Im Universum von Depeche Mode
06.04.2009
Pro:
Wundervolle elektronische Songs
Kontra:
Keine
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 dm242
Über sich:
Mitglied seit:04.02.2009
Erfahrungsberichte:10
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 42 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Dunkel,elektronisch. Schräg. Unendich. Ja, sie sind wieder da. Besser? Vielleicht. Anders? Auf jeden Fall. Wie bei jedem der letzten Depeche Mode Alben . Und trotzdem immer noch unverkennbar.
Nun also "Sounds Of The Universe". Und tatsächlich kann man eine Menge eigenartiger und komischer,knarziger und neuer Sounds auf diesem Werk mit seinen Ohren erhaschen. Wundervolle Duetts von Gahan und Gore noch dazu. Martin Gore kaufte all die alten Synthesizer bei Ebay auf und erzeugte mit diesen und anderen Gerätschaften unter Mithilfe seiner Band - Kumpanen dieses klangvolle Werk. Den Anfang macht "In Chains". Ein kurzes Intro leitet den Song ein, einen etwas längeren aber eher unauffälligen, verhalten instrumentierten Song. Wo beim Vorgänger "Playing the Angel" gleich am Anfang losgebratzt wurde steht hier ein ein schüchternes,langsames Liedchen was einen nicht so wirklich zu beeindrucken vermag. Es dauert einige Durchläufe lang bis der Song seine Geschmeidigkeit offenbart und beim geneigten Hörer im Ohr hängenbleibt. Hier offenbart sich bereits ein Phänomen welches die ganze Platte überan hält. Man hat das Gefühl den Song schon lange zu kennen. Und wenn man dann der Meinung ist zu wissen woher und nach der Erinnerung greifen will, zerfließt alles ins unbekannte Neue. Vielleicht der alte,neue Sound der alten Synthis?
Hat sich das ruhige "In Chains" dann in den Gehörgängen breitgemacht, sich Platz geschaffen und man meint man könne sich ganz entspannt zurücklehnen, wird man sogleich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Das knarzige und vertrackte "Hole To Feed" bohrt sich sogleich unangenehm in die eben noch so wohlig gesalbten Hörmuscheln hinein. Ein Song von Mr. Gahan himself. Etwas Gerumpel und elektronisches Geplucker zu Beginn und schon setzt ein drohend klingender Gesang und eine laute Gitarre ein. Und alles schön ausgeschmückt mit geilen und wiederum scheinbar bekannten Synthsounds. Der Song,vom Tempo auch eher verhalten,ist ein herausragendes, negativ klingendes Stück das sich gleich garnicht die Mühe macht auch nur irgendwie positiv klingen zu wollen. Der unbestritten erste Höhepunkt.
Dann "Wrong". Noch negativer!!! Beschwörender Choral am Anfang.Dann setzt Daves Gesang ein. Gesang? Ein regelrecht schreiender Dave Gahan. Keine einzige Positive Note!!! Krach, mutiert zu einem Pop - Monster. Gewalt, die rausgelassen werden will und doch nicht gelassen wird. Eingesperrt und beängstigend. Ein simpel gestrickter Song ohne einen Höhepunkt, keine Hymne und trotzdem zuckt einem sofort beim hören das Bein, man kann nicht stillsitzen und fühlt diese packende, gewaltige Energie!!! Der bohrende, sirenenartige Gesang Gores"to long" kurz vor dem Ende des Songs tut weh, doch er hört nicht und auf man WILL,KANN auch nicht weghören. Zwischendrin immer der Chor "Wrong"!! Plötzlich ist Schluss.
Ist es dann vorbei,der letzte Chor am Schluss verklungen,man wie aus einem schlechten Traum schweissgebadet erwacht, fragt man sich: "Was , verdammt, was war das?" Man drückt Repeat um das teuflische und süchtig machende Stück Musik zu wiederholen und sich erneut dieser Qual auszusetzen. "Fragile Tension" - die Verschnaufpause nach "Wrong", sie ist notwendig, erholsam und verdammt versöhnlich. Ein fast jammernder Gahan,als täte ihm die vorherige Lärmattacke leid, singt zu einem perfekten eingängigen Popsong der erneut das Gefühl aufleben lässt als wäre dieses Stück ein alter Freund von dem man lange nichts gehört hat.Schöne,vorwärts treibende, elektronische Musik, poppige Klänge eine Gitarre die deutlich sagt "hier bin ich" ohne dabei aufdringlich zu wirken. Kein Hit, aber trotzdem unbeschreiblich schön. Auffällig ist die Harmonie der Stimmen von Dave und Martin. Man kann sich in diese zarte Pop - Perle verlieben und in ihr verlieren.
Dann eine Ballade, "My Little Soul". Kein auffälliger Song, etwas elektronisches Gezutzel und Geplucker mit schönem Gahan/Gore Gesang ohne auch nur einmal wehzutun. Zum Ende hin taucht dann sogar noch kurz eine schräge Gitarre auf und schon ist er vorbei der erste Ruhepunkt der Reise durchs Universum. Es folgt "In Sympathy". Man mag zum düsteren Stück Popmusik tanzen, es zuckt das Tanzbein und man erkennt wiederum die guten alten MOOGs, fühlt sich um Jahre zurückversetzt und hat doch gleichfalls das Gefühl einen Schritt in die Zukunft getan zu haben. Erfrischend junger Gesang von Dave, er klingt wie 25 . Ebenfalls kein Hit, aber trotzdem fantastisch.Wie lange hat man das vermisst?
