Erfahrungsbericht über

Solo - Thomas D

Gesamtbewertung (20): Gesamtbewertung Solo - Thomas D

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MASSIVE SOLO

5  12.02.2004 (14.09.2005)

Pro:
abwechslungsreich, ungewöhnlich & verdreht

Kontra:
?

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Cover-Design:

Klangqualität:

Langzeithörspaß:

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logan

Über sich: ROSE KEMP 'Flawless', TORI AMOS 'Raining Blood', LED ZEPPELIN 'Dazed And Confused', MOTÖRHEAD 'Back ...

Mitglied seit:21.02.2000

Erfahrungsberichte:805

Vertrauende:116

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 51 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der Thomas ist schon ein Schlitzohr. Da nennt er seine erste Platte außerhalb der Fanta4 "SOLO", dabei hat er kein einziges Stück wirklich alleine geschrieben. Anders als bei vielen Musikern aus dem Rapbereich üblich, hört man hier jedoch eine Ungebundenheit heraus, die den Titel rechtfertigt.
Er hat sich hörbar auf seine Gäste eingelassen und eben nicht einfach mal ein Tape losgeschickt mit den Worten "hier, mach da mal was zu".
Man hat sich zusammengesetzt und gemeinsam etwas ausgearbeitet, und man merkt den Stücken an, dass die Chemie stimmte. Abwechslungsreicher kann ein Soloalbum kaum ausfallen. Und doch ist es unverkennbar Thomas D.
Leider hat er so ein Knallbonbon nur einmal losgelassen...

Kies. Schritte. "…Direkt über dem Boden fängt der Himmel an…"
~RÜCKENWIND~
Warme Basswelllen strömen über einen Sonnenaufgangsgitarrenloop. Tu locker tickernden Schlagzeugbeats rappt Thomas vom Aufbruch, und klingt dabei schön optimistisch. Gar nicht aufgesetzt, sondern ehrlich. Und so funkt die Gitarre denn auch entspannt fröhlich daher, ein bisschen Fernwehblues, hauptsächlich aber lässt der Meister die Sonne raus. Zum rundlaufenden Roadtrack passt die superschmoove Trompete so gut, dass man sich kaum noch darob wundern kann. Die leicht herbe, melodische Melodieführung in Thomas' Flow lockert seine flockig gerappten Reime ungemein auf, ohne dass gleich Singen daraus würde. Ein ganz eigener Stil: "Ey, der Typ hat 'ne Meise aber Rückenwind..."

~POLE POSITIOM~ Ein dumpf pochender, trockener House-Partybeat bimmelt kühl drauf los. Das "Weichei Thomas D" setzt lächelnde Reime drauf: "Ich bin Rap-Hippie, also fass Dir an dein' Pipi" Etwas wirr ist die Hintergrundbegleitung ja schon: schaukelnde Wippklavierbeats aus der Synthiekiste, besoffen psychedelische Kirchenchorknaben und - abgedrehte Partyatmo. Nur halbironisch, "the new way" eben... Der Refrain tritt Popo, das ganze Teil bounct und swingt, das Boot wird gerockt, kurz vorm Kippen läuft der Käpt'n etwas hellgrün an, hält aber weiter Kurs. Die Stimmung ist besser als in einem Beck's Werbespot. Ich will mit.

Lockerer Light-Funk a la Donald Fagan (Ex-Steely Dan) schuckelt lustig drauf los, dazu rappt Thomas hier sehr dichtgestrickte Zeilen, klingt dabei jedoch völlig unangestrengt. Und zwar über sein
~KILLESBERG BABY~
Melodisch moogt dazu ein formschönes Frauenthema durch den Klangraum und verführt die ungerührten, cool aus dem Ärmel geschüttelten Raps von Thomas, der dann im Refrain stets einige Zentimeter über dem Teppich zu schweben scheint, bevor ehr wieder in seine lässige Raproutine verfällt: Sehr gutes Storytelling zu einem keineswegs überladenen beat, bei dem jedoch zu keinem Zeitpunkt langeweile aufkommt. Zumindest nicht, solange man auf den Text achtet. Im Hintergrund allerdings eher stressig.

~PILZKÖPFE~ ist ein typischer Thomas D HippieMystikTrack mit netten Echos auf der Stimme, unaufdringlich esotherisch dahin perlenden Xylophonklängen und einem tiefenwirksamen MantraBassbeat. Chillout vom Feinsten. Irres Entspannungsgeflüster im Hintergrund, Fabelwesen gibt es also doch, wo hat er diese Heliumwichtel bloß aufgetrieben?

