This is the time to remember
30.01.2009
Pro:
Billy Joel !
Kontra:
Da gibt es kein Kontra für mich !
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
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 Lilamond
Über sich:
"Der Schriftsteller ist jemand, dessen Intelligenz nicht groß genug ist, um mit dem Schreiben a...
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Über welchen Musiker würde ich lieber, könnte ich mehr und besser schreiben? Über keinen! BILLY JOEL ist seit nun fast 30 Jahren mein absoluter Liebling - und da das auch so bleiben wird, nehme ich mir heute mal wieder die Zeit und schreibe den zweiten Bericht über ein Stück seiner Musik. Schnell, schnell (wie so manch andere Berichte) geht das nämlich nicht. Je mehr mir was am Herzen liegt, umso mehr Zeit brauche ich, umso sorgfältiger möchte ich mich der Sache widmen. Wer mag, den nehm ich gerne mit auf die Reise...
Sie beginnt im Jahre 1986. Ich war niedlich, jung, und zu der Zeit recht zwiespältig bis unglücklich verliebt. Billy Joel-Fan war ich schon seit etlichen Jahren - und ich freute mich total, als sein neues Album "THE BRIGDE" herauskam. Billys Musik ist und war für mich seit jeher eine Quelle der Inspiration, der Hoffnung, des Trostes wie auch der Freude. Ich kannte, fühlte und dachte das, wovon er sang / erzählte und fühlte mich verstanden. Das, was man zuweilen auch durch Romane erfährt, dass da jemand plötzlich Teile der eigenen Geschichte, Lebens- und Gedankenwelt erzählt - das habe ich bei Billys Songtexten immer wieder und wieder erlebt. Nicht zuletzt dafür liebe ich ihn.
Aber zurück ins Jahr 1986. Ich war gerade 20, hatte nach meiner ersten Ausbildung meinen Job bei der Justiz geschmissen und gerade begonnen, am Frankfurter Flughafen für eine amerikanische Firma zu arbeiten. Es war eine wild-bewegte, aber auch recht orientierungslose Zeit, hektisch, stressig - ich lebte von Luft, Liebe, Kaffee und Zigaretten - und hatte eigentlich keinen konkreten Plan für mein Leben und irgendwie nie Zeit.... Dieses Lebensgefühl passt total zum ersten Song des Albums - bzw. anders herum - schon sind wir in Billys "The Bridge" gelandet: 1. Der erste Song "Running On Ice" ist eine glitschig-schnelle, fast hektische Nummer, deren musikalische Umsetzung (wie eigentlich immer bei Joel-Songs) perfekt mit den lyrics, dem Songtext und seiner "message" übereinstimmt. Billy lässt seine Hände so geschwind über das Klavier gleiten wie ein Eisschnellläufer seine Bahnen zieht, er singt hastig, abgehackt und klingt in diesem Song fast ein wenig wie Sting! Und was singt er da in Windeseile herunter?
"As fast as I can climb A new disaster every time I turn around As soon as I get one fire put out There's another building burning down They say this highway's going my way But I don't know where it's taking me It's a bad waste, a sad case, a rat race It's breaking me I get no traction cause I'm running on ice It's taking me twice as long I get a bad reaction cause I'm running on ice Where did my life go wrong You've got to run You've got to run...." Hetzen, laufen - nicht wirklich vom Fleck kommen. Und wo landen? Wer weiß das? Wer fragt danach?
2. Und dann der zweite Song: Welch ein Wechsel! Als werde man aus vollem Lauf in eine gänsehautige Zeitlupen-Melancholie versetzt. Das zurückgenommene Stück "This Is The Time" macht mich stets auf bittersüße Weise melancholisch und sentimental. Billy beschwört das Bild eines einsamen Strandspazierganges herauf. Ich stelle mir vor: kühler Wind und stürmische See - und viel Zeit zum Nachdenken über das, was man hat, was man verlor und womit man weitermachen will. Man kann diese Reflektionen auf ein ganzes Menschenleben beziehen oder auch auf eine Liebesbeziehung, die eine Zäsur und einen Richtungswechsel erfährt - nachdem man die ganz tollen Zeiten hinter sich hat, und die Vergangenheit nicht länger festhalten kann, gilt es nun dazu zu stehen, dass man nur mit einem entschiedenen "ganz oder gar nicht" weitermachen kann. Und Billy singt diese Verse direkt aus meinen Kopf in mein Herz: "This is the time to remember cause it will not last forever these are the days to hold on to cause we won't although we want to this is the time but time is gonna change you've given me the best of you and now I need the rest of you."
Wann immer ich diesen Song höre, bin ich in die Zeit von 1986 zurückversetzt - fühle wieder meine eigene Zerrissenheit angesichts dieser hoffnungslos-verrückten Liebesgeschichte, die ich nicht fassen und nicht lassen konnte. 3. Und es kam, wie es kommen musste - die Vertrauensfrage war schließlich entscheidend. Und ich fragte mich zusammen mit Billy, welcher Art diese Liebe wohl sei... Sehr rockig und kraftvoll legt Billy los mit "A Matter of Trust", nicht bevor er den Rhythmus vorgegeben hat: "one, two, one two three four." Er singt betont maskulin, getragen von einem pulsierenden Beat: "Some love is just a lie of the heart..." so beginnt er. "Some love is just a lie of the mind..." sagt er in einer anderen Strophe. "Some love is just a lie of the soul.." auch das bleibt nicht unerwähnt. Alles dies reflektierend, singt er voller Hoffnung, dass diese Liebe eine Sache des Vertrauen sei. Dazu braucht es Hingabe:
"You can't go the distance with too much resistance I know you have doubts but for god's sake don't shut me out...". Ein realisitsch-optimistisches Lied - oberflächlich gesehen. Denkt man weiter nach, fragt man sich, wie lange das wohl gutgeht.
