Über sich:ROSE KEMP 'Flawless', TORI AMOS 'Raining Blood', LED ZEPPELIN 'Dazed And Confused', MOTÖRHEAD 'Back ...
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Ein hübsches Artwork haben die kanadischen Vernichter um Bandleader Jeff Waters sich auf ihr elftes Studioalbum "Schizo Deluxe" drucken lassen: Da hacken sie munter den Schädel nebst Inhalt zu Schrott, die Dämonen hinter der angstvoll verborgenen Stirn eines lichtscheuen, von rasenden Mondphasen und Wasnichtallem in einer schweflig-apokalyptisch anmutenden, leblosen Welt gepeinigten Menschen. Auf der Rückseite noch mehr Wahnbilder: Eine Schlange, ein halber Apfel, darin zwei Pillen. Religiöser Schwachsinn und experimentelle Psychopharmaka geben sich ein Stelldichein. Bis heute kann niemand mit endgültiger Gewissheit sagen, wie dieser Kram zwischen unseren Synapsen und vor allem was genau er bewirkt; nur dass die Ergebnisse individuell höchst unterschiedlicher Natur sein können, liegt erfahrungsgemäß auf der Hand. Weitere Bildchen in düsterer Stimmung und mit wahnwitziger Symbolik finden sich im Booklet und illustrieren dort kongenial Texte und Stimmungen der Songs. Diese sind im Grundton aggressiv bis sarkastisch gefärbt und springen stilistisch in einem irren Wirbel aus Elementen des Thrash Metal, Speed Metal und Power Metal umher.
Witzig ist der Einstieg ins Album über Zappen durch den alltäglichen Schwachfug des TV-Programms, bis dabei schließlich ein im gewohnten Tonfall des medienüblichen Expertengehabes von einem möchternüberlegen daherredenden Zausel dargebotener Zitatfetzen "...cannot unleash-" von einer extrem käsig verzerrten Horrorstimme unterbrochen wird: "-THE BEAST!" Der diesem Intro zugehörige Song 'Maximum Satan' macht sich passenderweise dann auch über die Horrorbotschaften der Medien und den apokalyptischen Glauben ihrer zombiehaften Konsumenten lustig: "CRIMES OF PASSION and CRIMES OF HATE / Buy the NEW DRUG, before it's TOO LATE // I'll make you believe / that the world is like tv / I will supply you / with ONLY NEGATIVITY // I AM NOT REAL / I'm just imagination / I feed on your fear / of HUMAN DEVASTATION"
Was das Album über das ordentlich gemachte obere Mittelmaß vieler anderer Thrash-Bands erhebt, die seit langen Jahren im Geschäft sind (ANNIHILATORs bekanntester Song stammt immerhin vom 1989er Debütalbum der Band, "Alice In Hell"°) und sich dabei - ohne ihre Wurzeln zu verleugnen - der Integration modernerer Sounds nicht verschlossen haben ("Schizo Deluxe" ist in seiner groovigen Aggression nicht weniger modern und mutig als der von Alt-Thrashern vielgescholtene METALLICA-Befreiungsschlag "St. Anger"), sind zwei Dinge:
1. Granatenstarke, herausragende Songs wie 'Drive' und 'Warbird' und 'Like Father, Like Gun'.
2. Eigenwillige, wahnwitzige Momente, die auch in den übrigen Songs immer wieder aufblitzen.
'Drive' ist der Hammertrack des Albums: Hier wird berserkerwild getackert und geshreddet, der Bass zaubert zwischendurch lässige Grooves in den ansonsten irre aggressiven Geschwindigkeitswahnsinn, gniedelnd schreit die E-Gitarre auf, atemlos doch von allen Widerborstigkeiten unbeeindruckt shoutet sich David Padden durch die harten Speedmetalattacken seiner Kollegen Jeff Waters (Bass- & sonstige Gitarren) und Tony Chapelle (Schlagzeug) - "sometimes I think I'm going under / don't know if I can take no more / but then I turn the fear to hunger / I'll turn this battle INTO WAR" - und dann, wenn man als Hörer kaum noch mitkommt und vor lauter Krachüberladung schon einzuknicken und innerlich abzuschalten droht, legt ANNIHILATOR noch einen Gang zu und reißt einen wieder mit: "Faster, I'm gaining momentum / I'm getting closer to my goal / nothing can stop me or get in my way / I'm in complete control // failure, no longer an option / past the point of no return / nothing comes easy and nothing is free / SUCCESS you earn".
