlagzeug), mit der er zunächst zwei Live-Alben veröffentlicht. 1999 spielen sie das Studioalbum "Change" und ein Projekt mit dem London Philharmonic Orchestra ein, auf der eine Bearbeitung von "Spain" und sein Piano Concerto No. 1 zu hören ist. 2001 erscheint die erste Platte "Past, Present and Future" seines New Trio mit der selben Rhythmusgruppe wie bei Origin.
So, nun ist es fast doch noch eine Diskographie geworden und damit Schluss für heute. Vielen Dank für’s lesen und viel Spaß beim Musikhören!
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25.11.2002 12:43
*g* das hab' ich sicher _nicht_ gehört, als es raus kam! aber durch davis und dimeola ist mir auch corea ein begriff...
25.11.2002 12:35
Bin zwar eingefleischter Bebopper, Corea hoer ich aber auch noch ab und zu...LG aus Mexiko.
24.11.2002 19:53
Mit Chick Corea hab ich mich nie so recht anfreunden können..., LiebeNgruß, Lea