Erfahrungsbericht über

Small Change - Tom Waits

Gesamtbewertung (2): Gesamtbewertung Small Change - Tom Waits

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A Neighborhood Called Desire

5  15.01.2006 (26.01.2007)

Pro:
''Gives you an erection that wins the election…''

Kontra:
''…it ain't nothin but an invitation to the blues .  ''

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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logan

Über sich: You can't help my life. But you can hide the knives.

Mitglied seit:21.02.2000

Erfahrungsberichte:817

Vertrauende:115

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 81 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet




Es war 1976, als der alte Tom wieder in die Stadt kam.
Wie immer kam er allein, und doch nicht allein, denn er hatte auch dieses Mal wieder einen ganzen Sack voll Geschichten dabei, und das waren nicht irgendwelche abgegriffenen Abenteuergeschichten, wie man sie zuhauf aus den Groschenheftchen kannte, und das waren auch keine Geschichten fürs Kino, sondern welche, die ausschließlich für dieses seltsame Ein-Mann-Theater bestimmt waren, das der alte Tom ganz alleine für sich aufzog. Geschichten, wie man sie sich sonst allenfalls in den Gassen und Hinterhöfen und in heruntergekommenen Spelunken erzählte, vielleicht auch noch an den Haltestellen beim Warten auf den nächsten Bus, oder bei Joe, dem Fleischer, hinter vorgehaltener Hand. Doch wenn Old Tom die Straße runterspazierte, dann wussten alle, wo sie ihren Abend verbringen würden, und dass er einmal mehr die alten Stadtteilkneipen besuchen und für diese eine Nacht in ein Gossentheater umfunktionieren würde. Eine Woche lang zog er so von Kneipe zu Kneipe, für ein Bad, für Bier vom Fass, für Schnapps oder auch nur ein Bett. Das diesjährige Programm hieß ''Small Change''.

''Small Change'', das war Toms Chiffre für all das Geplänkel, in dem sich die Hoffnungen und Wünsche, das vermeintlich Glorreiche und das Triviale, die Träumer, die Versager und die Kleinganoven allesamt auflösten, im Tiegel des Alltags zusammenschmolzen und sich das Verdampfen ihrer eigenen Möglichkeiten gegenseitig mit gleicher Münze heimzahlten. Small Change: Das war zunächst natürlich mal das Kleingeld, das vorne und hinten nicht reichte; das war das Wechselgeld, um das du bei Joe betrogen wurdest, wenn du nicht ganz genau aufpasstest; das war aber auch die kleine Veränderung, die du dir trotz allem noch erhofftest; das war der klägliche Rest Gottvertrauen, außer dem manchem nichts mehr geblieben war, den jeder für sich eng beisammenhielt, wegen man sich misstrauisch beäugte, und den man dem anderen missgönnte, denn er könnte einem selbst ja worden gestohlen sein. Small Change, das war schließlich auch der Spitzname eines stadtbekannten Kleinganoven, der große Stücke auf sich und seine Zukunft hielt, und der es doch nie zu etwas bringen würde.

''TONIGHT ONLY: TOM WAITS - SMALL CHANGE'' stand 1976 - so als wüsste nicht ohnehin schon jeder davon - in großen, schiefen Lettern mit dreckiger, speckiger Kreide auf der alten, abgestoßenen Tafel vor Sams alter Bug Eyes Taverne geschrieben. Und ''Small Change'' heißt auch sein Album, voll mit Jazz und Blues und Barmusik und knödeligen Songs, die eigentlich doch nur vertonte Geschichten sind, oder verbale Fotografien von Szenen, untermalt von einer melanchtraumatischen Geräuschkulisse, versunken im trunkenen Staub des Vergessenwollens: Ein paar bittersüße Streicher untermalen den traurigen Klang des Pianos, darüber haucht, wispert, raspelt und seiert Tom seine Stimmungsgedichte in den Raum voller Rauchschwaden, in einer ausgewogenen Mischung des Stils seiner frühen Alben ''Nighthawks at the Diner'', ''Closing Time'' und ''Looking for the Heart of Saturday Night'', im Hintergrund heult ein ums andere Mal das Saxophon oder verliert sich sanftmütig in gedankenschweren Erinnerungen. Und Tom singt dazu, singt mit dieser edlen Stimme, einer Stimme wie aus Nussbaumholz, eben nur, dass das Holz schon etwas ausgetrocknet ist, mit unzähligen Dellen und Schnitzern übersäht, und man sich daran auch schon mal einen Splitter zieht. Doch wer hinhört, bemerkt die Sehnsucht und die Sanftmut darin, vermischt mit einer Prise Verzweiflung und einem mildernden Hauch Resignation, die sich doch ihre Menschlichkeit bewahrt hat.

