Do you know about steppin´?
24.02.2003
Pro:
gute Trax, einige Klassiker und einiges von unbekannteren Newcomern
Kontra:
nicht gemixt, einige Titel haben nichts mit Schranz zu tun
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 Coffeinjunkie
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:43
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 57 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe LeserInnen, seit mittlerweile 2 bis 3 Jahren geht ein neues Gespenst um in der Techno Szene. Das Gespenst namens Schranz. Wie üblich muß eine neue Musikrichtung, die eine nicht unerhebliche Anzahl von jungen, kauffreudigen Anhängern hat, auch vermarktet werden. Und so überschwemmt zur Zeit ein Schranz – Sampler nach dem anderen die Regale der Musikgeschäfte. Zeit also, einmal einen Blick darauf zu werfen, heute auf den Sampler „Schranz Traxx Volume 2“. Zum Inhalt des Berichts:
1. About Schranz 2. About CD 3. About Stars & Points 4. About anything else Zu 1. Schranz
Schranz ist in erster Linie Techno. Meist wird darunter eine etwas härtere Gangart verstanden, mit kräftigen Bässen, verzerrten Drums, einer gehörigen Portion Monotonie und allgemein einen „schmutzigeren“ Sound als die anderen melodischen und „sauberen“ Trance – Produktionen. Der Begriff Schranz wurde vom bekannten Frankfurter DJ und Produzent Chris Liebing geprägt. Er suchte in einem Plattenladen einen Sound der „schranzt und schreddert“, wenig später benannte er eine seiner Singles „The real Schranz EP“ und der Begriff bürgerte sich mehr und mehr ein. Bekannte und beliebte Künstler die oftmals in die Schublade Schranz gesteckt werden sind zum Beispiel Chris Liebing, Monika Kruse, Adam Beyer und DJ Rush. Schubladendenken ist aber eine heikle Sache und so wollen die meisten Künstler vehement mit dem Begriff Schranz nichts zu tun haben. So ist der Begriff und der Stil bei den Partypeople sehr beliebt und bekannt, wird aber von den Künstlern selbst kaum verwendet. Heute wird eigentlich jede Techno – Produktion, die hart, treibend und nicht allzu „trancig“ ist in die Schublade Schranz gesteckt. Aber Namen sind Schall und Rauch, also lassen wir die Musik sprechen.
Zu 2. Die CD Bei dem Sampler „Schranz Traxx Volume 2“ handelt es sich um eine CD aus dem Hause spv, welche zu zyx music gehört. Zyx könnte einigen Lesern durchaus bekannt sein, vor allem durch die Vielzahl von Samplern und Compilations aus allen denkbaren Musikrichtungen, die durch diese Firma hergestellt und vertrieben werden. Die CD enthält 11 Titel, welche nicht gemixt sind, und hat eine Gesamtspiellänge von knapp 68 Minuten. Zusammengestellt wurde diese Auswahl von Michael Zosel (ist mir unbekannt), das Artwork stammt von Martin Damm, kamikaze industriez.
Wie an dem Produktbild unschwer zu erkennen ist, ist die CD in gelb gehalten, mit einigen Metallteilen auf dem Bild. Im Booklet finden sich nur die üblichen Informationen zu den einzelnen Titeln wie Produzent und Erscheinungslabel, sowie ein Werbehinweis auf „Schranz Traxx Volume 1“, welche das gleiche Aussehen nur halt in rot hat. Die CD an sich ist ebenfalls gelb. Doch nun zum eigentlichen Gegenstand, die Musik. Die Titel
1. DJ Rush – Get on up (Chris Liebing Remix) (6:44) Get on up ist ein sehr bekannter und beliebter Rush Titel. Ohne große Einleitung wird sofort drauflos gehämmert. Rush gibt mit seiner einmaligen Stimme den Titel und einige Lyrics zum Besten. Unter anderem erklärt er was „steppin´“ ist. Ich will ja allen Westside – Bewohnern nicht auf die Füße treten, aber wenn Rush sagt: „I know some kids out there in the EAST who know about that steppin´, you kids started that shit“, dann wird da wohl was dran sein – der Osten rockt halt...*g*. Alles in allem ist dieser Titel ein 1A Partytrack, zum tanzen und feiern. Rush und Liebing at their best. 2. Monika Kruse – Snackerz (Adam Beyer Remix) (6:00) Die Titel auf diesem Sampler sind nicht gemixt, was ich sehr schade finde. Demzufolge geht es erst mach einer kurzen Pause weiter. „Snackerz“ ist ein guter Techno – Track, der alles enthält, was ein guter, tanzbarer Track so braucht, Bass, Drums, Samples. Eine blubbernde, acidartige Melodiefolge baut sich langsam auf und begleitet die monotonen Drumarrangements perfekt. Klopfende und klingelnde Samples vervollständigen das Stück. Kein Ausnahmetitel, aber guter, perfekt arrangierter Techno. Eigentlich eher ein Tool für DJ Techno – Sets.
