Grunge ist tot .. es lebe Filter
02.12.2003
Pro:
der Opener
Kontra:
manchmal zu sehr bei NIN geklaut
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 robii
Über sich:
ICH BIN ORANGE --> DANKE AN ALLE !! -- aktueller Lesestoff --> Ildefonso Falcones - Die Kathed...
Mitglied seit:24.02.2000
Erfahrungsberichte:227
Vertrauende:31
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 81 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Intro ----- In regelmäßigen Abständen versuche ich hier, nicht nur die aktuelle Musik zu kommentieren, sondern auch das eine oder andere Werk früherer Tage näher zu beleuchten. Heute ist es wieder Zeit für einen Griff in die Schatzkiste. Und wir greifen ins Jahr 1995, das Jahr nachdem sich die Grungeikone mit den grünen Haaren das Licht ausgeblasen hat, indem er sein Hirn mittels Schrotflinte gleichmäßig an der Wand verteilte. Der Hype um dieses Ereignis war noch nicht verblasst, da stürmte ein Song die Radios, da 100prozentig in diese Zeit passte und scheinbar den Freitod Kurt Cobains kommentierte. Ich rede von Filter's erstem Hit "Hey Man Nice Shot". Ziemlich makaber aber treffend für die allgemeine Stimmung im angekratzten Grunge-Bussiness. Aber schauen wir uns Filter doch mal genauer an. Vorgeschichte ------------- Wer kennt nicht den T1000? Ich rede von Schwarzeneggers Gegner im Film Terminator 2. Ja genau Robert Patrick, heutzutage auch gut bekannt als Mulders Ersatzagent in der letzten Akte X-Staffel. Genau dieser Patrick hat einen Bruder namens Richard. Dieser verdiente in den frühen Neuzigern seine Brötchen als Live-Gittarist bei Trent Reznors Industrial-Band Nine Inch Nails. Und dieser ist ja bekannt dafür mit seinen Mitstreitern einen komischen Umgang zu haben, soll heißen "Ich Chef du nix!". So hat also der liebe Patrick seinen Kumpel Brian Liesegang (auch bei NIN) überredet und beide sprangen ins kalte Wasser und gründeten ihre eigene Band FILTER. Das Gröbste war also geschafft, nun musste nur noch musiziert werden.
Nach nur einem Demo-Tape mit vier Songs im Jahre 1994, ging es auch schon los. Die Plattenfirma WEA Records nahm die Jungs unter Vertrag und schon kurze Zeit später erschien "Short Bus" der erste Longplayer. Schon mit dem Titel wollten die Jungs ein Zeichen setzen. Mit dem "Short Bus" fahren die Sonderschüler zur Schule, im Gegensatz zum "Big Bus" der "normalen" Kinder. So wollte man schon hier die Andersartigkeit demonstrieren. Ob ihnen das gelang soll die Musik beweisen. Zu Musik -------- Die Scheibe beginnt gleich mit dem größten Kracher "Hey Man Nice Shot". Hier besingt Patrick nicht wie vermutet den Tod von Cobain, sondern den Selbstmord von Bud Dwyer der sich 1987 auf einer TV-Pressekonferenz mit einem gezielten Kopfschuss das Leben nahm. Ziemlich krasse Sache und so kommt auch der Song daher. Leicht wabernd blubbert der Bass in den Titel, verstärkt von damals leider noch Drum-Computersound setzt dann der Gesang ein. Übernommen wird dieser Part von Patrick selbst und er macht seine Sache gut. Immer mehr steigert er sich bis dann im Refrain der Zuhören fast erschlagen wird. Man sieht förmlich die Halsschlagader pulsieren. Ein brachialer Song und zurecht die erste Singleauskopplung. Mit "Dose" folgt dann ein schon vom Demo-Tape bekannter Titel. Der Titel beginnt mit dem Einschwingen der dominierenden Gitarren bis schließlich der Gesang fast gequält daher kommt. Trotzdem treibt der Song, nicht zuletzt durch die immer wiederkehrenden Scheieinlagen. Textlich setzen Filter immer wieder gern auf Schockelemente, so auch in diesem Song. Ziemlich abrupt endet dann der Track um mit einem dominanten Bass "Under" einzuleiten. Für mich einer der besten Songs des Albums, leider werden hier die damals noch großen Gesangsschwächen von Patrick beleuchtet. Sehr melodisch kann man das nicht nennen und so flüchtet er immer wieder in Scheiattacken, die der Musik jedoch nicht schaden, sondern ihr einen eigenen Stil geben. Immer wieder kommen hier die Gitarren perfekt zur Geltung. Kritiker werden jedoch erkennen, dass hier Nine Inch Nails aus der Vorbildrolle nicht rauskommen.
