Verzerrter Simon
23.01.2007
Pro:
Immer wieder mal schöne Melodien, tolle Texte
Kontra:
zuviel Eno
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
mehr
 manwah
Über sich:
Keine Lust mehr auf Ciao. Im Moment blogge ich lieber:
http://blometrik.blogspot.co m
- Wer Lus...
Mitglied seit:26.10.2004
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Vertrauende:40
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 53 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
"Sonic Landscape" by Brian Eno. Diesen wunderbaren Begriff habe ich gelesen, bevor ich Paul Simons 2006er CD eingelegt habe. Wer jemals irgendetwas von Brian Eno gehört hat, weiß wie passend dieser Begriff, für alles was Eno je gemacht hat, gewählt ist. Allein dafür hat das Album schon fast zwei Sterne sicher - noch bevor ich es in den CD-Player geschmissen habe. Natürlich hat sich der alte Fuchs Paul Simon nicht nur auf Enos Landscapes verlassen, sondern nur Musiker der Sonderklasse eingeladen. Nur ein paar Beispiele: Bill Frisell (Gitarre), Pino Palladino (Bass), Herbie Hancock (Klavier) und natürlich Steve Gadd (Schlagzeug). Und dann macht das Cover natürlich auch extrem neugierig :-) Es gibt CDs, da ist man einfach gespannt, wie wohl der erste Ton klingt. Es ist ein "Sonic Landscape" aber auf einer elektronisch verfremdeten Gitarre, die vom Meister selbst gespielt wird. Der Titel jedenfalls ist nicht gelogen. Das Album beginnt extrem überraschend. Es erinnert soundmäßig eher an U2 als an Paul Simon.
1 Ein nervöses Keyboard bricht das Gitarrenriff, während Simon seinen Text fast in einem Stakkato singt, dessen Quintessenz "Ich trage den Mantel meines Vaters" ist, nachdem Simon erst alles in Frage gestellt hat. "How Can You Live In The Northeast?" ist ein großer Song! 2 Der zweite Song beginnt weiter. Eine akustische Gitarre zaubert eine weite Landschaft, während Eno die Romantik ein wenig stört, ehe ein schneller Beat einsetzt. Simon wiedersetzt sich diesem Beat scheinbar und gibt sich ihm dann mit sanfter Stimme hin. Die Überraschung ist etwas weg, aber es bleibt ein prima Song. Simons Texte sind ja immer exzellent, aber die Bilder , die er hier herauf beschwört gefallen mir besonders gut: "...I took a walk along the riverbank of my imagination. Golden clouds were shuffling the sunshine…
Intermezzo ~~~~~~~~* Schon nach den ersten beiden Songs beschleicht einen das Gefühl, dass dieses Album völlig anders ist als alle bisherigen Paul Simon Alben. Seine Stimme ist immer noch meistens sanft und freundlich, doch der Sound ist nicht mehr leise und folkig, sondern einem Großstadtbeat gewichen, der in starkem Kontrast zu seinem Gesang steht. 3 Das wird bei diesem Song besonders deutlich. Simon und Eno wandern mit "Outragous" in Richtung innere Landschaften. Während der Refrain und die Instrumentalbrücken ganz gut funktionieren, ist mir der Rest ein wenig arg hiphoppig. Sorry, aber das sollte Simon lieber jemandem überlassen, der was davon versteht.
4 Mehr Elektrobeat mit hypnotischem Rhythmus. Der vierte Song beschleunigt das großstädtische Tempo Zunächst noch etwas mehr. Die Songs werden nur schneller nicht härter. So haben auch Bands wie die Talking Heads mal geklungen. Überraschenderweise haben sie da mit Brian Eno zusammen gearbeitet. Zum Schluß gibt es noch einen Schuß rockigen Blues. 5 Bei "Wartime Prayers" hat Simon einen Gospel Chor zur Seite. Doch der Song beginnt mit einer glänzenden akustischen Gitarre und einer sagenhaften Soloeinlage von Simon. Der Song ist von A-Z glänzend. Eine frappierende Melodie, wunderschöne Brücken, der stimmige Chor und Enos Sounds dominieren den Song nicht, sondern unterstützen ihn. Der Text ist natürlich sowieso genial.
