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Synergy - Extol

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Realize, Repent, Receive

5  04.01.2004

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Kontra:
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Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

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hlemmur

Über sich: erker?

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 84 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

“Synergy” ist eine der wenigen Scheiben, auf der alles am richtigen Platz ist. Jedes Break, jedes Riff, ja sogar jede Note sitzt am rechten Fleck. Das gibt es nicht oft, aber zum Glück immer wieder. Meistens kommt das im progressiven Metal vor, weil die technisch begabten Musiker oft auch noch begnadete Arrangeure sind und somit wissen, wo was hingehört.

Progressiv waren die Norweger Extol zwar schon auf dem Vorgänger „Undeceived“, aber noch nicht ausgefuchst und raffiniert genug. „Undeceived“, bereits das zweite Album der Band, wurde 2000 aufgenommen, erschien in Deutschland allerdings erst im April 2002, und auch nur deshalb, weil sich Century Media erbarmten den Jungs eine Chance zu geben. Auf dem Album gabs überfrachteten Thrash Metal mit Industrial-Anleihen, reinrassigen Death Metal-Gekloppe und Meshuggah-ähnliche Riff-Stakkato-Gewitter. Unterhaltsam, komplex, anstrengend – aber nichts, was man lange im Gedächtnis behält.

Das hat sich jetzt geändert, denn „Synergy“ hat sich schon förmlich in mein Gehirn eingebrannt – und wird mich wohl auch noch ein paar Jahrzehnte begleiten. Extol haben ein tolle Entwicklung hinter sich, die ich ihnen nie und nimmer zugetraut hätte. Die Band hat ihren Sound entmüllt, auf das Maximum reduziert – und frönt jetzt einem Stil, den man schon lange begraben hat: Techno Thrash. Nein, das hat nichts mit „Bumm Bumm Bumm“-Mucke zu tun. Das „Techno“ steht für eine ziemliche technische Spielweise und hat nichts mit Elektronica oder sonst irgendwas in der Art am Hut. Der Begriff stammt noch aus den späten Achtzigern, als höchstens ein paar Underground-Freaks in ihrem Keller Techno austüftelten, wie wir ihn heute kennen. Damals prägten Bands wie z.b. Sadus, Realm, Thought Industry oder Anacrusis diesen Begriff. Im Jahre 1993 erreichte die Welle ihren Höhepunkt: Vornehmlich Death Metal-Bands nahmen hochtechnische Album auf, die allesamt das Attribut „Techno“ verdienten. Cynic, Atheist, Pestilence oder Sadist, um nur einige zu nennen.

Extol lassen diesen Sound wieder aufleben und ich glaube kaum, dass es viele Leute gibt, die das mehr freut als mich. Schließlich ist das einzige Cynic-Album für mich eines der besten Alben überhaupt, genauso wie die Werke von Anacrusis oder Thought Industry. Hauptsächlich orientieren sich Extol allerdings an einer anderen Band: Believer. Ebenfalls eine sehr progressive Thrash-Band aus den späten Achtzigern/frühen Neunzigern, die jedoch aufgrund ihrer christlichen Einstellung wenig Freunde in der Metal-Szene fanden. Extol selbst sind allesamt ebenfalls gläubige Christen, was man auch unschwer aus den Lyrics herauslesen kann. Natürlich machen sich Extol damit mehr Feinde als Freunde. Schon witzig, dass man als Metal-Band nur den zwiefach Gehörnten preisen darf, bzw. satanistische Bands als salonfähig gelten, während christliche Bands immer noch wie Aliens behandelt werden – wo doch jede Religion Bullshit ist. Egal. Jedenfalls sollte man den Christ-Metallern (früher, in Anspielung auf den satanischen Black Metal, White Metal genannt) Toleranz entgegenbringen. Schließlich haben christliche Bands, wie Tourniquet, Believer, Mortification (mit Abstrichen) oder gerade Extol Alben auf die Beine gestellt, an die so gut wie keine Black Metal-Band (abgesehen vielleicht von Emperor und ein paar anderen) qualitativ heranreichen kann. Soviel zum Thema White Metal vs. Black Metal. Gutheißen will ich jedoch keine der beiden Glaubensrichtungen.

