Was macht mein nacktes ich mit Jesus und Helium?
21.02.2002
Pro:
Skyclad sind begnadete Künstler . . .
Kontra:
. . . die viel zu unterbewertet sind .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 The-Wishmaster
Über sich:
+++ Der Countdown läuft: Weniger als 260.000 Punkte bis zum schwarzen Farbklecks +++ Momentan etwas ...
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Hallo liebe Leserinnen und Leser! Wie schon so oft, so habe ich auch diesmal wieder ein wenig in meiner Sammlung gestöbert und bin dabei - wer hätte das gedacht? - auch wieder einmal über eine Scheibe gestolpert, die bei weitem nicht den Bekanntheitsgrad und den Erfolg hat, den dieses Werk aber eigentlich verdient hätte. "Verbrochen" haben dieses kleine Meisterwerk die britischen Folk-Metaller "Skyclad" im Jahre 1996, getauft haben sie ihr Baby "The Answer Machine?".
Wer "Skyclad" nicht kennt, dem sei gesagt, dass es ohne die Truppe von Martin Walkyier den Sound von Subway to Sally, In Extremo und Konsorten in dieser Form wohl nicht geben würde. "Skyclad" waren es nämlich, die im Jahre 1990 erstmals eine Violine in ihrem (damals noch recht thrashigen) Metal zum Einsatz brachten und mit der Zeit ein eigenes Genre, den "Folk-Metal", begründeten. Obwohl sie konstant gute Scheibe veröffentlichten (deren elf an der Zahl) und bei den Fans ankamen, so ignorierte sie unverständlicherweise die britische Presse fast vollkommen. Im Ausland dagegen waren die Schreiberlinge den Sympathiebolzen wohlgesonnen, was der Combo aber auch nicht über die Tatsache hinweg half, dass sie zweimal von ihren Plattenlabels böse über's Ohr gehauen wurden und mehr als einmal kurz vor der Auflösung standen. Allen Widrigkeiten zum Trotz haben sich die Briten aber immer wieder zusammengerauft und im Jahre 2000 mit "Folkémon" über das Label Nuclear Blast mal wieder einen Garant für genialen Folk-Metal auf das Volk losgelassen. Aber da man deswegen noch lange nicht von der Musik leben konnte, faßte Martin Walkyier Anfang 2001 den schweren Entschluß, Skyclad zu verlassen. Martin war die ganzen Jahre lang so etwas wie das Aushängeschild der Band. Seine sympathische Ausstrahlung, seine tiefsinnigen, sarkastischen Texte und seine sehr eigenen Vocals prägten das Erscheinungsbild von "Skyclad" und ließen ihn in Insiderkreisen fast zu einer Art Kultfigur werden. Inzwischen hat man zwar in dem langjährigen Produzenten und seit drei Jahren auch zweiten Gitarristen der Band, Kevin Ridley, einen Ersatz als Frontmann gefunden, ob die ganze Sache funktioniert wird sich jedoch erst in diesem Jahr zeigen, wenn ein neues Album der Combo in die Läden kommt.