'Warbird' ist ein Nuklearer-Overkill-Song, der mich dankbar sein lässt, nicht jener Generation anzugehören, die 24/7 mit einem iTunes-Kabel im Ohr herumläuft; sonst hätten sie mich schon längst eingesperrt, weil ich in der Einkaufsschlange urplötzlich mit diabolisch verzerrter Grinsefratze wie einst Jack Nicholson in jener berühmten Eisntellung mit der Axt in der Tür aus Stan Kubricks "Shining" dastehe und der Kassiererin dabei berstend laut und manisch wild ins Antlitz gröle: "FLYYYYYYY!!!! / FLYY!! with the WARbird!! // DIIIIIIIIIE!!!!! / DIE!! by the WAAAAARBIIIIIIRD!!!! // FLYYYYYYYYYY!!!" - Also, zum Glück bleibt mir das erspart, obwohl meine Nachbarn sich mitunter schon (oder immer noch??!) arg wundern werden...
Metallisch-elektrische Reizüberflutung und geschickt zusammengemetzelte Riffkaskaden knallen uns die Kanadier auch in 'Plasma Zombies' um die Ohren, einem sozialkritischen Song über eine exzessive Mediensozialisaton, die an die Stelle selbstgemachter Erfahrungen zu treten und nebenbei auch sonstige Erziehungswerte in den Hintergrund zu drängen droht, wobei auch die damit einhergehende Selbstentfremdung der Jugend angesprochen wird.
Das Thema Reizüberflutung findet sich auch im nächsten Stück wieder. Sie hacken eben beständig weiter, die sinnbildlichen Dämonen aus dem Albumcover von "Schizo Deluxe". 'Invite It' handelt von Panikattacken und ist dabei stilistisch ein wenig lockerer, ja sogar melodischer gestaltet als die vorangegangenen Stücke - allerdings auch chaotischer: "Welcome to my PANIC and I'm sure you know the fool / where everything comes crashing down and MADNESS is the rule / Your MIND is set to overload with DOOMSDAY INFORMATION / I see you've come here just in time to join the celebration" eröffnet David Padden den Song, und das Feiern auch der negativsten Gefühle ("don't fight it, invite it") manifestiert sich dann auch in einem federnden Rhythmus, der zu body-slamming, Pogen und Circle-Pit-Polonaise einlädt. Immer wieder dazwischengeworfene shouts, bridges, Bass- und Gitarrensolos lassen einem keine Ruhe, "but when you learn just to invite it, PANIC never wins". Amen to that. (Dazwischen heißt es "facing the shock and the terror alone / a time bomb just waiting to blow / you canNOT ESCAPE and there's nowhere to hide / you're fleeing with no place to go", und darum beginnt dieser Track clevererweise auch mit einem Weckerklingeln.)
Metal pur bietet 'Like Father, Like Gun', ein knochentrockener, steinharter Song über eine Tradition von Hass und Gewalt, die bereits in den Familien gesät und durch damit einhergehnde religiöse Erziehung gefestigt wird. Auch das von Sänger David Padden mitgeschriebene Stück 'Pride' ist ein Metalsong wie aus dem Bilderbuch. Allerdings gefällt mir letzterer weniger, da er doch etwas zu konventionell daherkommt und der stilistischen Konsistenz des Albums eher abträglich ist. Auch sagt mir ausgerechnet hier der überwiegend cleane, bisweilen richtung METALLICA schielende Gesangsstil nicht so recht zu. Viel lieber höre ich David Padden, wenn er so richtig räudig und angepisst singt. 'Too Far Gone' gefällt mir dementsprechend schon wieder besser, auch wenn sich hier passagenweise abermals ein METALLICA- oder MEGADETH-Vergleich aufdrängt.
