Ich habe sie live erlebt!
22.11.2009
Pro:
aussergewöhnlich und einzigartig
Kontra:
nichts
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 princesse
Über sich:
man möge von leserundenangeboten absehen, derart verblödet bin ich zum guten glück noch nicht.
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 79 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ja, wirklich. Ich war da. am 1.11.2009 im Tollhaus in Karlsruhe, nicht gerade bei mir vor der Haustür, aber es war es wert. Mein erstes Mal. Live mit Mari Boine und ihren wirklich tollen Musikern. Sie spielten einiges aus ihrer neuen CD Sterna Paradisea, aber auch das eine oder andere aus früheren Jahren. Aber die Tour heisst Sterna Paradisea. Daten hier auf der Webseite sowie Videoclips: http://www.mariboine.no/ Beim Hinausgehen habe ich mir dann gleich die CD gekauft, für 15.- Euro, bei Amazon kostet sie unmerklich mehr: 15,95 Euro. Es würde durchaus Sinn machen, ein 2. Browser-Fenster zu öffnen, diese Adresse hineinkopieren http://www.myspace.com/boine und das 1. Video anklicken. Dann zu dieser Seite zurückkehren und weiterlesen :-). Allerdings zählen die 3 Videos dort (zu diesem Album) eher zu den ruhigeren.
Zuerst ein paar Worte zu Mari Boine: Viele werden sie nicht kennen, dazu gehören höchstwahrscheinlich auch Dieter Bohlen und Di Soost, und all die anderen Pop-Star-Sternchen-GaGa-Musik-Verbreiter und deren Fans und Konsumenten. Auch wenn es Schnittmengen geben mag zwischen den Gruppen dürften die eher gering sein. Wer Mari Boine hört und mag steht meist weniger auf Pop-Geträller. Unterm Strich ist Mari Boine. deren Musik zur Weltmusik sowie zu Folk & Jazz dazu gezählt wird, eher einem kleineren Publikum bekannt. Das zeigte sich auch beim Konzert, das Durchschnittsalter war bei 45 oder so. Sie ist eine Ausnahmemusikerin, die das für uns eigentümlich klingende "Joiken" in vielen ihrer Lieder erklingen lässt, eine Art von Jodeln, nur eben nicht das der Alpen, sondern das Joiken (2) ist den Samen eigen, die Ureinwohner Skandinaviens (1).
Musik Mari Boine's Musik ist etwas ganz besonders. Sie lässt sich mit kaum einem anderen Künstler vergleichen, ausser vielleicht jene, die unter (2) erwähnt werden.
Mit ihre neueste CD, Sterna Paradisea (Cuovgga Airras), bleibt Boine ihrem Stil treu, bringt aber auch neue Elemente hinein, so ist es meines Wissens das erste Mal, dass ihre samtsonders männlichen Bandmitglieder auch Vocal zu hören sind, was ich für einen absoluten Gewinn halte. Dennoch ist Boine's Stimme dominant und kann jeweils als die Erste in den Stücken bezeichnet werden. Auch das finde ich gut so. Denn wo
Bilder von Sterna Paradisea (Cuovgga Airras) - Mari Boine
Mari Boine drauf steht, sollte auch viel von ihr drin sein. Das ist bei dieser CD immer noch der Fall. Die Stimmen ihrer Bandmitglieder bei einigen Stücken mit hinein zu nehmen finde ich besonders bei dem Stück 7 Skealbma The Mischievous ganz aussergewöhnlich. Das Lied hat einen unüberhörbaren arabischen Einschlag, Ole Jorn Myklebust singt, so steht dann auch bei diesem Track im Bouklet: semi-arabic vocals, ausserdem spielt er ein Instrument, welches mein Begleiter beim Konzert, selber Musiker, den Türken zuordnet. Mich erinnerten die arabischen Klänge an die Musik aus Mali. Zudem wurde für die die Studioaufnahmen eine weitere Musikerin mit eingebunden: Mandosini, eine bekannte südafrikanische Künstlerin (3). 7 Skealbma The Mischievous
As the king Tends the herd With his son, While gold So quietly jingels, I crouch, Delighted, A smile upon my face. The fawn doesn't even notice My narrowed eyes. Die 1. Strophe. Mari Boine schreibt ihre Lieder selber, seit 25 Jahren nunmehr.
