Ella & Cole: so gut wie zwei Sechser im Lotto
16.09.2004
Pro:
1 . ) Ella Fitzgerald 2 . ) Cole Porter
Kontra:
- nichts -
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 Gemeinwesen
Über sich:
"Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück" (Gottfried Benn) ciao-Merksatz 2006: "...
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”Yi wang si-i wa ye kan dao Xin li bian yao la jing bao jin tian zhi Dao – anything goes.”
(zitiert nach: James Kahn “Indiana Jones and the Temple of Doom”)
Im Titel der CD, um die es hier geht, stecken wohl gleich drei Themen (oder doch zumindest “Aufhänger“) auf einmal: Ella Fitzgerald – Cole Porter – und die vom verdienstvollen Label „Verve“ veröffentlichten “Songbooks” (denn deren gibt es eine ganze Reihe) von Ella Fitzgerald. Über alle drei könnte man eine ganze Menge schreiben – aber sie blieben eben doch alle drei nur Aufhänger. Die Alternative? „Let the music do the talking“, haben die Hardrocker von Aerosmith in einem Stück gleichen Namens mal empfohlen – und das scheint mir auch für diese meine Rezension nicht der schlechteste Ratschlag zu sein. Moment – müssten, wenn die Musik für sich selbst sprechen soll, nicht eigentlich Hörproben her? Strenggenommen natürlich schon. Zum Glück aber ist Cole Porter einer der Komponisten, deren Stücke man kennt. Dazu muss man nicht einmal die Musicals kennen, für die Porter sie ursprünglich geschrieben hat. Cole Porters Kompositionen kennt (oder erkennt) man mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie etwa „O Fortuna“ aus Carl Orffs „Carmina Burana“ oder jedes andere Stück, das seinen Platz im kollektiven Pop-Gedächtnis gefunden hat – jenseits aller Chart-Kurzlebigkeit, aller Tagesaktualität und allen Hypes.
Dafür, dass dem so ist, sorgt schon allein die Werbeindustrie, die Cole Porters Songs mit schöner Regelmäßigkeit wieder für sich entdeckt – was wohl unter anderem daran liegt, dass allein Titel wie “I get a kick out of you“ und “It’s de-lovely“ schon allzu verheißungsvoll sind, als dass man der Versuchung widerstehen könnte, sie aufs eigene Produkt zu münzen. “It’s delightful, it’s delicious, it’s de-lovely“ – das klingt nicht nur nach Slogan, sondern, mehr als das, nach einem von diesen Slogans, die Eingang in die Alltagssprache finden und es sich dort, als feste Redewendung, dauerhaft bequem machen. Hätte, wie vor Jahr und Tag geschehen, der Kaffeeröster „Jacobs“ seine neueste entkoffeinierte Rund-um-die-Uhr-Mischung wohl besser taufen können als auf „Night and Day“? „Night and day – you are the one“: das sitzt, wackelt und hat Luft – und in der Folge wurden natürlich auch CDs von Ella Fitzgerald, mit deren Fassung man den Spot unterlegt hatte, noch etwas häufiger nachgefragt: Haben Sie das Lied aus der Kaffeewerbung … ?
Nicht nur Kaffeeröster und Kfz-Hersteller (in diesen Tagen ist gerade mal wieder ein Kleinwagen „de-lovely“) haben sich mit ihren kurzen Spots um die Verbreitung von Porters Liedgut verdient gemacht, sondern auch Regisseure abendfüllender Filme bedienen sich oft und gern aus dem Porter’schen Oeuvre. Guy Hamiltons Verfilmung von Agatha Christies „Das Böse unter der Sonne“ (1981) etwa lebt ebenso von Cole Porters Songs (der Soundtrack besteht aus nichts anderem als Arrangements von Porters Werken) wie Peter Bogdanovichs überdrehte Screwball-Komödie „Is was, Doc?“. Wer weder den einen noch den anderen gesehen hat, der kennt vielleicht wenigstens „Indiana Jones und der Tempel des Todes“, in dessen erster Szene man erleben kann, wie sich „Anything Goes“ auf Kantonesisch anhört (eine sehr umfassende Liste mit Filmen, in denen Musik von Cole Porter verwendet wird, finden Interessierte übrigens unter http://www.coleporter.org/movies.html). Und wo wir schon gerade beim Thema sind: Am 7. Oktober läuft in deutschen Kinos Irwin Winklers „De-Lovely“ an, der sich mit Cole Porters Leben und, natürlich, auch seinem Werk befasst – den Soundtrack, auf dem Robbie Williams “It’s de-lovely“ singen, Alanis Morissette sich an “Let’s do it (let’s fall in love)“ versuchen und noch einige andere mehr oder minder bekannte Sangeskollegen und –kolleginnen an Porters Songs abarbeiten dürfen, gibt’s schon jetzt zu kaufen.
