The Sky People
08.02.2004
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 hlemmur
Über sich:
Mitglied seit:06.07.2003
Erfahrungsberichte:151
Vertrauende:28
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 76 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
The Gathering haben ziemlich lange gebraucht bis sie endlich angekommen waren. Die Frage ist allerdings: Sind sie überhaupt angekommen? Ich denke, ja. Zumindest am anderen Ufer. Was die Holländer am anderen Ufer noch alles anstellen werden – das bleibt erstmal offen. „Souvenirs“ ist zauberhaft. Schwebend. Packend. Emotional. Die üblichen Adjektive eben. Doch jedes einzelne trifft zu. Sobald das Tageslicht schwindet, wird es Zeit für ein solches Album. Eintauchen.
Das Album überfordert den Hörer zu keiner Sekunde. Alles ist aus einem Guss, alles da wo es hingehört. Kein nächtelanger Kampf um irgendwelche Songs. Kein gar nichts. Purer Genuss in Scheibenform. Organisch, warm. Wie ein Lüftchen im feuerheißen Sommer. Halb vier nachmittags. Der Weg war lang. Über verschiedene Vokalisten und Stile hin zu „How To Measure A Planet?“ im Jahre 1998. Der Knackpunkt in der Karriere der Band. Höre ich da irgendwo „Mandylion“? Fehlanzeige. „How To Measure A Planet?” – ich kann es nur wiederholen. Das Ereignis. Da haben The Gathering erstmals gezeigt, was in ihnen steckt, bzw. das überhaupt etwas in ihnen steckt. Etwas Großes. Etwas, mit dem die Band umzugehen lernen muss. Sowas wie ein überfrachteter Befreiungsschlag, der allerdings dank seinem Charme jegliche Macken vergessen machte. Ein Monster.
Danach versuchte die Band dieses Monster irgendwie zu bändigen. Sei es auf Anraten der Plattenfirma hin oder aus freien Stücken. Egal. Jedenfalls ging das Unterfangen ein wenig schief. Nicht ganz, aber doch zuviel. Die „Black Light District“-Ep war vielleicht deshalb so sinnvoll. Nochmals verarbeiten. Nochmals mit der Gesamtsituation fertig werden. Und zwar gut. „Souvenirs“ braucht keine 17-Minütigen Gefühlsfahrten, um Verarbeitung an den Tag zu legen. Dieses Album verarbeitet auch so. Kanalisiert. Lenkt. In die richtige Richtung. Nicht ins Uferlose, sondern brav am Ufer entlang. Trotz Überquerung. Trotz Kampf. Trotz der Unsicherheit. Wegen der Unabhängigkeit. Wegen der neuen Plattenfirma, die der Band ganz bestimmt nicht reinredet. Denn die Band ist die Plattenfirma. Und auch nur deshalb klingt dieses Album so wie es klingt und nicht so, wie Century Media es gerne gehabt hätten. Oder sonst irgendjemand. Zugegeben: „Souvenirs“ klingt auch nicht wirklich so, wie ich es gerne gehabt hätte. Aber fast. Letztlich doch nach meinem Gusto, nur anders. Aber nicht zwingend schlechter. Vielleicht wusste ich auch gar nicht, wie ich die Scheibe denn eigentlich haben will. Fakt ist: „Souvenirs“ ist geworden. Und zwar verdammt gut.
„You Learn About It“ ist wohl neben “A Life All Mine” das Meisterstück. Witzig, dass man die CD trotz aller Atmosphäre und Zusammengehörigkeit ohne Mühe in Songs zerpflücken kann. Das ging nichtmal beim ach so songorientierten Vorgänger reibungslos über die Bühne. Das Lied klingt so, wie man sich den Himmel immer vorstellt. Blau, weit weg, wunderschön, irgendwo da oben – und trotz aller Nähe so unerreichbar, dass man beinahe verzweifeln möchte. Schweben in Schweden. Luftig, locker und leicht. Zum Reinbeißen. „A Life All Mine“ ist das Duett. Mit Trickster G. alias Garm alias Kristoffer Rygg. Der Mensch, der sich nicht zu jeder Kooperation herablässt. Sein Mitwirken ist sowas wie der Ritterschlag für „Souvenirs“. Zumal er uns zum ersten Mal seit langem wieder seine göttliche Stimme präsentiert, die uns bei Ulver viel zu oft vorenthalten wird. Super. Das letzte Drittel: Gänsehaut pur. Und doch passt der Song nicht so ganz zum Rest. Das haben auch The Gathering gemerkt. Denn zwischen dem Rest der Scheibe und diesem Song gibt es eine rund 4-Minütige Pause. Zeit, das zu verarbeiten, was man gerade gehört hat, aber auch Zeit, sich auf das vorzubereiten, was noch kommen wird. Glaubt mir: Irgendwie ist die Zeit auch nötig. Oder vielleicht auch nicht, aber jedenfalls verfehlt die Pause ihren Zweck auf keinen Fall.
Was gibt es sonst noch? Bei „Broken Glass“ haben sich die Holländer die Gitarren bei Godspeed You! Black Emperor ausgeliehen, „Monsters“ ist völlig zurecht die Single und die Aufmachung, bzw. Präsentation der ganzen CD ist einfach wunderbar. „Souvenirs“ ist der Freischwimmer und gleichzeitig der Auftakt in eine goldglänzende Zukunft. Der Lockruf der Freiheit, den The Gathering hoffentlich anständig zu nutzen wissen.
------------------------------------------------------ THE GATHERING - Souvenirs (Psychonaut Records, 2003)
01. These Good People 02. Even The Spirits Are Afraid 03. Broken Glass 04. You Learn About It 05. Souvenirs 06. We Just Stopped Breathing 07. Monsters 08. Golden Grounds 09. Jelena 10. A Life All Mine
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09.01.2009 11:14
Schöne Rezension zu einem tollen Album!
11.03.2004 09:15
Jetzt wo ich ja ein bißchen über die Scheibe und über das, was The Gathering in letzter Zeit so getrieben haben weiß, kann ich auch meine Bewertung revidieren. Souvenirs ist wirklich genial. Ich habe gerade in den letzten 2 Wochen oder so so viele geniale CDs gehört, aber das hier setzt trotzdem allem ein bißchen die Krone auf. Puh. Wahnsinn. Haben, haben, haben ... If than else ist bestellt, muss ich sonst noch was haben? Die EPs wahrscheinlich nicht, oder? Wahrscheinlich doch, gier ... :) Formvollendet, die Scheibe, echt toll.
27.02.2004 14:10
Also diesem Bericht würd ich schon viel eher einen Diamanten gönnen, wenn das QM schon unbedingt einen unters Volk schmeißen muss ... aber vielleicht bin ich da auch einfach zu kritisch. Lustig, gerade gestern habe ich mir die 3 letzten CDs von The Gathering auf einmal bestellt, inklusive dem semi-acoustic evening. Die wollte ich einfach haben und dass Souvenirs und HtmaP sein müssen, wusste ich sowieso. Cool, dann kann ich die Entwicklung ja bestens nachvollziehen. Von HtmaP hab ich sogar ein Shirt, aber nur weils das bei Century Media mal fast für umsonst gab. Hab ich mich mit einem Meisterwerk geschmückt ohne es zu wissen, da sieht mans mal. Fein. Ich freu mich auf die CDs.