Song Nummer 4 ist "Spent", der mit einer Radiodurchsagen eingeläutet wird. Eines der Spielereien die Filter verwenden um die Musik aufzulockern. Wieder bemüht sich Patrick am Mikro, jedoch ist dieser Versuch arg gequält. Die wenigen melodischen Teile des Song kommen gut rüber, der druckvolle Part wirkt leider sehr anstrengend und daher wenig reizvoll. Auch die albernen Wiederholungen am Ende des Songs machen das Ganze nicht besser. Daher eher Mittelbewertung für diesen Song. Mit "Take Another" kommt ein weiterer Song von Patrick daher. Übrigens gehen alle Tracks des Debüts auf sein Konto. Und "Take Another" ist gelungener, nicht nur weil hier eine Melodie zu erkennen ist und daher der Gesang besser wirkt, nein auch das komplette Arrangement wirkt schlüssiger. Der Song wirkt stimmig, die Drums bestimmen den Rhythmus die Gitarren kreischen an den richtigen Stellen und der Bass setzt gute Akzente. Die elektronischen Spielereien sind nicht zu viel und runden das Bild ab. Und dann die Überraschung, mit "Stuck In Here" kommt eine lupenreine Ballade daher. Mutig bringen Filter schon auf ihrem Debüt diese Stilrichtung aufs Parkett. Hut ab !! .. sehr gelungen. Schon kenn niemand mehr von einer abgekupferten Industrial-Scheibe reden, denn Balladen wie später auch "So Cool" sind in diesem Genre eher untypisch. "It's Over" schließt sich dann fast harmonisch an, nicht ohne wieder mehr Dampf zu machen, nach der Verschnaufpause ist das auch OK. Wieder hämmern Bass und Drums den Track an, die Gitarren verzögern den Anfang bis endlich der Gesang einsetzt. Erst sacht und wie gewohnt fast gesprochen, bis dann endlich die Stimmung steigt und somit auch mehr Energie verströmt. Der Gitarrensound liegt flächig unter dem Song, gelegentliche Samples mischen den Song auf, die Akzente setzt jedoch der Bass. Patricks Stimme wird fast untergebuttert, passt so aber gut zum Song, der Sacht wie er kam auch ausklingt. "Gerbil" weckt den Hören ganz anders. Schon zu Beginn setzt die Gitarre wie eine Sirene Akzente. Dann wird die Instrumentierung wieder einfacher bis zum Refrain wieder alle Bandmitglieder einsetzen und so einen brachialen Industrial-Sound bringen. Guter Song, leider haben wir das mittlerweile schon zu oft gehört.