6 Ein kleiner rhythmischer Step nach Südafrika mit kosmopolitischer Botschaft. Nicht zu dick aufgetragen, aber Paul Simon macht schon deutlich, wie unsinnig er Rassentrennungen findet. Intermezzo ~~~~~~~~* Etwas über Paul Simon zu schreiben, ist ein wenig das Selbstverständliche erklären. Er macht schon so lange Musik und es gibt nur wenige Bewohner der westlichen Welt, die nie einen Song von ihm (oder gemeinsam mit Art Garfunkel) gehört haben. "Sound Of Silence" ist ein wirklicher Evergreen und spätestens mit seinem Gumboots Projekt hat er sich in den 80ern wieder in aller Ohren hörbar gemacht. Seither veröffentlicht er regelmäßig Alben, die allesamt von herausragender Qualität sind, aber nie mehr riesige Verkaufshits wurden.
7 Der esoterische Text wird mit ebenso esoterische Musik unterlegt, die dem Text angepasst wird. Wenn Simon von "Storm" singt, stürmt auch der Sound. Wenn er von einem "Guardian Angel" singt, wird auch der Sound weich und engelsgleich. Ist mir ein wenig aufgesetzt und zu gewollt. 8 Der Sound dieses Songs kommt wirklich from "Another Galaxy", aber der Gesang ist stellenweise ein wenig sehr jodelig, countrylastig. Vielleicht auch wenig sehr typisch Paul Simon - aber dieser Sound, der Song. Ein Traum!
9 Irgendwie finde ich zu diesem Song keinen Zugang. Er ist mir zu glatt, zu eingängig. Er gleitet ins Ohr ohne eine Spur zu hinterlassen. Dabei ist er durchaus schön gemacht - nur irgendwie glitschig. 10 Blues geschwängert, spartanisch beginnt der Song. Er wird immer breiter und gefeilter, nur der 4/4 Takt bleibt stets gleich. Hier erinnern Enos Sounds eher an die Fripperies von Robert Fripp, der sich mit Sound-Spielerein auch nie zurück halten konnte. Doch es passt in den Song.
11 Der einzige Song ohne Brian Eno und schon klingt Paul Simon "nur noch" nach Paul Simon, obwohl auch sein Sohn Adrian mitsingt. Aber es ist ein typischer Simon-Song. Fast schon zum sofort mitsingen. Der Refrain ist eingängig, das Tempo so in der Mitte und die Gitarre dominiert ohne laut zu sein. Tracklist: 1. How Can You Live in the Northeast? 2. Everything About It is a Love Song 3. Outrageous 4. Sure Don't Feel Like Love 5. Wartime Prayers 6. Beautiful 7. I Don't Believe 8. Another Galaxy 9. Once Upon a Time Was an Ocean 10. That's Me 11. Father and Daughter
Fazit ~~~~* Ein ganz großer Wurf ist Paul Simon nicht gelungen. Die Kombination Simon/Eno funktioniert erstaunlich gut. Manchmal sind mir Enos Spielereien ein wenig zu viel. Manchmal sind mir Simons sanfte Stimmeinlagen ein wenig zu verhalten. Wirklich toll sind nur wenige Lieder ("How Can You Live…" oder "Wartime Prayers" sind welche). Überhaupt sind es auf diesem Album nicht die Songs, die überzeugen, sondern es sind einzelne Fragmente innerhalb der Songs, die einen jubeln lassen. Da blitzt über den durchgängig hervorragenden Texten ein Bild besonders auf. Da ist eine Stelle, ein Refrain, eine Brücke, ein Gitarrenpicking, ein Sound wirklich herausragend. Aus diesen Fragmenten setzt sich eine Art Puzzle-Album zusammen. Ulkigerweise wirkt es in der Gesamtheit besser als die einzelnen Teile. Das mag am durchgängig ähnlichen Sound liegen. Insgesamt ein Vier Sterne Album mit einer verhaltenen Kaufempfehlung.
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05.01.2008 15:38
supi
31.01.2007 16:23
schön den inhalt verklickert und neugier befriedigt - schöner bericht uwe - gruß jörg
30.01.2007 10:29
Finds immer toll wenn klar auf einzelne Songs eingegangen wird. ^^ Sonnige Grüße, Tom