Und dann, in der Mitte des Albums wird uns "Peace" angeboten.Ich kann nur dringenst empfehlen ihn anzunehmen!! Das Herzstück,der Mittelpunkt des Albums. Langsam vom Tempo, doch voller Hingabe und grossartigem Gesang von Dave und Martin.Trägt jede Menge Gospel in sich. Viele Achtziger Sounds.Wundervoll,eingängiger Song, enfaltet seinen Charme nach mehrmaligem Hören und man kann sich nicht mehr entziehen. Ebenfalls recht einfach gestrickt doch auch hier ist weniger VIEL mehr. Ich liebe ihn. Ein Gahan Song namens "Comeback". Keine Ahnung, sehr elektronisch aber eher unauffällig. Nicht schlecht, verträumt, aber kein Hammer. Dann folgen eigenartige klimprige Melodien, schräg, daneben. Ein Instrumental, "Spacerider". Interessante elektronische Spielereien, man versinkt in Lethargie, fast besteht die Gefahr "einzuschlafen". Wirkt sehr hypnotisch. Doch nur kurz.
Dann folgt das was auf diesem hitlosen Album doch vielleicht ein Hit werden könnte. Der wundervolle, warme Popsong "Perfect", ähnlich bezaubernd und umwerfend wie "Fragile Tension",oder gar noch besser. Man hat solche liebreizenden Perlen viel zu selten in der Vergangenheit von Depeche Mode gehört. Der Schönste Song auf diesem Album. Hervorragender Gesang gepaart mit zuckersüßer Elektronik und einer verspielten Gitarre. Wer diesen Song intensiv hört, fühlt und erlebt, trifft auf die frühen Depeche Mode und fühlt sich um Jahre zurückversetzt, ohne das der Song Retro oder gar nostalgisch klingt. Allein die Wärme des Songs erweckt diese Gefühle.Kein Kracher, doch ein Liebeslied und "perfekt". Es geht schräg weiter. "The Truth Is/Miles Away" von Gahan geschrieben. Irgendwie verstörend. Kaputt.Sehr rockig. Aber ohne das man es merkt zieht dieses im ersten Moment komisch klingende Lied einen in seinen Bann und man drückt Repeat. Gitarrensong, natürlich im Sinne von Depeche Mode. Irgendwie Country, als hätten Depeche Mode Johnny Cash gecovert wie dieser damals "Personal Jesus". Grossartiger Song von Dave.
Gefolgt von Martins erstem und einzigen Soloeinsatz auf der Platte, "Jezebel". Man kann unterschiedlicher Meinung zu der Performance von Martin auf den DM - Alben sein, aber dieser einfache, simple Song überzeugt mit einer dezenten Instrumentierung und einem Gänsehauterzeugendem Gesang von Martin. Zarte Synthietöne betören einen klingen dabei so "einfach".Eine versteckte Gitarre verschafft sich schüchtern Gehör. Wunderschön. Dann das Ende.
"Corrupt". Man will noch garnicht das es aufhört. Es war eine sehr bunte, farbenreiche Reise durch dieses von ihnen geschaffene Universum und Depeche Mode schaffen es mit ihrem letzten Song auf diesem Album noch einmal einen so richtig schönen negativ klingenden Song zu erzeugen und an das Ende zu setzen, das soeben noch blühende und bunte Universum aus elektronischen Plimplims und SummSumms in tiefes Schwarz zu tauchen. Verstörende und zerstörende Gitarren,Krach und seltsame Geräusche hinterlassen am Ende eine gähnende Leere. War alles nur ein Traum? Depeche Mode sind zurück. Endlich!!!
Wenn dieses Album am 17.04.2009 erscheint dann sollte man sich auf diese Reise einlassen, aber nicht in der Erwartung auf Hits oder auf Depeche Mode wie man sie gerne hätte. Dieses Album enthält bis auf vielleicht zwei Ausnahmen keinen Hit, es ist selbst der Hit. Am Stück gehört offenbart es eine Schönheit, Agressivität, Schüchternheit, vielleicht Naivität und Liebe, wie wir es in der Form lange nicht mehr von DM gehört haben. Sie haben die nächste Grenze überschritten. Das sind Depeche Mode!!!! SOUNDS OF THE UNIVERSE
Preisvergleich
sortiert nach Preis
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
|
|
07.04.2009 09:57
Spitzenmäßige Rezension! Ansonsten kann ich DM irgendwie nicht mehr so schrecklich viel abgewinnen, zumindest live nicht [mehr]. Grüße, Eileen
07.04.2009 09:02
Depeche Mode war auch bei mir immer ganz weit mit vorne...
07.04.2009 00:50
Da muss ich unbedingt mla reinhören. DeMo sind klasse. :-)