Line-Up: (anno 1996) Martin Walkiyer - Vocals Steve Rhamsey - Guitars, Vocals Graeme English - Bass, Vocals George Biddle - Fiddle, Vocals So, genug über "Skyclad" im Allgemeinen, jetzt gehen wir mal ein wenig ins Detail und werfen einen Blick auf die Songs von "The Answer Machine?":
1.) ~~~A clown of thorns~~~ Hier haben wir es gleich mit einem - vom Text her - typischen Skyclad-Song zu tun. Musikalisch werden hier Martin's Lyrics von gemäßigtem Drumming, Akkustikgitarren und Georgina's Fiddle begleitet. Der Text ist gespickt mit kleinen Anspielungen und zeigt im Allgemeinen die paganistische Einstellung der Band auf: "I'm walking my personal Calvary mile to a do-it-yourself crucifixion. It's a kingdom of clowns wearing martyrdom's frown, I must fight for my hammer and nails. We're an endless procession of lost, disposessed unbelievers whose prayers go unheared and unanswered (unheard and unanswered like junk mail for Jesus)" - Dient zwar insgesamt "nur" als Intro, ist aber einfach genial! 9/10
2.) ~~~Building a Ruin~~~ So, und nach diesem kleinen Schmankerl zum Einstieg legen die Jungs und das Mädel auch gleich mit einem absoluten Klassiker los. "Building a Ruin" gehört fest zum Live-Repertoire der Band und die Fans würden es der Truppe sicherlich übel nehmen, wenn sie diesen Song mal nicht spielen würden. Akkustikgitarren geben hier - wie übrigens bei fast allen Tracks auf der CD - den Ton an und werden von Georgie's Fiddle begleitet. Marin's Vocals setzen in den Strophen ungewöhnlich melodisch ein, da hat jemand sich aber wirklich Mühe gegeben! Kleine Zwischenspiele mit Keyboard lockern den Song auf, bevor man auf den ersten Chorus überleitet. Hier kommen dann ein paar Backing Vocals zum Einsatz und es wird deutlich, warum dieser Song solch ein Klassiker bei den Fans ist: Die Vocals sind leicht mitzusingen, die Melodie geht sofort ins Ohr und leicht beschwingt folkt und rockt es sich hoer durch den Chorus. Nach einem akkustischen Zwischenspiel und einer weiteren Strophe ist dann wieder Pogo-Time angesagt, denn der groovende Chorus geht in die Beine und wer hier nicht mitfeiert, ist entweder ein Langweiler oder schon tot... 10/10
3.) ~~~Worn out sole to heel~ Wieder bekommt man hier erst mal akkustische Gitarren vorgesetzt, die aber auch von ihren elektrischen Verwandten sowie deren Tante dritten Grades, der Violine, besucht werden. Martin's Stimme klingt hier schon "typischer", in einem Rock Hard-Review wurde er mal als "lispelnder Sanges-Schlumpf" bezeichnet. Läßt sich gut nachvollziehen, da Mr. Walkyier nun - rein körperlich gesehen - wirklich nicht der Größte ist und sein eigentümlicher Mix aus halb gesprochenen, halb gesungenen Vocals doch sehr eigentümlich klingt und vielleicht auch nicht unbedingt jedermann's Sache ist. Aber zur innovativen und eigenständigen Musik von Skyclad paßt seine Stimme einfach perfekt. Er ist also sicher nicht unter den Top-Sängern im Genre zu suchen, aber wenn's um einfallsreiche, intelligente und tiefgründige Texte geht, dann macht dem smarten Engländer so schnell keiner was vor. Zeigt sich eigentlich in jedem Song der Combo, wird aber hier vor allem in den letzten Zeilen mal wieder deutlich. Hört man sich die Vocals an, wird man den hintergründigen Humor nicht bemerken, weil die Worte eben gleich ausgesprochen werden, aber liest man im Booklet die Lyrics nach, kommt der Witz raus: "...your worn out sole to heel, your worn out soul, too, heal your worn out soul..." Musikalisch bekommt man hier gewohnte Skyclad-Kost geboten, deswegen auch "nur" 7 Punkte für einen guten Song... 7/10
