Alles ist bunt, laut und blinkt
3. Jun 2009
Pro:
Tolle Texte, groovende Rhythmen, Klasse Instrumentierung
Kontra:
Nix gravierendes . . . . .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 PeterPan2
Über sich:
Allen Frauen auf unserem Planeten, alles Gute zum Frauentag !!!!!
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 150 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ein Anruf: Hey grüß dich, schön dass du anrufst. Na wie geht’s denn so? ..... Die CD von Peter Fox? Nee, die habe ich nicht. Wieso? Naja, du weißt doch 2-3 bekannte Songs, und der Rest ist dann meist Schrott. Nee? Naja mal sehn..... Neue Szene: Peter tigert im Medimax um das CD-Regal. 16,99€ die haben doch was an der Waffel, wenn sie 9,99€ gekostet hätte, dann könnte man ja mal.... So oder so ähnlich ging das einige male (auch in anderen Märkten), immer mal wieder gutes über diese CD gehört, gutes gelesen, aber nie zum Kauf durchringen können.....
Neue Szene: Vatertag. Guten Morgen. Frühstück? Oh, was liegt denn da? Na dann woll’n wir doch mal reinlauschen..... Zaghaft die CD erstmals eingelegt, immer noch Zweifel im Hirn..... 12 Songs, ein paar davon habe ich schon mal im Radio gehört, bzw. im TV „gesehen“. Blättere beim Frühstück im Booklet und verfolge die Texte. Klasse, diese Wortwahl, frisch, frech, neuartig. Mindestens ebenso beeindruckend der Sound, und dieser Rhythmus. Normalerweise mag ich Bläser nicht so, aber diese hier haben was..... Die Streicher hingegen gefallen sofort. Naja hört sich bloß alles etwas ähnlich an, oder.....
Etwa 40 Minuten später: Schatz? Kann ich die noch mal von vorne hören? Mhmmmm, doch nicht alles so ähnlich, da gibt es jede Menge an soundtechnischen Facetten, neben den sofort präsenten Streichern, und den genannten Bläsern, finden sich witzige Backgrounds, diverse Geräusche und einiges mehr. Manches hört man auch nur, wenn man die Scheibe richtig laut dreht. Hey, wo war noch mal der bellende Hund? Endlich mal wieder auch ein richtig gelungenes (wenn auch wie immer bei CDs zu kleines) Booklet, alle Texte und richtig geile schwarz/weiß - Fotos. Am längsten aber lässt man den Blick über das Foto ganz in der Mitte schweifen, einfach herrlich dieses „Affentheater“..... Knapp 2 Wochen später: Seit dem Vatertag dreht sich in meinem CD-Player (fast) nichts anderes mehr. Habe mir sogar so einen komischen Kassettenadapter besorgt, damit ich den Diskman ans Autoradio anschließen kann..... Nix ist, mit 2-3 guten Songs, und einem „Rest“ Mittelmaß. Ich würde sagen umgekehrt, fast nur richtige Hammer und 2-3 mittelmäßige Songs, kein einziger sogenannter „Ausfall“. Ein neues „Lieblingsalbum“ ist geboren, eines der schönsten Vatertagsgeschenke der letzten Jahre.
Die Texte sind frech, frivol, die Sprache bodenständig, typische Berliner Schnauze eben..... Herr Fox dichtet selber, allein und mit Kumpels, und was er da abliefert, ist allererste Sahne. Manches klingt zwar ein wenig nach „reim dich, oder ich fress dich“, aber nix ist wirklich peinlich. Im Gegenteil beim zuhören bekommen die Ohren öfter mal Besuch von den Mundwinkeln, und ich wette dass ich dann auch Ähnlichkeit mit einem Stadtaffen habe. Rein musikalisch gesehnen ist das Werk sicher keine Offenbarung, aber es ist trotzdem einmalig. Eine Mischung aus gutem alten Seed-Sound (für alle Nichtkenner der Szene: Herr Fox ist einer der Frontmänner von Seed), also deutscher Reggae vom Feinsten, über stampfende Beats, intelligentem Hip Hop und Rap, bis hin zu orientalischen Klängen und Balladen, alles dabei. So klingt Berlin, so pulsiert die Großstadt. Genauso Multikulti wie die Bevölkerung ist auch das Klanggemisch auf dieser Scheibe. Besondere Schmankerl sind der Einsatz des Filmorchesters Babalsberg, welches für einen oftmals bombastischen (aber nicht aufdringlichen) Hintergrundsoundteppich sorgt, und natürlich Cold Steel, eine der besten Drumlines aus den USA.
