Sing The Sorrow - allen Sorgen zum Trotz
05.01.2004
Pro:
perfekte Mischung
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 robii
Über sich:
ICH BIN ORANGE --> DANKE AN ALLE !! -- aktueller Lesestoff --> Ildefonso Falcones - Die Kathed...
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Das Jahr 2003 ist endlich Geschichte, wir schreiben 2004. Der musikalische Output des letzten Jahres ist in meinen Augen eher als Durchschnitt zu betrachten, jedoch gab es löbliche Ausnahmen. Zu diesen gehört mit Sicherheit das jüngste Werk von AFI - "Sing the sorrow". Wie schon in meinem Profil zu lesen ist, schafft es diese Scheibe kaum aus meinem CD-Player. Aber genug der Vorschusslorbeeren, schauen wir uns das Ganze doch mal genauer an. Zur Band -------- AFI schaffte es erst im letzten Jahr richtig aus dem Dunstkreis zu steigen und mein Ohr zu erfreuen. Dabei sind die Jungs seit fast einem Jahrzehnt im Geschäft. Los ging es in Ukiah (Kalifornien) als waschechte Highschoolband, damals noch unter dem Namen "A Fire Inside". Nach etlichen Gigs und mehreren Runden im Besetzungskarussell erregten sie 1995 das Interesse von Dexter Holland (alle die ihn nicht kennen, Sänger von Offspring). Bei dessen Label NITRO erschien dann auch das Debütalbum "Answer That And Stay Fashionable". Ein wilder Mix von Punk, Hardcore und damals schon Gothik zeichnete die Band aus. Leider konnten sie mit dem Werk nur Fans überzeugen, soll heißen die große Kritikerbeachtung gab es nicht. Man schwamm im großen Strom der talentierten Bands ohne wirklich aufzufallen. Über die Jahre erschienen so vier weitere Alben mit mehr oder weniger Erfolg. Was jedoch deutlich wurde, war die Entwicklung der Band. Die Musik wurde vielseitiger und reifer, man lies die Garage hinter sich. Die Songs bekamen Struktur und endlich fand man zur eigenen Linie ohne den Wurzeln untreu zu werden. Dies musste auch Dexter Holland einsehen und so bemühte er sich um einen Major-Deal für AFI. Mit der Musik und diesen Empfehlungen im Rücken schafften es AFI schnell bei Dreamworks unter Vertrag zu kommen. Der Weg für den Durchbruch war somit geebnet.
Zur Musik --------- Der Vorteil des Major-Deals ist offensichtlich. Nicht das die Band zur rechten Zeit reif für die große Bühne ist, nein auch das Produzentenduo hat Anteil am Werk "Sing the Sorrow". Da ist einerseits Jerry Finn, der sich mit Bands wie Sparta, Green Day und Alkaline Trio einen Namen machte und andererseits die Produzentenlegende Butch Vig, man muss wohl kaum mehr Nirvana, Smashing Pumpins und Garbage erwähnen. Von ihm stammt auch das Zitat "AFI haben mich schlicht umgeblasen! Eine solche Energie habe ich seit Nirvana nicht mehr gespürt". Mehr brauch man als Vorschusslob wohl nicht zu sagen! Also los Lied 1: Mit "Love your hate, your faith lost, you are now one of us" beschwört uns im Intro "Miseria Cantare - The Beginning" die Band. Langsam, heroisch, permanent steigernd klingen die ersten Töne aus den Boxen. Das Schlagzeug hämmert ein der Chor schreit wie auf einem Galerenschiff bis endlich Davey Havok's eigentümliche Stimme standalone einsetzt. Fast schon Heroenmetal (den ich doch so hasse) trotzdem hat das Ganze etwas Beschwörendes, was Lust auf mehr macht. Das wird uns dann auch eindrucksvoll mit "The Leaving Song Pt. 2" geliefert. Nochmals eine fast säuselde Einleitung bis zart die Gitarre einsetzt. Geschickt setzt