Über den Wolken
06.03.2002 (13.11.2004)
Pro:
hochmelodischer, atmosphärischer Hardrock mit meisterlicher Gesangsakrobatik; tolles Coverartwork; wächst bei jedem Hören; Drahtseilstimme Rob Halfords
Kontra:
nur kurz(weilig)e 40 : 38 Minuten lang
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 logan
Über sich:
Twilight held us in her palm as we walked along / And we make it up as we go along / How did it go s...
Mitglied seit:21.02.2000
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Dieses 1977er Album einer damals grandiosen Band ist ganz zu Unrecht eher unbekannt geblieben. Dabei haben die Pioniere des Heavy Metal hier ein melodisches, eingängiges und auch nach einem viertel Jahrhundert noch überzeugendes Stück Musik kreiert: Es finden sich zwar weit weniger Powerriffs als auf den neueren Scheiben, dafür überzeugen die stimmliche Arbeit Halfords, die melodische Gitarrenführung und die federnden Rhythmen umso mehr. “Sin After Sin” ist ein meist eher ruhiges, fließendes Hardrock Album, dessen Kompositionen hauptsächlich, aber nicht nur, von den Gitarren- und Gesangsmelodien getragen werden. Das besondere Spannungsmoment rührt in den meisten Stücken vom Gegensatz aus ruhigen Bassläufen und bewegten, mit hoher Stimme ‘singenden’ E-Gitarren her. Die enorme Spannbreite und Wandlungsfähigkeit von Halfords Gesangsstimme tut ihr übriges, diese Songs zu einem Klangerlebnis der besonderen Art zu machen.
Die Songs im Überblick: ♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪♪ SINNER Ist ein episches, wunderbar atmosphärisches Stück mit vollen, schwebenden Bassläufen, singenden E-Gitarren und federnd schwingendem Schlagzeug. Wabernde, fast schon psychodelische, Passagen gehen fließend in treibenden Rock über; Riffe und Loops verschmelzen mit der Leadgitarre zu wunderschönen Melodien, und die klare Stimme erhebt den Song aus dem Nebel bis weit über die Wolken, als sie sich in höchste Höhen aufschwingt ohne dabei auch nur im Geringsten angestrengt zu klingen. [6:43 min.]
DIAMONDS AND RUST Ist ein Joan Baez Klassiker (die Frau ist u.a. Stücken wie House Of The Rising Sun bekannt geworden), den Glenn Tipton neu arrangierte und welcher sich – in den Priest Sound gekleidet – perfekt ins Album einfügt: Ein federnder, wunderbar entspannter Bass- und Schlagzeugrhythmus bildet den Berg, den die klaren, hohen E-Gitarren und der kraftvolle Gesang erklimmen. Nun halten sie vom Gipfel aus sehnsüchtig Rückschau auf das, was war und was hätte gewesen sein können – so zumindest wirkt das Stück auf mich. Das ist sehnsüchtig-romantisch fließender Hardrock ohne Brüche. [3:23 min.] STARBREAKER Ist etwas kantiger mit heiserer Stimme & leicht verzerrter E-Gitarre, welche allerdings ein hochmelodisches Solo zum Besten gibt. Der Bass klingt sehr stark elektrisch aufgeladen (ich liebe das!) und schnurrt förmlich; der Rhythmus ist zwar nicht besonders schnell, aber dafür ordentlich stampfend. Dieser Song gewinnt zunehmend an Dynamik, ohne jedoch hektisch zu werden. Wenn man ihn ein paar Mal gehört hat, entdeckt man den versteckten Groove, und er entwickelt sogar Ohrwurmqualitäten, was auch am schaukelnden Zusammenspiel der Gitarren liegt ( – das klingt wahrscheinlich seltsam, aber besser kann ich’s nicht beschreiben…). [4:47 min.]