An diesem Abend im Jahre 1976 also hatte der alte Tom wieder mal neue Geschichten dabei, Geschichten vom Kaliber eines Tennessee Williams oder eines Charles Bukowsky oder auch von dem eines anderen gar nicht mal so üblen Schriftsteller, zu dem dieser eine Nigger damals noch hätte werden können, wenn dein Opa ihn nicht schon '57 aufgeknüpft hätte. So oder so ähnlich hörte man die Leute wohl reden, an diesem Abend im Jahre 1976, und Old Tom ließ sie reden, denn er wusste genau, dass von denen keine Veränderung zu erwarten war, allenfalls ein bisschen Kleingeld im Hut am Ende des Abends. Er scherte sich nicht um das Getuschel der Leute, er beobachtete nur und hörte beiläufig zu, und was er hier erlauschte und sah, das gab er andernorts wieder, und umgekehrt.

Tom wusste genau, wie der Abend enden würde, wie all die anderen nämlich, und genau so würde er ihn beginnen, mit 'TOM TRAUBERT'S BLUES': ''Wasted and

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Small Change, kleine Umkleide, Eintritt ~ 10 €.
wounded, it ain't what the moon did, I got what I paid for now…''

Die Kneipe füllt sich, drinnen fließt das Bier und draußen senkt sich die Dunkelheit. ''Now the dogs are barking, and the taxi cabs parking, a lot they can do for me'' singt Tom sarkastischerweise, und singt von Liebeskranken, die ihren Schutzheiligen verloren haben, ''…I begged you to stab me, you tore my shirt open, and I'm down on my knees tonight…'', singt von der Einsamkeit, und singt vom Schmerz, ''…and it's a battered old suitcase to a hotel someplace and a wound that will never heal''.

Und er singt von Marktschreiern, 'STEP RIGHT UP'!, singt zum gezupften Brummbass, singt von Kleinteilen, ''one size fits all'', singt zum Rhythmus der vorbeihetzenden Menschen und dem Stimmengewusel der Menge, das in der Melodie des Saxofons aufgeht, singt vom Ausverkauf der Hoffnung und von neuen einmaligen Gelegenheiten, ''going out, going out, going out of business'', singt, ruft, groovet, scattet, bewirbt, ''step right up, it's only a dollar'', steigert sich rein, macht Verheißungen, ''change your life, change your life'',
extatisch im flow des making a living, während die Meute in Sam's Bug Eyes Tavern langsam extatisch wird im flow des draft beer und Kneipengeschnatters, ''step right up'', keine Berührungsangst zu Old Tom, but everybody's gotta make a living, so: >>For the lyrics to 'Step Right Up' send by prepaid mail a photo of yourself, two dead creeping charlies, and a self addressed stamped envelope to: the Tropicana Motor Hotel, Hollywood, California, c/o Young Tom Waits.<< Das wird zumindest einmal im Booklet des Albums stehen…

…doch Tom singt weiter, als ein nostalgischer Betrunkener, der ihn wohl irgendwann mal irgendwo angelabert und von seinen vergangenen Glanzzeiten gefaselt hat, ''once upon a time I was in show biz too…''

Doch lassen wir auch die anderen seiner Figuren am besten selbst zu Wort kommen.

Da ist der 'JITTERBUG BOY': ''Ich hab mit Löwen geschlafen und mit Marilyn Monroe, und wenn de mich fragst, was ich hier mach, ich halt die Straßenlaterne fest, schmeiß die Münze hier hoch, und dann sehn mer mal weiter, bei Kopf geh ich nach Tennessee, und bei Zahl genehmige ich mir noch einen, und auffer Kante halt ich noch'n Schwatz mit dir.''

Da ist der alte Straßenkater, der das letzte Saxophon schon rufen hört, und der sich ('In The Ninth Ward') noch einmal in seine Jugendzeit zurückträumt: 'I WISH I WAS IN NEW ORLEANS'… Wie wir Arm in Arm die Straße runterzogen, 'ne Flasche, meine Kumpels und ich, uns ein paar große Kühle reinzogen, was Billiard spielten und dem Tenorsaxophon lauschten, das mich heimrief… New Orleans, ich komme…

Da kann man schon mal sentimental werden, zu fortgerückter Stunde, dem Pianisten geht's schließlich ganz genauso, aber es muss ja, also was soll's, gute Miene zum bösen Spiel gemacht, und irgendeine Ausrede lässt sich immer finden; zum Beispiel: 'THE PIANO HAS BEEN DRINKING'.

