Die Beatles im Rausch
15.05.2003
Pro:
neue Sounds - Evergreens - abwechslungsreich
Kontra:
zuweilen ungewöhnlich
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 plumtree
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:165
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 57 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Die Rauchschwaden von “Rubber Soul” waren kaum verzogen, da legten die Beatles knapp ein Jahr später, 1966, bereits das nächste Album vor. Solche kurzen Intervalle, bei gleichzeitig maximaler Kreativität gibt’s heute ja nicht mehr (und die Beatles haben zwischendurch immer noch ein paar Singles extra veröffentlicht)
„Revolver“ wird allgemein als ein Meilenstein der Popmusik gesehen, als wenn es ein Beatles-Album gäbe, dass kein Meilenstein war... Schon bei „Rubber Soul“ war eine deutlich Abkehr vom Tralala-Yeah-Yeah-Beat zu hören. Auf diesem Album brachen die Beatles endgültig zu neuen Ufern auf. Das Gruppengefüge war längst fest abgesteckt. Lennon/McCartney waren die beiden Leithammel, umso erstaunlicher, dass der erste Song der LP (und zwei weitere) von George Harrison stammt. Während auf den frühen Alben ( bis „Help“) Starr und Harrison eher wie Sidemen wirkten (auch wenn sie’s nie waren), sind sie auf diesem Album fest eingebunden und haben sehr großen Anteil am kreativen Geschehen. 1. Taxman – Die Abrechnung der Beatles mit dem englischen Steuersystem, dass zeitweilig bis zu 90% der Beatles Gewinne abschöpfte. Neben einer völlig abgedrehten Einleitung hört man einen eingängigen Rocker mit konstant gespieltem Gitarrenriff. Sogar die beiden Schuldigen werden genannt. (Mr. Wilson und Mr. Heath)
2. Eleanor Rigby – Was soll man zu diesem unvergänglichen Klassiker groß schreiben. Nach wie vor eines der besten Lieder aus der Feder McCartneys. Das Arrangement mit Streichquartett ist unübertrefflich und war damals vermutlich der Hammer! Text: phänomenal, Musik: Genial – 1 setzen 3. I’m Only Sleeping – Rückwärts aufgenommene Gitarren geben diesem fast konventionellen Popsong das gewisse Etwas. Und Pauls irrsinniges Bassspiel ist einfach Spitze. Ein psychedelisches Kleinod
4. Love You To – Und dann kam Harrison mit seiner Sitar! Klingt fremd und exotisch – und doch gefällig. George Harrison hat es geschafft, seine fernöstlichen Ambitionen in einen wunderbaren Popsong zu kleiden. 5. Here, There And Everywhere – Eine typische McCartney Liebesballade. Zuckersüß und spärlich instrumentiert. Und man kann schon beim ersten Zuhören mitsummen.
6. Yellow Submarine – Ringos große Stunde. Der schlechteste Sänger darf das lustigste Lied singen. Und es ist einer der bekanntesten Songs aller Zeiten geworden! Und jetzt alle: „We all live in yellow submarine, yellow submarine, yellow submarine“ Witzig, einfach genial einfach 7. She Said, She Said – Wirklich ungewöhnlich gespielt wird dieses etwas unbekanntere Lied. Lennon hat Ringo Starr eine Chance gegeben, zu zeigen, dass er ein ganz großer am Schlagzeug ist. Und die ständigen Harmoniewechsel tun ein Übriges. Fällt selbst aus diesem Rahmen völlig raus.
8. Good Day Sunshine – Ich weiß nicht warum, aber dieser Vaudeville angelehnte Song mit seinem schmissigen Klavier ist mein All-Time-Greatest Beatles Song (wenn es so was gibt). Hier muss man einfach fröhlich einstimmen und mitsingen: “Good Day Sunshine, Good Day Sunshine, Good Day Sunshine, I need to laugh, and when the sun is out I've got something I can blab about I feel good In a special way, I'm in love and it's a sunny day.”
Ich liebe diesen Song 9. And Your Bird Can Sing – Schmissiger Popsong mit einer gesägten Gitarre, die richtig ins Ohr geht. Das Gitarrenriff in Verbindung mit dem Satzgesang ist ein Killer!
10. For No One – Ein weiterer Love Song von McCartney. Bis zur Mitte eigentlich nicht so spannend. Und dann kommt ein Mini-Waldhorn-Solo und es hat mich vom Hocker gehauen. Das ist so ungewöhnlich und wirkt so selbstverständlich, dass man eigentlich nicht recht glauben kann was man da grade gehört hat. 11. Dr. Robert – „Na ja, das ist halt irgend so ein Pillendreher, der dir ne Pille verschreibt, wenn’s dir dreckig geht“, so der Kommentar von John Lennon zu diesem Song. Verpackt in ein klassisches Beatgewand klingt dieser Song so typisch Beatles, dass er fast als Archetyp herhalten könnte – wenn es nicht schon vorher ein paar gegeben hätte ;-)
12. I Want To Tell You – Eine schräge frühe Harrison Geschichte, die den Gitarrengott in ihm präsentiert. Aber vor allem das ungewöhnliche Klavier lässt aufhorchen. Fällt ein wenig unter den Standard der anderen Songs. 13. Got To Get You Into My Life – Der Soulsong der Beatles mit messerscharfen Bläsern und einem geilen Gesang von Paul. Das Schlagzeug gibt einen beinharten Takt vor und drumherum ist der Song gezimmert. Schon hier benutzte McCartney seine überschlagende Stimme als Stilmittel.
14. Tomorrow Never Knows – Lennon wollte tausende präludierende Mönche für diesen Song einsetzen und ärgerte sich, dass er nicht versucht hat es zu organisieren. Aber auch so sprengt dieses „Lied“ alle Hörgewohnheiten. Ringo spielt einen total durchgeknallten Rhythmus, die Tonspuren laufen scheinbar wahllos vorwärts und rückwärts. Dazu der verfremdete Gesang von John Lennon und die sporadisch durchfliegenden Vögel. Irrwitzig!!! Auf diesem Album ist so viel ungewöhnliche Musik, dass man über den kommerziellen Erfolg nur überrascht sein kann. Heute würden solche Songs wie „Yellow Submarine“ vermutlich nicht mehr im Radio gespielt werden. Die Beatles haben sich mit diesem Album neu erfunden und einen Grundstein für das Sgt. Pepper Album gelegt. Angesichts dieser Musik kann man die Entscheidung nicht mehr zu touren, absolut verstehen. Wie sollten solche Stücke nur live aufgeführt werden???
Vielleicht das innovativste Album der Fab Four. Sicher aber ein Wegbereiter der psychedelischen Sounds die folgten.
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03.02.2004 19:52
Klasse Album, einfach gut. Dein Bericht ist super. Gr. Schmeling
30.10.2003 23:20
Und damals war einer meiner Lieblingssongs ausgerechnet das irrwitzige "Tomorrow Never Knows", so sehr, dass meine Mutter sich irgendwann Gedanken machte ... ;-)))
30.10.2003 23:18
Ich höre es gerade - dieses wirklich tolle Album. :-) Ich könnte mich schwerlich entscheiden, welches mein Lieblingsalbum der Beatles sei - "Revolver" oder "Sergeant Pepper". Nein, ich glaube, "Revolver" mag ich ein kleines bisschen lieber - und das schon seit 23 Jahren. :-) Toller Beitrag - einen lieben Gruß, Almut