der Gesang ein, dieser steigert sich bis hin zur Wut. Sehr emotional und zugleich zurückhaltend finster. Die Gothik-Einflüsse lassen grüssen. Mittlerweile ist diese Song zurecht als zweite Single ausgekoppelt worden. Mit "Bleed Black" ebbt das Tempo kurzzeitig ab, jedoch steigert sich der Song zunehmend. Die Gitarren sind perfekt arrangiert, die Chor-Abschnitte laden zum Mitgröhlen ein, der Bass treibt unaufhaltsam... die Fans werden es mögen! Und wer sich mehr Zeit nimmt und genau zuhört, kann einen wunderschönen Text entdecken. Die dritte Auskopplung nennt sich "Silver and Colt". Ein langsamerer Song mit sehr traurigem Text. Dadurch wirkt er sehr intensiv. Die einfache Instrumentierung mit einzelnen Gitarren nur an wichtigen Stellen unterstützt von Bass und Schlagzeug verstärken den Eindruck noch. Davey's Stimme wirkt hier noch markanter als üblich. Der song schafft es sich bis zum Schluß stetig zu steigern. Mit "Dancing Through Sunday" geht's dann endlich wieder heftiger zur Sache. Hier klingen Hardcore-Elemente wie Metal-Einflüsse deutlich durch. Die Gitarre setzt Akzente und brilliert mit einem Solo wie selten in diesem Genre zu hören (Van Halen lässt grüssen ;-) ). Für meinen Geschmack falsch gewählt war die erste Single "Girl's Nort Grey". Der Song ist unbestritten gut, jedoch vermittelt er den Eindruck, die Scheibe macht nette Singalong-Mucke. Die Vorzüge der Platte klingen hier zwar an, jedoch zu schwach. Vielleicht wollte man ja das tanzbarste Stück präsentieren, das wäre dann gelungen. Die Songzeilen motivieren zum Mitsingen und Mitwippen, sicherlich ein Ohrwurm, für mich jedoch nicht der Aushänger der Platte. "Death of Seasons" ist da schon mehr mein Geschmack. Hardcore pur klingt an und wandelt sich zum melodischen Emo-Punk der Neuzeit. Das alles in einer berauschenden Geschwindigleit durchsetzt mit Elektro-Krachern, die man hier nicht vermuten würde. Volle Pulle voraus .. sehr guter Song !! Sacht verabschiedet er sich mit Geigen und Echohall um dem nächsten Song "The Great Disappointment" Platz zu schaffen. Hier platzieren AFI wieder ein sich steigerndes Intro, wie schon oft von ihnen gehört. Langsam setzt das Schlagzeug ein um dann säuselnd von der Gitarre unterstutzt zu werden. Irgendwo im Hintergrund blubbert der Bass und schon setzt der Gesang ein. Die Stimme schafft Einzigartigkeit und so ist dieser Song unverwechselbar. Die Traurigkeit wird vom Sänger perfekt in Reime gebracht, schon fast anklagend schmettert er die Zeilen ins Mikro. Der Bass unterstützt die düstere Grundstimmung und lässt den Song ausklingen. Die Papierflugzeuge "Paper Airplanes(makeshift wings)" folgen im Anschluss. Endlich hören wir wieder einen lustigen Song. Hier sind die Punkvorbilder noch präsent. Man merkt das die Band in ihren Anfängen Richtung Lagwagon oder NoFX tendierte. Hier also der Song für Altfans und Liebhaben der Mitgröhl-Chor-Passagen. Den Augenmerk auf das Schlagzeug richtet man bei "The Celluloid Dream", dies ist hier excellent. Abgerundet von einer sauberen Bassline und unterstützenden Gitarrenparts liegt somit eine wundervoller Song vor, die perfekte Ergänzung zum Vorgängerlied. Überhaupt ist man der Meinung die Scheibe wird mit zunehmender Spieldauer immer besser. Das liegt sicherlich daran, dass man der Stimme von Havok immer mehr abgewinnen kann, aber auch zunehmend an der Qualität der Lieder. Umgedrehte