Nichts gegen Frau Morissette, Sheryl Crow und Co. – aber die Fußstapfen, in die sie treten, sind nun wirklich verdammt groß, und Ella Fitzgerald und Frank Sinatra sind nur zwei der ganz Großen, die schon „I’ve got you under my skin“ gesungen haben, als ein großer Teil der auf „De-Lovely“ vertretenen Künstler noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum gelaufen ist: Sie werden sich, wohl oder übel, den Vergleich mit Ella Fitzgeralds Cole Porter-Songbook gefallen lassen müssen (oder doch wenigstens den mit dem Album „Red Hot + Blue: A Tribute to Cole Porter“, auf dem sich einige denkwürdige, aber auch einige eher fragwürdige Neuinterpretationen altbekannter Porter-Songs finden). Summa summarum sind beim Label „Verve Music“ acht “Songbook“-Alben von Ella Fitzgerald erschienen, die inzwischen alle auch auf CD erhältlich sind (sowohl einzeln als auch komplett in einem 16 CDs umfassenden „Box Set“; zwei weitere CDs bieten Auszüge aus den „Song Books“):
T h e S o n g B o o k s : 1956 “Sings The Rodgers & Hart Song Book” / 2 CDs 1956 “Sings The Duke Ellington Song Book” / 3 CDs 1956 “Sings The Cole Porter Song Book” / 2 CDs 1958 “Sings The Irving Berlin Song Book” / 2 CDs 1959 “Sings The George & Ira Gershwin Song Book” / 3 CDs 1960 “Sings The Harold Arlen Song Book” / 2 CDs 1963 “Sings The Jerome Kern Song Book” / 1 CD 1964 “Sings The Johnny Mercer Song Book” / 1 CD
1993 “The Complete Song Books (Box Set)” / 16 CDs 1993 “The Best Of The Songbooks” / 1 CD 1994 “The Best Of The Songbooks: Ballads” / 1 CD
Von allen Song Books, die bislang den Weg in mein trautes Heim und den CD-Spieler darin gefunden haben, ist mir das “Cole Porter Song Book“ vielleicht das liebste – ich sage bewusst „vielleicht“, denn unter den Aufnahmen von Ella Fitzgerald einen Favoriten zu benennen, ist keine einfache Sache: Gut sind sie alle, aber das mit den Songs von Cole Porter landet wohl noch ein bisschen häufiger in meinem Player als die dichtauf folgenden Song Books „Rodgers and Hart“ und „Irving Berlin“ (Harold Arlen, Johnny Mercer und die Gershwins dürfen sich um den Folgeplatz streiten; Duke Ellington und Jerome Kern fehlen noch in meiner Sammlung). Wenn das “Cole Porter Song Book“ in meiner persönlichen Wertung den anderen der genannten Alben um eine Nasenlänge voraus ist, dann liegt das vielleicht daran, dass ich Cole Porter noch ein klitzekleines bisschen mehr schätze als seine Kollegen – und dass dem so ist, ist wahrscheinlich zu gleichen Teilen der Musik wie den Texten der Songs von Cole Porter geschuldet, denn beides, Text wie Musik, finde ich wirklich meisterlich. Da finden sich zum Beispiel solche wunderbar stabreimenden und schlechterdings nicht angemessen ins Deutsche zu übertragenden Zeilen wie die folgende:
“Lithuanians and Letts do it, Let's do it, let's fall in love.”