~SOLO~
Eine weite, graublaue, wässrige Synthiefläche, kühle Quecksilbertropfen kurz vor dem Gefrierpunkt, ein erschütternder, markdurchdringender Beat, dunkle Streicher, Ninas schüchtern geflüsterter Thomas' nachdenklich dahingetupfter Sprechgesang ergänzen sich perfekt; Rapballaden sind selten gut, diese hier ist es. Traurig, aber nicht trostlos.

~DER SCHREI DES EGO~
Ein verwaschener, rückwärtsloop lässt die Gitarre bedrohlich dunkel durch den Raum warpen. Krasses Schlagzeuggeklirre und ein verdammt schwerer Bass klonken hart in Deinen Kopf. Mit Megaphonverzerrter Stimme wühlt jemand tief in Deinem Kopf und fördert dort den dunkelsten Selbstmüllsirup zutage, den du jemals vergraben hast. Crossover alter Schule, erinnert stellenweise positiv an Helmet.

~SIE HACKEN AUF MIR RUM~
Die Ärzte treiben mit überdimensionalen gitarrigen Sägesounds bewaffnet einen ziemlich gehetzten Thomas durch einen irrwitzigen Big Lebowski Alptraum. Ziemlich Jahrmarktmäßige Atmosphäre, im Stile einer B-Produktion: Zuckerbrot und Peitsche. Geisterbahn mit Psychokiller. Freakig, aber gut.

~ LO-OSER~
Eine schöne, leicht melancholische Melodie und ein entspannt plätschernder Beat, dazu wieder nachdenkliche Raps. Nicht schlecht, aber irgendwie kaum eingängig. Da das hier aber keine Single, sondern ein Albumtrack ist, noch dazu ein gut platzierter, geht das schon in Ordnung. Hat man das Stück ein paar mal gehört, und lässt sich darauf ein, entpuppt es sich sogar als ziemlich genial. Hinter der hübschen Fassade verbirgt sich eine auswegslose Beziehungskiste, angenehm unaufdringlich umgesetzt. Das Stück ist eine echte Perle. Die Schönheit von Perlen lässt sich nur unzureichend beschreiben. Man muss sie aufnehmen, zwischen den Fingern hin und herrollen und aufmerksam betrachten. Anspieltipp.


Sehr hypnotisch, sowohl was den hohl ploppenden Beat (Marke: And.Y; Typ: Electric.Bongo.Bouncer) als auch was den monotonen Mantraflow der Raps angeht. Mir persönlich etwas zu verschwurbelt, hat aber was. Klingt nach Räucherstäbchen, Patchoulimischung und Flokatiteppich im Hinterzimmer eines besonders ausgefreakten Kleinstadt Head Shops. Dabei aber sehr kühlend. ~ICH HAB DIE WELT GESEHN~ Nee, is klar...

Blubberröhrengeschwurbel mit Didgeridoo eröffnet ein weiteres Mantra:
~LASS LOS~ ist sehr in der Schwebe, sehr organisch, sehr seltsam. Für die meisten wohl nur langweiliger Headfuck, für mich einfach schön. Aber eben auch nur ein Filler, wenn man nicht auf den Text achtet. Eigentlich schon mehr ein Hörspiel: Nasale Spreche, Nachdenken, Percussionregen. Dort dann eine kurze, interessante Steigerung. Auf Dolby Surround muss das wirklich sehr dick klingen. Man glaubt auch beim billigen Ghettoblaster schon fast, man sei im Dschungel. Das Stück nimmt sich viel Zeit und klingt sehr mystisch.

~DIE WELT IST EINS~ kommt richtig gut:
Harte Industrialbeats und abgehackte Bässe tackern ordentlich los, jedoch formen sie kein wüstes Geschredder, sondern klingen schon fast organisch. Ein Schwirren und Surren wie in einem Insektenschwarm umgibt den Hörer. Es bounct und kracht gewaltig. Scharfe Riffe, grelle Synths, und eindringliche Raps prallen auf klaustrophobische, filmreife Melodieflächen a la Das Boot. "Dein Leben kostet Dich das Leben, Alter", hämmert er uns ein. Das würde ich gerne mal im Club hören. Einer der besten Dark Wave / EBM Songs, die ich kenne.

~HERPES~
PARTY-HYMNE! Derber Crossover und volldebiler Text. Heiseres Geschrei, basslastig rollende Stromgitarrenwellen und grollende Felldresche springen wild die fettigen Haare schüttelnd kreuz und quer durch die Pizzareste auf dem Boden. Ich wette Thomas & Phillip [ganz sicher nicht Terence und Phillip?] haben den Song unter Koffeinflash und Schlafentzug nach einem Playstationmarathon geschrieben. Thema des Songs: Ausgedrückte Herpesbläschen als psychoaktive Substanz. Textauszug gefällig? "Ich will 'nen Harem voller Hasen haben, die Lust auf Blasen haben. Nasenhaare könn' 'se haben, doch 'se müssen Blasen haben." Seid gewarnt!

