Ein Meilenstein des Blues-Rock!
24.05.2006
Pro:
Die ganze Vielfalt einer Stratocaster und des Blues !
Kontra:
- - -
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 TJ-Hooker
Über sich:
Hi Rock N Roll Freunde! Weiter geht's mit der Reihe "Best Of Best Of" u.a.!!! Long Live Ro...
Mitglied seit:18.04.2001
Erfahrungsberichte:60
Vertrauende:8
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 62 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Heute möchte ich gern über einen Künstler berichten, den vielleicht die wenigsten Rockfans unter euch kennen dürften. Sein Name ist Rory Gallagher und er gilt als einer der besten größten (Eletric-)Bluesgitarristen, die es jemals gab. Rory ist nicht einfach nur ein Gitarrist gewesen. Er spielte jegliche Saiteninstrumente (sowie auch Mandoline), aber auch Saxophon, Mundharmonika und war (meines Erachtens) ein großartiger Blues-Sänger. Kaum jemand konnte so ein Gefühl in seine Musik einbringen. Er galt zwar immer als schüchtern, doch sagte er uns alles, was er zu sagen hatte mit seiner Musik. Generell war Rory sehr bodenständig und lief auf der Bühne meist mit alten Holzfällerhemden herum. Schade nur, dass ihm die große Berühmtheit immer ausblieb, wenngleich er auch noch heute viele Gitarristen beeinflusst.
Leider war der gute Mann (wie so viele Rocker) auch ein Säufer, wenn man das so sagen darf, was ihn letztendlich auch ins Grab brachte (das war 1995). Er lebte also gerade mal 47 Jahre. Sein Markenzeichen war immer eine alte abgegriffene Stratocaster, die er IMMER spielte. Er ließ sie mehrere Male erneuern und immer wie "restaurieren" (Jetzt gibt es übrigens eine "Rory Gallagher" Tribute Strat von Fender, die künstlich gealtert wurde, jedoch halte ich nichts davon, vor allem nicht für 1000e von Euro).
Den Durchbruch erlangte Mr Gallagher zunächst mit der Band "Taste", die mit ihren zwei Alben trotzdem Klassiker schaffen konnte. Die Band trennte sich aber schon nach kurzer Zeit (ca 4 Jahre) und Rory konnte sich dann seiner Solokarriere widmen. 1971 erschien dann gleich sein Debüt "Rory Gallagher", welches ein Paradebeispiel für seine großen Talente ist! Es ist natürlich dem Blues zuzuordnen, aber der Künstler ist stets um Abwechslung bemüht, welche auch besteht. Alles von rockig, balladesk, groovig, bis hin zum klassischen Blues "nur" mit Akustikgitarre. Rory Gallagher --- Verpackung--- Rory Gallagher
Ein schlichtes schwarz-weiß Cover ziert die Hülle. Rory in seiner natürlichen, schüchternen Art ist darauf zu sehen, sein Blick nach unten gerichtet (wahrscheinlich spielt er gerade Gitarre). Auf der Rückseite sitzt er in einem sehr dunklen Raum. Alles ist sehr schlicht in schwarz gehalten, was mich persönlich anspricht (wenn ich gute, professionelle Musik erwarte). Im Booklet findet sich eine kleine Story über sein Leben, in Englisch. Die Spielzeiten der Tracks sind auch zu finden. Und auch die Besetzungsliste. Man hätte sich aber jedoch noch ein paar Bilder gewünscht. Rory Gallagher --- Die Band --- Rory Gallagher