4.) ~~~Single Phial~~~ Akkustisch geht man hier Zu Beginn zu Werke, indem man der Fiedel freien Raum läßt, welche diesen auch für ein melancholisches Solo nutzt. Dann setzten die ausgestöpselten Sechssaiter und dezentes Drumming ein und Martin singt sich sowohl durch Strophen und Chorus. In letzterem zieht die Geschwindigkeit leicht an und man erreicht ein fröhlich-beschwingtes Folk-Flair. Im Gegensatz dazu stehen die bedrückenden Lyrics, die ein ums andere Mal Skyclad's Genialität unter Beweis stellen. 8/10
5.) ~~~Helium~~~ Ein Basslauf eröffnet ein weiteres Highlight der Scheibe, bevor Martin mit den Vocals einsetzt: "Pray for my poor melancholic soul, I've cried so many tears inside my head's a goldfish bowl. A mood so deep, so far above you all with noone there to catch me if I fall..." - Ein sausender Wind, ein leiser Schrei - dann folkrocken Skyclad richtig los, mit viel Akkustikgitarren, Fiddle und treibendem, beschwingten Drumming. In den Strophen kommen dann noch ein paar verzerrte Gitarren hinzu, die ihre akkustischen Kollegen aber nicht übertönen und sich dezent im Hintergrund halten. Desweiteren kommen die Drums druckvoller rüber und lassen den Song etwas flotter erscheinen. Im Chorus, der wieder einmal hervorragend gelungen ist und sich direkt in den Gehörgängen festsetzt, wird Martin dann wieder in den Backing Vocals von seinen Kollegen unterstützt. Was an diesem Song besonders gelungen ist: Gegen Ende bringen die Briten einen fast schon Reggea-Funk-mäßigen Teil in den Song mit ein, der von Drums und Bass dominiert wird und bei dem Martin wie ein bekiffter Reggea-Sänger klingt. Das Beste daran - der Text: "I fly like a rock from the roof to the basement, the last thing to go through my mind was the pavement!" - ROFL!!! Wenn jemand den Joke mangels Englischkenntnissen nicht versteht: "Ich fliege wie eine Rakete vom Dach in den Keller, das letzte, was mir durch den Kopf ging, war der Bürgersteig..." *zwinker* 10/10
6.) ~~~The Thread of Evermore~~~ Na holla, wo sind wir denn jetzt auf einmal gelandet? Auf einem türkischen Bazar? Könnte fast sein, denn die orientalisch angehauchte Melodie, die von einer Frauenstimme und der Geige vorgetragen wird, läßt selbiges vermuten. Die Gitarren und der Bass grooven dann dezent aber bestimmt los und bieten so die perfekte Grundlage für Martin's Gesang. Richtig, der "Sangesschlumpf" legt richtig schön Gefühl in seine Stimme und macht "The Thread of Evermore" beinahe zur wunderschönen Ballade. "Beinahe", weil die dazugehörigen Lyrics natürlich wieder mal alles andere als balladesk sind. Aber das sind wir ja mittlerweile schon gewohnt, folglich können wir uns an den herrlichen Gegensätzen in dem Song ergötzen. Gegen Ende setzt wieder der türkische Sängerin ein und läßt den Song ausklingen, wobei die Instrumente hier immer wirrer werden und man am Ende zwar kein totales Soundchaos, aber zumindest eine gewisse Unordnung hat. 8/10
7.) ~~~Eirenarch~~~ Mächtige E-Gitarren begleitet von ebenso aufgebrachten Drums eröffnen den nun folgenden Song, so dass sogleich ein recht martialisches Flair aufkommt. Abgelöst wird dieses vom fröhlichen Folk-Gefiedel der Mrs. Biddle, die dem Track einen beschwingten Touch verleiht. In der ersten Hälfte der Strophen übernimmt Martin begleitet von wenigen Instrumenten das Kommando, danach geht's flott und rockig weiter. Insgesamt wird hier relativ häufig zwischen langsameren und schnellen Passagen gewechselt, der Chorus ist wieder in typischer Skyclad-Manier recht zügig gesungen. 8/10
8.) ~~~Troublesometimes~~~ Eine paar Zeilen in einer mir unbekannte Sprache - Russisch? - dann folgen akustische Gitarren und die Fiddle. Ruhig und melancholisch lässt man sich durch die Strophe begleiten, der Chorus dagegen kommt fast schon fröhlich und beschwingt rüber. Und das, wo der Text doch gar nicht so lustig ist: "Open wounds and settled scores - an ancient hate, new icons, the front line starts at our back doors cause bygones won't be bygones. Cleanse the bloodline - start the cull, Nazi roulette - six chambers full, fail to read the warning signs, find yourself in troubletimes..." 8/10