"White Like That" wird durch die Drums bestimmt. Wie eine Rhytmusmaschine wird so der Song angestimmt. Mit dem Gesang kommen die Gitarren ohne das Tempo anzufachen. So schleppt sich die Stimmung dahin immer durchzogen von der angestrengten Stimme Patricks. Da können auch die Megaphon-Samples nicht mehrt viel rausreißen. "Who's gonna lose?" .. wie schon der Text sagt! Song Nummer 10 gefällt mir da schon viel besser. Endlich lässt man vom Industrial ab und konzentriert sich auf Rock. Ehrlich gesagt, das können Filter viel besser (wie auch spätere Scheiben zeigen). Der Sound wirkt gelungener und die Schreierei von Patrick fehlt gänzlich. Super, sie können es also doch! Glücklicherweise wird mit "So Cool" noch mal eine Ballade auf CD gebannt. Schon "Stuck In Here" bewies, das diese Masche den Jungs liegt. Die Zukunft sollte auch zeigen, dass hiermit viel Geld und Ansehen zu ernten ist. Fazit ----- Filter legen mit "Short Bus" ein ordentliches Debüt-Album vor. Leider sind die Vorbilder nicht zu verleugnen und erst zum Ende der Scheibe besinnt man sich auf eigene Stärken. Den Industrial-Sektor sollten sie Herrn Reznor überlassen, der kann das auch erheblich besser. Mit "Hey Man Nice Shot" haben Filter einen Hit am Start der ihnen Gold und Platin beschert, leider fällt das Niveau nach dem Opener auch deutlich. Trotzdem ist die Scheibe im Jahre 1995 ein Meilenstein und sollte in Zukunft oft kopiert werden. Für mich sind die folgenden Platten erheblich besser, jedoch ist diese Scheibe das Tor zur Filter-Welt und somit ein Muss in jeder Plattensammlung.
Fakten ------ Title: Short Bus Artist: Filter VÖ: 28.04.1995 Genre: Industrial, Alternative Rock Tracklist --------- 01 Hey Man Nice Shot 5:14 02 Dose 3:53 03 Under 4:17 04 Spent 4:38 05 Take Another 4:23 06 Stuck In Here 3:34 07 It's Over 3:36 08 Gerbil 3:21 09 White Like That 4:17 10 Consider This 4:18 11 So Cool 4:26
Diskographie ------------ 1995: Short Bus 1999: Title Of Record 2002: The Amalgamut Internet -------- http://www.officialfilter.de http://www.officialfilter.com http://www.geocities.com/filterdiscography http://www.geocities.com/filterfans http://filter.seven10.com
Preisvergleich
sortiert nach Preis
|
Short Bus - Filter
1995, ein Jahr nach dem Selbstmord von Kurt Cobain, hat die verklärende ...
|
€ 5,52
Händler kann Preis erhöht haben |
149 Bewertungen
|
Versandkosten: EUR 3,00
Verfügbarkeit: Versandfertig in 1 - 2 Werktagen...
|
zum Shop
Amazon.de Marketplace Musik
|
|
Filter - Short BUS () CD Album
Release: 28.04.1995, Format: CD Album, Neuware, Inhalt: 1, Label/ Hersteller:
|
€ 12,59
Händler kann Preis erhöht haben |
19 Bewertungen
|
Versandkosten: weltweit: 2.00 Euro. ab 20.00 Bestellwert versandkostenf...
Verfügbarkeit: Versandfertig in 1-3 Werktagen...
|
zum Shop
Grooves-inc.com
|
|
Short BUS - Filter
...
|
€ 13,99
Händler kann Preis erhöht haben |
202 Bewertungen
|
Versandkosten: EUR 3,00
Verfügbarkeit: Lieferbar in 2 - 3 Tagen
|
zum Shop
Buch. de
|
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
|
|
18.07.2004 20:50
Du hast mich zum Wühlen in meinem CD-Regal gebracht und siehe da, die hab ich auch, könnte man mal wieder hören. In Berlin hatte ich sie schon mal erlebt, was auch recht gut war, frag mich bloß nicht mehr, wann das war, glaube so 1999 Columbia Fritz, wo nicht so viele reinpassen, das waren noch Zeiten, die letzte Platte habe ich nicht, irgendwie verpasst!
05.01.2004 18:43
Statt in die Schatzkiste müsste ich ins Klo greifen, wenn ich "Short Bus" mal wieder hören wollte. Kommt aber normalerweise nicht vor. Find auch, dass das Niveau nach dem Opener stark abfällt - aber schon "Hey Man Nice Shot" find ich mal gerade so OK... Aber die unterschiedlichen Geschmäcker machen Musik ja erst interessant... MfG I...Loaded_Raft
10.12.2003 09:06
Ein sehr schöner Bericht! Gruß, Naninka