Dieses 7. Lied ist gleichzeitig mein Lieblings-Ohrwurm auf dieser CD, es hat einen Rythmus der zum mitwippen anregt, ist einigermassen schnell, ein Kontrast auch zu den meisten anderen Stücken dieses Albums, die eher sanft und friedlich wirken. Noch nie klang Mari Boine so sanft, leichtherzig beschwingt und melodienselig, schrieb einer auf http://www.scala-ludwigsburg.de/events/31.10.htm . Es hört sich an wie eine gelungene Mischung aus indigener und afrikanischer Musik. Sie hat die beiden Stile grossartig zu einem verschmolzen, als hätte es dies schon immer gegeben. Madosini taucht im Lied 10 Lihkahusat wieder auf, unverkennbar eine weitere weibliche Stimme neben der Boines. Wobei dann hier Mari Boines Gesang wieder eher das indigene vertritt, während Madosini das ganze eher untermalt mit einem ruhigen melodiösen Gesang, als wäre ihre Stimme ein Instrument, beide singen gleichzeitig, aber völlig unterschiedlich, sowohl Text wie Melodie. In diesem Falle ist Boines Stimme jene, die eher monoton wirkt, wie wir das von indianischer Musik auch kennen. Es ist nicht immer klar, wer hier die dominantere Stimme hat. Sehr interessant. Dabei eher ein ruhiges Stück.
2 Impiliin Halesteapmi Conversation with God ist ein sehr friedliches Lied, obwohl Mari Boine, so wie sie uns beim Live Auftritt vor dem Stück erzählte, hier Gott fragt, warum all das passiert, was passiert auf dieser Welt. Whose problem is this When I'm throwing my legs? I'm trying I'm working for my kids.
Our Father, They say You are in heaven, Could you please tell me Why things are as they are? Our Father, Through Your name, they hallow and maintain injustice in the world. Why do you allow this?
Our Father, In The kingdom they trample with their wars On the human rights of children. Why do you wage war? ....
Das Lied hat 5 weitere Strophen, die erste ist zugleich der Refrain. Mari Boine sing hier alleine bis auf den Refrain, der von der ganzen Band angestimmt wird. Auch eine sehr gelungene Komposition. Gerade auch aufgrund dieses Aspektes (das mit einbeziehen weiterer Stimmen und Sänger) macht diese CD zu etwas Besonderem. Manche werfen ihr vor, die CD wäre zu ruhig, ja fast langweilig, manch einer stösst sich daran, dass Mari Boine ihr Repertoire erweitert hat, sie sei ihren Wurzeln wenigstens teilweise untreu geworden. Ich sehe das nicht so. Es stimmt zwar, dass die CD zeitweilig etwas vor sich hinplätschert, aber es sind dann wieder diese Highlights, die alles herausreissen und die CD eben einzigartig machen. Mari Boine hat ja etliche CD veröffentlicht, die allesamt einen ähnlichen, ja fast gleichen Stil haben, wenn sie sich auch jede vond der anderen unterscheiden. Erst hier beschritt Boine etwas Neuland, öffnete sich anderen Kulturen. Ich empfinde das als wirkliche Bereicherung. Nicht dass Mari Boine nicht schon früher mit dem einen oder anderen Künstler zusammen aufgetreten wäre, dies schlug sich aber nie in ihren Alben nieder.
Vielleicht noch kurz ein paar Worte zum Titelsong Cuovgga áirras Sterna Paradisea Es ist eines der wirklich ruhigen Stücke, mir fast zu ruhig, so gehört es dann auch nicht zu meinen Lieblingsstücken, was nicht heissen soll, dass ich es nicht zwischendurch ebenfalls gerne höre. Obwohl er sehr melodiös und sehr schön ist, gräbt es sich nicht derart in die Gehörgänge wie beispielsweise Nr. 7 The Mischievous, von dem ich mehr als begeistert bin.
Mari Boine Live ist ein besonderes Erlebnis, ich bereue es nicht, fast 120 Km hin und zurück gefahren zu sein um sie 2 Stunden etwa zu hören, zu sehen, zu erleben. Es war auch dies etwas Besonderes, und auch dann wenn sie einfach zwischen zwei Stücken erzählt, dass sie normalerweise mehr tanzt auf der Bühne, dies aber heute nicht könne weil sie sich einen Zeh gebrochen hat. Und sie wolle auch nicht erzählen, wie das passiert ist. Was natürlich zu fröhlichem Gelächter im Publikum führte. Sie hatte sich extra von ihrem Tour-Manager diesen kleinen Text auf Deutsch auf einen Zettel schreiben lassen. Ansonsten kommunizierte sie auf englisch. Erzählte unter anderem, dass Liebeslieder in ihrem langjährigen Schaffen sehr rar sind, 2-3 nur, sie aber heute Abend eines singen würde. Ich erinnere mich nicht mehr an den Titel dieses Liedes. Aber das fand ich auch nicht so wichtig. Wichtig war die gute Atmosphäre während des Konzertes, die Musiker und Boine beim zusammen Wirken zu sehen und zu hören. Mehr wollte ich gar nicht, als ich dahin fuhr.