Reihenfolge beim nächsten Song. Den Teil 2 dieses Stücks hatten wir schon zu Beginn der Platte, kommt nun "The Leaving Song". Nach meiner Theorie der Güte der Songs ist der Song hier am Ende auch richtig. Minimal instrumentiert kommt die Klasse besser zur Geltung. Einzelne Gitarren und glasklarer Gesang bestimmen diesen sehr traurigen Song. Fast hat man das Gefühl im Akustik-Konzert zu sitzen, so ist auch die Gänsehaut zu erklären, die man beim Hören bekommt. Den großen Abschluß macht "... but home is nowhere". Dieses Stück erstreckt sich über eine Viertelstunde und teilt sich in mehrere Abschnitte. Zuerst hören wir einen sehr enegiegeladenen Song der fast schon als Glanzstück der Scheibe bezeichnet werden kann. Gitarre, Schlagzeug und Bass glänzen in ihren Rollen noch einmal besonders. Es scheint als ob jeder noch versteckte Reserven hatte. Darauf folgt ein Stück Lyrik, welches durchaus hörenswert ist. Also gut zuhören !! Und last but not least der schon so oft praktiziert, der Hidden Track. Im Stil der ganzen Scheibe fügt sich der Song an. Langsamer Beat mit markantem Gesang bis ein letztes Mal der Chor erklingt. Wunderschön zum Abschluss der CD. Fazit ----- Der sechste Platte von AFI ist mit Abstand die beste Veröffentlichung der Band. Der Wechsel ins Major-Lager, oft verpönt, hat hier gute Früchte getragen. Zu den gereiften musikalischen und texterischen (komisches Wort) Kenntnissen der Band kam ein brillantes Produzentenduo, was auch die letzten Reserven der Band mobilisieren konnte. Der Mix aus Punk, Metal und Gothik ist gewagt aber von AFI perfekt umgesetzt worden. Die CD gehört bei mir definitiv zu den besten Platten der Jahres 2003. Vergleiche mit Helden wie Boysetsfire, Snapcase oder den verblichenen As Friends Rust brauchen nicht mehr gescheut werden!
Sonstiges --------- Von mir des öfteren vernachlässigt, ist es hier zwingend nötig einiges zum Cover zu sagen. Das Design ist mehr als ansprechend. Künstlerisch durchgereift ist auch hier die Abkehr vom Comic-Zeitalter der alten Scheiben zu erkennen. Man ist gereift und das kann man nicht nur hören sondern auch sehen. Ein unbedingtes Muss in diesem Zusammenhang ist auch die bandeigene Homepage !! Fakten ------ Band: AFI Titel: Sing the sorrow Label: Dreamworks VÖ: 24. 03. 2003 Internet: http://www.afireinside.net
Tracklist --------- 01. Miseria Cantare - The Beginning 02. The Leaving Song Pt. Ii 03. Bleed Black 04. Silver And Gold 05. Dancing Through Sunday 06. Girl´s Not Grey 07. Death Of Seasons 08. The Great Disappointnent 09. Paper Airplanes (makeshift Wings) 10. This Celluloid Dream 11. The Leaving Song 12. ...but Home Is Nowhere Diskographie ------------ 2003 - Sing The Sorrow 2000 - The Art Of Drowning 1999 - Black Sails In The Sunset 1997 - Shut Your Mouth And Open Your Eyes 1996 - Very Proud Of Ya 1995 - Answer That And Stay Fashionable
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16.01.2004 11:20
Ich hab auch schon einige Lieder von AFI auf meinem Rechner - gefällt mir auch recht gut, von dieser CD kenne ich allerdings nicht so viel! lg steve
12.01.2004 14:33
hm, ich hab in london mal ´ne afi-scheibe auf ´nem wühltisch liegen sehen und nicht mitgenommen. ein jammer. aber ich hatte schon 11 CDs in der hand und mein budget somit gesprengt... gruß, hlmr
06.01.2004 15:49
Hallo! Ein wirklich guter und informativer Bericht...! Liebe Grüße, Lars :o)