LAST ROSE OF SUMMER Ist die wohl wärmste, sanfteste und im ursprünglichsten Sinne romantische Rockballade, die mir jemals zu Ohren gekommen ist – weit entfernt von dem, was uns diverse Sampler (am untersten Ende der Fahnenstange steht dabei die Kuschelrockreihe) unter dieser Bezeichnung verkaufen wollen. Mit zu Tränen rührender Stimme bringt Rob hier – begleitet von einer wunderbar klar singenden E-Gitarre, bluesigen Bassloops und dezentem Schlagzeug – seinem Liebsten die letzte Rose des Sommers als Zeichen seiner Liebe dar und verspricht ihm, zur nächsten Rosenblüte zurück zu sein. Seufz… [5:38 min.] LET US PREY: Die E-Gitarre imitiert zum Auftakt eine Orgel. “Call for the priest, I’m dying…” singen J.P. hierzu herrlich pathetisch mit hohen, klaren Stimmen im Chor, bevor ein galoppartiger Rhythmus einsetzt, welcher häufig von schnellen aber lockeren Trommelwirbeln unterbrochen wird und dann geringfügig sein Tempo ändert. Darüber jagen riffige Bass- und Gitarrenloops und Robs mal in atemlosem Tempo sprechsingende, mal aus voller Brust rufende Stimme hinweg. Eine volltönende, echobeladene, klare E-Gitarre singt dann mit ihm gemeinsam im Duett die gleiche Stimme (=> Gänsehaut!), bevor der Rhythmus davonprescht. Die E-Gitarre lässt sich aber nicht lumpen und legt gleich drei unterschiedliche Soli hintereinander hin, bis auch die Stimme wiederkehrt und eine weitere Strophe schmettert. Guter Metal ist ja bekanntlich Programmmusik – mein Eindruck beim Hören: Da reitet wohl jemand auf fliegend wechselnden Pferden, um ja noch rechtzeitig einen Mann Gottes herbei zu schaffen… (Das kommt alles sehr metal-typisch rüber, jedoch ohne dabei ins Klischee zu verfallen. Man beachte aber das lustige Wortspiel im Titel – den Jungs war wohl klar, dass sie hier auf schmalem Grad wandern…) Yeah – das könnte ewig so weitergehen, doch dumpf aushallende Bassriffs künden bereits nach guten sechs Minuten, das Ende an. [6:14 min.]
CALL FOR THE PRIEST/ RAW DEAL Ist ein expressionistisches Stück, das Zerrissenheit und seelischen Schmerz ausdrückt. Das nachfolgende Stück wird "Here Come The Tears" heißen, doch in Wirklichkeit künden sich diese jetzt schon an. Sie kommen in Form psychodelischer, schriller E-Gitarren-Wellen, die sich aus düsteren Bassläufen und groovendem Bluesrhythmus erheben. Der Gesang wird abgehackt hervorgestoßen oder wetteifert mit den E-Gitarren darum, wer die hohen Töne länger halten kann. Natürlich gibt’s auch ein weinendes E-Gitarrensolo. In einer atmosphärischen Bridge wird die Stimme dann doch noch zum Melodieträger, während Bass und Gitarren sich – vom nun aufbegehrenden Schlagzeug angetrieben – im Untergrund weiter durch den zähen Groove wühlen. Doch diese Brücke endet jäh im Nichts. [7:11 min.] HERE COME THE TEARS Greift dann die verwirrende Stimmung dieses abrupten Endes gekonnt auf, bremst den scheinbaren Todesfall des Hörers und lädt ihn zum Gleitflug ein: Wie ein Nebelschleier, der über einem See aus Tränen liegt, tanzen sanfte E-Gitarrenklänge langsam umeinander, ein dunkler Bass tritt hinzu, und gemeinsam klingen sie jetzt wie ein tief gestimmtes, trauriges Klavier. (Perfektes Zusammenspiel!) Ein ebenfalls trauriger Gesang schwebt darüber. Langsam steigert sich das Lied; die Instrumente schwillen an. Schließlich heben Stimme und Gitarre gemeinsam in einen jaulenden Steigflug ab, während sich der Bass im Keller langsam selbst verzehrt. Dieser Blindflug durch die Nacht kann nur in depressives Selbstmitleid führen. Genau das tut er auch, und zwar auf höchstem Niveau. [3:36 min.]
DISSIDENT AGGRESSOR Ist schließlich das erlösende Gewitter, das inmitten dieser grauen Wolkenschicht losbricht: Schrille E-Gitarren wirbeln umher, der Schlagzeugdonner rollt. Die Stimme ruft und kiekst, marschiert und schreit ihren Schlachtruf: “Stand! Punch!” Bratzender Bass und riffende Gitarren läuten ein würdiges Finale ein, das sich zu einer letzten Steigerung erhebt, bevor der Song in sich zusammenfällt wie ein gekonnt gesprengtes Haus. FAZIT: ♪♪♪♪♪
Wer hätte gedacht, dass Metal schon in seinen Anfangstagen so subtil sein konnte? Sollte man sich kaufen. Am Besten auf Vinyl.
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14.11.2004 03:59
Der Bericht ist schön - wie fast immer. Aber die Musik gefällt mir glaube ich nicht so....ist mir zu viel E-Gitarre. Obwohl ich da bestimmt auch ein Lied finden würde, was mich vielleicht doch auf irgendeine Weise berührt. Aber ich müsste suchen....denke ich und ein schönes Lied kommt doch von alleine auf mich zu - irgendwie. Na ja, vielleicht auch irgendwann auch eins von Judas Priest. Liebe Grüße
02.04.2002 16:03
Sehr schöner Bericht! Höre auch gern Judas Priest...aber nur die alten Alben... :-) Gruß Andrea
06.03.2002 18:08
... ich sag' ja ... der Herr Söllner kriegt Konkurrenz ...