3. Rob Acid – Storm (Selection Remix) (4:47) Dieses Stück beginnt ruhig, mit einer einfachen Drumfolge. Langsam steigern sich mehr und mehr düstere Acid Sounds hinein, bin sich eine durchgehende dunkle Verzerrung ergibt. Nach kurzem Break steigt der Bass kraftvoll ein und vollendet den Track. Wieder ein recht rauhes DJ Tool. 4. Georg Köhler – Love it (5:25) Partytrack per excellance. Sofort hämmert ein Gewitter aus Bässen und Basssamples ultraschnell und ultraheftig drauflos. Ein Sprachsample feuert unverständliche Satzfetzen hinein und in den Breaks wird alles zu einem wirren Soundbrei vermengt, der erst vom Bass wieder entwirrt. Eindeutig ein Track für den Höhepunkt einer Party, er gehört eigentlich in einen Mix, so wie die meisten Titel, aber ein steht fest: you´ll love it!
5. Andy Düx – Schmerz (Sven Wittekind Remix) (6:32) Ebenfalls wieder ein hartes und treibendes DJ Tool, das recht hart und heftig daherkommt. Eigentlich ein nicht enden wollendes Bassgewitter, das nur von kurzen Breaks unterbrochen wird. Aber der Bass, der nach den Breaks wieder einsetzt hat es in sich.....ich sag nur......PAAARTYYY!!!! 6. Mike Mendez – Insane (Part one) (6:20) Um auch mal wieder zur Ruhe zu kommen, gibt es nun mal einen etwas ruhigeren Titel. Klar, sowas muss auch mal sein, jedoch stellt sich die Frage, was das jetzt bitte mit Schranz zu tun hat. In einem DJ Mix hätte dieser Titel als kleine Erholungspause durchaus eine Berechtigung, auf einem „Schranz“ – Sampler ist er fehl am Platz. Ein ruhiges getragenes Drum Arrangement fast ohne jeden Bass, houseartige Piano Samples und langweilige, ewig wiederholte Sprachsamples der Marke: „ah ah – ih ih“ machen diesen Titel alles andere als hörenswert.
7. Pete Atkins – Elastyk (5:15) Ebenfalls ein ruhigerer Titel, der jedoch reichlich mehr Technoanleihen hat als sein Vorgänger. Er baut sich langsam auf und verbindet einen recht Durchschnittlichen Bass und Drum Aufbau mit einigen Acid Sounds. Später kommen noch gut eingearbeitete trancige Melodien dazu, die recht gut zum Aufbau passen. Kein Partykracher, aber recht ordentlicher, ruhiger Durchschnittssound. 8. Brixton – F....H 09 (6:29) Acid der alten Schule. Dunkler getragener Bass, gesampelte Drums und sofort schraubt sich ein astreines Acid – 303 Sample in den Gehörgang. Das Abebben und wieder Aufleben des Acidsamples belebt den Titel ungemein. Ein recht langes Break läutet eine neue Runde ein, in der sich der Titel in ungeahnte Höhen steigert. Klasse.