Die Stücke dieser CD sind u.a. auf http://www.umusic.me/me/pub/c/2143618/0/de/web/searchItems.html?mdv=&cmt=MUSIC&searchType=ARTIST&searchString=8455&artist_info=0 hörbar und können auch einzeln erworben werden.
(1) "Die Samen (Selbstbezeichnung: Samit oder Samek in der Bedeutung „Sumpfleute“) sind ein indigenes Volk im Norden Fennoskandinaviens. Ihr Siedlungsgebiet reicht im Süden bis zur schwedischen Gemeinde Idre. Andere Bezeichnungen oder Schreibweisen sind: Sámen, Saamen, Sámi, Sami und Saami. Der veraltete Begriff Lappe oder Lappen (plural) wird von vielen Samen als herabsetzend angesehen, obwohl der Begriff ursprünglich in einigen samischen Dialekten als Begriff für die Tätigkeit eines Rentierhirten verwendet wurde und demnach samischen (ggf. auch finnischen) Ursprunges ist. Im Laufe der Zeit bekam das Wort jedoch einen negativen Beigeschmack, je nachdem, wer es verwendete und in welchem Tonfall es ausgesprochen wurde [1]. In einigen Quellen ist eine Verbindung zum schwedischen Wort „Lapp“ für „Lumpen“ zu finden, obwohl das etymologisch nicht belegt ist. Es ist jedoch anzunehmen, dass mancher Saami es dennoch mit dem Homonym assoziierte. Die ursprünglichen Sprachen der Samen gehören zur Familie der uralischen Sprachen, sind also mit dem Finnischen, Ungarischen und Samojedischen verwandt." _Quelle: Wikipedia_
(2) "Zur Kultur der Samen gehört auch die Pflege des einzigartigen Joik-Gesangs, der an eine Mischung aus Jodeln und indianischen Gesängen erinnert. Joiken ist ein Spontangesang, der zum emotionalen Ausdruck von Stimmungen und Situationen verwendet wird. Das Joiken gehört u. a. zum Repertoire der zur Zeit bekanntesten samischen Musikerin, der in Norwegen geborenen Mari Boine. Auch die Finnin Ulla Pirttijärvi und die Schwedin Yana Mangi verwenden den Joik in Verbindung mit modernen Instrumenten. Ein anderer bekannter samischer Musiker ist der in Finnland geborene Wimme. Alle vier mischen die traditionellen Lieder ihrer Vorfahren mit modernen Elementen und Rhythmen und werden deswegen auch gerne den so genannten Weltmusik-Künstlern zugerechnet. " _Quelle: Wikipedia_ (3) - " Madosini (* in Mqekezweni nahe Umtata), bürgerlich Lathozi Mpahleni, ist eine bekannte traditionelle Musikerin der Xhosa-Musik und Erzählerin im Mpondoland, Südafrika. In ihrer Jugend lernte sie das Herstellen und Spielen von Instrumenten durch ihre Mutter. Madosini singt und spielt dazu Instrumente wie umrhubhe (Mundbogen), uhadi (Berimbau) and isitolotolo (Maultrommel). Ihre Musik wurde erstmals bei Filmaufnahmen 1974 aufgezeichnet und im Radio gespielt, ohne dass man ihr Entgelt zahlte. Sie nahm 1997 ein eigenes Album auf, arbeitet mit anderen Musikern zusammen (unter anderem im Rahmen von WOMAD) und trat 2007 auch in Deutschland auf. Ihr Musikstück Wen'usegoli zählte zum Soundtrack des südafrikanischen Films Yesterday (2004)." _Quelle Wikipedia_
Webseite Mari Boine mit Videos ihrer Auftritte: http://www.mariboine.no/
Mari Boine auf MySpace: http://www.myspace.com/boine Hier sind auch viele Videos von Mari Boine zu sehen
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22.12.2009 12:16
wunderbar... muss ich mal reinhören
19.12.2009 23:47
Das ist ein wirklich toller Bericht geworden :-)
19.12.2009 13:54
Sehr guter Bericht! Liebe Grüße, Christian