Rory Gallagher: Vocals, Guitars, Alt Saxophon, Mandoline, Harmonica Gerry McAvoy: Bass Wilgar Campbell: Drums, Percussion Vincent Crane: Piano (Fans kennen ihn u.a. von "Atomic Rooster", er war sogar bei Arthur Brown und "Dexy'S Midnightrunners"). Rory Gallagher --- Die Songs --- Rory Gallagher
1 Laundromat 4.38 --> Ein Song, bei dem es um einen Laundromaten (Waschmaschine) geht ("The craziest place I've ever been"). Ein Paradebeispiel für seine Kreativität, solch verrückte alltägliche Dinge in der Musik darzustellen. Der Song leitet das Album mit viel Energie ein. Absolut mitreißend ist das Ohrwurm Riff. Es wechseln sich immer harte mit melancholischen Tönen ab. Ein Beispiel für Rory's Charakter: auf der Bühne wild und doch beherrscht, stets mit allen Kräften bei der Musik, privat sehr schüchtern und letztendlich vom Alkohol zerfressen... 2 Just The Smile 3.41 --> Nach dem furiosen Auftakt erstmal eine ruhigere Nummer! Aber die lässt einen nicht in Ruhe: der wunderbare Rhythmus durch die Percussionsintrumente und die leidenschaftlich gespielt Akustikgitarre von Rory zwingen einen, den Rhythmus mitzumachen! "Just The Smile" ist eine sehr klassische Blues Nummer mit viel Nachdenklichkeit im Spiel. Mal leicht gezupft, mal hart angeschlagen, ein überzeugendes Stück!
3 I Fall Apart 5.12 --> Dieser Song ist absolut großartig. Er beginnt sehr ruhig und melancholisch und steigert sich dann immer mehr. Die ganze Vielfalt einer Stratocaster wird hier vorgeführt. So muss Electric Blues sein, perfekte Soli die nach keinem "Schema F" gespielt werden, sondern nach dem Gefühl dass man gerade bei diesem Song hat! "I Fall Apart" ist ein wahres Feuerwerk an AKkorden, Riffs und Licks! Man könnte sich das Stück tausendmal anhören... . Am Ende wird sehr viel Spannung aufgebaut, die im nächsten Song überraschend sich auflöst! 4 Wave Myself Goodbye 3.30 --> "Wave Myself Goodbye" ist ein ganz lässiger Song, der viel Fröhlichkeit versprüht. Vincent Crane ganz virtuos am Klavier und Rory an der Akustikgitarre. Die beiden ergänzen sich richtig gut und man merkt, dass die Session verdammt viel Spaß gemacht haben muss! Ein schöner Midtempo Song.
5 Hands Up 5.25 --> Wenn ein Song den Namen "Hands Up" trägt, steht er meist für einen beschwingten Rhythmus. Genau dieses Vorurteil bestätigt "Hands Up". Wieder packt Rory seine Trickkiste in Sachen Riffs, Licks und verschiedenen Themen aus. Es macht einfach Spaß zuzuhören, denn Rory's Alben sind nun mal was zum Zuhören, nicht für Zwischendurch. Allerdings hat dieses Lied durchaus einen Ohrwurm Charakter und geht so richtig ab! Fernab von den bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Gitarren von heute hat Rory hier kräftig in die Saiten, und das mit einer Präzision, die nur die besten Bluesgitarristen von damals beherrschten. 6 Sinner Boy 5.04 --> Auch bei "Sinner Boy" wird viel Spannung aufgebaut! Es geht sehr ruhig los mit einem monotonen Klangteppich, dann legt Mr Gallagher einen Slide hin, den man noch nicht gehört hat! Dieses Thema bekommt man nie wieder aus dem Kopf! Vor allem, wenn dann das Slide Thema am Ende nochmal mitgesungen wird! Ein absolut starker Song mit einem unsterblichen Slide! Auch wenn der Bass derselbe bleibt, er reißt extra noch mit!