''Das Piano hat getrunken,
meine Krawatte ist schon eingeschlafen,
und die Band ist abgereist, zurück nach New York.
Die Jukebox muss mal pissen,
der Teppich braucht 'ne Rasur,
und das Spotlight sieht aus wie beim Gefängnisausbruch.
Weil… …das Telefon… …hat keine Zigaretten mehr… …aus…
…und der Balkon… …muss noch gemacht werden…
Und das Piano hat getrunken, …das Piano
trinkt noch immer…

Und die Speisekarten frieren schon,
und der Beleuchter ist auf einem Auge blind,
und auf dem anderen sieht er nix.
Und der Klavierstimmer hatt'n Hörgerät
und kam mit seiner Mutter an…
…und das Piano hat getrunken,
das Piano hat getrunken.

…weil der Rausschmeißer iss 'n Sumoringer,
cream puff casper milk toast.
Und der Besitzer iss'n geistiger Zwerg
mit dem IQ eines Zaunpfahls.
Das Piano hat getrunken,
weil das Piano die ganze Zeit trinkt…

…und du die Bedienung nicht mal
mit'm Geigerzähler finden kannst.
Und sie hasst dich und deine Kumpels,
und ohne sie könnt ihr nun mal nicht bedient werden.

Und die Kasse am Eingang sabbert,
und die Barstühle brennen,
und die Zeitungen verarschen euch,
und die Aschenbecher haben sich zur Ruhe gesetzt,
und das Piano ist am Trinken,
das Piano ist betrunken,
das Piano hat getrunken,
nich ich, nich ich, nich ich, ich nich, ich nich…''

Und dann ist da noch die Bedienung vom Laden gegenüber, wo's die zerlassenen Eier gibt, oder auch halbdurch und dann Hals über Kopf, Cagney, die aussieht wie Rita Hayworth, wo du die Augen einfach nicht von lassen kannst, und dann bestellste noch 'n Kaffee, und sie scherzt mit den Gästen, und so nach und nach hast du rausgehört, dass sie von Jersey weg ist, und da mal 'nen Kerl hatte, und danach nur noch die Flasche, oder war er das? Und wie er das so singt, der Tom, zum filigranen Pianospiel, mit dem Funkeln im Auge, da merkste dann, dass er sie wohl gekannt hat, die Bedienung mit dem Blues, und auch wenn er den Bus dann doch genommen hat, dass er immer noch drüber nachdenkt, ob er nich doch den Job anner Tanke hätte annehmen sollen, der hätt' ihm zwar außer dem Blues nicht viel eingebracht, aber er hätte jeden Abend im Diner essen können, für sie bestimmt nur 'ne kleine Veränderung, aber was hätte er schon zu verlieren gehabt? Der Typ im Song hat sie angenommen, wegen eines verrückten Gefühls, die 'INVITATION TO THE BLUES'. Und Tom? Gewissermaßen auch, denn er spielt ihn ja jetzt, abend um Abend, eine kleine Träumerei für ein bisschen Kleingeld…

Statt der großen Liebe gibt es dann 'PASTIES AND A G-STRING (At The Two O'Clock Club)':
Rumpelnd, pumpelnd, ein jazzig polterndes, stockend rhythmisches Stück mit einem abgerissenen Rap dazu; bloß ein paar Eindrücke aus der Strip-Show, wild durcheinander, geschüttelt, nicht gerührt: Gestank wie inner Brauerei, Fischernetzstrümpfe, der Vermieter nimmt sich vor, die Mieten hochzuziehen, damit sie noch mal den Rock hochzieht, und sie ist so gut, dass ein Toter noch kommt, und die Band ist grottig, und die Stücke auch, und sie räkelt sich auf dem Bauch und schüttelt sich wie Wackelpudding, und sie drücken die Zigaretten auf dem Bühnenboden aus, und wie hieß die in der Schlangenhaut? Breiter als ein überbreiter Laster, doch morgen wird er wieder hier sein…

Alles endet, wie es enden musste, with a 'BAD LIVER AND A BROKEN HEART'. Und einem, der seine Geschichte erzählen will, der einen ganzen Fluss ausgetrunken hat, seit sie weg ist: ''Nee, ich hab kein Problem mit dem Trinken, außer wenn ich nichts zu trinken kriege. Ich wünschte, du hättst'se gesehn, wir haben kein alltägliches Paar abgegeben, sie war scharf wie ein Messer und sanft wie ein Gebet… Also gib diesem Dummkopf hier ein bisschen Geist aus, als Trinkopfer mein' ich, das ist hier nämlich eine von diesen Bahnhofbars, und ich hab weder Unterkunft noch Unterhalt… Nee, der Mond ist nicht romantisch, der ist bedrohlich wie die Hölle… Wir seh'n uns dann am Boden dieser Flasche Billig-Scotch… Du kannst dir ruhig dein eigenes Gift aussuchen… Und was ist deine Geschichte? Ach, es ist mir ganz egal, ich hab ja selbst schon ein doppeltes Kreuz zu tragen… Ich kann einfach nicht noch mehr trinken, es löscht den Brand ja eh nich', den die Frauen gelegt haben; das Zeug taugt zu nichts anderem, als uns ruhig schlafen zu lassen, und es bestätigt die Gerüchte, die du gehört hast…''

