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Round up! - Various

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The Usual Suspects

5  19.03.2011

Pro:
"Die üblichen Verdächtigen" unter den Western - Filmmusiken in schickem Klanggewand

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

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Vertrauende:64

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 51 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Zusammenstellungen mit Filmmusiken aus bekannten Westernfilmen gibt es wie Felsen im Monument Valley. Solche, die wirklich etwas taugen, sind schon etwas rarer gesät.

Als guter Lackmustest hat sich in der Vergangenheit die Suche nach der Originalaufnahme des Stücks “Do not forsake me“ aus dem Film “High Noon“ erwiesen. Auf der singt nämlich ein Mensch namens Tex Ritter. Bekannt gemacht hat es allerdings ein anderer Herr namens Frankie Laine, und so findet sich auf den meisten Compilations mit Musik aus amerikanischen Westernfilmen denn auch eher eine von Laines Einspielungen denn das Ritter’sche Original aus dem Film.

“Round up“ macht da keine Ausnahme: Auch auf dem Ausflug von Dirigent Erich Kunzel und seinen Musikern vom Cincinnati Symphony Orchestra (das für seine Exkursionen in den Bereich der populären Musik als „Pops“ zu firmieren pflegt) gibt sich Laine die Ehre, und das sogar gleich zweimal.

Ach, und warum denn auch nicht?

Frankie Laine ist nun einmal Zeit seines beruflichen Wirkens so eine Art cantor laureatus des Westersongs gewesen: wer an Musik denkt und „Western“ sagt, meint in der Regel so automatisch Frankie Laine, wie der, der Johnny Cash meint, wenn er „Country“ sagt. Sänger Frankie Laine ist einer der üblichen Verdächtigen, und die Themen und Songs, die Erich Kunzel sich für seinen musikalischen Tribut an den US-Western ausgesucht hat, sind es, en gros, wohl auch. Und weil wir hier in der Tat von Westernfilmen sprechen, die wirklich sämtlich aus dem Wilden Westen der US of A stammen, begegnen uns auf “Roundup“ nicht nur bekannte Themen aus Kinofilmen, sondern auch eine ganze Reihe von Erkennungsmelodien aus TV-Serien, die mancher alte Europäer gegebenenfalls nur dem Namen nach kennt. „Bonanza“ darf natürlich nicht fehlen, und auch „Rawhide“ wird geboten – die wird man vielleicht noch kennen. Mit “Wagon Train“ und “The Rifleman“ sieht das wohl schon ein wenig anders aus.

Auch dass die “Wilhelm Tell Ouvertüre“ in den Staaten die Erkennungsmelodie einer Figur namens “Lone Ranger“ war, weiß man oder weiß man nicht. In den Staaten wird man’s wohl auch so wissen, aber der Komplettheit und Sicherheit halber steht das dann auch noch mal, in Klammern, hinter dem fraglichen Titel auf der CD (und auch im Text des Booklets, das, wie es im Hause Telarc üblich ist, sehr informativ ist).

Womit wir wohl auch schon bei der ersten der Besonderheiten angelangt wären, die die Aufnahmen von Erich Kunzel und seinen Cincinnati Pops auszeichnet: Sie sind in erster Linie für den US-amerikanischen Markt gedacht. Und weil in den Staaten bekanntlich alles ein bisschen größer zu sein pflegt, sind auch die Aufnahmen von Kunzel und den Pops “larger than life“. Je dramatischer und großartiger, das scheint die Devise des Herrn Dirigenten und Arrangeur zu sein, desto besser – Klein-Klein gibt’s bei Kunzels nicht, und das ist, meistens jedenfalls, auch gut so.