Mehr muss man zu diesem Werk eigentlich nicht sagen. Aber vielleicht interessieren sich einige unter euch noch für die einzelnen Songs, daher möchte ich noch ein paar Bemerkungen dazu verlieren. Alle anderen dürfen jetzt runterscrollen und abklicken. Den Opener „Alles Neu" dürften die meisten Leser bereits kennen, war er doch bereits letztes Jahr die erste Singleauskopplung aus dem Album, und nicht zuletzt auch ein irres Video. Klasse Dance-Rhythmus, wummernde Bässe und natürlich Peters provokativer Gesang zeigen sofort auf, wohin die Reise geht. Ein bisschen auch symbolisch für ein neues Stück deutscher Musik, was den geneigten Hörer mit dieser CD erwartet. Gleich danach kommt mein derzeitiger Lieblingssong „Schwarz zu Blau“, welcher vom Morgengrauen der erwachenden Großstadt Berlin handelt. Sicher gilt die beschriebene Szene auch für andere deutsche Großstädte, wie Hamburg oder Köln so ähnlich. Das Besondere ist die filigrane Inszenierung des Morgens, so dass man quasi live mit dabei ist. Mit diesem „rückenschauerscharfen“ Song (übrigens Singleauskopplung Nummer 3) hat Herr Fox auch den Bundesvision Song Contest im Februar haushoch gewonnen. Die zweite Singleauskopplung „Haus am See“ folgt auf dem Fuße, ein richtig netter Song, den wiederum (fast) alle kennen dürften. Klingt etwas dezenter als die beiden Vorgänger, mit spätsommerlichem Flair. Nicht mein absoluter Favorit, aber er reiht sich in eine Reihe guter Titel ein, und bietet einen positiven Kontrast zu den beiden vorangegangenen Songs. In „Kopf verloren“ stellt sich Herr Fox vor, was wäre wenn er eben ohne seine Omme, durchs Leben stolpern müsse. Witzig gemacht, auch musikalisch interessant, aber einzeln auch nicht der ganz große Knaller. „Das zweite Gesicht" ist wieder ein absoluter Hammer, es handelt von der in uns allen wohnenden dunklen Seite und wie wir täglich mit ihr ringen. Sowohl textlich, als auch musikalisch ein Leckerbissen. „Der letzte Tag“ ist dann der erste Song, auf den ich persönlich verzichten könnte, aber trotzdem ist auch dieses Lied durchaus mal anhörenswert. Gleich darauf folgt dann mit „Ich Steine, du Steine“ ein völliger Stilbruch. Eine Ballade vom Feinsten, mit echtem Rückenschauerfeeling. Damit man aber nicht in Ehrfurcht erstarrt, poltert Herr Fox gleich darauf wie eine „Lok auf 2 Beinen“ wieder durch den Großstadtdschungel. Wirklich Klasse vor allem dieser (leicht nervige) „nanana“-Backgroundchor, welcher aber super passt und der groovende Rhythmus. Der Titelsong „Stadtaffe“ ist ein weiteres Highlight. Wer hier seinen Körper nicht mitschwingt, oder zumindest seinen Kopf rhythmisch vor- und zurück bewegt, muss was an den Ohren haben. Sicher einer der Sommerhits für mich in diesem Jahr. Um den Sommer geht es dann auch im folgenden Song „Fieber“. Wer hat es noch nicht erlebt, Sommer in der Stadt, alles schwitzt, die Klamotten kleben, man will nur noch Abkühlung und seine Ruhe. Doch nix da, sofort wird wieder Rambazamba gemacht, und mit „Schüttel deinen Speck“ ein herrlich anachronistischer Song mit leicht orientalischen Klängen angeschlagen. Den Schlusspunkt setzt dann ein Duett mit Vanessa Mason: „Zucker“, nicht unbedingt eines der Highlights der CD, aber trotzdem (wie es der Name schon sagt) „zuckersüß“ und ein passender Abschluss.