„Synergy“ verkörpert jedenfalls genau das, was ich mir unter einer progressiven Thrash-Scheibe vorstelle. Und vielleicht sogar noch mehr. Jedenfalls fällt es mir schwer, zu glauben, dass diese Band vor drei Jahren noch Alben wie „Undeceived“ geschrieben hat und nun mit solchen Göttergaben ankommt. Der Ballast ist über Bord. Die Songs, die Extol früher gerne auf über sieben Minuten streckten, dauern im Durchschnitt nur noch drei bis vier Minuten. Und trotzdem stecken in jedem dieser Songs mehr Riffs, Breaks und Ideen, als andere Bands auf einem ganzen Album verbraten. Straight ist auf „Synergy“ trotz der ein oder anderen Knüppelpassage rein gar nichts. Allerdings strengen die rhythmischen Spielereien nicht ganz so an, wie z.b. bei Meshuggah, dann Extol bemühen sich trotz aller Technik um Eingängigkeit. Da gibt’s hier mal eine Killermelodie und dort einen Widerhaken-Refrain. Die Norweger trumpfen nicht auf, was ihr Können angeht, sondern versuchen die Songs so homogen wie möglich zu gestalten. Überfrachtet oder aufgesetzt wirkt hier gar nichts – und das ist die Kunst an technischer Mucke: Subtil frickeln. Gelingt nicht vielen. Bei Extol klingt das Ganze wie eine banale Selbstverständlichkeit. Wie wenn die Songs trotz allem aus dem Bauch kommen und nicht aus dem Kopf. Vor solchen Musikern und Songschreibern hab ich großen Respekt.

Weiterhin super bei Extol sind die verschiedenen Sänger. Neben dem hauptamtlichen Sänger Peter Espevoll, der einen ziemlich aggressiven Gesangsstil hat, greifen noch Drummer David Husvik und Gitarrist Ole Børud zum Mikro. Letzterer verfügt über ein glasklares Kehlchen, was die Songs teilweise ungemein auflockert. Vorallem beim Opener „Grace For Sucession“ entfalten sich seine Gesangsküste voll und ganz. Trotzdem stiehlt er Peter nicht die Show. Bei dem eingängigsten Stück der Scheibe, „Paradigms“, gibt sich sogar noch eine Sängerin die Ehre: Maria Solheim, in Norwegen eine sehr erfolgreiche Künstlerin, hierzulande nur in gewissen Kreisen bekannt. Sie ist die Freundin von Drummer David und revangierte sich mit ihrem Gastauftritt dafür, dass ihr die Band manchmal als Backing Band für Gigs aushelfen. Die ersten drei Songs sind allesamt Ohrwürmer erster Kajüte, danach wird die Scheibe etwas schwerer zu durchschauen, bleibt allerdings qualitativ auf dem gleichen Level. Auffällig sind noch das brachiale „Thrash Synergy“, demnach der lange Quasi-Titeltrack, und „Aperture“, ein lockere Ballade, die komplett von Sänger Peter Espevoll eingespielt wurde. Man sieht schon: Nicht nur das Extol begnadet an ihren Stamminstrumenten sind, nein, sie sind auch noch durchweg Multiinstrumentalisten. Tja, wenn jemand mit Talent gesegnet wurde, dann gleich richtig.

Bleibt noch das Cover. Sieht grandios aus, ist grandios – und wurde von einem grandiosen Künstler gestaltet: Hugh Syme. Fragt sich nur, wie sich Extol den guten Mann leisten konnten, denn schließlich hat er schon für Bands wie Def Leppard, Megadeth, Iron Maiden, Queensryche, Fates Warning, Aerosmith, Celine Dion (!) und Rush gearbeitet. Vorallem Def Leppard´s „Retroactive“-Cover hat es mir angetan: Aus der Nähe sieht man eine Frau, die in einen Spiegel schaut. Hält man das Booklet weiter weg, erkennt man einen Totenschädel, der sich aus der Frau, dem Spiegel und dem Zimmer ergibt. Doch auch das legedäre „Get A Grip“-Cover von Aerosmith und die Fotostrecken zu Iron Maiden´s „The X-Factor“ stammen von Syme. Aber nicht nur das Frontcover ist göttlich, auch Design und Layout lassen nichts zu wünschen übrig. Das Booklet ist super gelungen und der Musik auf jeden Fall ebenbürtig.

„Synergy“ ist wunderbar. Vorallem, weil ich nie und nimmer damit gerechnet hätte, eine aktuelle Scheibe in den Händen zu halten, die derartig klingt. Freunde von anspruchsvollem Thrash Metal abseits jeglicher Banalität und technischem Extrem-Metal müssen hier einfach zuschlagen und sich mindestens ´nen Ast, wenn nicht sogar einen ganzen Baum, abfreuen.

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EXTOL - Synergy (Century Media, 2003)

01. Grace For Succession
02. Paradigms
03. Psychopath
04. Blood Red Cover
05. 26 Miles From Marathon
06. Confession Of Inadequacy
07. Scrape The Surface
08. Thrash Synergy
09. Aperture
10. Emancipation
11. Nihilism 2002


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
BenKing

BenKing

14.07.2004 00:45

Habe schon von Extol gehört, kenne aber nur ein Lied ihres alten Albums und das hat mir nicht gefallen. Wenn du aber meinst, dass das neue sich so sehr davon abhebt, dann werde ich da wohl mal reinhören. Sehr informativer Bericht! Gruß, BK

gnoi

gnoi

08.01.2004 20:55

Die kauf ich mir dann mal und wehe die gefällt mir nicht ;)

sirjethro

sirjethro

06.01.2004 14:15

Pro und Kontra stimme ich nur halb zu. Jeweils.

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