...
Der "Godfather" des Dirty Souls ist mittlerweile seit 50 Jahren im Geschäft und hat es vor knapp 10 Jahren mit "Silky" nochmal allen gezeigt. Das "Silky" erst vor zwei Jahren bei uns erschienen ist, ist schade - sollte aber nur als Motivation dienen sich die Scheibe jetzt dringend zuzulegen. ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von Senilm über Silky - Andre Williams 14.01.2008
Produktbewertung des Autors:
Cover-Design:
annehmbar
Klangqualität:
gut
Langzeithörspaß:
mittelmäßig
Pro:
s . txt
Kontra:
s . txt .
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Eine dreckig dengelnde Stetson gräbt gemeinsam mit den erdigen Grooves um die Wette wenn man den Rohdiamanten von Andre Williams zu Tage fördern will. Der "Godfather" des Dirty Souls ist mittlerweile seit 50 Jahren im Geschäft und hat es vor knapp 10 Jahren mit "Silky" nochmal allen gezeigt. Das "Silky" erst vor zwei Jahren bei uns erschienen ist, ist schade - sollte aber nur als Motivation dienen sich die Scheibe jetzt dringend zuzulegen. Sollten die Poser von DANKO JONES irgendein Vorbild gehabt haben, dann muss es Andre Williams gewesen sein. Der alte Mann schiesst seine Dirty Lyrics immer noch lockerer aus der Hüfte als ein Viagrabestärkter 20jähriger.
Damit belegt Andre Williams, daß er es nicht verlernt hat kulinarische Köstlichkeiten mit eindeutig sexistischen Themen als Liedtext zu tarnen - sein erster Hit "Bacon Fat" lies daran schon keinen Zweifel, aber auch jetzt brutzelt der Speck noch auf den schwitzenden Körpern die zu seiner Musik tanzen. Die Musik war ihm aber nicht immer treu, der Detroiter hat zeitweise als Obdachloser gelebt und ist eigentlich erst seit den 90ern wieder aktiv im Musikgeschehen vertreten - als eindeutig Rüstigster im Kreise der Musikrentner. Mick Jagger würde sich den Unterkiefer endgültig ausrenken, wenn er mit Andre WIlliams auf der Bühne wäre und Jerry Lee Lewis letztjähriges Album war beileibe nicht so frisch wie das von Williams.
Der alte Herr bringt sein knorriges Gerippe noch zu erstaunlichen Leistungen wenn er im röhrenden Opener "Agile, Mobile and Hostile" mit Corega-Tabs die Tieftöner reinigt und anschliessend bei "I wanna be your favorite pair of Payamas" sein Anliegen eindeutig offenlegt. Fuzzy Gitarren frickeln dengelnd die Sexlyrics vom Altmeister in den richtigen Vibe für richtig versaute Sachen, die mit "Bonin´" noch folgen sollen. Auch wenn der alte Herr vielleicht untenrum nicht mehr ganz so agil ist wie er es vorgibt, pumpt der Southern Blues dieses stampfenden Bassmonstern noch eine ganze Menge Testosteron durch die Eingeweide. Da laufen Mellotron, Hammondorgel und die gute alte Stetson zu Höchstleistungen auf, wenn sich Mr. Williams ans Mikro begibt und croonend "Looking down at you , looking up at me" veredelt. Etwas gemächlicher cruist dieser Titel durch den Kopf wie zwei Whiskey auf Ex. Den Kopfschmerz verstärkt Mr. Williams mit seinem tieftönenden, düsterkrächzenden Organ das mehr Lebensjahre als er selbst zu zählen scheint.
Die Sau durch die Wohnung jagt "The Car with the star" stetig und unaufhaltsam bollernd wie ein V8 spannt dieser TItel seinen Spannungsbogen mit zupfenden Saiten und einer Storytellingmood, bevor Andre Williams gänzlich Niveau vermissen lässt und den "Pussy stank" besingt. Zu ner Hook die Gut und Böse vergessen lässt, sorgen Harmonika & Co nicht nur für Entsetzen bei Mutti. Dieser "Partyhit" setzt auf kurze knackige Spieldauer und die unwiderstehliche Hook, die auch dem wesentlich bluesigeren "Let me put it in" innewohnt. Balladesk hängt dieser Song wie kalter Rauch an der Zimmerdecke und bringt die Hörerschaft dazu sich den Schweiss von der Stirn zu wischen und nervös auf der Oberlippe zu knabbern. Kurz vor dem Herzinfarkt biegt Andre Williams nochmal den Bypass zurecht und rotzt einen Refrain ins Mikro der sämtlichen Lungenteer zu Tage befördert.
Richtig auf den Putz und die eingemauerten Leichen aus der Wand haut "Everybody knew". Wenn Williams auf gesalzenem Bassgrund den frustrierten Ehemann gibt und Charles Bukowski zur Ehre verbale Entgleisungen par Excellence bietet, rechnet er mit dem weiblichen Geschlecht alles andere als zimperlich ab. Wiederum passend untermalt von elektrisch verzerrenden Effekten im Wahnfieber.
Andre Williams ist ein alter Sack, aber ein verdammt geiler alter Sack und das ist nicht nur auf seine sexistischen Texte bezogen. Die Instrumentierung bringt die letzten Energiereserven auf um unter Strom stehend dem alten Herrn Ihren Tribut zu zollen. Das ist Dirty-Soul & Blues wie er sein soll ! Roh und ein wenig blutig... man muss schon leiden können.