4. "Modern Woman", eigentlich eine Hommage an "starke, unabhängige Frauen", ist für mich eine von Billys schwächeren Nummern überhaupt - vielleicht liegt es daran, dass er den Song über und für seine damalige Schnecke - sorry, Gattin Christie Brinkley geschrieben hat. Ich mochte sie nie. Irgendwas fehlt - der Frau wie dem Song. Die Seele? Die Ehe der beiden (Joel und Brinkley) wurde im übrigen 1993 geschieden... 5. "Baby Grand", die Liebeserklärung an das Klavier, ist hingegen pur und echt und einzigartig. Wer weiß, dass Billy schon immer in Ray Charles sein großes Vorbild gesehen hat, kann sich vorstellen, was ihm dieses Duett mit dem großen Blues- und Jazzsänger bedeutet haben muss. Dieser Song ist so moody, so cool und relaxed - schon bei den ersten Klavierklängen (sowohl Billy als auch Ray Charles spielen hier das piano) kann man nicht anders als sich zu entspannen, tiefer und freier zu atmen - ganz wunderbar, auf ganz einfache Art ein großartiger Song.
6. Ein Lied, das ich immer vergesse, ist der nächste Song "Big Man On Mulberry Street". Ich kann da irgendwie nicht mitswingen, finde auch nicht, dass Billys Falsettgesang besonders gelungen ist. Der Song hat Power, ein dynamisches Klavier und eine nette Idee als Grundlage, aber irgendwie verpufft hier alles.
7. "Temptation" hingegen kommt mit einfachsten Mitteln aus und ist sehr sexy. Es beginnt verschlafen-verträumt, mit einen weichen Saxophon und einem fast zurückhaltend singendem Billy, der seine Obsession offen eingesteht - welche Frau würde sich da nicht gerne angesprochen fühlen?
"I should be leaving But I can't cut loose I have my reasons for resistance But I have no excuse And I lose my composure I could use some restraint I never claimed to be a hero And I never said I was a saint She's such a temptation It's driving me crazy And it's my fascination That's making me act this way And I can just hear all my friends say "Better watch out, you're losing your touch" But she's such a temptation..."
Den süßen Wahnsinn, den Billy hier besingt, sollte eigentlich jeder mal kennengelernt haben. Trotz und inklusive aller Risiken und Gefahren, denn mit heiler Haut kommt man da oft nicht raus. 8. "Code of Silence", ein Duett mit Cyndi Lauper, ist wie schon das Duett mit Ray Charles einzigartig schön. Dank Billys genialem Songtext und mit Hilfe von Cyndis expressiver Stimme, die überraschend gut mit Billys harmoniert, kreieren die beiden ein Duett voller Tiefgang und von besonderer Traurigkeit. Das Problem von Sprachlosigkeit glaubwürdig zu besingen - es gelingt ihnen:
"But you can't talk about it Because you're following a code of silence You're never gonna to lose the anger You just deal with it a different way But you can't talk about it And isn't that a kind of madness To be living by a code of silence When you've really got a lot to say." Tja, wenn nur immer diejenigen sprächen, die wirklich was zu sagen hätten! Und nicht gerade die wichtigsten Dinge im Schweigen gefangen blieben... Aber wie oft bleibt am Ende so vieles ungesagt?
9. Den Abschluß des Albums gibt "Getting Closer" - ein recht entspannter, unangestrengter Song, eine Reflektion über die Lektionen, die Billy im Laufe seines Lebens lernen musste. Er beginnt wie so viele von uns das vielleicht auch kennen bzw. erfahren haben:
"I went searching for the truth but in my innocence I found all the con men and their acrobats who stomped me in the ground." Er erzählt von seinen Erfahrungen und am Ende, auch wenn er zugeben muss, dass er sich immer noch genügend Naivität bewahrt habe, glaubt er doch, immer näher an das Stadium der Abgeklärtheit und Weisheit heranzukommen. Natürlich mit Augenzwinkern.
Genau wie ich. ich werde auch immer älter und weiser und bin ganz unversehens auf meiner 1986 begonnenen Reise in der Gegenwart angekommen. Die kurze Reise eines Albums von 40:36 Minuten Laufzeit, die aber viel mehr umfasst als diesen kleinen Zeitraum. Das geht mir bei Billy Joel immer so. Es wäre noch viel mehr dazu zu sagen, aber an ein paar meiner Gedanken wollte ich euch teilhaben lassen. Und nun bin ich am Ende mit meinem Bericht über "The Bridge". Für mich ist die CD ein Stück Musik- und Lebensgeschichte. Es gibt noch so viele andere (noch bessere) Alben von Billy Joel, die ich vielleicht ein anderes Mal hier bereisen werde.
"And if I don't have this all worked out still I'm getting closer, getting closer"... :-)
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22.02.2009 20:42
Herrlich persönliche Homage. So liebe ich Berichte über Musik. mehr davon, bitte;)
15.02.2009 20:47
Perfekt. BeHi. >>Immer wenn ich etwas über Billy Joel lese, fällt mir Josef Neckermann ein. Warum? Bitte schau dir die Seite>http://www.piano-man.de/ < an. Dort bitte unter Roots weiterlesen. J. Neckermann war nie der Saubermann. Herzliche Grüße, jens
08.02.2009 12:50
Den hab ich schon ewig nicht mehr gehört...schade eigentlich...LG D.