Und dann sind da noch all die anderen Figuren, die sich eben so durchwurschteln, oder es zumindest versuchen: Die, die sich rechtzeitig absetzen; die, die noch mal mit einem blauen Auge davonkommen; die, denen das Glück durch die Lappen gegangen ist; die, die entkommen konnten - oder auch nur fast; und die, die drüber nachdenken, was ihnen schon so alles entgangen ist. Gemeinsam haben sie nicht viel, außer dass sie alle im gleichen Song auftauchen, der ihnen gewidmet ist: 'THE ONE THAT GOT AWAY'. Langsam groovet er sich ein, mit Zupfbass und Fingerschnippsen; Toms tief grummelnde Stimme mischt sich darunter, dann das heisere Saxofon mit seinem unbestimmbaren Melodieverlauf; mal schummrig, wenn es um den Kleinkünstler geht, der seine Chance bei den Talentsuchern in den Sand gesetzt; ironisch fröhlich untermalt, wenn der zwar versagende, doch nie verzagende Kleinhändler auf das Austüfteln seiner nächsten, dann perfekten, Geschäftsidee schwört; bluesig, wenn es um den Ausbrecher geht, den sie doch noch erwischt haben (''and the shroud tailor measures him for a deep six holiday, the stiff is froze, the case is closed on the one that got away''); und so weiter und so fort, um dann doch wieder, zwischen Blues und Bebop, bei den eigenen Gedanken festhängen zu bleiben: ''Well, I've lost my equilibrium, my car keys and my pride, tattoo parlor's warm, and so I huddle there inside, the grinding of the buzz saw, whatchuwanthathingtosay, just don't misspell her name, buddy, she's the one that got away.''

Und dann spielt sich das Saxophon elegisch durch einige Variationen, die schleierhaft aufsteigen, während der alte Tom murmelnd seine Ballade über das Ableben eines jungen Gauners vorträgt: 'SMALL CHANGE (Got Rained On With His Own .38)'.

''Tja, Kleingeld hat man's mit seiner eigenen Knarre verhagelt,
und niemand hat auch nur mit der Wimper gezuckt, da unten bei den Geschäftshallen,
Und die Markisen haben nicht um ihn geweint,
sie haben sich geschüttelt wie wild.
Und die Taxifahrer waren die einzigen,
für die sich's gelohnt hat,
weil's ihm seine kalten Hosen verdreht hat
und die Sirenen laut und schrill waren.
Und in seiner Faust war ein Fünfdollarschein,
und die Nacktmodelle mit ihrem Grinsekatzengegrinse
und die Schwätzer und die Tagelöhner sprachen: Kumpel,
komm schon rein.
Denn die Träume hat's schon nicht zerbrochen,
die humpeln nur ein bisschen,
jetzt wo's auf Kleingeld aus seiner eigenen Achtunddreißiger geregnet hat
und niemand auch nur gezuckt hat, unten bei den Geschäftshallen.
Und der Einbruchalarm ist abgestellt,
und die Zeitungsburschen fangen schon an heißzulaufen,
und die Bullen reißen Witze
über irgendein Hurenhaus in Seattle,
und die Hydranten berufen sich auf den 5ten Verfassungszusatz,
und die Möbel gibt's zum Mitnehmpreis,
aber bei der Jukebox klebt Blut
auf einem alten Lineoleumboden,
und es ist ein heißer Regen auf der 42ten Straße,
und jetzt haben die Schirme keine Chance mehr,
und der Zeitungsjunge ist ein Verrückter
mit Flecken in der Hose, denn
Kleingeld hat man's mit der eigenen 39er verregnet,
und niemand ging rüber, um ihm die Augen zu schließen,
und da ist ein Wettschein in seiner Tasche,
mit einem Kringel um Blaustiefel in der dritten Runde,
und der Kassierer im Kleiderladen hat kein Wort gesagt,
als die Sirenen die Nacht entzwei rissen und jemand seine Brieftasche verloren hatte.
Tja, das nennt man wohl Angriffsüberwachung,
sofern man's überhauptirgendwie nennt,
aber die Huren kleistern sich immer noch zu
und sehen alle gleich aus,
aber ihr Mundwerk ist schneidend scharf, ganz wie
Rasiermesser, und ihre Augen sind wie Stiletts.
Und ihre Heizung läuft Volldampf,
und ihre Zähne sind ein Steinbruch,
und, nun, sie lässt dich nicht küssen,
aber was zum Teufel hast du auch erwartet?
Und die Zigeuner sind tragische Gestalten, und wenn du da
Parfüm kaufen willst… Na!
Dann bellen sie dich nieder wie Schausteller…
Verkaufen dir im Juni Weihnachtskarten.
Aber Kleingeld hat's mit der eigenen 38er erwischt,
und sein Grabstein
ist ein Kaugummiautomat.
Kein Kaugummi mehr für ihn,
keine Baseballkarten oder
Obermäntel, oder Träume. Und
irgendwer spritzt den Bürgersteig ab,
und der ist noch keine Zwanzig.
Auf Kleingeld hat's wer aus seiner eigenen 38er regnen lassen,
und 'ne Faust voll Dollars wird nix dran ändern,
und irgendwer hat sich seine Uhrenkette unter den Nagel gerissen,
und irgendwer bekam seinen Ring ab,
und der Zeitungsjunge hat sich sein Stetson Modell gekrallt.
Und die tuberkulösen alten Männer
bei Nelson an der Ecke pfeifen und husten,
und irgendjemand wird sich nach Süden abmachen,
bis sich die ganze Sache etwas abgekühlt hat,
denn Kleingeld hat's aus der eigenen 38er beregnet,
jepp, mit der eign'en 38er hat man's Kleingeld verhagelt.''