9. Rob Acid – Gold (5:37) Dieser Titel ist eher drumlastig angelegt. Sehr technoid und recht monoton klopfen verschiedenartige Drums über einen eher düsteren Klangteppich. Etwa zur Hälfte kommen einige Melodien hinzu, die dem Titel einen eher trancigen Anstrich geben. Eher ruhig und recht langweilig, keinerlei Höhepunkte. 10. Fukaba Kitsuki – Ballistic (5:21) Nun kommt doch noch einmal Schranz zum Vorschein. Ein extrem verzerrter und „dreckiger“ Mix aus Bass, Drums und HiHats schreddert und schranzt was das Zeug hält. Dazu gesellen sich Samples, die sich wie Stammesgesänge indianischer Eingeborener anhören. Der ganze Titel erinnert an Samba auf Speed, recht eigenwillig, aber extrem schräg und lustig.
11. Acid Warrior – Classique (9:28) Wie der Titel schon sagt, ein sehr klassischer Acid Track. Sehr lang und sehr langsam aufgebaut. Das ist jedoch auch ein Nachteil, so richtig scheint der Titel nicht auf Touren kommen zu können. Die Acid Bassline ändert sich nie, einzige Abwechslung bieten die eingestreuten Samples. Würde gut auf einen Acid Sampler passen, aber für einen Schranz Sampler ist das Stück doch ein wenig zu getragen und zu episch breit. Zu 3. Stars & Points – die Bewertung
Alles in Allem bietet dieser Sampler nicht ganz das was er verspricht. Es sind zwar einige echte Schranz Perlen zu finden, aber irgendwie fehlt immer etwas. Die meisten Titel im wurden nunmal dafür produziert als Vinyl von DJs in einem Mix Set verwendet zu werden. Die richtigen Hammertitel stehen ohne Mix recht verloren und unfertig auf der CD, die weniger guten Titel sehen für mich eigentlich nur nach Füllmaterial aus. SPV ist auch für seine guten Acid Sampler bekannt, bestes Beispiel ist die „Acid Flash“ Reihe, die mittlerweile über 15 Ausgaben hat. Es kommt mir so vor, als hätte man die Rechte an einigen echten Klassetiteln wie Rush und Kruse gekauft, einige Newcomer oder weniger bekannte alte Hasen wie Georg Köhler, Andy Düx und Fukabe Kitsuki hinzugemischt und das ganze noch mit altem Repertoire aus dem großen Fundus der Acid Trax aufgefüllt, um die CD voll zu kriegen. Der fehlende Mix und die Tatsache, das nicht alle Titel wirklich in die Kategorie Schranz gehören, lässt natürlich keine Topwertung zu. Da aber die guten Titel auf diesem Sampler überwiegen, werte ich die CD mit 4 von 5 Sternen, also als gut. Wer auf Techno und Schranz steht und auch mit Acid etwas anfangen kann, und wer sich nicht daran stört, das die Titel nicht gemixt sind, kann mit dieser CD nicht falsch liegen. Im Vergleich mit vielen anderen Samplern die mir dem Namen Schranz um sich werfen, bietet dieser Sampler noch gute Qualität fürs Geld, ist also für alle Technoheads empfehlenswert.
Zu 4. Anything else – sonstiges Schranztraxx Volume 2 ist im April 2002 erschienen und in vielen Musikgeschäften erhältlich oder bestellbar. Einfacher geht es natürlich auf amazon oder ählichen Internetversandhäusern wo man diese CD für 16,99 € bestellen kann. Des weiteren ist natürlich auch noch Volume 1 dieser Reihe erhältlich. Für 11 Titel von denen man 7 als gut bis sehr gut einschätzen kann, ein gutes Preis – Leistungsverhältnis. Bleibt also nur noch zu sagen: Party on!
Coffie PS: wie immer vielen Dank für alle Lesungen, Bewertungen und Kommentare.
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25.02.2003 16:11
Obwohl ich sowas überhaupt nicht als Musik interpretiere wirkt dein Bericht sehr informierend. Ich kann damit zwar nichts anfangen, aber unsere Pillenfreunde aus dem BumBum Tempel sicher .
25.02.2003 11:29
Sehr ausführlich dein Bericht! Ciao T_Goose
25.02.2003 00:05
Klingt gut. Sag mal warum liest du nich mehr bei mir ... wo wir doch soo viel gemeinsam haben (die Coffeinsucht :D)?