Wirklich witzige Wortspiele finden sich zwar nicht nur in den Musicals der 20er und 30er Jahre, deren Songs aus der Feder von Cole Porter stammen. Trotzdem habe ich immer wieder den Eindruck gewonnen, dass Cole Porter ein ganz besonders gutes Händchen gehabt hat, wenn’s darum ging, Texte und Melodien miteinander zu verweben: Cole Porter hat, scheint mir, ein außergewöhnlich gutes Ohr dafür gehabt, was melodisch klingt – und zwar sowohl in Bezug auf die Musik als auch auf den Text. Eines meiner liebsten Beispiele (und gleichzeitig einer meiner Lieblingssongs aus der Feder von Cole Porter) für Porters musikalischen Umgang mit der Sprache ist sein musikalischer Stoßseufzer „Anything Goes“, der heute nicht minder aktuell ist als in seinem Entstehungsjahr 1934: Wenn „alles erlaubt“ ist, dann, so muss man das Stück wohl verstehen, wird’s wohl das Beste sein, wenn man sich selbst verordnet, offen für alles zu sein. Eigentlich stehen wir ja, ganz Snob und Dandy, über allen Dingen – aber wenn’s denn sein soll, lassen wir uns, widerstrebend und selbstredend ganz gegen unsere bessere Natur, auch ’runterziehen: soviel Lust kann in der Herablassung liegen.
“Good authors too who once knew better words, Now only use four letter words Writing prose, Anything goes.
The world has gone mad today And good's bad today, And black's white today, And day's night today, When most guys today That women prize today Are just silly gigolos And though I'm not a great romancer I know that I'm bound to answer When you propose, Anything goes“ ::::::::::::::::::::::::::: R e s ü m e e : :::::::::::::::::::::::::::
M.E. gibt es mindestens zwei gute Gründe, sich die Doppel-CD "Ella Fitzgerald Sings The Cole Porter Song Book" zuzulegen: 1.) Die Stimme von Ms. Ella Fitzgerald 2.) Die Songs von Cole Porter
Dass die fragliche Doppel-CD zu den CDs gehört, die das Label Vèrve als schmucke, mit ausführlichen "Liner Notes" ausgestattete Digipacks herausgibt, macht den Kauf umso erfreulicher. :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: D i e _ S t ü c k e / m e i n e _ A n s p i e l t i p p s : :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
:::::::::::: Disc 1: :::::::::::: … 1. All Through The Night [>] 2. Anything Goes … 3. Miss Otis Regrets [>] 4. Too Darn Hot … 5. In The Still Of The Night … 6. I Get A Kick Out Of You … 7. Do I Love You? … 8. I'm Always True To You In My Fashion … 9. Let's Do It ( Let's Fall In Love ) … 10. Just One Of Those Things … 11. Ev'ry Time We Say Goodbye … 12. All Of You … 13. Begin The Beguine … 14. Get Out Of Town … 15. I Am In Love … 16. From This Moment On
:::::::::::: Disc 2: ::::::::::::
… 1. I Love Paris … 2. You Do Something To Me … 3. Ridin' High … 4. Easy To Love … 5. It's All Right With Me … 6. Why Can't You Believe? … 7. What Is This Thing Called Love? [>] 8. You're The Top … 9. Love For Sale [>] 10. It's De-Lovely [>] 11. Night and Day … 12. Ace In The Hole … 13. So In Love [>] 14. I've Got You Under My Skin … 15. I Concentrate On You … 16. Don't Fence Me In [>] 17. You're The Top [Alternate Take] … 18. I Concentrate On You [Alternate Take] … 19. Let's Do It (Let's Fall In Love) [Alternate Take]
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17.09.2004 19:10
darauf freut sich die dame über dir aber auch schon!
17.09.2004 15:15
na, da kann die dame unter mir ja bald was erleben....ein sicherlich aussergewöhnliches album, das man nicht im vorbeighen hören sollte? und ein wertvoller tipp.....
16.09.2004 23:04
für soviel herzblut kann es nur die höchstwertung geben. und für mich bitte einmal das songbook in den player, die liebste in den arm gezaubert und wegträumen....