Ground Connected
12.05.2004
Pro:
Evil In A Closet
Kontra:
Produktion, die restlichen Songs
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 hlemmur
Über sich:
Mitglied seit:06.07.2003
Erfahrungsberichte:151
Vertrauende:28
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 70 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
„Soundtrack To Your Escape“ macht mich völlig ratlos. Vor ca. 8 Jahren war es richtig schick, In Flames toll zu finden. „The Jester Race“ startete (zumindest in kommerzieller Hinsicht) die „New Wave Of Swedish Melodic-Death“ und zog tausende Nachahmer hinter sich her. Das einzig wahre Original waren jedoch die längst aufgelösten At The Gates, die erst jetzt, fast zehn Jahre nach ihrem Meisterwerk „The Slaughter Of Soul“, den Erfolg einfahren, den sie damals verdient hätten.
Ich persönlich war nie großer In Flames-Fan, bzw. generell Fan von dieser Welle, von daher fand ich es toll, dass die beiden Hauptbands der Bewegung, In Flames und Dark Tranquillity, immer versucht haben zu experimentieren. Vor allem Dark Tranquillity mussten viele Fans mit Alben wie „Projector“ oder „Haven“ einbüßen, während In Flames ihre Entwicklung in Alben wie „Colony“ oder „Clayman“ geschickter tarnten. Erst „Reroute To Remain“ stellte sowas wie einen Bruch dar. Ein toller Bruch: Das Album ist phänomenal.
Umso gespannter konnte man auf den Nachfolger „Soundtrack To Your Escape“ sein. Setzen In Flames ihren neuen, modernen Kurs fort oder wird das Album wieder an „Clayman“ anknüpfen, um die alten Fans nicht komplett zu vergraulen? Keines von beidem. Die Scheibe setzt sich höchst ungeschickt zwischen alle Stühle, so dass sie einem ziemlich schwer im Magen liegt. „Soundtrack To Your Escape“ ist insgesamt auf jeden Fall wieder härter als „Reroute To Remain“ – auch wenn Tracks wie „Transparent“ damals sämtliche In Flames´sche Geschwindigkeitsrekorde brach. Doch härter heißt nicht automatisch „Back To The Roots“, wie man meinen könnte. Songs wie der Opener „F(r)iend“ und „Dead Alone“ kloppen zwar ganz schön vor sich hin, doch mit den alten IN Flames hat das trotzdem relativ wenig zu tun. Auch wenn die typisch schwedischen Gitarrenmelodien wieder etwas deutlicher zu vernehmen sind. Vorallem „Dead Alone“ spielt mit atmophärischen Synths, die sicherlich nicht im Sinne der „The Jester Race“-Generation sein können.
Nach den ersten paar Durchläufen wirkt das Album unspektakulär. Völlig. Kein Song bleibt hängen, die Scheibe rauscht völlig an eine vorbei – und einen Track wie „The Quiet Place“ als Nachfolger zu einem Track wie „Cloud Connected“ (Meisterwerk!) abzuliefern, grenzt fast schon an einen Unverschämtheit. Das Album konnte man also ruhigen Gewissens als gnadenlose Enttäuschung abstempeln. Doch „Soundtrack To Your Escape“ wächst – mit jedem Durchlauf. Schon schöpfte ich Hoffnung, als sich Songs wie „Evil In A Closet“ doch als tolle Ohrwürmer entpuppten, die sich letztlich auch auf „Reroute To Remain“ gut gemacht hätten. Doch irgendwann hört das Album wieder auf zu wachsen – und nimmt sogar wieder ab. Die Enttäuschung bleibt, wenn auch nicht ganz so krass wie beim ersten Durchlauf.