Hier noch (der Vollständigkeit halber) ein paar schnöde Fakten zur CD: „Stadtaffe“ ist das erste Soloalbum von Peter Fox. Es erschien bereits Ende September 2008 beim Label Downbeat (Warner). Alle 3 Singles waren in den deutschen TOP10 und auch das Album befindet sich dort seit über einem guten halben Jahr, und das völlig zu recht.
Die Songs und ihre Spieldauer: 1. Alles Neu 4:20 2. Schwarz zu blau 3:35 3. Haus am See 3:35 4. Kopf verloren 3:21 5. Das zweite Gesicht 3:53 6. Der letzte Tag 3:42 7. Ich Steine du Steine 3:16 8. Lok auf 2 Beinen 3:44 9. Stadtaffe 3:39 10. Fieber 3:32 11. Schüttel deinen Speck 2:51 12. Zucker 3:13 Der „Stadtaffe“ von Peter Fox hat meine Erwartungen mehr als erfüllt, es ist eines der besten deutschen Alben der letzten Jahre, und sowohl musikalisch als auch textlich ein Leckerbissen. Alle Songs radiotauglich, aber nur im besten Sinne. Schade, dass ich mir dieses grandiose Stück Musik so lange habe entgehen lassen.
Und nun tanze ich kopfwippend durch die Stadt und singe still vor mich hin: Alles ist bunt, laut und blinkt, Stadt voller Affen ist voll und stinkt..... Sind wir nicht alle ein bisschen Stadtaffe?
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10.01.2010 22:23
OK, ich habe eben im GB geschrieben, ich gehe vor Reggae laufen und jetzt schreibst du, dass Peter Fox der Frontman von Seed ist, die nun wiederum deutschen Reaggae machen (oder so...). Auch habe ich geschrieben, dass ich 95 % der heutigen Musik sche... finde. Fakt ist: Weder Seed noch Peter Fox würde ich mir persönlich zu Hause auf CD anhören, aber unbestritten ob meines persönlichen Geschmackes sind sowohl die Gruppe seed als auch Peter Fox Offenbarungen im Einerlei-Commercial-Geschwapp der Langweiliger Musik der letzzen Jahre. Die Texte sind brilliant, die Musik eben Geschmackssache. Aber eben auch wenn man auf die Musik nicht so abfährt, müsste man objektiverweise eingestehen, dass es zum besten gehört, was in den letzten Jahren rausgekommen ist. Und das sage ich, obwohl ich gerne Mark Medlock höre - jetzt ist es raus....aber solche Musik brauche ich morgens im Auto zur Arbeirt und nicht James Blunt, wo ich am liebsten - weil ich eh keinen Bock zur Arbeit habe - gegen die nächste Wand fahren will ;-)))) Auf jeden Fall Gefühl an diesem Bericht und daher bh. LG Loewie
25.12.2009 23:31
Ein sehr interessanter Bericht. Aber wie es hr.biernot ausdrückt: Nicht meine Welt. ;-)
13.12.2009 00:45
Mit seinem Titel "Haus am See", was ich das erste Mal im Autoradio gehört hatte, ist mir Peter Fox erst bekannt geworden. Ich find seine Art zu singen einfach grandios, es klingt alles so lässig und trotzdem mitreißend, LG Sonja