Roland JD990
21.08.2000
Pro:
Ausgezeichneter Klang, gutes eingebautes Effektgerät
Kontra:
nur 24 Stimmen
Empfehlenswert:
Ja
 Poldipold
Über sich:
Ich bin ein Freiberufler aus Wels in Österreich und habe jede Menge Hobbies und Interessen also viel...
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Roland JD990 Eigentlich gehört dieser Synthesizer ja nicht hierher, aber man kann ihn auch als Rackversion des JD800 betrachten und somit paßt es ja doch wieder irgendwie. Gewisse Gemeinsamkeiten gibt es auch, nur Klaviatur und die vielen Regler fehlen.
Wenn man den JD990 so betrachtet, dann fällt als erstes das große Display auf. Dieses ist auch hauptverantwortlich für die recht einfache Bedienung dieses Synthesizers. Natürlich vermißt man gegenüber dem JD800 die vielen Regler und den damit verbundenen Echtzeitzugriff auf fast alle Parameter, dafür wird man grafischer Hüllenkurven- und LFO-Darstellung entschädigt. Was haben wir nun eigentlich hier? Bei diesem Gerät handelt es sich um einen 24stimmigen, wellenformbasierten Synthesizer. Das ist ansich nichts Ungewöhnliches mehr, nur die Anzahl der Stimmen ist - setzt man heutige Maßstäbe an - ungeöhnlich Gering. Mit einem extrabreiten Fächensound ist der JD990 (ebenso wie sein Bruder mit Tastatur) leider schon völlig ausgelastet. Wie klingt's nun? Angesichts des hervorragenden Samplematerials ist es beinahe unmöglich, mit dem JD einen Sound zu programmieren, der nicht gut klingt. Natürlich bietet die subtraktive Synthese mit PCM-Wellenformen als Ausgangsmaterial keine großartigen Überraschungen. Aber das liegt in der Natur der Sache und die Leute, die dem JD das vorwerfen sind dieselben, die einem DX7 vorwerfen, daß er keinen vernünftigen Bösendorfer-Klaviersound zustandebringt. Der Wellenformspeicher deckt jedenfalls vom Piano bis zur Snaredrum wirklich alles ab was man so im täglichen Studioleben brauchen kann.
Sehr zum guten Klang trägt übrigens das aussergewöhnlich gute Effektgerät bei. Hierbei habe ich als Maßstab allerdings andere Einbau-Effekte angelegt und keinen Lexicon Edelhall, das muß man schon bedenken. Geboten wird Hall, Chorus und Delay mit genügend Parametern um ordentlich was damit anzustellen. wirklich eine Bereicherung ist die Effectsection A mit Phaser, Distortion und EQ. Allerdins ist diese im Multisetup nur auf Platz 1 verfügbar und wird einfach vom dort eingestellten Sound übernommen. Und weil ich es schon angesprochen habe: Das Multisetup läßt 8 Sounds zu und diesen können die Effekte der Effectsection B anteilsmäßig beigemischt werden. Das funktioniert ähnlich wie das Einschleifen eines Effektes am Mischpult. Diese Funktion sowie ein 3-Band EQ für jeden Sound können einem am Mixer schon so manchen Kanal freimachen. Das ist gerade im Heimstudio, wo man sowieso ständig zuwenig Inputs hat wirklich ein Segen. Dennoch gibt es bei einem Gerät dieser Qualitätsklasse natürlich Einzelausgänge. Von diesen sind 4 Stück (jeweils 2 und 2) vorhanden und geben nur trockene Signale (also ohne Effektbeimischung) wieder. Das Summensignal kann man bei Mix-Output abgreifen.
Was fehlt jetzt noch? Ah ja: Die möglichen Klangparameter: Also ein Sound kann aus bis zu 4 Teilen bestehen. (heissen bei Roland wieder anders als bei Yamaha oder Kog und ich hab's mir ehrlich gesagt nicht gemerkt ...) Jeder dieser Teile besteht aus einer Wellenform, 2 Filter, 2 LFOs sowie den dazugehörigen Hüllenkurven für Filter und Lautstärke. Die Filter klingen übrigens sehr gut - als wäre man von Roland etwas anderes gewöhnt :-) Um doch noch interessantere Klänge als einfache Verformungen des Samplematerials zustandezubringen lassen sich jeweils 2 Wellenformen verknüpfen und durch gemeinsame Filter oder sogar einen Ringmodulater schicken. Dies macht das Ergebnis schon wesentlich weniger vorhersehbar.
Besonders interessant für's Heimstudio macht den JD990 sein Drumset. Wie man es gewohnt ist, liegt auf jeder Taste einer angschlossenen Tastatur ein anderer Drumsound. Was nicht so selbstverständlich ist, ist die Möglichkeit, für jeden dieser Drumsounds eigene Filter-, Hüllenkurven, LFO- und sonstige klangformende Parameter einzusellen. Auch die Effekte der Section B können den einzelnen Drums anteilsmäßig beigemischt werden. Da tut es wirklich in der Seele weh, daß es nicht möglich ist, mehr als ein solches Drumset im JD zu speichern. Beim JD800 gibt es übrigens kein Drumset. Der Gebrauchtmarktpreis des JD990 dürfte mittlerweile auch schon eine erträgliche Höhe erreicht haben und somit kann ich ihn jedem Empfehlen, der nicht schon einen der JV-Dinger hat, die prinzipiell dasselbe können, nur wesentlich mehr Stimmen haben.
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