Finally Atmosphere made a good record !
09.01.2004
Pro:
Abwechlungsreich, textlich absolut top !
Kontra:
zu vertrackte Strukturen bei manchen Tracks !
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 Senilm
Über sich:
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Hip Hop ya don`t stop, in jeder Musikrichtung gibt es ein "Underground"-Geschehen, aber wohl nirgends ist das so ausgeprägt wie beim HipHop. Selbstverständlich schaffen es dann immer wieder auch solche Underground-Rapper plötzlich im Rampenlicht zu stehen - so wie es bei Slug von "Atmosphere" der Fall war. Mit ihrem mittlerweile vierten LPer "Seven`s Travels" mischen Sie nämlich die HipHop Szene ordentlich auf - denn Atmosphere sind anders.. und das nicht nur, weil Sie aus Minneapolis kommen!
GOTTA LOTTA WALLS Im "History" Intro werden wir leicht jazzig, schräg ins Geschehen eingeführt.. bevor wenig später gleich das erste Highlight kommt, "Trying to find a balance" ist fies, sehr fies...mit akustischen Gitarren und Storytelling von Rapper Slug langsam einschläfernd, droppt es sich ungestüm - ohne anzuklopfen - mit fett losbouncenden Beats und aggressivem Wordflow sofort ins Ohr! Slug ist heisser als die Hölle mit dem Mikro in der Hand - "got bless America but they stole the B from Bless", reisserisch und kritisierend zieht er seine Kreise.."Hello mam, would you be interested in some sexual positions and some emotional ingressness?".
"Bird sings why the caged i know" hingegen ist ein schräger, minimalistischer Track. Welcher dumpf bollernde Beats auf akustische Jazzdrums und Steelguitarloops baut. Slugs Einsatz in atemlos, energischer Manier hält auch noch "Reflections" durch. Hier gehts in Kindergesangsmanier mit flowendem Groove und smoothems Pianospiel auf zum Balzritual! "i give you conversation, just to see if you could hold on" - "it would be my pleasure, to sing a song, that will get you to remove your shoes and your sweater" - dabei ist er zunächst der charmante Unterhalter, bevor er dann doch etwas überrascht wird, denn plötzlich wird seine Partnerin bei schrägen Psychoklängen zum "Sexy Egotrip". Und wenig später kann er ihr noch stammelnd..."you kiss like you already came" ins Ohr flüstern, übermannt von soviel Weiblichkeit. Mit "Gotta lotta walls" begeben wir uns weiterhin auf schwer eingängiges Gefilde - stampfende Beats kombiniert mit klimpernden Xylophonklängen schwirren surrend im Raum. Dazu abgehacktes Reimdropping vom Mikrophonartisten. Das bessert sich bei "The Keys of live vs 15 minutes of Fame", denn dieser lockere Bouncer geht mit Südseetaktung sofort in die Hüften und bietet freudig, melodisches Xylophoning auf tempofreudigen Beats... "hoping this could be for you, what it is for me - patiently i stay busy - i wait - i see", bestens aufgelegt rult Slug diesen Titel.
Mit "Apple" baut man dann auf Old-School-Beats und jazzig, groovende Vibes die sich mit Scratches garniert durch die Lautsprecher vibrieren. Ironisch aufgelegt legt Slug los "just ´cos your an mc doesn`t mean that you need to be a asshole" - mit seinem Laid back rhymestyle lässt er den Konsum von Gräsern vermuten - "i`ve been around the world, without moving". Auch die "Suicidegirls" lassen Slug vor nichts zurückschrecken - hier gehts mit nervenzehrendem Sound in Seelenabgründe! Fetter Drumbeat, dazu reichlich schräge, schrille Sounds auf Dauerloop und mit Spracheinspielungen, verärgerter Frauen angereichert, ergeben einen harten Brocken. Fast genauso daneben das Jason - Interlude, auf elektrobeats und laberigem "ready to roll" Genöle. Kaum hat man die Elektronikinstrumente gefunden bleibt man gleich dabei, "Cats van Bags" ist so ein perverser Elektrogewittertrack! Schleppende Beats treiben vibrierende Soundteppiche voran, die mit sägendem Sound arg am Trommelfell und Nervenkostüm zehren - dazu gibts "Lines to your forehead" von Slug, welcher aggressiv mit Brother Ali das Mic teilt. Versöhnlicher mit dem Hörer, geht es Atmosphere bei "Los Angeles" an. Zu A Capella Blubberlippenakrobatik und locker, tackerndem Beat gibt Slug den Touristenführer - "do your best cause the lesson is love"
Vollends auf Versöhnungskurs geht aber erst "Litter Puller" wieder - dieser verträumte, von melodischem Gitarrenspiel gekennzeichnete, Track erfreut mit seinem locker bouncenden Beat und dem coolen Flow das Ohr! Slug schraubt seine Energie auch runter und bietet textlich hochwertiges auf der Suche nach "Truth in life" - während er Soziale Unterschiede in Lovestories verbaut. "We were two perfect kids in a to perfect world", stellt er am Ende jeder seiner Stories fest! Akustisches Experimental ist "Shoes" - eine Drum, ein Bass und ein Mann am Bettrand seiner Geliebten, der einen Schuhfetisch hat.."Those are your shoes - these are my shoes - with got issues", dabei versteht er es perfekt, versteckte Sexualität in seinen Text einzubringen. Das was er hier in drei Minuten an textlichen Einfällen vom Stapel lässt ist erste Sahne - "my shoes are clean girl, how bout yours - sitting here on the bedroom floor - listening to some records from your collection - boredom, between an coma and an erection" ! Während er sich in unterschiedlichen Situationen seines Hormonspiegels befindet, lässt er seine Schuhe immer "dreckiger" werden! "I can`t find my shoes girl... trying to keep the liqueur down". "National disgrace" findet dann das Tempo schnell wieder - wenns zu schrägen Bluegrass-Gitarrensound - pfeifender Gute-Laune und lockeren Beats losgeht! Während sich Slug über Rick James und Anna Nicole Smith lustig macht - gehts hier ironisch voll ab! "This goes out to all people - that when realising their dreams made a total jerk of themselves, only to keep the masses entertained" und so kann unseren Mic-Derwisch nichts mehr aufhalten, wenn er frozzelnd über die typisch amerikanischen Pseudostars herzieht und sich selber als solchen beachtet - "pissing in front of the box office".