7 For The Last Time 6.35 --> Jetzt darf es auch mal wieder ruhiger werden mit "For The Last Time". Doch hat nur zunächste den Anschein, denn gegen Ende gibt es wieder ein powervolles Endlos-Solo. Wunderschöne Gitarrensoli wechseln sich ab mit Rory's einfühlsamen Gesang. Es ist einfach nichts für Hörer von monotonen Einheits-Popsongs. Man fragt sich, wie Rory in nur einem Stück so viele Variationen einfallen können! Ohne Frage ein weiteres Meisterstück 8 It's You 2.38 --> Ein kurzes "On The Road"-Country Stück ist "It's You", wieder mit tollen Slide Gitarren Licks. Rory nimmt hier auch mal die Mandoline zur Hand und das klingt sehr toll. Die Aufnahmetechnik macht's möglich, dass er gleich mehrere Gitarren "gleichzeitig spielt". Viel Spaß und Heiterkeit bietet dieser Song.
9 I'm Not Surprised 3.37 --> Noch ein kurzer Spannungsaufbau vor dem fulminanten Ende bietet "I'm Not Surprised". Hier lässt sich nochmal Vincent Crane am Klavier blicken. Wieder ein schönes Zusammenspiel von Akustikgitarre und Piano. 10 Can't Believe It's True 7.16 --> Dieses Lied ist nochmal wie eine Zusammenfassung der großartigen Werke dieses Albums! Rory fährt zum letzten mal seine Riff Geschütze und verschiedene Instrumente auf! Auch spielt Mr Gallagher hier sogar Saxophon, ein musikalisches Allround-Genie eben! Ganz lässig wird hier begonnen und nach und nach kommen die restlichen Instrumente hinzu. Er spielt mindestens genauso gefühlvoll und schön mit dem Saxophon. Und zum Abschluss hören wir wieder eine ganze Reihe von wunderschönen Soli. Ein ganz würdevoller Abgang und ein großartiger Song!
Die Bonustracks bilden "Gypsy Woman", ein Klassiker von Muddy Waters und "It Takes Time", ein Blues Klassiker von Otis Rush. Rory würdigt seinen Einflüssen artgerecht und interpretiert die Songs fabelhaft! Auf keinen Fall sind die Songs als Lückenfüller anzusehen! Alle Songs (mit Ausnahme der Bonustracks) wurden von Rory selbst geschrieben, manche übrigens sogar noch in der "Taste" Zeit.
Rory Gallagher --- Fazit --- Rory Gallagher Jedes Album aus dieser Ära, das nicht Weltstatus erreichte, ist ein unterschätztes Album ;-)! So auch dieses! Wer Blues mag, wird Rory vergöttern, wer gute, ehrliche und handgemachte Musik mag, ebenfalls. Es gibt keinen einzigen Schwachpunkt auf dem Album. Alle Songs machen Spaß, regen zum Teil aber auch zum Nachdenken an. Ein Meisterstück, das heute kaum noch nachgemacht werden kann. Ein Meilenstein, der nicht nur die Gitarristen der 70er und 80er beeinflusste, sondern auch noch heute ein Maß für jeden angehenden Blues(Rock) Gitarristen ist! Prädikat: EXCELLENT!!!
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
|
|
08.12.2007 15:04
Schöner Bericht. Man kann Rory Gallagher auch nicht auf seine Zeit, die 70er, reduzieren, denn sein Werk ist einfach zeitlos anständiger Bluesrock. Und auch, wenn seine hochkarätigen Einflüsse unüberhörbar sind, so hat er diese alte Strat doch auf seine ganz eigene Weise zum Singen gebracht -smooth und bei aller Präzision voller Gefühl und Seele. Eine stille Legende.
20.08.2006 02:34
Der Song "What's Going On" von Taste sagt mir sogar noch etwas.Ist auf einer Doppel-LP die ich Mitte der 70er mir gekauft hatte.Da sind so Raritäten wie Cream,The Who,Jimi Hendrix,Springwater,Troggs,Eric Burdon usw verewigt.LG Uwe
02.06.2006 22:00
wer jahrelang 70er gespielt hat muss Rory Gallagher kennen. Aber singen kann ich wirklich besser als er, gelle? ........ ;-) ........... Gruß Edgar