Besonders gut zur Geltung kommt das bei zwei Stücken, die insofern von einem ganz typischen US-Bürger stammen, als die USA ja von jeher ein klassisches Einwanderungsland sind: Dimitri Tiomkin heißt der Komponist, von dem einige der wuchtigsten musikalischen Westernkulissen stammen – allen voran natürlich die mit Oscars in den Kategorien „Beste Original- Filmmusik“ und „Bester Original-Song“ bedachte Musik zu “High Noon“. Weniger bekannt, aber deshalb nicht minder großspurig kommt sein Soundtrack zu „Gunfight at the OK Corral“ daher. Der deutsche Titel von John Sturges’ Western aus dem Jahre 1957 lautete „Zwei rechnen ab“, und die zwei, um die es da ging, waren keine Geringeren als Wyatt Earp und Doc Holliday, die beim legendären Showdown am OK Corral mit den Mitgliedern der berüchtigten Clanton-Bande abrechneten (Endsumme: unterm Strich war danach ein Drittel der neun Beteiligten tot).

Stück 7 lässt den Hörer die Schießerei zwischen den Kontrahenten so hautnah miterleben, wie eine CD mit Filmmusik das überhaupt vermag. Womit wir bei Besonderheit 2 wären, auf die das Label Telarc auch mittels eines kleinen Störers auf der Vorderseite des Booklets hinweist: Auf den Kunzel-Telarc-CDs wird nicht nur musiziert, sondern zuweilen auch auf andere Weise getönt. Will sagen: Wilhelm Buschs Wort von der Musik, die „oft als Lärm empfunden“, weil sie „mit Geräusch verbunden“, gewinnt hier eine völlig neue Bedeutung. Zur Partitur à la Kunzel gehören nämlich auch ein paar echte Revolverschüsse, die Boxenmembran wie Trommelfell des Westernfans einer wahren Zerreißprobe unterziehen (ersteres behauptet das Booklet, letzteres ist ganz offensichtlich), und so bietet seine Version vom „Gunfight at the OK Corral“ wirklich die volle Dröhnung: Da kracht und knallt es, dass es eine wahre Freude ist – und wenn dann die Pistolen schweigen, meint man förmlich zu sehen, wie auch der letzte der Outlaws leblos in den blutroten Staub sinkt, während die Mittagssonne gnadenlos … äh, nun ja. Wir halten fest: Auch auf CD ziemlich breitwandig, das Ganze.

Richtig gut gefallen mir auch das Medley aus Cowboy Songs, das seinen Weg unter die größtenteils rein instrumental eingespielten Stücke gefunden hat: Auch wenn einem die Titel “Shenandoah“ und “Red River Valley“ vielleicht auf Anhieb nichts sagen – gehört hat man sie mit Sicherheit schon mal (es sei denn, man gehörte zu der Sorte von Leuten, die sofort das Kino verlassen oder den Kanal wechseln, wenn’s westwärts geht).

“Roundup“ ist eine CD, die nicht so sehr Raritäten bietet als vielmehr die üblichen Verdächtigen unter den Western-Musiken – das aber dafür in tollen Arrangements und in wuchtigem Klang, der “Roundup“ nebenbei auch zur guten Wahl für die üblichen Verdächtigen macht, die unüblich viel Geld in ihre Boxenkabel und Verstärker investieren.

Mit anderen Worten: eine großartige CD für große Jungs, die immer schon Cowboy sein wollten und sich, wenn schon der Traum von Abenteuer und Männerfreiheit ein Traum geblieben ist, wenigstens Stereoanlagen zulegen, mit denen sich problemlos auch der Grand Canyon beschallen ließe.


