Popdiskurs mit Scooter
21.01.2003
Pro:
Machen Ohrstöpselhändler reich . . .
Kontra:
Haben nie ein originelles Lied gemacht . . .
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 CARLOS
Über sich:
Ich bin leidenschaftlicher Polemiker und liebe Musik !!!!
Musik, Computer, Politik, Philosophie, Me...
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Vertrauende:19
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 16 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Versuch einer Einordnung der Popgruppe "Scooter" in semiologische Zusammenhänge Im September 1996 brachte die Hamburger "Popgruppe" "Scooter", bestehend aus H.P. Baxxter, Ferris Bueller und Rick Jordan die sich der musikalischen Erschaffung von "Avantgarde-Future-Pop" (offizielle Biographie) verschrieben haben, ihre achte (!) Single "I´m raving (i´m raving)"auf den Markt die laut RTL World-Discographie auf Platz 4 der deutschen Verkaufscharts "smashte" (H.P.Baxxter). Man darf diese Platzierung keineswegs isoliert von dem Hintergrund einer schon von Umberto Eco postulierten "Semiotischen Guerillataktik" sehen, zumal schon der Name der Band einen großräumiges, mehrdimensionales und polyvalentes Referenzspektrum aufrollt.
Die Biographie der "Raveband" klärt uns hierzu auf: "Im Jahre 1993 kam der Auftrag, (damals bildeten die Mitglieder das Remixprojekt "The Loop") eine Version der holländischen House-Produktion "Vallée Des Larmes" zu produzieren. Gleichzeitig erwuchs die Idee, ein eigenes Projekt zu starten. Da "Vallée Des Larmes" atmosphärisch sehr stark an einen Jahrmarkt erinnerte, wurde man sich über den Namen schnell einig: Scooter!" Natürlich ! Heute a posteriori geurteilt ist diese Namensgebung und ihr unheilvoll-oszillierender Jahrmarktsbezug von stringeniöster Evidenz. Der Jahrmarkt !, Geburtsstädte des "Hyperrealen" (Baudrillard), Wiege des Lebensgefühls der "stetig wachsenden Rave Generation". (offiz. Biographie). Unbeirrt knüpften Scooter von der programmatischen Single "Hyper Hyper" (Hyper(real) Hyper(real) würde Jean Baudrillard vermutlich schreien) ein feingliedriges Bezugsnetz, dessen Basis die acht (!) in Zahlen "8" (!!!) Longplayer "And The Beat Goes On"," Our Happy Hardcore","Wicked","Age Of Love"," Rough And Tough And Dangerous", " No Time To Chill", "Back To The Heavyweight Jam" und "Sheffield" bilden, die den ganzen Beschiss gleichsam von hinten aufrollen bzw. aufklären. (Nebenbei: Nur der bekannte Volkssänger Wolfgang Petri brachte es, wie uns der Resteverwurster "K-Tel" in einer Fernsehsendung mitteilt, auf eine 10 CD (6500 Megabyte) umfassende Best of Sammlung an Infamitäten, ja Inferioritäten, die die schreckliche Dunkelziffer an Nettomaterial furchtsam erahnen lässt.) Beschiss deswegen da Scooter die Quelle ihrer Plagiate erst im Titel der vorerst letzten CD offen legen: "Sheffield", die Heimat der Popgruppe KLF. (Mal abgesehen davon, dass es Mumpitz ist sein erstes Album "And the Beat goes on" zu nennen, es hatte doch (dank Gott) noch gar nicht angefangen zu "goen"). Für diejenigen die (rückwärts in der Zeit gesehen) den anfänglichen Hinweis nicht sofort begriffen, haben Scooter fest entschlossen LP- und Single-Titel wie "Fuck the Millennium" und "Back to the Heavyweight Jam" gleich 1:1 von KLF übernommen, "No Time to Chill": eine Verballhornung des "Chill out"-Albums. Hört man sich den dritten Mix ihrer aktuellen CD "I'm your pusher" an, meint man KLF's "It's Grim up North" im Player zu haben. Das Video: ein einziger billiger Abklatsch des KLF-Films "The White Room", Hauptdarsteller (neben den drei selbstverliebten Boys): ein schwarzes Auto mit dem KLF-Logo auf der Fahrertür, so schon identisch gesehen bei KLF (3 a.m. Eternal), natürlich mit deren Pyramidenlogo.
Nun sind KLF den Eingeweihten als situationistisches Künstlerduo bekannt, die Anfang der neunziger Jahre ankündigten drei Nummer-Eins-Hits zu machen und danach wieder in der Versenkung zu verschwinden (sie waren erfolgreich) und die Popwelt mit Illuminatenverschwörungen und Geldverbrennung provozierten. Eine Provokation, die neben dem was sich die drei (oder vier) "Musiker" von Scooter erdreisten zur Schemenhaftigkeit verblasst. "Eine energetische Mischung aus blubbernden Beats, wummernden Drums und dem von H.P. kreierten, schon legendären Shout-Stil.“ (offiz. Biographie) Covern sie zum Beispiel hier "I'm walking in Memphis" von Marc Cohn, werden kurzerhand alle Wörter in "rave" oder "raving" geändert, jetzt mal völlig vom entstellten Sinn abgesehen: "I put on my raving shoes and boarded the plane" (sic!). Die Liste der "Worst Dance Singles" beschreibt es so: "European smash despite an extraordinarily bad vocal, lunatic acid lines and, the cherry on the top, massed bagpipes playing 'Scotland The Brave'. " Ein Feuerwerk an Euphemismen ! Nicht das Scooter von selber auf diese Idee gekommen wären, nein, die Drum and Bass-Combo "Shut Up And Dance" feierte in den frühen 90ern mit derselben (besser ausgeführten) Idee eine massiven Underground-Hit. Schon Hegels "Weltgeist" verbietet mir, hier von Sinnlosigkeit oder Inhaltsleere zu sprechen, den eine solche kann es laut Baudrillard nicht geben: "die Zeit würde schließlich in reiner Zirkulation aufgehen" "die Geschichte würde verschwinden und nicht etwa im Sinn der 'erfüllten Zeit' zu ihrem Ende gelangen. Unbemerkt verschwinden, an einem vanishing point." Vielmehr verdichtet sich der Verdacht, das hinter Scooter ein manipulierender Geist (wie einst Malcom McLaren bei den "Sex Pistols") steckt, sei es Bill Drummond, Umberto Eco oder Guy Debord, der die - noch zu klaren Gedanken und Interpretationen fähigen Restmenschheit - in ein Gestrüpp und Geflecht von Signifikanten ohne Referenzpunkt einwickeln will, über das H.P.Baxxter hoffentlich stolpert und sich derbe auf die Fresse legt.
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29.03.2004 19:43
ich finde auch du hättest mehr auf die einzelnen songs eingehen müssen. also echt
21.01.2003 20:24
Sorry, aber die Songs und die Musik beschreibst du viel zu kurz, und das ist für mich das Wichtigste an einer CD!
21.01.2003 20:19
Einsehr schöner BEricht, ich muß aber auch sagen ich mag Scooter generell nicht. Artur