Und das Ende vom Lied?
Das Ende vom Lied ist, dass Tom sich schon irgendwie durchschlägt, mit 'nem ehrlichen Job, mal hier mal da, mit krummem Buckel. Doch nach all dem Vorangegangenen klingt dieser müde Barblues zum Abschluss fast schon paradiesisch: 'I CAN'T WAIT TO GET OFF WORK (And See My Baby On Montgomery Avenue) '. ''Tom do this, Tom do that, Tom, don't do that, count the cash, clean the oven, dump the trash. Oh your lovin is a rare and a copesetic gift. I'm a moonlight watchmanic, it's hard to be romantic (sweeping up over by the cigarette machine, sweeping up over by the cigarette machine). And I can't wait to get off work and see my baby, she be waiting up with a magazine for me.''

Der letzte Song, die letzten Akkorde. Die letzten Besucher scheinen Tom dafür zu lieben, dass keine Verbitterung aus seiner Musik spricht. Der alte Tom weiß, was ihnen gefällt, weiß genau, was sie hören wollen. Und dennoch wird er wieder der letzte sein, der heute Nacht hier raus kommt. Spielen für Drinks mag sich gut anhören, doch der Mensch braucht auch was zu beißen. Da hilft alles nichts, es gibt nur eins: Gute Miene zum bösen Spiel machen, auch mit zusammengebissenen Zähnen noch lächeln; fast schon wie versonnen, nahezu ganz für sich selbst allein. The joke is on me, customers may have the last laugh, but the punchline is mine…

''Clean the bathrooms, clean um good. Oh, your lovin. I wish you would come down here and sweepameoffmyfeet. This broom'll have to be my baby. If I hurry I just might get off before the dawn's early light.''

So ist es eben, das Leben, als Ein-Mann-Hinterzimmer-Theater.


WEB~LINKS:


Tom Waits Fanseite:

http://n.ethz.ch/student/baumamar/waits/waits.htm


'Invitation To The Blues' live im WDR Rockpalast, 1977:

http://www.youtube.com/watch?v=4-riArU9qXk&NR


Was für's Auge:

http://teresamoore.com/


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
derDosch

derDosch

24.02.2007 15:45

i like.... schon mal down by law gesehen? (tom waits in hauptrolle)

Almstedt

Almstedt

04.03.2006 21:27

Verdammt noch mal... - mir gehen bei Dir die BH aus... ;o)) Vielen Dank für diesen Bericht , ich habe eben gerade beim Lesen einen Cognac gebraucht und werde gleich eine meiner Gitarren stundenlang quälen - aus jedem von uns muss irgendwann mal alles raus, oder? LG, Almstedt

Herzenspiratin

Herzenspiratin

23.02.2006 08:42

Ach ja, der gutealte Tom...seufz... wenn ich noch 1 BH hätte, bekämst Du ihn ; )

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