"Denvemolorado" kann weiterhin mit der enormen Qualitätssteigerung mithalten - dieser atmosphärisch auf Soul und Jazz verlagerte Track, geht dank eingängigem, dumpfen Beat und melodischen Streicherloops sofort ins Ohr! "Here i am alone in an airport bar, why ? Cause i´m a lonely star" Auch hier lässt sich Slug wieder zu Kritik hinreissen, jedoch gibt er sich hier als Selbst daran gescheiterter. "Liquor Lyles Cool July" funkt sich wenig später, mit fetten Grooves - "i kill you all if i wasn`t so passiv" plärrt uns Slug entgegen und reichert die tanzfreudigen Klänge mit reichlich Hasslyrics an ! "This next one goes out to all the depressed women in the house..." in loungender Entertainermanier begrüsst Slug die Ladies zu "Good Times ( Sick Pimpin )". Diese Hommage an all die "ladies", ist ein lockerlässiger Jazzflower, mit melodischem Kontrabassflow und harmonischem Bläserspiel - was will man mehr. Auf akustischem Trip, mit minimalistischem Gitarreneinsatz und schiebend, trockenemem Beat setzt man bei "In my continental" - einem Cruiser-Track in dem uns Slug aus seinem Continental heraus einlädt mit ihm zu reisen. Wobei er dort drin allerlei Sachen verstaut hat - "elemental purpose, true love from the first kiss - spread it on the surface"
"Always coming back home to you" ist der fünfminütige Rausschmeisser des Albums und lässt in Storytellermanier noch einmal dessen Qualitäten aufblühen! Relaxtes Gitarrenspiel auf Lagerfeuerniveau vertreibt sich seine Zeit mit ploppend, freudigen Beats und einem den HipHop zelebrierenden Slug! "respect the fashion of the kids" - allerlei Ratschläge, Ruckschlüsse und Erkenntnisse packt er in diesen einen Titel ohne dabei Oberlehrerhaft zu wirken, nein direkt aus dem Leben gegriffen ist das Ganze! ... und wer sich noch ein wenig Geduld lässt, gerät noch in den Genuss eines Gute-laune- verbreitenden Bounstracks! Locker fierpende Beats und ein von seinem "Hometown" rappender Slug erfreuen das Herz! Während er die "overpopulated New York and Cali" hinter sich lässt, kehrt er doch immer wieder zurück nach Minneapolis! "The jobs are even hard to find, man you could have mine, if you want to rhyme" - das verpasst ihm noch einmal einen fetten Sympathiebonus und lässt das Album gebührend zu Ende gehen !
GOOD TIMES Atmosphere haben sich lange genug versteckt - mit diesem Album tun Sie sich und dem HipHop einen großen Gefallen.
Experimentierfreudig kombiniert Producer Ant unterschiedlichste Elemente zu einem abwechslungsreichen HipHop-Ensemble - da wird nicht nur Jazz, Funk und Soul angefasst, nein - tlw. werden Kraftwerkanleihen elektronisch wahrgenommen. Das Album beginnt bombastisch, steigert sich dann aber in seine elektrische, vertrackte, schwer zugänglichen Strukturen hinein - bevor es gegen Ende die Melodien nur so herausploppen lässt! Gigantisch gut! Doch das beste am Album ist Slug - auch wenn er nicht der größte Flower ist, beweist er mit seinem Textwerk doch, welch Ausnahmestellung Atmosphere schon bald einnehmen könnten! Intelligentes, ironisches, aus dem Leben gegriffenes Textwerk -immer ansprechend verpackt und selbst als harscher Kritiker kann man Slug nur zustimmen!
am Ende des Albums kann man Slug nur zustimmen,wenn er bereits zu Beginn behauptet -"Atmosphere finally made a good record" So sind Atmosphere wie Blackalicious eine sehr experimentierfreudige HipHop-Gruppierung, während zweitere mehr aufs melodische setzt.
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21.08.2004 00:51
Seven´s Travels ist ein gutes Album und ich stimme dir in den meisten Punkten zu, aber bei Denvemolorado heißt es: "Here I am alone in an airport bar Why, just cause I don't own a car..." und nicht ...cause i´m a lonly star... wollte ich nur mal sagen :D
05.05.2004 13:14
Sehr gutes Album, kann dir in allen Punkten nur zustimmen. Atmosphere waren vor einigen Wochen übrigens hier in meiner Stadt und ich habs doch tatsächlich verpasst hinzugehen.
12.02.2004 23:22
Finde das Album auch nicht schlecht, aber "Lucy Ford" fand ich noch etwas besser. MfG Patrick