Chemisch mutierter Bruce
28.10.2003
Pro:
ein paar ganz gute Songs, gute Gesamtstimmung
Kontra:
kaum etwas spektakuläres, nicht wirklich mitgrölkompatibel
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Cover-Design:
Klangqualität:
Langzeithörspaß:
Häufigkeit der Nutzung
Dieser Tonträger ist:
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 gnoi
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:172
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 72 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wie der eine oder andere von euch wohl mitbekommen haben dürfte, bin ich derzeit auf einem mächtig schweren Maiden Trip. Da kommt es ganz gelegen, dass nun auch bei Shake Heads wieder mal was Dickinson’sches auf dem Plan steht, nämlich dessen 1998 erschienenes Soloalbum „Chemical Wedding“. Da ich mich nie sonderlich weder mit dem Werdegang von Bruce noch von Maiden beschäftigt habe, kann ich den Unwissenden unter euch eigentlich nur grob umreißen, dass Bruce nach einigen scheinbar mehr oder weniger glücklichen Projekten vor einigen Jahren mit „Accident of Birth“ wieder von sich reden machte und anschließend eben jenes Album hier veröffentlicht wurde. Mit an Board sein ehem. Maiden Kollege Adrian Smith.
@@@ STIL @@@
Aber kommen wir mal zum Essentiellen, der Mucke. Und die ist, wie sollte es anders sein, wenn Dickinson am Werk ist, von hohem Niveau. Ich spreche absichtlich nicht von absoluter Begeisterung, die ich normalerweise mit jenem Kerl in Verbindung bringen würde, denn im Grunde halte ich „Chemical Wedding“ für ein zwar gutes, aber lange nicht geniales Album. Bei Maiden bin ich derzeit ein großer Fan der immerzu grandiosen Gitarrenarbeit, welche mit ihren zahlreichen, quietschigen Soli ein ums andere mal einfach unbeschreiblich genial klingt. Auf diesem Album hier herrschen allerdings ganz andere Töne. Es wird gerifft ohne Ende, aber das alles spielt sich auf einer viel „düsteren“ Ebene ab. Meist erklingen schwere, stampfende Riffs, die sich nicht schlecht anhören und die mit Sicherheit dem Album eine ganz besondere Atmosphäre zukommen lassen, richtig spektakulär finde ich aber eigentlich kaum mal eine Passage. Es wummert halt an allen Ecken und Enden, aber so wirklich zum Luftgitarrespielen fühle ich mich selten animiert. Dasselbe trifft sogar auf den Gesang Bruce’ zu. Selbst bei Maiden finde ich seine Leistung nur gut, aber niemals so toll, wie es ihm sonst von allen Seiten attestiert wird. Was ich auch schmerzlich vermisse auf „Chemical Wedding“ sind ausladende Refrains wie man sie sonst so oft Maiden z.B. erleben darf. Klar, ein wenig kann man schon mal mitgrölen, aber die Texte sind alles andere als eingängig, ich würde sogar stellenweise so weit gehen und sagen, dass sie langweilig sind, einige Passagen natürlich ausgenommen, vor allem in den weiter unten angeführten Songs.
Hört sich nun vielleicht alles etwas arg negativ sein, so soll’s aber gar nicht rüberkommen. Okay, einige der Songs finde ich eher Mittelmaß, aber was auf jeden Fall überzeugt ist der Gesamteindruck des Albums. Die Songs passen zueinander und stimmig wirkt das ganze Konzept „Chemical Weddings“ auch. Ganz nett die teilweise aufkommenden Sprechpassagen am Ende einiger Songs, wo eine dunkle Erzählerstimme etwas vor sich hinbraddelt (fragt mich bitte nicht was *g*). Dazwischen befinden sich einzelne Songs, die sich von den anderen abheben und die somit das Album interessant halten.
@@@ HIGHLIGHTS @@@ Als erstes möchte ich da den Titeltrack nennen, den ich als ersten Track dieses Albums angecheckt hatte und der für mich ausschlaggebend war, mir dieses Album zuzulegen. Endlich treffen wir hier mal auf richtig zackige, treibende Riffs, die wie immer brummen, nie quietschen, aber verdammt goil klingen. Und oh Wunder, hier besticht sogar der Refrain, zum einzigen mal auf dem gesamten Album bin ich von solch einem restlos begeistert.
Mein zweites persönliches Highlight ist „Gates of Urizon“. Dieser anfangs balladesk klingende Song steigert sich später in metallischer Gefilde, bleibt aber meist recht dezent in Geschwindigkeit und Intensität, hat dafür aber sogar einige feine Soli in hellerer Tonlage, die ich sonst so oft vermisse.
Nahezu durch dieselben Features zeichnet sich der nächste Song „Jerusalem“ aus, dessen Anfangspart in non-metallischer Manier richtig gut kommt und der in der Folge durch immer bessere Gitarrenarbeit besticht. Untypisch im vergleich zu den anderen Songs sind hier die am Ende eingebauten „Ohohoho’s“, die einen schon eher an Maiden stuff erinnern.
Auf die gleiche Niveaustufe möchte ich abschließend die letzten Minuten von „The Alchemist“ stellen, in denen das Thema des Titeltracks noch einmal in langsamere Variante gespielt wird. Bis dahin ist aber auch der Song „nur“ gut.
@@@ FAZIT @@@ Wenngleich dieses Album sicher nicht gerade ein schlechtes ist, so befürchte ich doch, dass es über kurz oder lang in meiner Sammlung untergehen wird. Einige der Highlights werde ich wohl immer wieder mal hören, aber gegen die Fülle, der grandiosen Alben, die in der Welt des Metals auf einen warten, hat es wohl bei mir keine große Überlebenschance. Fans von Dickinson und/oder Maiden können auf jeden Fall unbeschwert zugreifen, ich persönlich kenne weitaus bessere Alben mit tiefgestimmten Gitarren und noch besserer Atmosphäre.
Shake Heads Euer gnoi
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03.11.2003 22:08
Maiden finde ich recht gut, von den Dickinson Soli habe ich mir noch keins reingezogen.
31.10.2003 12:50
boah, du bist ja ganz ein krasser.
29.10.2003 12:04
Was brabbelt der Erzähler *ggg* Naja, ich glaube, meine Maidenzeiten sind vorbei - ich kann mich wohl nur noch für ein paar ältere Werke begeistert ;)