::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
D i e _ C D /
m e i n e _ A n s p i e l t i p p s
::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::

… 1. Sounds of the West (00:53)
… …. Sound effects tracks: Corral scene, Round-up, Galloping horse, Horse Whinny
… 2. William Tell Overture (03:33)
… …. (Finale) (Lone Ranger Theme) Gioacchino Rossini
[>] 3. The Magnificent Seven (Suite) (05:29)
… …. (Elmer Bernstein, arr. by Christopher Palmer)
… 4. The Furies (Suite) (04:03)
… …. (Franz Waxman)
… 5. Round-up: Anthology of TV Western Themes (04:27)
… …. (Bonanza (1:04), Rawhide (1:25), Wagon Train (1:08), The Rifleman (0:50)
… …. Vocal: Frankie Laine, arranged by Christopher Palmer
… 6. How the West Was Won (Suite) (07:21)
… …. (Alfred Newman, arranged by Christopher Palmer)
[>] 7. Gunfight at the OK Corral (Suite) (08:33)
… …. (Dimitri Tiomkin, arranged by Christopher Palmer) Vocal: Frankie Laine
… 8. Pops Hoedown (07:10)
… …. (Richard Hayman)
… 9. Big Country (03:01)
… …. (Jerome Moross)
… 10. High Noon (02:29)
… …. (Dimitri Tiomkin, arranged by Christopher Palmer) Vocal: Frankie Laine
… 11. Coyote and Crackling Campfire (00:58)
… …. (Sound effects track)
[>] 12. Western Medley (10:05)
… …. (Intro (0:21), Ti Yi Yippee Yippie Ay (1:31), Shenandoah (2:13),
… …. Red River Valley (1:50), Home on the Range (2:40), Streets of Laredo (1:30))
… …. (arr. by Richard Hayman)
… 13. Themes from "Silverado" (04:12)
… …. (Bruce Broughton)

Gesamtspielzeit: 01:02:14
Hörproben und weitere Infos gibt’s u.a. bei

www.telarc.com

R e s ü m e e

“Roundup“ ist der großartigste akustische Western-Extrakt, den ich kenne: wiehernde Pferde, knallende Pistolen, die Musik aus der Marlboro-Werbung (“The Magnificent Seven“), Frankie Laine und eine Reihe von stadt- und landbekannten Western-Musiken verbreiten ordentlich Cowboy-Flair.

Selbst die Geräuschkulisse des abendlichen Lagerfeuers mit Knistern, Knacken und Kojoten, die in der Ferne heulen, hat man auf CD gebrannt: Yup, pardner, so war das damals, als der Duke und ich die Rinder beim großen Trail von Achtzehnhundertwasweißich über den Missouri getrieben haben. Nur gut, dass die nicht auch noch die Darmwinde auf den Silberling gepresst haben, die El Borrachon nachts immer von den Bohnen mit Speck bekommen hat.

Ach, haben sie doch? Und ich dachte wirklich, das seien echte Pistolenschüsse – yeehaw!

Oder anders gesagt:

Git this cd, pardner. Giddit quick, ‘fore I git ya, sucker! BANG.

Nachruf:

Den Nachfolger “Roundup 2: Happy Trails” fand ich nicht mehr ganz so gelungen: Vielleicht haben Kunzel und die Cincinnati Pops beim Shootout am OK Corral einfach ein bisschen zuviel Pulver verschossen.

Bilder von Round up! - Various
Round up! - Various Round up! - Various
Yee-haw: Erich Kunzel und die Cowboys von den Cincinnati Pops reiten westwärts.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Anacrusis

Anacrusis

28.03.2011 20:48

Compilations zu besprechen, finde ich immer fürchterlich anstrengend, da man immer sehr auf jeden einzelnen Interpreten eingehen sollte. Und dann auch noch Filmmusiken. Kunzel ist in meinem Buch der komischen Musikanten immer ganz weit vorne dabei gewesen. Ich ziehe meinen Indianerschmuck vor deiner Kunst, dieses Teil interessant klingen zu lassen ;)

MissVega

MissVega

21.03.2011 12:33

Oh, da treffen ja zwei meiner absoluten Anti-Vorlieben zusammen...Instrumental-Soundtracks und Western-Filme. Na, bravo.

CiaoFonzie

CiaoFonzie

20.03.2011 09:50

ich mache es kurz: BH. LG Matthias

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