9.) ~~~Isle of Jura~~~ Ein eisiger Wind weht, dann legen akustische Gitarren los, gefolgt von einem warmen Basslauf und dezentem Drumming. In den Strophen singt Martin sogar einmal, wobei der Text trotz aller Melodien dennoch depressiv und ernüchternd ist. Der Chorus ist wieder einmal herrliche melodisch, wobei Martin da gesangstechnische Unterstützung von Georgina, Graeme und Steve bekommt: "Oh steel angel, please carry me, fly me to my love... From cold earth far beneath me to the heavens high above..." Einfach nur schön... wenn man nicht auf den folgenden Text achtet (Selber kaufen! *zwinker*)... 8/10
10.) ~~~Fainting by Numbers~~~ Ein wenig metallischer wird's nun, wobei bei diesem Song erneut die Lyrics im Vordergund stehen und die Musik nur eine nette Dreingabe ist. Geschickt zählt er sich hier durch seine Strophen, indem er stets mit Witz und Verstand Bezug zu den einzelnen Zahlen herstellt. Musikalisch zwar kein Brecher, aber durchaus gelungen: "Oh what fun at 21, you stole the key to my front door, you don't neet me, you won't feed me, I'm not even 64, 52 - how it suits you to fool me with your magic tricks, what's the birthmark on myhead? Bet it's the number 666!" 7/10
11.) ~~~My naked I~~~ Erneut gibt's hier wieder dezent metallischen Folkrock zu hören, Goergina Biddle darf diesmal aber statt der Fiedel die Keyboards dezent klimpernd im Hintergrund spielen. Nach dem ersten Chorus baut man einen geschickten kleinen Akustikpart ein, danach geht's wie gewohnt weiter. Nicht überragend, aber ganz gut. 6/10
12.) ~~~Catherine at the Wheel~~~ Nanu, Pianoklänge? Ist das noch die richtige CD? *nachkuck* Ja, ist sie. Ach ja, da kommen ja auch die Drums und ein warmer Basslauf dazu, schon setzt Martin zu seinem markanten Sprechgesang an. Ein wenig Fiedel hier, eine leise Frauenstimme da - darauf baut man bei diesem Song, der mir aber am wenigsten von allen bisher gefällt. Klingt irgendwie alles ein wenig seltsam, den Track hätte man sich sparen können... 5/10
13.) ~~~Dead Angels on Ice~~~ Flott und fiedelig geht man hier erneut zur Sache. Hier kommt nochmal so richtiges Folkrock-Feeling auf und der Song eignet sich bestens zum Mitwippen und Tanzen, dezent eingestreute Riffs von der E-Gitarre lockern den Song auf. Sicher nicht der ganz große Bringer, aber eine nette Nummer zum Schluß, die sogar ein wenig an amerikanischen Country erinnert. 8/10
~~~Coverartwork & Sound~~~ Auf einem blauen Hintergrund stellt sich auf dem Cover ein goldenes Symbol dar, wirre Farbspielereien in gelb und rosa sorgen für Farbe. Sicher ungewöhnlich, aber die Briten waren ja schon immer für ihre exzentrische Art bekannt. Außerdem sticht die Scheibe so wenigstens aus der Masse im CD-Regal heraus... *zwinker*
Der Sound ist ordentlich, wobei stets die akustischen Gitarren dominieren, was dem ganzen einen etwas sanfteren Touch verleiht. Wer also mit harten Metal nichts am Hut hat, darf hier trotzdem zugreifen! ~~~Fazit~~~
"The Answer Machine?" zählt sicher zu den besten Scheiben der Briten, wobei Skyclad ja niemals ein wirklich schwaches Album veröffentlicht haben. Freunde folkiger Rockklänge greifen bedenkenlos zu, wer auf härtere Sounds steht darf als Alternative das "Irrational Anthems"-Album nehmen, am besten holt Ihr Euch aber sowieso gleich beide - bei entsprechenden finanziellen Möglichkeiten - alle Silberlinge der Combo... In diesem Sinne...
Stay Dark! The-Folkmaster
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26.04.2003 00:33
go for gold
26.04.2003 00:15
WISH YOU GOLD! *grantl* ;-)
04.03.2002 23:51
so kanns gehen: für mich ists eine der schlechtestens cds der briten.