~DAS EINZIGE PRINZIP~ ist eine Collabo mit den notorischen Gutmenschen vom Freundeskreis. Ich hege ja den Verdacht, dass diese Jungs mit ihrer verkrampft sozialkritischen Kiffermasche nach ihren Konzerten heimlich bei McDonalds essen gehen, ihre Computer als Heizung laufen lassen, und sich das penetrant betroffene Image mit dem problembewußten Hundeblick nur zugelegt haben, um schneller Frauen aufzureißen zu können - aber sei's drum... Rappen können sie jedenfalls. Der melancholisch-warme, hippiesk chillige Beat geht auch in Ordnung; und dieses neu eingesungene, eingängige Melodiesample haben sie bestimmt aus irgend einer raren alten Soul LP aus Daddy's Plattenschrank gemopst.

~THOMAS D IS ILL~ featuring Nils Bokelberg
hinterlegt die volle Bassdröhnung mit dreckig-funkigen Scratch- und Rhythmuseffekten und kratzt dann mir übersteuerten Megaphonraps ordentlich drauf rum. Die beiden haben sichtlich Spaß und liefern ganz nebenbei noch einen flink aus der Hüfte gedrehten Schlag in die Fresse von feisten, gefälligen Eunuchen-Crossoveracts mit betont dicker Hose ab.

~FRISÖR~ ist ein gelungener Albumausklang:
Perfekt produzierte, entspannte BigBand MainstreamMucke. Das könnte beinahe auch von Stefan Raab sein, wenn es nicht ganz so gut gemacht wäre. Sehr unterhaltsam. Der jazzige Schlagzeuger hat's wirklich drauf. Die Trompete ist smooth wie Sahnetorte. Ein Lied, das auch Eurer Oma gefallen könnte.

~KILLESBER BABY RMX~ gibt es als Bonustrack:
Ein jazzig-housiger Remix mit Stehbassgroove. Mehr Chill im Blut, weniger HipHop-Realness. Kurzum: Besser als das Original.


TRACKLISTE:

Rückenwind 4:19 - feat. Good Men Gone Bad
Pole Position 4:15 - feat. DJ Friciton, General G und Lemonbabies
Killesberg Baby 5:04 - feat. I.L.O.
Pilzköpfe 2:54 - feat. Prophets Of Rage
Solo 4:06 - feat. Nina Hagen
Ich, Ich, Ich Oder Der Schrei Des Ego 1:58 - feat. Bert Bera
Sie Hacken Auf Mir Rum 3:50 - feat. Die Ärzte
Lo-oser 3:53 - feat. Plattenpapst Jöak und Sarah Quaye
Weltenläufer 5:09 - feat. Zora
Lass Los 6:59 - feat. Ralf Goldkind und Komi Togbonou
Die Welt Ist 1 3:37 - feat. Thumb
Herpes 3:57 - feat. Phillip Jakober
Das Einzige Prinzip 5:29 - feat. Sekou, Donato, Philippe und Indiecan
Thomas D Is Ill 3:57 - feat. Nils Bokelberg
Frisör 3:34 - feat. Udo Schöbel
Killesberg Baby (Milla's Benztown Remix) 3:58 - feat. I.L.O.


INTERVIEW ZUM ALBUM:

http://www.thomasd.net/index2.php?show=td/archiv/interviews/basicmag

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Sushi3

Sushi3

02.10.2005 18:19

Gute Schreibe, nie nur aus einer Perspektive. Regt zum Denken an.

TurtleTill

TurtleTill

20.09.2005 19:13

ist wohl der einzige hip hop, den ich ertragen kann.. :) ansonsten bin ich ja eher der "progger" -lach- feiner bericht (; tiLL

tairrie

tairrie

19.02.2004 15:12

Zitat: Ich hege ja den Verdacht, dass diese Jungs mit ihrer verkrampft sozialkritischen Kiffermasche nach ihren Konzerten heimlich bei McDonalds essen gehen, ihre Computer als Heizung laufen lassen, und sich das penetrant betroffene Image mit dem problembewußten Hundeblick nur zugelegt haben, um schneller Frauen aufzureißen zu können *lol* Wirklich schön ausgedrückt!! :-)

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  1. energydiver
  2. Sushi3
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