Der Vorgänger strotze vor tollen Ideen, zeitgemäßen Riffs, tollen Refrains und einer göttlichen Produktion aus dem Hause Daniel Bergstrand (Meshuggah, etc.) – eben alles, was eine Perle so braucht, um den „Test Of Time“ zu bestehen. „Soundtrack To Your Escape“ hat wenig davon. Die Produktion, obwohl wieder Bergstrand hinter den Reglern hockte, wirkt dumpf, zeitweise sogar etwas matschig. Die Riffs sind nicht wirklich zwingend und die Melodien nutzen sich schnell ab („The Quiet Place“ und teilweise rutscht die Scheibe völlig in die songwriterische Belanglosigkeit ab, wie z.b. „Like You Better Dead“ beweist. Dieses Album ist ein Schnellschuss, der wohl unter großem Druck entstanden ist. In Flames haben sich den Erfolg des Vorgängers etwas zu sehr zu Herzen genommen und wollen alles auf einmal. Das kann natürlich nur schiefgehen. Wäre die Jungs einfach lokcer und frisch an die Sache herangegangen, dann wäre sicherlich der legitime Nachfolger zu „Reroute To Remain“ dabei rausgekommen – und nicht ein lauer Aufguss schlechter Ideen, der wohl niemanden so recht zufriedenstellen dürfte.
Hand auf´s Herz: Mit Ruhm haben sich In Flames hier nicht gerade bekleckert. Das können die lustigen Schweden viel, viel, viel besser. Ich warte dann schonmal auf den Nachfolger. Und: Lasst euch verdammt nochmal Zeit, aber liefert dafür ein starkes Album ab, okay?
-------------------------------------------------------------------------- IN FLAMES - Soundtrack To Your Escape (Nuclear Blast, 2004)
01. F(r)iend 02. The Quiet Place 03. Dead Alone 04. Touch Of Red 05. Like You Better Dead 06. My Sweet Shadow 07. Evil In A Closet 08. In Search For I 09. Borders And Shading 10. Superhero Of The Computer Rage 11. Dial 595-Escape 12. Bottled
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17.08.2005 15:29
Also: Bei der Produktion gebe ich Dir völlig Recht, die ist für die Tonne. Ansonsten habe ich aber den Eindruck, dass Du die Beweggründe der Band besser zu kennen meinst als die Band selbst. VIELLEICHT ist es so, dass diese Platte aufgrund des Drucks ein Schnellschuss geworden ist. Diese These aufzustellen ist völlig legitim. Aber ich stelle mal eine Gegenthese auf: In Flames nahmen zur Kenntniss, dass R2R ein Riesenbrecher war, und dass die ganze Welt jetzt einen Nachfolger erwartete, der diese Platte toppen kann, der den amerikanischen Markt knackt. Darauf hatten die aber keinen Bock. Also machten sie lieber das, was sie selbst wollten: Ein äußerst homogenes, kompaktes Album, was wie aus einem Guss wirkt. Düster und bedrohlich; weniger eingängig, weniger transparent, z.T. aber auch simpler und knackig-kürzer. ME haben IF auf alle Erwartungen geschissen und vielleicht absichtlich eine Platte mit geringerem kommerziellen ptenzial geschrieben. Wer weiß, vielleicht war sogar die dumpfe Produktion Absicht. Im Grunde sind diese Vermutungen müßig. Ich habe aber den Eindruck, dass viele die Platte nicht nach ihrer Qualität beurteilen, sondern nach dem Umfeld der Platte, der Vorgeschichte und ihren eigenen Erwartungen. Auch das steht natürlich jedem frei. Aber ich halte dieses Album für unterbewertet. Diese Drei-Sterne-Bewertung geht mir gegen den Strich, darum dachte ich mal, ich teile Dir meine Gedanken dazu mit. Wäre natürlich nett, wenn Du die Diskussion aufgreifen würdest. Besten Gruß :)
29.09.2004 09:04
In Flames...sowas hört ne Freundin von mir...ist nicht so ganz mein Ding...obwohl der Sänger eine doch ganz nette Stimme hat.
24.07.2004 10:44
hab' die vor Jahren 'mal live gesehen. Fand sie damals auch nicht schlecht, aber Album hab' ich mir von denen keines gekauft...