Das düstere, verschleppte 'Clare' klingt demgegenüber deutlich eigener. Auch hier singt Padden über weite Strecken mit überwiegend cleaner Stimme, doch passt das in diesem Falle deutlich besser zum Gesamtsound des insgesamt wiederum melodischeren Stückes sowie der Band überhaupt. Der Text ist (inhaltlich) nicht gerade einfach zu verstehen; irgendwie scheint es um Probleme des Wahrgenommenwerdens sowie der eigenen Wahrnehmung zu gehen, um unbewältigte Traumata, vielleicht auch um Kindesmissbrauch, um irgendeine nicht näher definierte Nähe-Distanz-Problematik sowie um Schizophrenie und Institutionalisierung; und dass dabei auch wieder Bezug auf eine gewisse Alice genommen wird, macht das Ganze nicht einfacher.
Einfacher (anzuhören) hingegen ist 'Something Witchy' mit seinem eingängigen Refrain und einem höllischen Groove, welcher sich durch Strophen, Chorus, Bridges, Soli und sogar durch die vertrackten, hart durchrifften Passagen zieht, welche dem Stück seinen radikalen, aufgeschürften Charakter verleihen. Hier haben wir es mit einem hübschen Abrechnungssong zu tun, der das Ende einer ungesunden Beziehung markiert. Einfach nur großartig, wie David Paden hier auf- und dabei abdreht, wenn er zum Ende des Refrains wütend herausschreit "...or maybe you're INSANE!".
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Die limited edition von "Schizo Deluxe" beinhaltet im festen Karton-Buch neben dem Booklet sowie den Album-Tracks auch noch drei Bonustracks auf der CD:
- 'Weapon X' - stammt von der EP "The One" (2004). Der Song groovet anfangs mehr als dass er thrasht, knallt für ein im midtempo beginnendes Stück dann aber doch noch gut rein. Letztlich ist das hier gebotene Geschwarte und Gegniedel aber nichts Besonderes. Allerdings kann Dave Padden hier mit dem aggressiv gebellten Titel einige nette Akzente setzen, und gegen Ende wird noch einmal die Temposchraube angezogen.
- 'I Am In Command' - mit Ray Hartmann am Schlagzeug und Coburn Pharr am Mikrofon erschien 1990 erstmals als letzter Song des Albums "Never, Neverland"² und ist hier in einer Fassung aus der ersten Bandprobe mit dem damals neu eingestiegenen Sänger zu hören. Diese bietet schnellen, räudigen, noch deutlich punkbeeinflussten und hungrigen, tüchtig scheppernden Thrash Metal der alten Schule. Das hat Biss!
- 'Annihilator' - ist der erste Song, den Jeff Waters mit Sänger John Bates 1985 im Jahr nach der Gründung von ANNIHILATOR aufnahm, - und nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Song auf "King Of The Kill" (1994). Früher Thrash Metal par excellence ist das, etwas dünn im Sound, aber schon ziemlich schneidig. Das Riffing erinnert zwar noch deutlich an VENOMs 'Welcome To Hell' (1981), doch die Soloarbeit schrillt schon gewaltig im typischen ANNIHILATOR-Stil drein.
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FAZIT:
Wer sich mal tüchtig wegschädeln will, ist mit "Schizo Deluxe" bestens bedient - jedenfalls sofern man sich mit einem etwas modernisierten Thrash-Sound anfreunden kann, der dennoch nicht auf alte Trademarks verzichtet. Kurz vor Schluss fällt das Album zwar ein wenig ab, doch machen dies Kracher wie 'Drive' und 'Warbird'³ locker wett, und zudem enthält die limited edition noch einige hübsche tracks der Frühzeit. In Sachen Artwork liegt das Album sowieso ganz weit vorne und sticht somit aus dem übrigen ANNIHILATOR-Katalog auch optisch hervor.
° 'Alison Hell': http://www.youtube.com/watch?v=8wE7fGH-6Zk
² mit der lustigen Fast-Food-Hymne 'Kraf Dinner': http://www.youtube.com/watch?v=t1I9RqhvLA0
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18.04.2012 18:06
Nicht so meine Musikrichtung
30.03.2012 13:05
Ja, feines Album.
07.03.2012 21:01
Nee, Jesus H. Christ, nun fühl ich mich seekrank.